Ensemble © David Baltzer | www.bildbuehne.de
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BÜLOWSTRASSE (seit 02/2025)
GRIPS Hansaplatz, Berlin

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Für eine seiner Kernzielgruppen, Jugendliche in der Pubertät, bringt das Berliner GRIPS Theater eine Theaterfassung des Albums „BÜLOWSTRASSE“ der deutschen Singer-Songwriterin LEA aus dem Blickwinkel einer suchenden Generation auf die Bühne. In Sigrun Fischers handwerklich soliden Inszenierung begleitet das Publikum die nach eigener Aussage „coolen Kids“ Mila, Yasmin und Timur 24 Stunden lang durch ihren tristen Alltag. Letztendlich scheitert dieser Trip ohne Aussage an seinem dramaturgisch oberflächlichen Buch (Juri Sternburg) und den schwermütigen Kompositionen und Liedtexten.

Das Lebensgefühl der an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehenden Großstadt-Kids im tristen Berliner Bülowstraßen-Kiez wird dominiert von der Suche nach einem sinnhaften Leben zwischen 24/7-Handy-Daddeln, Alkohol-Exzessen in Clubs und Kneipen sowie einem On-Off-Beziehungs-Debakel und einer zerrütteten Ehe der Eltern. Dieses Setting entwirft Autor Juri Sternburg für Mila, die 19-jährige Protagonistin des Stücks, das Sternburg als Handlungsgerüst um LEAs Konzept-Album „BÜLOWSTRASSE“ herumgebastelt hat.

Begleitet wird Mila hierbei von ihrem Kumpel Timur sowie Yasmin, einer Freundin aus Kindergartenzeiten. Beide Figuren scheinen sich mehr und mehr von ihrem Freundschafts-Fixstern zu entfremden, indem sie versuchen, aus dem Alltags-Einerlei auszubrechen und ihrem Leben neue Perspektiven zu geben: Timur lebt zaghaft seine bisher verheimlichten homosexuellen Neigungen aus, Yasmin paukt für die Aufnahme an einer Schauspielschule Klassiker-Passagen von Goethe und Schiller.

Allerdings müssen erst neun der insgesamt elf zu der Handlung verdichteten Album-Songs abgearbeitet werden, bis weit nach der Pause Sternburgs Buch zaghaft auf so etwas wie einen dramatischen Höhepunkt zusteuert: Milas Weltbild wird erschüttert, als sie in einem Club Timur heimlich beim Austausch von Zärtlichkeiten mit seinem Lover beobachtet und sie gleichzeitig die Nachricht erhält, dass Yasmin nach einem nicht näher konkretisierten Selbstmordversuch in einer Klinik liegt. Das Buch bleibt vage und oberflächlich und mündet in einem Hauruck-Happy-End, in dem die drei Freunde wieder zueinanderfinden.

Passend zum einleitenden Song, in dem Mila ihr Seelenleben offenlegend attestiert, dass sie sich wie ein Fuchs in der Großstadt fühle, werden die dort inzwischen heimisch gewordenen Tiere von den in entsprechenden Kostümen steckenden Musikern verkörpert. Immer wenn das Trio unter der Leitung von Caspar Hachfeld einen Song begleitet, wird es sichtbar, indem es die Wand am hinteren rechten Bühnenrand zum mit Plastikpflanzen dekorierten Band-Fuchsbau umklappt. In einer Szene erscheinen die Musiker-Füchse als Milas Tröster durch die im Bühnenboden eingelassenen Falltüren und lassen sich von ihr streicheln. Damit erschafft Regisseurin Sigrun Fritsch ein herzzerreißendes, an ein Musikvideo-Clip erinnendes Bild, das allerdings nur eine illustrierende Funktion hat. Ein Merkmal, das sich wie ein roter Faden durch Fritschs solide und recht werkgetreue Inszenierung zieht, in der auch die Figurenzeichnungen sehr oberflächlich geraten. Aus dem eher depressiv-düsteren Handlungsgerüst holt sie allerdings das Maximum heraus.

Fraglich ist, warum im Kreativ-Team Luka Marie Putnina als Choreografin benannt wird. Mit Ausnahme einer kurzen, recht unspektakulären Party-Szene zum Song „Aperol im Glas“ wird im gesamten Stück weder getanzt, noch gibt es irgendwelche besonderen Bewegungsabläufe zu bewundern. Auch Pierre-Yves Dalkas Alltags-Kostümbild ist außer bei den bereits erwähnten Fuchs-Kostümen für die Musiker heutig-funktional und eher unauffällig.

