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Das Theater Bremen bringt mit „Cabaret“ eine Inszenierung (Regie: Andreas Kriegenburg) auf die Bühne, die ebenso experimentierfreudig wie fordernd ist – für Darsteller:innen wie Publikum. Dabei gelingt vieles konzeptionell, scheitert aber an entscheidenden Stellen in der Umsetzung.
„Cabaret“ erzählt die Geschichte des amerikanischen Schriftstellers Clifford Bradshaw, der im Berlin der frühen 1930er-Jahre die exzentrische, in Bremen vielleicht sogar wahnhafte, Sängerin Sally Bowles im Kit-Kat-Club kennenlernt. Während ihre Beziehung zwischen Revue, Rausch und Realität schwankt, zieht im Hintergrund langsam der Faschismus auf. Die private Geschichte verwebt sich mit dem politischen Umbruch und endet in einem düsteren Erwachen.
Gesungen wird teils auf Englisch, teils auf Deutsch – mit Übertitelung auf Englisch. Die Band (Musikalische Supervision: Yoel Gamzou) spielt live auf einem Gerüst über der Bühne. Schon das Bühnenbild (Harald Thor) ist außergewöhnlich: Gespielt wird zwischen zwei Zuschauerblöcken. Das Theatersaalpublikum blickt auf eine Bühne, auf der sich ein weiterer Publikumsblock mit entgegengesetzter Blickrichtung befindet – als KitKat Club-Gäste sind sie Teil des Geschehens. Zwischen beiden Blöcken rotieren zwei Drehbühnen, auf denen sich das Spiel abwechselt. Die Darsteller:innen bewegen sich permanent zwischen beiden Seiten, sprechen mal in diese, mal in die andere Richtung. Ein spannender Ansatz, der das Cabaret-Gefühl in alle Seiten ausdehnen will. Erschwert wird dieser Effekt jedoch durch gravierende tontechnische Mängel: Im Parkett geht spätestens mit Einsatz der Live-Instrumente vieles unter, was auf der gegenüberliegenden Seite gesagt oder gesungen wird. Auch wenn sich in dieser Inszenierung gleich zwei Conferenciers abwechseln und ergänzen – akustisch kommt oft nur die Hälfte an.
Wenn Lieke Hoppe als Sally Bowles auftritt, gewinnt die Inszenierung an Glanz. Ihr Gesang ist eindrucksvoll. Ihre Darstellung trifft das Wahnhafte und Zerrissene der Figur punktgenau. Allerdings bleibt eine weichere, liebenswürdige Seite Sallys bei dieser Inszenierung auf der Strecke. Das weitere Ensemble agiert durchweg solide, aber ohne größere Höhepunkte – mit Ausnahme der authentischen Tänzerinnen und Tänzer, die Spaß machen und Akzente setzen. Die Choreografien (Tomas Bünger) bringen Dynamik und fügen sich gut in die Inszenierung ein. Die Kostüme (Andrea Schraad) orientieren sich am klassischen Cabaret-Look: Glitzer, Strapse, Hosenträger, nackte Haut und rote Lippen. Eine Mischung aus Ästhetik und dem Gegenteil dessen verstärkt das Gefühl der Zerrissenheit, das den Abend insgesamt prägt.
Thematisch nimmt die Inszenierung den aufkommenden Nationalsozialismus eindrücklich auf. Einzelne Bilder wirken nach – etwa die finale Szene mit einem großen Haufen Kleidungsstücke, die unweigerlich Assoziationen an KZ-Gedenkstätten weckt. Trotzdem bleiben beklemmende Impulse eher punktuell. Stattdessen setzt die Regie auf das Groteske: wahnhaftes Lachen, schrilles Weinen, unnötiges Schreien, abruptes Flüstern, Pausen und Standbilder mitten im Dialog. Stilmittel werden reichlich eingesetzt. Ohne Vorkenntnisse zum Stück oder dem Film droht man, den Faden zu verlieren. Letztendlich wirkt diese Theatralik wie eine Karikatur und ist eher ermüdend als erhellend. Am Ende bleibt das Gefühl eines wilden, lauten und auch wirklich langen Abends. Vielleicht ist der Theaterbesuch so, wie sich die Jahre vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten eben angefühlt haben: Beklemmend und grotesk. Dennoch bleibt man trotz dieses Unwohlseins pflichtbewusst in der Zuschauermasse sitzen und sieht einfach dabei zu, wie vor den eigenen Augen in fast quälender Langsamkeit alles aus den Fugen gerät.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Inszenierung | Andreas Kriegenburg |
| Musikalische Leitung | Yoel Gamzou |
| Bühne | Harald Thor |
| Kostüme | Andrea Schraad |
| Choreografie | Tomas Bünger |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Conférenciers | Martin Baum Mirjam Rast |
| Sally Bowles | Lieke Hoppe |
| Clifford Bradshaw | Levin Hofmann |
| Ernst Ludwig | Christian Freund |
| Frl. Schneider | Susanne Schrader |
| Hr. Schultz | Guido Gallmann |
| Frl. Kost | Nadine Geyersbach |
| KitKat Girls & Boys / Matrosen / Zollbeamte / SS-Schergen / Gorilla Mädchen | Aniel Agramonte Rivero Sofia Engel Vivienne Kaarow Selma Weinhold Mejias Karl Rummel Neus Ledesma Vidal |
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| GALERIE | |||||||||
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