Ensemble, © Mark Senior
Ensemble, © Mark Senior

The Frogs (2025)
Southwark Playhouse Borough, London

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Kann ein großer Denker die sich in einem schlimmen Zustand befindliche Welt retten? Das zumindest glaubt der Halbgott Dionysos, Sohn des Zeus und einer Sterblichen und in der griechischen Mythologie u.a. für Wein, Ekstase und Theater zuständig. Doch dieser Denker muss erst aus der Unterwelt zurück nach oben geholt werden. Die Handlung von „The Frogs“ ist erstaunlich aktuell, voller zündender Gags und den üblichen geschliffenen Sondheim-Songtexten. Fans des Komponisten sollten die Chance nutzen und sich das selten gespielte Werk in dieser gelungenen Produktion ansehen, auch wenn das letzte Drittel vorlagenbedingt an Längen leidet.

Dionysos hat George Bernard Shaw zum (womöglichen) Retter der Welt auserkoren. Shaw war sozialistischer Aktivist, scharfzüngiger Theaterkritiker und wurde für sein dramatisches Werk mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Das Problem ist: Keiner kennt ihn mehr – oder nur noch als den Mann, der die Vorlage zu „My Fair Lady“ geschrieben hat, was von Sondheim augenzwinkernd zitiert wird. Diese Vorlage – Shaws Stück „Pygmalion“ – bezieht sich passenderweise auch auf die griechische Mythologie.

Dionysos bricht mit seinem Sklaven Xanthias zu einer Reise in den Hades auf. Unterwegs haben sie diverse Abenteuer zu bestehen. So müssen sie sich gegen die titelgebenden Frösche zur Wehr setzen – nicht etwa gewöhnliche Amphibien, sondern sture Wesen, die sich Veränderungen widersetzen und entschlossen sind, den Status quo beizubehalten. In Plutos Palast treffen sie nicht nur auf Shaw, sondern auch auf William Shakespeare. Die beiden liefern sich einen Wettstreit, wer geeigneter wäre, durch seine Reden die Weltbevölkerung zum Umdenken zu bewegen. Shaws Beiträge sind zwar intelligent, aber akademisch-trocken und hinterlassen nicht den Eindruck, den Shakespeare mit seiner emotionalen Poesie erreicht.

Burt Sheveloves erste Fassung seiner Aktualisierung der antiken Komödie von Aristophanes aus dem Jahr 405 v. Chr. wurde 1971 als reines Schauspiel aufgeführt. 1974 hatte dann die Musicalversion im Yales Swimming Pool Premiere – ein Teil des Stücks spielt während der Fahrt auf dem Fluss Styx, der Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten. Später initiierte der US-Schauspieler Nathan Lane eine Überarbeitung, für die Sondheim sieben neue Songs schrieb. Wie die Uraufführung stieß diese Version, die 2004 das Licht der Bühnenwelt erblickte, auf gemischte Resonanz.

Zwar werden im Dialog Hintergründe aus Literatur und griechischer Mythologie flüssig erklärt, aber ohne Vorwissen erschließen sich nicht alle Pointen. Deren Dichte ist sehr hoch; man kann auch ohne jeden Gag zu verstehen viel Spaß haben. Bedauerlicherweise bremst der wortgewaltige „Battle“ zwischen Shaw und Shakespeare den lebhaften, unterhaltsamen Abend aus. Selbst der ansonsten ideenreichen Regisseurin fällt nicht mehr ein, als redende Menschen auf die Bühne zu stellen.

Sondheims Musik entfernt sich nicht sonderlich von dem, was man von ihm gewohnt ist. In einigen Melodien wirft „Into the Woods“ seine Schatten voraus, in anderen klingt „A Funny Thing Happened on the Way to the Forum“ nach. Gerade einmal vier Musikerinnen und Musiker sorgen hier für die musikalische Untermalung. Die Partitur wurde für Keyboard, Cello, Trompete und Holzblasinstrumente bearbeitet. Das klingt mal fein und transparent und mal erstaunlich wuchtig – perfekt für das kleine, intime Southwark Playhouse.

