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Komödie

Ein Käfig voller Narren

Meine Mama ist ein Mann!


© Adrienne Gerhäuser
© Adrienne Gerhäuser
Auf der Bühne steht ein korpulenter Mann, weit jenseits der Sechzig. Nachdenklich zieht er die Perücke vom Kopf, die ihn Abend für Abend zum Mittelpunkt des Show-Programms im Travestie-Etablissement "La Cage aux Folles" werden lässt. Zögernd und mit leicht brüchiger Stimme stimmt er „Ich bin, was ich bin“ an. Trotzig legt er seine ganze Verbitterung in den Song. Verständlich, denn soeben hat sein Lebensgefährte ihm eröffnet, dass er für eine Nacht aus der gemeinsamen Wohnung verbannt werden müsse. Eine Tunte passt nicht ins Weltbild, wenn ein erzkonservativer Sittlichkeitsverfechter anrückt, um die Eltern des Mannes kennenzulernen, der seine Tochter heiraten will.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:01.03.2014
Rezensierte Vorstellung:01.03.2014
Letzte bekannte Aufführung:10.01.2016


© Adrienne Gerhäuser
© Adrienne Gerhäuser


"Ich bin, was ich bin" - ist das nicht die Meldodie dieses Disco-Knallers, der immer noch zu später Stunde Stimmung auf jede Tanzfläche zaubert? Dies scheint die Motivation dafür zu sein, dass Teile des Premieren-Publikums beginnen, in dieser emotional bewegenden Szene rhythmisch mitzuklatschen. Es ist Hannes Fischers großartiger Bühnenpräsenz zu verdanken, dass dieser unpassende Spuk schnell wieder verfliegt. Zu gebrochen, zu verzweifelt, zu wütend ist er in dieser Szene, die damit endet, dass er voller Stolz und erhobenen Hauptes die Bühne verlässt.

Der neue Berliner Narrenkäfig setzt ganz bewusst bei den beiden Hauptpartien auf Darsteller im Rentenalter. Ein Glücksfall! Hannes Fischer brilliert in seiner Doppelrolle als Albin/Zaza: Auf der einen Seite ein verletzbarer, aber kämpferischer, zielstrebiger Mann; gleichzeitig verwandelt er sich ohne zu übertreiben in die Travestie-Diva, die auch nach vielen Jahren im Programm immer noch den strahlenden Mittelpunkt im Nachtclub bildet. Fischer spielt alle Facetten dieser Figur aus, wirkt glaubwürdig und avanciert bereits mit dem alterskaschierenden "Mascara"-Song zum absoluten Sympathieträger der Show. Mit markiger Bassstimme, die nur in den Höhen etwas schwach ist, singt sich der Darsteller durch seine Songs, wobei ihm in dieser Aufführung auch die Soli in "La Cage aux Folles" und "Die schönste Zeit" gehören.

© Adrienne Gerhäuser
© Adrienne Gerhäuser



Im direkten Vergleich hat es schon rein vorlagenbedingt jeder Darsteller in der zweiten Hauptrolle als Albins Lebensgefährte schwer. Nicht so in dieser Aufführung! Peter Rühring balanciert seine Darstellung des Georges gekonnt zwischen Ehepartner, Vater und Geschäftsmann aus. Dabei stellt er schnell fest, dass er nach über dreißig gemeinsamen Jahren Albin nicht die Türen weisen darf. Berührend Rührings Solo "Schau mal dorthin", urkomisch das Zusammenspiel mit Fischer in "Männliche Lektion", dessen Text mit Putin und Merkel zeitgemäß aufpoliert wird. Peter Rühring ist ein angenehmer Ruhepol auf der Bühne, der auch dem letzten im Saal klarwerden lässt: „La Cage aux Folles“ ist kein reines Spaß-Musical. Es hat auch eine Botschaft.

