Der Musicalsommer in Amstetten begeistert schon längst nicht mehr nur Musical-Fans, sondern erreicht ein Publikum über die Musicalszene hinaus. Konnte man im Vorjahr mit „Augustin“ eine Uraufführung erleben, bringt Intendant und Regisseur Alex Balga dieses Jahr die Neunziger auf die Bühne: Das Jukebox-Musical „The Band“ erzählt mit den Hits von Take That die Geschichte von fünf Freundinnen, die in ihrer Jugend durch ihre Liebe zu einer Boyband verbunden sind und sich 25 Jahre später wiederfinden. Dabei entdecken sie nicht nur ihre gemeinsame Leidenschaft neu, sondern setzen sich auch mit ihren eigenen Lebenswegen, Träumen und Enttäuschungen auseinander.
„The Band“ lebt von Nostalgie, Humor und Emotion – und vor allem von den Menschen, die diese Geschichte auf die Bühne bringen. Zwei von ihnen sind Jonathan Metu und Lilly Rottensteiner. Im Gespräch erzählen die beiden sympathischen Musicaldarsteller von ihren aktuellen Engagements, ihrem Weg auf die Bühne und ihrer Verbindung zum Musicalsommer in Amstetten…
Stellt euch bitte kurz vor!
Lilly Rottensteiner: Ich bin die Lilly Rottensteiner und bin 28 Jahre alt. Zurzeit spiele ich gerade im „Phantom der Oper“ im Raimund Theater und bin dort Swing und Cover Carlotta.
Jonathan Metu: Mein Name ist Jonathan Metu. Ich bin 25 Jahre alt und arbeite im Wiener Ronacher in „Maria Theresia“. Dort bin ich im Ensemble und Cover Joseph.
Wie seid ihr zum Musical gekommen?
Lilly: Ich hab mir als Kind immer die Putzsachen meiner Oma angezogen und den Eimer auf den Kopf gesetzt und dachte, ich wäre eine wunderschöne Prinzessin. So habe ich damals schon immer Lieder geträllert und getanzt. Vor allen Dingen mein Opa hat das geliebt und hatte viel Freude an meinem musikalischen Talent. Er hat auch immer viel mit mir gesungen, wobei meine ganze Familie grundsätzlich immer sehr offen für das Ganze war. Sie sind alle auch sehr musikalisch – bis auf meine Mama. [lacht] Spätestens, nachdem ich damals „Tanz der Vampire“ in Wien gesehen hatte, habe ich mir dann in den Kopf gesetzt, dass ich das auch beruflich machen will.
Jonathan: Ich bin da eigentlich reingerutscht. Ich war zwar immer in Schulen mit musikalischem Schwerpunkt, hatte aber erst gar nicht geplant, das mal zu meinem Beruf zu machen. In der Oberstufe haben wir alle zwei Jahre Musicals aufgeführt, was ich schon toll fand. In meinem Abschlussjahr haben sie für „Hairspray“ dunkelhäutige Leute gesucht, ich hab mich dann beworben und wurde auch genommen. Auch das hat mir viel Spaß gemacht, weshalb ich dann doch beschlossen habe, nach der Schule Musical zu studieren, und jetzt bin ich mit viel Freude dabei!
Was findet ihr am schönsten an eurem Beruf?
Jonathan: Dass man die Leute berühren kann. Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man auf der Bühne steht und merkt, dass das, was man gerade macht, den Menschen etwas bedeutet. Gerade, wenn man vielleicht selbst mal einen schlechten Tag hat, gibt einem das unglaublich viel.
Lilly: Ja, das kann ich nur so unterschreiben. Es ist so schön, ein Geschichtenerzähler zu sein und diese Energie auf der Bühne zu spüren. Es ist für mich auch sehr beeindruckend, zu wissen und zu sehen, wie viele Menschen hinter den Kulissen an jeder Show beteiligt sind und welcher unglaubliche Aufwand betrieben wird, damit wir vor Publikum performen können. Wenn man sich das vor Augen führt, gibt das einem echt viel!
Ihr seid ja beide zurzeit in Long Runs und verzichtet für den Musicalsommer in Amstetten quasi auf eure Sommerpause. Warum?
Lilly: Ganz einfach – weil wir unseren Job lieben! Ich war ja letztes Jahr schon dort und habe in „Augustin“ gespielt. Ich fand das so toll, dort zu arbeiten!
Jonathan: Ich muss auch sagen: Ich hatte die beste Zeit in Amstetten. Ich habe dort „On Your Feet“ und „Grease“ gespielt. „On Your Feet“ war überhaupt mein erster Job, und dementsprechend habe ich auch nur die allerbesten Erinnerungen an die Produktionen dort!
Was ist für euch dort so besonders?
Lilly: Dass es dort so familiär ist! Ich habe mich in Amstetten sofort sehr willkommen gefühlt, und man wächst sehr schnell als Team zusammen, da das Ensemble im Vergleich zu einem Long Run auch viel kleiner ist.
Jonathan: Es ist auch so unmittelbar für mich, wenn man in Amstetten spielt. Man ist einfach viel näher an den Leuten dran, und man hat einfach einen anderen Bezug zu ihnen. Auch wenn man zum Supermarkt gegenüber geht und einen dort die Mitarbeiter schon kennen… Das gehört dort einfach dazu… [lacht]
Lilly: Oh ja, oder auch ins Freibad… the same procedure as every day… [lacht]
Beschreibt mal eure Rollen, die ihr im Sommer spielen werdet…
Lilly: Ich spiele die Claire. Claire traut sich nach einem dramatischen Ereignis nicht mehr, sich verletzlich zu zeigen, und baut zur Außenwelt einen Panzer auf. Gleichzeitig entwickelt sie einen überspitzten Humor, um ihre echten Gefühle zu überspielen. Ich finde diese Rolle total spannend, weil sie so vielseitig ist und man dabei so viele verschiedene Facetten zeigen kann.
