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Die royale Märchenwelt wird gehörig auf den Kopf gestellt. Das ist an sich schon eine lustige Angelegenheit, aber Christopher Tölle setzt in seiner Inszenierung noch einen drauf und macht daraus ein temporeiches Vergnügen mit perfektem Timing in Bewegung und Dialog. Eine rundum gelungene Musical-Komödie, die man auf keinen Fall verpassen sollte.
Die Geschichte von der Prinzessin auf der Erbse kennt wahrscheinlich jeder. Doch hier wird die wahre Geschichte erzählt – behauptet zumindest der Barde in der Eröffnungsnummer. Solange Prinz Arglos noch nicht verheiratet ist, darf sich auch niemand sonst im Königreich vermählen. Das setzt natürlich viele unter Druck, etwa Sir Harry und seine Geliebte Lady Lerche, die von ihm schwanger ist. Königin Migräne hat keinerlei Interesse, ihren verweichlichten Sohn einer anderen Frau zu überlassen. Die Interessentinnen müssen sich absurden Tests unterziehen, die die Königin mit ihrem Gehilfen, dem Magier, durchführt. König Sextimus kann wenig dagegen ausrichten. Zum einen gibt seine Frau hier die Befehle, zum anderen ist er nach einem Fluch verstummt. Mittlerweile hat man alle Prinzessinnen der Nachbarschaft durch. Deshalb reitet Sir Harry in die entlegeneren Sumpfgebiete und bringt Prinzessin Winnifred an den Hof. Doch die benimmt sich so gar nicht prinzessinnenhaft und Königin Migräne überlegt sich eine Prüfung, die sie nicht bestehen kann: das Bett-Tribunal.
Für Mary Rodgers, Tochter von Broadway-Legende Richard Rodgers und Mutter des ebenfalls renommierten Komponisten Adam Guettel, war „Once Upon a Mattress“ der einzige große Bühnenerfolg. Das Stück war 1960 sogar als bestes Musical für den Tony Award nominiert und stand damit in direkter Konkurrenz zu „The Sound of Music“ ihres Vaters, das sich dann gemeinsam mit dem heute in Vergessenheit geratenen „Fiorello“ von Jerry Bock den Sieg teilte. Spätere Projekte konnten an diesen Hit nicht heranreichen. Sehr bedauerlich, denn Rodgers‘ Songs sind abwechslungsreich und sehr eingängig. Beim Verlassen des Theaters summen und pfeifen diverse Zuschauer ihre Melodien vor sich hin – und das ist für ein Stück, das wahrscheinlich die wenigsten im Publikum vorher kannten, eine Leistung. Aber auch das Buch, die Songtexte und die deutsche Übersetzung machen Laune. Die Geschichte spielt mit Klischees und war in den konservativen 1950er Jahren – etwa wegen Lady Lerches ungewollter Schwangerschaft, des Aufbegehrens gegen Erwartungsdruck und durch das forsche Eintreten für Selbstbehauptung – mutig und fast revolutionär.
Das Frauenbild unterscheidet sich sehr von dem, was gewöhnlich in Märchen im Kino und auf der Bühne beschworen wird. Hier sind sie alle sehr selbstbewusst. Manche werden sagen, Königin Migräne vielleicht ein My zu viel. Lady Lerche will sich von dem schönen Sir Harry mit dem gepflegten Haar, der ihr die Schuld an der Schwangerschaft gibt, nicht unterbuttern lassen und Winnifred hadert sowieso mit dem klassischen Prinzessinnengetue.
Im deutschsprachigen Raum steht dieses Stück selten auf den Spielplänen. Das überrascht, weil es darin neben den Ohrwurm-Kompositionen und der gut gestrickten Handlung durch die Bank dankbare Rollen gibt, die in Baden-Baden nach Herzenslust ausgelebt werden. Die Charaktere werden von Mitgliedern des Schauspielensembles und Musical-Gästen verkörpert. Dabei wurden die Rollen sehr gut nach Anforderungen und sängerischem Können besetzt. Die Harmonie und der Spaß sind allen anzumerken.
Auch die Darstellerinnen und Darsteller kleinerer Rollen überzeugen durch Präsenz und komödiantisches Talent; wie etwa Tanja Schön als Lady Klamotte, Carl Herten u.a. als Magier mit der Gandalf-Pfeife, die auch mal als Mikrofon zweckentfremdet wird, oder Oliver Jacobs als Barde und die entzückende französische Lady Mabelle, die auf Englisch nur „Yes“ sagen kann.