© XAMAX
© XAMAX



Diesem Aspekt trägt auch Bernd Mottls Inszenierung Rechnung. Da können die vier Cagelles (schrill, frech und obszön: Andreas Renee Swoboda, Christoph Jonas, Vanni Viscusi und Hakan T. Aslan) in den anspruchsvollen wie augenzwinkernden Revue-Choreografien (Otto Pichler) Puschel schwenkend die Stimmung aufheizen: Mottl schafft es spielend, im nächsten Moment das Tempo zu drosseln und die Verletzlichkeit der einzelnen Individuen sichtbar zu machen. So säuft sich Marie Dindon (Jacqueline Macaulay) für alle sichtbar das Leben an der Seite ihres herrschsüchtigen, homophoben Gatten (schmierig-fies: Romanus Fuhrmann) erträglich. Da giert Butler Jacob (Fausto Israel, eine Idealbesetzung) nach Anerkennung als Zofe Claudine mit Drang auf die Showbühne, während Georges Sohn Jean-Michel (Sebastian Stert), die in der Vergangenheit erduldeten Verletzungen Dritter über seine schwulen Zieheltern abschütteln will. Sie sind die Wurzel der vordergründigen Ablehnung Albins, durch den er sein persönliches Glück mit Anne (keck: Nell Pietrzyk) gefährdet sieht. Carry Sass’ Auftritte als geschäftstüchtig-geschwätzige Wirtin Jacqueline sind derart beschnitten, dass ihr nichts bleibt als eine Stichwortgeberin zu sein.

© Adrienne Gerhäuser
© Adrienne Gerhäuser



Das Sahnehäubchen auf Mottls Inszenierung setzen ihre beiden Ausstatter: Friedrich Eggert verwandelt das „Bar jeder Vernunft“-Spiegelzelt, in dem die Zuschauer in Logen und an Tischen sitzen, in einen schwülstigen Revue-Tempel. Hier wachsen goldene Palmen mit zweideutigen Kokosnusslampen nach oben, da umrahmen zwei Holzknaben mit hochklappbaren Geschlechtsteilen die Showbühne. Nach der Pause verdecken Lendenschurze ihre auffällige Scham, während Pfeile die Brustkörbe der muskulösen Jünglinge durchbohren – die Lustknaben sind zu Märtyrern geworden, Zucht und Moral bestimmen die Szenerie. Die Butler-Zofe erscheint im Barockpagen-Outfit, während Albin zum biederen Hausmütterchen mit Handtasche mutiert. Kostümbildner Falk Bauer setzt hier bewusst einen Kontrapunkt zu seinen knappen Glitter-Flitter-Feder-Outfits für Jacob und den Cagelles aus dem ersten Akt. Fürs Finale steigert er seine Entwürfe dann allerdings mit bizzaren Roben und blanken Gummibrüsten bis ins Skurrile hinein.

© XAMAX
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Danach gibt es für das Premierenpublikum kein Halten mehr. In den Jubel einbezogen wird auch die rechts vor die Bühne gequetschte Band unter der Leitung von Johannes Roloff. Die fünf Musiker interpretieren Jerry Herrmanns flotte Partitur im Keyboard-Sound und passen sie ungewohnt, aber angenehm der Clublocation an. Hier ist das Publikum dichter am Geschehen als in jedem Theater und verschmilzt quasi mit dem Bühnengeschehen. Neben den beiden Senior-Hauptdarstellern noch ein neues Detail, das "La Cage aux Folles" gut zu Gesicht steht.

(Text: kw)






Kreativteam

Musik und LiedtexteJerry Herman
BuchHarvey Fierstein
Inszenierung Bernd Mottl
Choreografie Otto Pichler
Musikalische Leitung Johannes Roloff
Bühnenbild Friedrich Eggert
Kostüme Falk Bauer


Besetzung

GeorgesPeter Rühring
Albin/ZazaHannes Fischer
JacobFausto Israel
Jean-MichelSebastian Stert
Anne DindonNell Pietrzyk
Edouard DindonRomanus Fuhrmann
Marie DindonJacqueline Macauley
Kerstin Schweers
JacquelineAnouschka Renzi
CagellesLaurent N'Diaye
Johannes Brüssau
Ben Cox
David Rodriguez-Yanez
Frank Wöhrmann
Die Musiker

Bass Jürgen Speedy Schäfer
H. D. Lorenz
Keyboard Christopher Noodt
Steffen Scholz
Drums Immo Hofmann
Rudi Neuwirth
Percussion Christoph Grahl
Brigitte Haas


Frühere Besetzungen? Hier klicken



Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Adrienne Gerhäuser
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


6 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30379
Schade um jeden Cent

11.05.2014 - Nehmt lieber das Geld und kauft euch was Schönes davon als es für diese "Show" auszugeben. Das hat Berlin nicht verdient!

