Charlotte Katzer (Kathy Selden), Tobias Joch (Don Lockwood), Niklas Schurz (Cosmo Brown) und Ensemble © Susanne Reichardt
Charlotte Katzer (Kathy Selden), Tobias Joch (Don Lockwood), Niklas Schurz (Cosmo Brown) und Ensemble © Susanne Reichardt

Singin' in the Rain (2025 - 2026)
Theater und Orchester Heidelberg, Heidelberg

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„Singin‘ in the Rain“ ist auf den ersten Blick leichte Komödienunterhaltung um die Veränderungen und Herausforderungen, nachdem der Tonfilm die Filmbranche von jetzt auf gleich auf den Kopf stellte. Doch das Stück hat es in sich. Denn das Ensemble ist bei Schauspiel, Gesang und Tanz stark gefordert. Sind die Choreografien flau, sackt die Show ab, perlen die witzigen Dialoge nicht, dümpeln die langen Schauspielszenen vor sich hin. Die Choreografien sind nicht das Problem der Heidelberger Produktion …

Sie sind sogar ausgesprochen mitreißend. Andrea Danae Kingston setzt sie mit Anklängen an die Filmvorlage um. Wunderbar spielt sie bei der berühmtesten Szene damit, ob der Regen nur eine Projektion bleibt – und als er dann doch aus dem Schnürboden fällt, ob der agile Don-Lockwood-Darsteller Tobias Joch denn nun schirmlos nass wird oder sicher im Kunstregen einfach auf der trockenen Vorbühne tanzt. Und die finale Wiederholung von „Singin‘ in the Rain“ beim Schlussapplaus wird zum ausgeklügelten Spiel mit ziemlich vielen Regenschirmen. Die Choreografien sind eine perfekte Mischung aus Tempo, Akrobatik und Eleganz. Schon allein dafür lohnt sich der Kauf der in Heidelberg aktuell heißbegehrten Eintrittskarten.

Leider fehlt diese Eleganz den Schauspielszenen und auch die schwerfälligen Szenenübergänge stören den Fluss. Regisseurin Andrea Schwalbach erweitert die schon in der Vorlage üppigen, aber eigentlich sehr witzigen Dialoge um zusätzliche, nicht immer zündende Gags, etwa die drei Regieassistentinnen, die alle hintereinander das Gleiche sagen, oder der Darsteller im Frankensteins-Monster-Kostüm, vor dem sich immer wieder jemand erschreckt. Dem Ensemble fehlt dabei das Zusammenspiel, das seltsamerweise bei den Tänzen so gut funktioniert. Charlotte Katzer als unbekannte Schauspielerin Kathy Selden und Tobias Joch als Hollywoodstar Don Lockwood harmonieren tanzend als Liebespaar, schauspielerisch funkt es zwischen den beiden so gar nicht. Der komische Sidekick Cosmo Brown lebt schon im Original von Donald O’Connors Grimassen und körperbetonter Komik. Hier wird er von Niklas Schurz ausgesprochen sympathisch verkörpert, aber auch Schurz kann seinem Charakter keine Kontur verleihen. Gesungen wird durchgehend sehr gut. Katzers warme Stimme und Jochs leichter Tenor stechen da besonders positiv hervor. Besonders negativ sticht dagegen der Gesang von Johanna Spantzel als Film-Diva Lina Lamont hervor – aber das soll Gott sei Dank auch so sein. Die schrille Quengelstimme mit dem Charme eines Fingernagels auf einer Tafel bedroht Linas Karriere im Tonfilm, deswegen setzt sie alle Hebel in Bewegung, um ihren Star-Status zu retten. Sie ist die schillerndste der Figuren und dadurch die dankbarste Rolle. Bei Spantzel sitzt jede Pointe, hier stimmt das Timing und wenn Lina im letzten Drittel den Lauf der Handlung bestimmt, bekommen die Spielszenen den Schwung, den man vorher vermisste. Eine klasse Leistung!

Lukas Pirmin Wassermanns Kostüme fangen den Geist der späten 1920er Jahre zwischen Divenrobe und Alltagskleidung ein. In ihrem Bühnenbild hat sich Anne Neuser an Filmrollen orientiert. Sie erscheinen in großen, fahrbaren Aufbauten, die verschieden nutzbar sind. Der Hintergrund des Filmsets, in dem eine sentimentale Kostüm-Romanze entsteht, ist nicht in naturalistischem Rokokostil gehalten, sondern besteht aus einer überdimensionalen Gruppe aus einem Vogel, einer Pflanze und einem Leopard, die keinerlei historische Atmosphäre schafft.

Leider haben sich in das Setting auch grobe Fehler eingeschlichen. Von den Filmplakaten, die eine Rückwand schmücken, dürfte eigentlich nur „Tarzan of the Apes“ dort hängen, alle anderen Filme sind erst später entstanden – „Key Largo“ sogar erst 1948. Auch Frankensteins Monster lehrte – zumindest in dem Make-up, auf das man sich hier bezieht – das Kinopublikum erst ab 1931 das Fürchten, dem Jahr, in dem auch Donald Duck, der in einen Tanz eingebunden ist, zum ersten Mal in Erscheinung trat.

Gelungen sind dagegen die Video-Einspieler von Christian Weißenberger, die Ausschnitte aus den in der Handlung gedrehten Filmen zeigen, aber auch in einem Clip die Karriere von Don und Cosmo seit ihrer Kinderzeit Revue passieren lassen.

Das Philharmonische Orchester Heidelberg ringt in der besuchten Vorstellung trotz eines insgesamt frischen Tempos ein bisschen um einen runden Gesamtklang; einige Bläser klingen zu zurückhaltend, während eine Trompete zu präsent hervorsticht. Aber im Orchestergraben findet man unter der Leitung  von Dietger Holm zusammen und gerade der jazzige Tonfall im „Broadway Ballet“ ist hervorragend. Der Einsatz des Opernchors veredelt einige Song-Arrangements.

Alles in allem ist „Singin‘ in the Rain“ in Heidelberg eine zwar nicht rundum gelungene, aber durch Musik und Choreografie unterhaltsame Produktion. Mit knapp drei Stunden Aufführungsdauer ist sie zwar ein wenig zu lang geraten, einen schönen Abend hat man trotzdem.

Musical nach dem Drehbuch von Betty Comden und Adolph Green
Songs von Nacio Herb Brown und Arthur Freed
Deutsch von Roman Hinze

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungDietger Holm
Virginie Déjos
InszenierungAndrea Schwalbach
BühneAnne Neuser
KostümeLukas Pirmin Wassmann
ChoreografieAndrea Danae Kingston
VideoChristian Weißenberger
 
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CAST (AKTUELL)
Don LockwoodTobias Joch
Cosmo BrownNiklas Schurz
Kathy SeldenCharlotte Katzer
Lina LamontJohanna Spantzel
R. F. Simpson / SprechlehrerDietmar Nieder
In weiteren RollenMarlou Düster
Nicole Eckenigk
Sabrina Stein
Sarah Steinemer
Helena Sturm
Niklas Roling
Kevin Gordon Valentine
Johan Vandamme
ChorOpernchor des Theaters
Orchesters Heidelberg
MusikPhilharmonisches Orchester Heidelberg
  
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TERMINE
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TERMINE (HISTORY)
Fr, 28.03.2025 19:30Marguerre-Saal, HeidelbergPremiere
So, 30.03.2025 18:00Marguerre-Saal, Heidelberg
Sa, 05.04.2025 19:30Marguerre-Saal, Heidelberg
▼ 23 weitere Termine einblenden (bis 12.02.2026) ▼
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