Philipp Henry Brehl u.a. als Narr und Holger Stolz als der stumme König bestechen durch Mimik und körperliches Spiel. Die stimmlich anspruchsvollste Rolle hat Julia Steingaß als Lady Lerche. Ihr leichter Sopran erklimmt die Höhen ihrer Partie. Auch darstellerisch ist sie nicht nur komödiantisch gefordert. Die unverhofft schwangere Lady Lerche hat schließlich ein existenzielles Problem, was sich durch Steingaß‘ Darstellung auch transportiert. Der nicht sonderlich verlässliche Kindsvater Sir Harry entspricht dem Klischee des größten Herzensbrechers weit und breit, womit Lion-Russell Baumann genüsslich spielt. Kein Womanizer ist dagegen Prinz Arglos. Mit seinem verrutschten Topfschnitt und der Kleidung, aus der er schon lange herausgewachsen zu sein scheint, sieht er sogar wenig prinzenhaft strahlend, sondern dämlich aus. Generell ist er nicht die hellste Kerze am Leuchter. Trotzdem wird er in Robert Herrmanns‘ Darstellung absolut liebens- und sogar bedauernswert, weil er sich von seiner Mutter ohne Gegenwehr bevormunden lässt. Constanze Weinig ist eine bodenständige Prinzessin Winnifred, die in ihrem ersten Song allen Anwesenden entgegen schmettert, dass sie ja eigentlich so „scheu“ sei. Sie bringt frischen Wind auf die Burg, ermuntert zu Selbständigkeit und Widerstand. Michael Laricchia setzt dem Ensemble aber als Königin Migräne die Krone auf. Hier sitzt jeder Blick, jedes Muskelzucken im Gesicht, jedes herrische „Ruhe!“ und jede noch so kleine Pointe. Und auch wenn das natürlich eine aufmerksamkeitsheischende Figur ist, die die Mitspielenden an die Wand drücken könnte – das Ensemble ist in sich herrlich harmonisch und geschlossen.
Das liegt auch an Christopher Tölles Inszenierung. Tölle zieht quasi im Sekundentakt Gags aus dem Hut. Dabei scheut er auch nicht den beherzten Griff in die Kalauer-und-Klamauk-Kiste, aber das ist alles wunderbar rund. Auffällig ist der Rhythmus der Bewegungen, auf die er als Regisseur / Choreograf in Personalunion wohl großen Wert legt. Es wird punktgenau gesprungen, gefallen und auf-, bzw. abgetaucht. Niemand ist sich hier für eine Grimasse, einen Stolperer oder eine alberne Bewegung zu schade. Hauptsache: Lacher. Und die gibt es reichlich.
Das Bühnenbild von Heike Seidler wirkt wie für eine sehr traditionelle Weihnachtsmärchen-Inszenierung einer Laienspielgruppe gemacht. Eine naturalistische Burgmauer, darauf ein Wehrgang, dahinter ein bemaltes Prospekt mit Landschaft. Auch in den Kostümen setzt sich dieses ironische Augenzwinkern fort. Dafür hat Seidler sich quer durch den theatereigenen Fundus geräubert und alles an Land gezogen, was Burgfräulein-Prinzen-Königinnen-Klischees entspricht. Zusammen gibt das ein sehr buntes, lebendiges Bild.
Ebenso lebendig ist die musikalische Begleitung der neunköpfigen Band unter Leitung von Hans-Georg Wilhelm. Auch wenn die Violine etwas Mühe hat, sich bei der Ouvertüre gegen die Dominanz der Blechbläser durchzusetzen, kommt aus dem Orchestergraben die Energie, die das Spiel auf der Bühne mitbestimmt.
„Once Upon a Mattress“ ist hervorragend gespielt und kreativ inszeniert. Bei allem zwerchfellerschütternden Unsinn, der hier getrieben wird, bleibt doch noch Tiefgang erhalten. Rundum gelungen!
Musical von Mary Rodgers
Songs von Marshall Barer und Dean Fuller
Buch von Jay Thompson, Marshall Barer und Dean Fuller
Aus dem Englischen von Sonja Martin in Zusammenarbeit mit Frank Buecheler
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musikalische Leitung | Hans-Georg Wilhelm |
| Inszenierung, Choreografie | Christopher Tölle |
| Ausstattung | Heike Seidler |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Winnifred | Constanze Weinig |
| Lady Lerche | Julia Steingaß |
| Lady Klamotte u. a. | Tanja Schön |
| Prinz Arglos | Robert Herrmanns |
| Königin Migräne | Michael Laricchia |
| Sir Harry | Lion-Russell Baumann |
| König Sextimus | Holger Stolz |
| Der Barde u. a. | Oliver Jacobs |
| Der Magier u. a. | Carl Herten |
| Der Narr u. a. | Phillip Henry Brehl |
| Band | Friederike Faust Jean-Michel Heiby Frédéric Isenmann Heiko Gottberg Michael Konrad Alexander Kadin Bernhard Münchbach Joachim Kölmel Bernd Wiedamann Pirmin Ullrich Moritz Rummel Herbert Gans Wolfram Wagner Hans-Georg Wilhelm |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| So, 03.05.2026 19:00 | Theater, Baden-Baden | |
| Do, 28.05.2026 20:00 | Theater, Baden-Baden | |
| So, 14.06.2026 19:00 | Theater, Baden-Baden | Dernière |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sa, 12.04.2025 20:00 | Theater, Baden-Baden | Premiere | |||||||
| So, 13.04.2025 15:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| Mi, 16.04.2025 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Do, 17.04.2025 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| Sa, 19.04.2025 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| So, 20.04.2025 19:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| Fr, 25.04.2025 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| Sa, 26.04.2025 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| So, 27.04.2025 19:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| Sa, 03.05.2025 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| So, 04.05.2025 19:00 | Theater, Baden-Baden | zum letzten Mal 2024/25 | |||||||
| Sa, 10.01.2026 20:00 | Theater, Baden-Baden | Wiederaufnahme | |||||||
| Fr, 06.02.2026 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| Sa, 14.03.2026 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| Sa, 04.04.2026 20:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
| So, 05.04.2026 19:00 | Theater, Baden-Baden | ||||||||
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