MrsBanks (erste Bewertung)


30334
„Das müssen wir uns schon seit 2 Wochen anhören“

29.03.2014 - Wir saßen auf den „Golden Seats“ (für 74 EUR). Die Dame beim Kartenverkauf meinte, dass man von dort den Akteuren und dem Orchester am besten zusehen könne.
Es gibt gar kein Orchester! Da sitzt ne schlecht gelaunte 5 Mann-Kapelle, die so spielt wie sie aussieht. Langweilig. Der musikal. Leiter hat die Musik für ne Schweineorgel arrangiert. So klingt es dann halt auch. Das hat Jerry Herman´s Musik nicht verdient ! Warum der Verlag so etwas zulässt? Unverständlich.
Zu den Akteuren. Die 4 Solo-Cagelles (leider haben die Verantwortlichen das komplette Tanzensemble gestrichen, (hab ich´s schon erwähnt: die Eintrittskarte kostet 74 EUR) tanzen über den Abend verteilt wirklich hübsche Choreografien von Otto Pichler. Soweit so gut.
Das Problem ist, dass die Autoren dieses Musicals sich u.a. überlegt haben, dass „Chantal“ eine außergewöhnlich, dolle Sängerin sein soll. Aus diesem Grund haben sie ihr im Opening auch ne außergewöhnlich dolle Koloratur komponiert. Der junge Mann (ich glaube die Zweitbesetzung), der dafür in dieser Vorstellung bezahlt wurde, konnte das leider nicht. Dafür hat er ne schöne Perücke bekommen.

Die Idee, die beiden Protagonisten mit älteren Schauspielern zu besetzen mag dann interessant sein, wenn die Auserwählten das Genre Musiktheater auch bedienen könnten...und zwar mit Können und nicht mit Wollen.
Zunächst tritt Herr Rühring als „Georges“ auf und macht das ....irgendwie. Aber halt leider nur irgendwie. Wir machten uns Sorgen um die Gesundheit dieses Mannes. Singen kann er nicht, den Conferencier eines erfolgreichen Travestietheaters , den es darzustellen gilt, haben wir ihm nicht eine Sekunde abgenommen. Warum man diesen armen Mann damit besetzt, bleibt uns unverständlich. Der Mann wirkt überfordert und tat mir leid.

Auftritt Hannes Fischer als Albin/Zaza:
Der größte Travestie-Star der Riviera.

In der Bar jeder Vernunft sah es für uns aus als beträte ein pensionierter, übergewichtiger Metzger in Frauenkleidern die Bühne, der noch einen Kater vom Rosenmontagsumzug hat. Nein, es ist nicht übertrieben!

Das Problem ist halt, dass er DER größte Travestiestar der Riviera sein soll, der seit vielen Jahren in großer Liebe zu seinem Mann „Georges“ und seinem heterosexuellen Sohn lebt und einen unglaublichen Erfolg in seinem Travestie-Theater hat.
Weder glaubt man dem Darsteller, dass sein „Albin“ homosexuell ist, noch dass er jemals freiwillig in diesen Kostümen auf die Straße ginge, geschweige denn, dass er ein Star ist. Was aber noch viel dramatischer für den Abend ist, wir glauben ihm nicht eine Sekunde, dass er in „Georges“ verliebt ist/war. Beide Darsteller können uns diesen, für dieses Stück existenziell wichtigen Punkt leider nicht darstellen. Der Einzige, der aus dieser Familie schwul auf der Bühne wirkt (bevor er auch nur ein Wort gesprochen hat) ist der Darsteller des Sohnes „Jean-Michel“, der nun aber stückbedingt heterosexuell sein muss.... Herrlich!

Es wird leider noch schlimmer: Ein Musical hat ja auch immer mit Gesang zu tun.

Der Darsteller der Zaza kann nicht singen. Und zwar gar nicht! Hannes Fischer versucht sich irgendwie brummend durch die Shownummern zu mogeln und quält uns auf unseren „Golden Seats“ für 74 EUR (hab ich es schon mal erwähnt?) mit Unvermögen. Ich will doch Darstellern nicht dabei zuschauen wie sie üben! Ne künstlerische Frechheit!
In der Shownummer „Mascara“ schnappt er sich ebensolches und soll den Zuschauern zeigen, wir er sich damit die Wimpern tuscht. Wir hatten Sorge, dass er sich mit dem Ding verletzt. (das auszubauen, hätte Comedy-Potenial gehabt . So war es peinlich)

Ging den Verantwortlichen das Geld aus um Profis zu engagieren?
Es gibt das Stück „La Cage aux folles“ übrigens auch als Schauspiel ohne Musik!