Richtig gut gelungen ist allerdings die restliche Optik der Aufführung: Für schnelle Szenenwechsel haben Sigrun Fritsch und Sönke Ober eine hellgraue Plattform mit zwei erhöhten Spielflächen und den bereits erwähnten Falltüren entworfen, durch die Requisiten bereitgestellt werden oder Figuren erscheinen. Drei helle, auf der Bühne platzierte Türen bieten ebenfalls Auftrittsmöglichkeiten, grenzen räumliche Situationen ab und erschaffen Flächen für Jānis Putniņš‘ Videos. Gemeinsam mit den Bildern auf einer über der Spielfläche hängenden Projektionsfläche entsteht eine atemberaubende Atmosphäre, die zu beobachten wirklich viel Spaß bereitet, insbesondere wenn die handelnden Personen dort vor ihrem Auftritt auf der Bühne erscheinen.

Wie seit vielen Jahren im GRIPS Theater üblich, seht ein jugendlich-frisches, sehr gutes Ensemble auf der Bühne, das sich wacker durch das Stück kämpft. Die Hauptlast trägt dabei Johanna Meinhard als Mila, die fast ohne Pause auf der Bühne präsent ist und sich mit schöner Pop-Stimme als Sängerin empfiehlt. In der besuchten Vorstellung steht ihr Berit Vander als selbstbewusste Yasmin (anstelle der erkrankten Lisa Klabunde) zur Seite, Daniel Pohlen ist ein recht introvertierter Timur. Ergänzt wird der Cast durch Marcel Hernsdorf, Jens Mondalski, Katja Hiller und René Schubert in mehreren Episodenrollen. Alle gemeinsam gefallen im Gesang im finalen, etwas rockigeren „Sommersprossen – Es ist Zeit, nach Hause zu kommen“.

Fast vierzig Jahre nach der immer noch auf dem GRIPS-Spielplan stehenden „Linie 1“ ist dort wieder einmal ein Berlin-Musical zu sehen, in dem die junge Generation im Mittelpunkt steht. Anders als beim Mega-Erfolg von 1986 hat „BÜLOWSTRASSE“ allerdings wenig Substanz. Das liegt sowohl am dürftigen Buch, aber auch an der bei den meisten Songs sehr melancholischen Musik von LEA. Sie ist nicht mehr als solide gemachter Gebrauchs-Pop, ist wenig eingängig und trägt allemal kein Bühnenstück.

Nach dem gleichnamigen Album von LEA
Text von Juri Sternburg
Nach einer Idee von Konstantin Scherer
Musik und Songtexte von Lea-Marie Becker, Konstantin Scherer, Robin Haefs, Wim Treuner u. a.

 
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KREATIVTEAM
Inszenierung, BühneSigrun Fritsch
BühneSönke Ober
Musikalische Leitung, ArrangementsCaspar Hachfeld
KostümePierre-Yves Dalka
ChoreografieLuka Marie Putnina
VideoJānis Putninš
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
MilaJohanna Meinhard
Yasmin, Kneipengast, Gleisgestalt, Partygast u.a.Berit Vander
Lisa Klabunde
TimurDaniel Pohlen
Jimmy, Dennis, GleisgestaltMarcel Herrnsdorf
Jerome, Gleisgestalt, Kneipengast, Tom u.a.Jens Mondalski
Katharina, Gleisgestalt, Dylan u.a.Katja Hiller
Thomas, Gleisgestalt, Partygast, Arzt u.a.René Schubert
MusikJulia Horváth
Caspar Hachfeld
Hui-Fang Lee-Kronenberger
  
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TERMINE
Sa, 20.12.2025 19:30GRIPS Hansaplatz, Berlin
So, 21.12.2025 18:00GRIPS Hansaplatz, Berlin
Di, 20.01.2026 18:00GRIPS Hansaplatz, Berlin
Mi, 21.01.2026 11:00GRIPS Hansaplatz, Berlin
Do, 22.01.2026 11:00GRIPS Hansaplatz, Berlin
 
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TERMINE (HISTORY)
Di, 18.02.2025 18:00GRIPS Hansaplatz, BerlinÖffentliche Probe
Do, 20.02.2025 19:30GRIPS Hansaplatz, BerlinPremiere
Sa, 22.02.2025 19:30GRIPS Hansaplatz, Berlin
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