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Was als TV-Film Kult erlangt hat, muss nicht zwangsweise auch auf der Bühne zünden. Ein gutes Beispiel dafür ist diese von William Danne adaptierte Fassung der 1995 mit Hape Kerkeling und Angelika Milster in den Hauptrollen verfilmten Satire auf den komplett durchorganisierten Pauschal-Cluburlaub. Wenn dann ein Regisseur wie Reinhard Simon die musikalische Komödie „Club Las Piranjas“ auch noch als zahnlos-albernen Schwank inszeniert und dadurch jeglichen Bezug zur Handlung verliert, dann verkommt das Stück zu einer belanglosen Schlager-Mitklatsch-Show auf Stammtisch-Niveau.
„Glaub’ste, mir macht das Spaß?“ fragt Animateur Edwin seine Kollegin Biggi, als diese ihn mit seinen Bettgeschichten mit der Club-Chefin konfrontiert. Ob die Mitglieder des Ensembles des Satirischen Theaters und Kabaretts „Die Oderhähne“ aus Frankfurt an der Oder, die in dieser Produktions-Kooperation mit den Uckermärkischen Bühnen Schwedt als „Club Las Piranjas“-Cast auf der Bühne stehen, ähnlich denken? Mit Daniel Heinz, Saskia Dreyer, Klara Gmiter, Madlen Wegner und Frank Brunet spielt zwar ein starkes, wandlungsfähiges und stimmlich gut aufgelegtes Quintett, doch letztendlich kann es aus der schwachen Vorlage, die Reinhard Simons Inszenierung auf Ballermann-Niveau nicht aufzuwerten vermag, nur als Knallchargen in einem Handlungs-Vakuum agieren.
Für seine Bühnenfassung hat William Danne die Handlung der Fernseh-Vorlage aus der Feder von Hape Kerkeling und Doris Heinze auf das Wesentliche verdichtet und um bekannte Schlager als musikalische Einlagen ergänzt: So landen fünf deutsche Pauschalurlauber als Gruppe der „blauen Piranjas“ in einem von der Werbung als „Oase des Glücks“ angepriesenen Club-Areal unter südlicher Sonne. Als „gelbe Piranjas“ ist dort das im Saal sitzende Publikum ebenfalls untergebracht und wird mit für diese Form des Urlaubs bekannten Aktionen in das Club-Leben integriert. Schon das funktioniert in der besuchten zweiten Vorstellung nur bedingt, denn die Beantwortung der aus dem TV-Film entlehnten musikalischen Vorstellung „Wer bist denn du-hu-hu-hu?“ kann wegen nicht eingestellter Handmikrofone nicht überall gehört werden. Auch sollten die Verantwortlichen überdenken, ob das Herumreichen eines Lippenstiftes durch die Zuschauerreihen zum Aufmalen eines „piranjamäßigen Näschens“ aus hygienischen Gründen wirklich glücklich ist.
Besonders für die „blauen Piranjas“ entpuppt sich der Urlaub als kasernierter Albtraum. Bargeld und Ausweispapiere werden von der Club-Leitung konfisziert, die maroden Zimmer sind doppelt belegt und im trockengelegten Swimmingpool kann nicht einmal geplanscht werden. Mit Argusaugen überwacht die dauerhaft alkoholisierte Clubchefin Dr. Wenger (Klara Gmiter), ob ihre beiden quietschfidel-überdrehten Animateure Biggi (Saskia Dreyer) und Edwin (Frank Brunet) die Gäste mit unter Zwang auferlegten Mitmach-Aktionen von diesen und weiteren zweifelhaften Umständen ablenken. So gibt es im „Club Las Piranjas“ ohne einen gesungenen Morgengruß keinen Frühstücksbeutel, sportliche Ertüchtigung ist bei der „Trockenwasser-Schwimmgymnastik“ Pflicht und beim griechischen Themenabend in Toga-Bettlaken-Kostümierung soll sie das Bespaßungs-Duo mit einer aus Klopapierrollen gebastelten Akropolis für das abhanden gekommene Spezialitäten-Büffet entschädigen.