Jetzt hieß es ja in den Vorberichten, dass Bernd Mottel, der Regisseur dieses Abends großen Wert auf schauspielerisches Können lege? Dieses Können haben Zaza und Georges an diesem Abend gut versteckt. Die Dialoge in diesem Stück sind gut geschrieben und bestenfalls nicht kaputt zu bekommen. Aber selbst das haben die beiden versemmelt. Liebe und ehrliche Gefühle: Fehlanzeige. Alles aufgesetzes Getöne, ohne jede Ehrlichkeit.
Die „Conférence“ von Zaza war ne Frechheit auf Kappensitzungsnivau. Nur ohne Tusch!

Zum zweiten Teil dieses Abends kann ich nichts sagen kann, weil wir unsere „Golden Seats“ in der Pause verlassen haben. Auf die Frage der Bedienung, ob sie uns denn noch was Gutes tun könne, haben wir die Rechnung bestellt. Sie fragte, was denn los sei. Wir erklärten uns kurz. Darauf hin sie: „Was glauben sie denn wie es uns hier geht? Wir müssen uns das schon seit 2 Wochen jeden Abend anhören.“
Wir haben Mitleid.

Na dann gute Nacht „Bar jeder Vernunft“ , ein Ort der Anfang der 1990 Jahre ein Zuhause für wunderbare Künstler war, ein Ort der Subkultur. Da wurde Kunst gemacht. Da war Kreativität und Können unter einem Dach.
Was wir auf unseren „Golden Seats“ (das sind übrigens unbequeme Bistrostühle) in dieser Inszenierung gesehen haben, war Dilettantismus.

Tante Wanja (2 Bewertungen, ∅ 1.5 Sterne)


30327
Nicht zuviel erwarten

25.03.2014 - Ich war sehr gespannt auf La Cage im in der Bar, da ich die Umsetzung von Cabaret genial fand. Deswegen waren meine Erwartungen sehr hoch.

Leider wurden sie sehr schnell enttäuscht.

Die Bar hat ein sehr schönes Set gezaubert in das kleine Spiegelzelt, und auch die Kostüme gefallen.

Dann hört es leider aber auch schon fast auf.

Musikalisch war ich sehr enttäuscht, denn wie schon in anderen Kritiken hier beschrieben, klingt die wundervolle Musik von Jerry Hermann hier mehr wie Fahrstuhlmusik und verliert fast jeden Zauber.
Da man auf jegliche Zauber der Travestie verzichtet hat, kommen viele Regie Einfälle platt, überzogen und nicht ehrlich rüber.
Die Cagelles tanzen toll und synchron, sind aber sonst nur schrill und hysterisch.

Die Dindons sind gut besetzt bleiben aber leider auch blass.

Die beiden Hauptprotagonisten Zaza & George sind für mich kein richtiges Paar, und verhalten sich klischeehaft schwul.
Auch das Alter ist etwas hinderlich.
Gesanglich kann hier keiner der beiden punkten oder berühren. Und einer der Highlights normal der Show " Am Strand" einmal unnötig mit Penis Schwan & das andere Mal bei der Hymne an John Wayne fehlt der Zaza jede Tuntigkeit, die ihm eigentlich aberzogen werden soll.

Einzig der Darsteller des jungen Jean-Michel, hier von Sebastian Stert gespielt kann gesanglich und schauspielerisch Eindruck machen, und ist mit Faust Israel, als Butler Jacob, zusammen die einzigen echten Figuren des Abends.
Bei Sterts " sieh mal dahin" bekommt man feuchte Augen.

Insgesamt ein netter Abend, von dem man nicht zuviel erwarten sollte.

