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Compilation

Café ohne Aussicht

Insolvenzbekämpfung mit Harmonie-Gesang


© Barbara Braun
© Barbara Braun
Die Comedian Harmonists sind Kassenknüller. Anders ist es nicht zu erklären, dass Franz Wittenbrink das berühmte Sextett erneut auf die Bühne bringt. Weniger ein Knüller ist das gemeinsam mit Anne X. Weber verfasste Buch, in dem sechs Männer mit ihrem Harmonie-Gesang ein von der Insolvenz bedrohtes Café retten. Zudem ist Wittenbrinks schwankhafte Umsetzung gewöhnungsbedürftig.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:02.03.2014
Rezensierte Vorstellung:02.03.2014
Letzte bekannte Aufführung:30.04.2016


© Barbara Braun
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Einige sind defekt. So leuchtet symbolträchtig "One Aussicht" von der Fassade. In der Tat scheint das von den drei Kasupke-Brüdern Felix (Holger Off), Frank (Olaf Drauschke) und Bang (Ralf Steinhagen) betriebene "Café Schöne Aussicht" keine Perspektive mehr zu haben. Dass Gäste ausbleiben, ist kein Wunder. Das piefige Lokal versprüht den Charme der 1960er (Bühnenbild: Miriam Busch) und scheint seitdem auch nicht mehr renoviert worden zu sein. Und wer geht heute außerhalb von Wien in ein Café, in dem wie zu Kaisers Zeiten noch ein befrackter Kellner serviert?

Im Privat-TV greifen in solch schwierigen Fällen gestandene Sterneköche den gescheiterten Gastronomen unter die Arme. Im Stück von Franz Wittenbring und Anne X. Weber ist es Penner Henrik (Horst Maria Merz), der das im Vordergrund links stehende Piano von seiner bestickten Tagesdecke befreit und munter losklimpert. Auch Handwerker Karl-Heinz Fricke (Wolfgang Höltzel), eigentlich mit der Reparatur der alten Musik-Box betraut, erkennt: Da die Kasupke-Brüder prima bei Stimme sind, könnten sie damit im Stile der Comedian Harmonists neue Besucher ins Café locken. Spontan heuert er als Bass an. Ergänzt wird das Gesangsquartett durch Hubert (Philipp Seibert), der wegen der Frauenquote im Job als Maklerin Hubertine Fink unterwegs ist.

In "Café ohne Aussicht" ist Unterhaltung Trumpf. Obwohl Wittenbrink und seine Co-Autorin viel Material für eine kluge, dramaturgisch spannende Handlung haben, werden Themen wie Insolvenz, Obdachlosigkeit, Homosexualität oder Alkoholismus angekratzt und schnell wieder ad acta gelegt: Penner Henrik lässt sich ohne jeglichen Widerstand umstylen und tauscht den Schmuddellook gegen einen schnieken Frack (Kostüme: Katrin Kersten). Bang und Hubert werden ein Paar, indem sie sich tief in die Augen schauen, kurz hinter der Bühne verschwinden und vereint zurückkehren.

© Barbara Braun
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Bereits vor der Pause ist die Handlung wenig überraschend und vorhersehbar, danach verkommt sie zu einer Aneinanderreihung von Konzertauftritten. Zudem inszeniert Wittenbrink streckenweise sehr klamottig und lässt die Darsteller mehr frontal ins Publikum spielen als miteinander agieren. So kommt mit der Dauer Langeweile auf, die glücklicherweise durch die Songs durchbrochen wird.

Damit im zigsten Aufguss eines Comedian Harmonist-Stücks nicht schon wieder "Mein kleiner grüner Kaktus" und Co. gesungen werden müssen, erweitert Franz Wittenbrink das Repertoire, indem er die unterschiedlichsten Titel von gestern und heute im Stile des berühtem Sextetts arrangiert. Das gelingt hervorragend beim Schlager "Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst", passt zum Sirtaki aus "Alexis Sorbas" oder zum Boogie "Buena sera,signorina". Etwas weit hergeholt wirkt der klavierbegleitete Harmonie-Gesang allerdings beim rappigen "Schwarz zu blau" von Peter Fox. Richtig witzig wird es, wenn Anne X. Weber zu bekannten Melodien neue deutsche Texte beisteuert: Aus Toto Cutugnos "Lasciate mi cantare" wird "Du hast so schöne Haare" und Gloria Gaynors "I will survive" erhält mit "Ich will ein Eis" einen komplett neuen Sinn. Viel zu lachen gibt es auch, wenn durch den dann doch auftauchenden, unvermeidlichen grünen Kaktus Nenas "99 Luftballons" auf 98 reduziert werden. Hier hat die Aufführung ihre wenigen, ganz große Momente.

Egal, ob mit Worten oder in der Imitation von Instrumenten: Auf der Bühne stehen fünf klassisch ausgebildete Meister ihres Faches, die mit ihren sicher geführten Stimmen perfekt harmonieren. Musikalisch ist Pianist Horst Maria Merz ein hervorragender Begleiter, der außerdem als hessisch bappelnder Redner im Schloss Bellevue einen komödiantischen Episodenauftritt hat.

© Barbara Braun
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Alle, die sich über ein wiederholt von der Wand fallendes Bild freuen, sich bei Gags vom Kaliber "Der Yogi-Tee hat 2,8 Kamille" begeistert auf die Schenkel klopfen und glücklich sind, wenn sie von der Bühne zum Mitsingen aufgefordert werden, sind hier gut aufgehoben. Alle anderen sind erleichtert, wenn die Gesangstruppe endlich die 8.437,36 Euro zusammen hat, um die Mietschulden für das "Café schöne Aussicht" begleichen zu können, und sie nach Hause gehen dürfen.

(Text: kw)






Kreativteam

Musikalische Komödie von Franz Wittenbrink und Anne X. Weber

Inszenierung und musikalische Arrangements Franz Wittenbrink
Regiehospitanz und Choreografie Nadja Jensen
Musikalische Leitung Horst Maria Merz
Bühne Miriam Busch
Kostüme Katrin Kersten


Besetzung

Felix Kasupke, der KellnerHolger Off
Frank Kasupke, der BarmannOlaf Drauschke
Bang Kasupke, der KochRalf Steinhagen
Hendrik, der Penner, Redner im Schloss BellevueHorst Maria Merz
Hubertine Fink, die Maklerin, Franzose, SchwäbinPhilipp Seibert
Karl-Heinz Fricke, der Handwerker, griechischer Investor, SchwabeWolfgang Höltzel




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Michael Petersohn (www.polarized.de)
© Michael Petersohn (www.polarized.de)
© Barbara Braun
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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Fünf tolle Sänger, ein super Pianist - perfekte Comedian Harmonists 2014. Aber: Franz Wittenbring (verantwortlich für das dürre Handlungsgerüst und die langweilige Inszenierung) fährt den Abend gehörig gegen die Wand.

02.03.2014

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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