Einzig der berlinernde Tankstellenwart Karl-Heinz (Daniel Heinz) durchschaut das perfide Spiel und wagt gemeinsam mit seiner Ehefrau Hildegard (Madlen Wegner) einen Fluchtversuch aus dem Club-Gefängnis, der allerdings an dem das Areal umgebenden Elektrozaun scheitert. Auch der Ausbruchversuch der ebenfalls von Heinz und Wegner gespielten Urlauber Kurt und Herta mit einem selbst gebastelten Seil aus Stringtangas und BHs misslingt. Unter dem von der Club-Chefin ausgegebenen Motto „Ich will den totalen Club“ wird dieses Paar im Rahmen eines Umerziehungs-Programms zu „Piranja-Rekruten“ geformt, für die ein Cluburlaub mit dem Schreiben von begeisternden Postkarten zu den schönsten Erlebnissen auf der Welt gehört. Aufgrund der Doppelbesetzungen der Club-Gäste – auch die die Club-Chefin verkörpernde Klara Gmiter steht in einzelnen Szenen als urlaubende Sexbombe Margot auf der Bühne – bleibt in dieser Inszenierung das Schicksal aller „blauen Piranjas“ im Dunkeln. Ein Umstand, der in einem Club, der wie ein Terror-Camp in einer Bananen-Republik geführt wird, fragwürdig ist. Etwas deplatziert wirkt auch der als Finale eingefügte Schlager „Hurra, wir leben noch“.
Reinhard Simon inszeniert Dannes eher satirisch-überspitze Handlungsvorlage als derb-deftigen Schwank mit lauten und klischeehaft agierenden Typen. Dabei unterschreitet er regelmäßig auch Niveau-Grenzen, wie zum Beispiel beim wiederholten Kotzen in eine Tüte mit Duty-Free-Einkäufen oder beim Herumlaufen einer Urlauberin mit Tampons in Nasenlöchern. Simons Regiearbeit schlingert unentschlossen irgendwo zwischen alberner Klamotte und unterirdischem Trash hin und her. Letztere Komponente wird eindeutig durch sehr billig wirkende, scheußliche Perücken und die von Frauke Bischinger entworfenen, albernen Kostüme betont. Oder ist es etwa kein Trash, wenn Urlauber Karl-Heinz mit an einem Band an den Armen baumelnden Strick-Handschuhen und Schal in den sonnigen Süden reist?
Frauke Bischinger ist auch für das eine gehörige Portion Tristesse ausstrahlende Einheits-Bühnenbild verantwortlich. Vor der Bühne ist der leere Pool angedeutet, von dem man über eine Schwimmbad-Treppe hinauf auf die eigentliche Spielfläche gelangt. Diese wird hinten von mit zerfledderten Palmenstrand-Motiven behängten Bauzäunen begrenzt. Auch der dort auf der linken Seite stehende, mit Bastmatten verkleidete Tresen weist auf einen gewissen Renovierungsbedarf hin. Einzig die vielen auf der Bühne stehenden Schwimmtiere sind Farbtupfer.
Die in die Show integrierten bekannten Schlager wie „Guten Morgen Sonnenschein“, „Akropolis adieu“ oder „Heißer Sand“ fügen sich irgendwie in die Handlung ein und verströmen in den die Texte aufgreifenden Choreografien von Patrick Stauf sogar ein gewisses Maß an Humor. Weniger lustig ist allerdings die aus Sparzwängen entstandene, musikalische Begleitung aus der Konserve.
Unter Marketing-Aspekten ist es nachvollziehbar, den „Club Las Piranjas“-Stoff im Zusammenhang mit dem Namen Hape Kerkeling für die Bühne zu adaptieren. Allerdings braucht es für eine überzeugende Aufführung des zu einer flachen Handlung zusammengeschrumpften Stücks eine stringentere, die Vorlage mehr als Satire wahrnehmende Inszenierung jenseits eines bloßen Mitklatsch-Erlebnisses.
Musikalische Komödie nach dem Film von Hape Kerkeling und Doris Heinze
Bearbeitung für die Bühne: William Danne
Kooperaton mit „Die Oderhähne“ Frankfurt (Oder)
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Inszenierung | Reinhard Simon |
| Musikalische Leitung | Tilman Hintze |
| Ausstattung | Frauke Bischinger |
| Choreografie | Patrick Stauf |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Edwin | Frank Brunet |
| Biggi | Saskia Dreyer |
| Frau Dr. Wenger / Margot | Klara Gmiter |
| Hildegard / Herta | Madlen Wegner |
| Karl-Heinz / Kurt | Daniel Heinz |
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| GALERIE | |||||||||
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