KristinP (78 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


30322
Leider provinziell

22.03.2014 - Die Bar Jeder Vernunft hat die Riesenchance verspielt, ein echtes Highlight im übermäßigen Berliner Theaterangebot zu schaffen. In vielerlei Hinsicht hat die künstlerische Leitung falsche Personalentscheidungen getroffen.
Angefangen mit einem Regisseur, der dem Genre Musical offenbar misstraut und mit musikalischen Szenen überhaupt nichts anfangen kann. Sobald ein Lied beginnt eiern die Darsteller mehr oder minder ungeführt durch die Szene. Dafür lassen die Dialogszenen an der notwendigen Boulevard-Leichtigkeit mangeln. Da wird gerne mal bedeutungsschwanger vor sich hin deklamiert ohne Rücksicht auf Beziehungen oder Pointen.

Szenisches Highlight ist sicherlich Georges' "Song am Strand". Ein intimer Moment, in dem die beiden alten Protagonisten den Ursprung Ihrer Liebe zelebrieren. Bernd Mottl war das entweder unangenehm oder zu langweilig. Also lässt er die Cagelles mit großem Getöse und Getunte ein Tretboot in Form eines Schwans aufbauen, dessen Hals zu allem peinlichen Überfluß in einem Penis mündet. Das bierzelttaugliche Publikum johlt, da kann Georges noch so gefühlig singen. Überhaupt zeigt Mottl selten Vertrauen in Stück oder Darsteller.

Die Ausstattung ist kein Geniestreich, fügt sich aber ohne weiter negativ aufzufallen in den ohnehin stimmungsvollen und wunderschönen Raum ein. Man(n) hätte sich vielleicht etwas mehr Kreativität bei der Darstellung der einzelnen Räume wünschen können, besonders Zazas Garderobe hätte liebevoller beziehungsweise überhaupt gestaltet werden können.

Die Idee, das Protagonisten-Paar mit Darstellern jenseits der 60 zu besetzen, ist nicht neu und macht mehr als Sinn. Mit Peter Rühring und Hannes Fischer hat man zwei gestandene Schauspieler gefunden. Aber leider zwei Schauspieler, die sich mit sichtlich viel Mühe und wenig Erfolg dem Genre Musical nähern. Da könnte man noch sagen: "Die beiden singen zwar nicht so gut, aber das Schauspiel war uns wichtiger" Leider reißen auch die Spielszenen einen nicht vom Hocker. Unerträglich aber sind die Show-Szenen! Zaza bemüht sich redlich, als Travestie-Star(?) nicht negativ aufzufallen und in ihren Riesenroben niemanden niederzutrampeln. Diese Zaza ist kein altes Zirkuspferd, das stolz und unbeirrbar seinen Platz im Leben einfordert, sondern ein erschütternd unsouveränes Mauerblümchen. Über die großen Solonummern von Zaza legt man lieber das strassbestickte Deckmäntelchen des Schweigens.
Georges steht dem in Nichts nach und ist weniger der charismatische Conferencier als der ungelenke Hobby-Moderator einer Karaokoeshow im Vereinshaus eines Kleingartenvereins.
Beide Hauptdarsteller wirken in einer Tour überfordert. Man kann den Darstellern aber keinen Vorwurf machen. Abgesehen davon, dass sie so offensichtlich nicht im Genre Musical zu Hause sind, wurden sie unübersehbar von der Regie im Stich gelassen. Souveränere Darsteller hätten auch in dieser Situation sicherlich mehr rausgeholt.

Großes Plus der Vorstellung sind die Cagelles. Auch keine großen Sänger (leider nicht einmal Chantal) aber fantastische Tänzer, die unter dem Choreografen Otto Pichler einen Hauch von Lido in die Bar wehen. Die Einzelvorstellungen im Opening verkommen leider zu peinlichem Schultheater, auch die Dialogszenen der Tänzer sind nicht sehr stark. Noch mehr verschenktes Potenzial von Seiten der Regie.

Alle drei Dindons sind mit prachtvollen Darstellern besetzt. Sebastian Sterts Jean-Michel dagegen wirkt wie eine Bastian-Pastewka-Parodie auf Speed.

Der letzte Wermutstropfen bleibt der Musik vorbehalten. Es ist ohnehin schwer, diese für großes Orchester geschriebene Musik für eine kleine Band umzusetzen. Aber wer hatte die traurige Idee, ein Arrangement ganz ohne Streicher und Bläser, aber dafür mit Hammondorgel zu wählen? Man fühlt sich dadurch permanent der banalsten Fahrstuhlmusik ausgesetzt. So passt die Musik wenigstens perfekt zu der Inszenierung.