Regisseurin Georgie Rankcom und Choreograf Matt Nicholson gehen kreativ mit dem wenigen ihnen zur Verfügung stehenden Raum um. „The Frogs“ ist als „Theater auf dem Theater“ angelegt. Im Eröffnungssong legen die Darsteller von Dionysos und Xanthias dem Publikum ans Herz, wie man sich im Theater zu benehmen hat. Der handgemachte Look von Libby Todds Bühnenbild (Fake-Marmorstufen und Fake-Säulen) und Kostümen (ein kunterbuntes Durcheinander aus mal mehr, mal weniger historischen Teilen) passt dazu sehr gut. Die mit Tüchern abgehängte Wand im Bühnenhintergrund lässt versteckte, überraschende Möglichkeiten für Auf- und Abgänge zu, außerdem kann sich niemand sicher sein, ob nicht plötzlich sein Teil der Zuschauertribüne oder ein freier Platz mitbespielt wird.

Das zehnköpfige Ensemble gefällt durch Spielfreude, gutes Timing und starken Gesang. Besonders die vertrackten Chorharmonien beim choreografisch mitreißenden Auftritt der Frösche beeindrucken.

Dan Buckley ist ein idealistischer Dionysos. Aus seiner komödiantischen Rolle kann er beim berührenden „Ariadne“ ausbrechen, einem Lied über seine verstorbene, rein menschliche Frau. Er und Kevin McHale als sein Sklave Xanthias bilden ein tolles Gespann. Als Dionysos Pluto eine Theaterfreikarte anbietet und dieser erst nachfragt, ob da auch ein Prominenter mitspielt, antwortet Dionysos: „Nur ein US-Schauspieler, der früher mal in einer Teenie-Serie war.“ – eine Anspielung auf McHales Vergangenheit als „Glee“-Cast-Mitglied. Joaquin Pedro Valdes spielt als Herakles mit Muskelmannklischees, Carl Patrick ist ein grummeliger, kiffender Charon, Martha Pothen ein sehr von sich selbst überzeugter Shaw, Bart Lambert ein ebensolcher Shakespeare und Alison Driver eine ergreifende Ariadne, denn natürlich ist auch Dionysos‘ verstorbene Frau im Hades. In der besuchten Vorstellung beherrscht die famose Drag Queen Victoria Scone als Pluto (die Besetzung wechselt mehrfach während der Aufführungsserie) durch ihre Präsenz die Szene.

„The Frogs“ zählt zu Sondheims schwächeren Musicals. Es ist sperrig und mit seinem intellektuellen Ansatz etwas verkopft. Das lässt diese Produktion großteils vergessen. Sie macht einfach sehr viel Spaß!

nach einer Komödie von Aristophanes
Adaption – Burt Shevelove
weitere Bearbeitung – Nathan Lane
Musik / Text – Stephen Sondheim

 
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KREATIVTEAM
InszenierungGeorgie Rankcom
Musical SupervisorBen McQuigg
Musikal. LeitungYshani Perinpanayagam
ChoreographieMatt Nicholson
Bühne / KostümeLibby Todd
Licht DesignSamuel Biondolillo
Sound DesignJoshua Robins
OrchestrierungTim Sutton
 
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CAST (AKTUELL)
XanthiasKevin McHale,
(Bart Lambert)
DionysosDan Buckley,
(Martha Pothen)
HeraklesJoaquin Pedro Vades,
(Milo McCarthy)
CharonCarl Patrick,
(Evonnee Bentley-Holder)
ShakespeareBart Lambert,
(Milo McCarthy)
ShawMartha Pothen,
(Evonnee Bentley-Holder)
Ariadne / SwingAlison Driver
PlutoVictoria Scone [23.-31.05]
Danielle Steers [2.-7.06.]
Sooz Kempner [9.-14.06.]
Jo Foster [16.-21.06.]
N.N. [23.-28 .06]
EnsembleEvonnee Beltley-Holder
Milo McCarthy
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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TERMINE (HISTORY)
Fr, 23.05.2025 19:00Southwark Playhouse Borough, LondonPreview
Sa, 24.05.2025 19:00Southwark Playhouse Borough, LondonPreview
Mo, 26.05.2025 19:00Southwark Playhouse Borough, LondonPreview
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