Diese Produktion beweist: "La Cage aux Folles" ist ein Musical mit fantastischer Musik und einem hervorragendem Buch. Unkaputtbar.

Besuchte Vorstellung: 05.03.2014

Steve (erste Bewertung)


30314
Au weia.......

09.03.2014 - Nun....Bunt ist es, Schrill ist es, ähhhh...das war es dann auch. Schade, dass schauspielerisch gespart wurde. Schrille Kostüme und eine extravagante Ausstattung machen noch keinen Hit. Auch gesanglich lässt diese Inszenierung zu wünschen übrig. Allein Mr. Dindon rettet wenigstens die letzten 20 Minuten. Hannes Fischer gibt sein bestes. Aber leider findet er nicht den Grat zwischen Verletzlichkeit und der Liebe für seinen Sohn. Dieser wiederum ist leider so blas wie in vielen anderen Inszenierungen. Jacob ist eine Zumutung für die Ohren und für die Nerven. Es gibt soviel gute schwarze gutsprechende Musicaldarsteller in Deutschland. Warum greift man da nicht zu? Man hat bei der ganzen Inszenierung das Gefühl man hat genommen was gerade am Markt war. Schade......Berlin hat besseres verdient. Man sehnt sich nach Helmut Baumann zurück.

phantomboy (4 Bewertungen, ∅ 2.8 Sterne)


30312
Ach,...

06.03.2014 - Ach, ich weiß nicht.Ja, es ist bunt, das Bühnenbild ist, für `Barverhältnisse` schön und deutlich, die Kostüme sind meist frivol und glitzerich... die Cagelles tanzen frech und sexy und Jakob ist top. Aber die Geschichte? Ich habe mir eine der Voraufführungen angeschaut, weiss also nichts über die Premiere, aber ich stand über weite Strecken der Regie und der Darstellung, speziell des Albin, großäugig und ungläubig gegenüber. Wo war der Charme und die Verletztheit, Verletzlichkeit des Hauptdarstellers? Wo die mütterliche Liebe für seinen Sohn - sehr wichtig für das gesamte Stück? Wo waren weiblicher Sexappeal und der Beweis für: Ich bin der Star des Clubs? Als `unwichtiges` Beispiel sei die berühmte, nicht vorhandene Conference erwähnt, schlimmer empfand ich den fast durchgehenden Verlust des Timings für Gags, aber auch von emotionalen Momenten, speziell von Albin.
Die örtliche Presse lobt das grandiose Schauspiel und verzichtet deshalb auch gerne auf gute Gesangsstimmen. Weshalb??? Selbst wenn der Abend schauspielerisch eine Offenbarung gewesen wäre, warum muss man auf gute Gesangsstimmen verzichten? Es handelt sich um ein Musical! Und wieder einmal ist diesem Genre ein Bärendienst erwiesen worden. Die Idee, die beiden Protagonisten besonders `alt` zu bestzen ist als Idee ja in Ordnung, aber dann muss ich auch wissen, was ich mit dieser Idee mache! Zum Schluss will ich noch sagen, dass mir Jacob, Geaorges und speziell Monsieur Dindon gut gefallen haben. Leider halte ich, abgesehen von den Choreographien, den Großteil des Abends für eine vertane Chance, ja, wenn ich ehrlich bin für eine recht ärgerliche, sehr mittelprächtige Inszenierung. La Cage, die Bar, Berlin - Man(n), das hätte was werden können.

Rosen (13 Bewertungen, ∅ 1.6 Sterne)


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Handlung
"La Cage Aux Folles" ist die Geschichte des homosexuellen Albin, der als Drag Queen Zasa im titelgebenden Nachtclub seines Lebensgefährten George auftritt. mehr

Weitere Infos
Deutschlandpremiere war am 1985 am Berliner Theater des Westens

 Kurzbewertung [ i ]
(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Runder Abend mit Tiefgang und Witz (Regie: Bernd Mottl). Nicht nur die vier Cagelles sind auf den Punkt besetzt. Vorallem Hannes Fischer und Peter Rühring als schwules Paar jenseits der 60 begeistern.

02.03.2014

 Leserbewertung
(6 Leser)


Ø 1.17 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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