Jonathan: Soweit ich weiß, haben die Boys alle mehrere kleine Rollen. Wir sind halt die Musiker und Tänzer, die diese Geschichte tragen – aber hauptsächlich geht es in „The Band“ ja um die Frauen…
Du bist ja tituliert als Rebell der Band…
Jonathan: Es ist lustig, dass du das sagst! Erst heute hat mich meine Mama angerufen, die das auch gelesen hat, und hat mir gesagt, dass das eigentlich so gar nicht zu mir passt, weil ich das im normalen Leben so gar nicht bin. Da muss ich dann wohl diesen Sommer ziemlich viel schauspielern… [lacht]
Ab wann starten die Proben für die Show in Amstetten?
Jonathan: Wir proben ab Mitte Mai in Wien und dann später ab Ende Juni in Amstetten. Direkt nach unseren Dernieren geht es dann vor Ort los. Die Premiere findet dann am 15. Juli statt.
Seid ihr grundsätzlich nervös vor einer Premiere?
Lilly: Kommt immer auf die Premiere an…
Jonathan: Doch, ich schon! Gerade bei der Premiere will ich alles immer ganz genau machen. Später, wenn man eingegroovt ist, weiß man dann schon, wie man sich die Kräfte am besten einteilen kann.
Und wie geht es euch da bei euren Cover-Performances?
Jonathan: Der Joseph eröffnet bei „Maria Theresia“ die Show, und der erste Ton, bei dem ich wirklich ganz alleine bin, ist für mich die größte Herausforderung. Deshalb habe ich immer das Handy hinter der Bühne und höre ihn mir kurz vor meinem Auftritt nochmal an, damit ich ihn schon im Kopf habe, wenn es losgeht …
Lilly: Bei mir ist es ganz ähnlich: Auch meine Cover-Rolle steht am Anfang der Show allein auf der Bühne, ohne musikalische Begleitung. Da den richtigen Ton zu treffen, ist echt am schwierigsten. Deshalb mache ich es wie Joni – ich höre ihn mir vorher noch einmal an und summe ihn ganz leise vor mich hin, während ich auf die Bühne gehe.
Ist euch mal was Peinliches oder was Lustiges auf der Bühne passiert?
Lilly: Meine Rolle im „Phantom“, Carlotta, hat ja einen Perückenwechsel. Die Perücken sind eigentlich mit Magneten befestigt, aber diesmal waren sie offenbar nicht richtig angebracht. Jedenfalls hat das Teil überhaupt nicht gehalten und ist auf meinem Kopf rumgerutscht, während ich auf der Bühne gesungen habe. Und auf einmal machte es „Plump!“ und die komplette Perücke ist in meinem Schoß gelandet. Ich hab die Darstellerin der Christine angeschaut; sie hat mich angeschaut. Im Publikum ging ein Raunen durch die Menge. Ich war nur so: „Was soll ich machen?!“ und hab die Perücke so schnell es ging wieder aufgesetzt wie einen Helm und einfach weitergemacht. Meine Kollegin musste aber so sehr lachen, weil ich in dem Moment so nervös und schusselig war…
Jonathan: Bei „Rock Me Amadeus“ habe ich mich als Cover des Billy mal mit einer Version von „Leb deinen Traum“ eingesungen, den eigentlich die weibliche Hauptdarstellerin in dem Stück singt. An dem Tag hat der Clemens [Otto Bauer, Anm. d. Red.] den Falco gespielt. Als ich auf der Bühne angefangen habe zu singen, habe ich irgendwann gemerkt, wie seine Augen immer größer wurden und er nur mehr auf den Boden geschaut hat. Und ich dachte mir so: „Irgendwas ist heute anders…“, als ich plötzlich bemerkt habe, dass ich die Version vom Einsingen vorgetragen hatte. In meiner Rolle als Billy musste ich aber eigentlich eine ganz andere, kürzere Version des Liedes singen.
Das war eigentlich auch nicht so schlimm – zumindest nicht bis zu diesem Moment: Denn dann habe ich begonnen, Text-Tetris zu spielen. Ich hab irgendwas zusammengereimt und war im Panikmodus und hab bis auf den letzten Satz nur mehr irgendwas gesungen. Beim Abgang hab mich gleich bei unserem Abendspielleiter entschuldigt, und der meinte nur so: „Also, du hast zwar irgendwas gesungen, aber es hat alles irgendwie Sinn ergeben…“ [lacht] Ich fand das so peinlich!
Ich war hinterher sogar an der Stage Door, aber anscheinend hatte es fast keiner gemerkt – nur eine Person hat mich darauf angesprochen. Danach hatte ich aber ein richtiges Trauma und habe jedes Mal noch mal extra vor meiner Performance den Text geübt.
Ihr habt ja auch schon beide mit Alex Balga zusammengearbeitet – Joni zuletzt bei „Maria Theresia“ in Wien und Lilly bei „Augustin“ letztes Jahr in Amstetten. Was zeichnet Alex für euch aus?
Lilly: Oh, wir lieben ihn! Er ist irrsinnig schnell, hat immer 40 Gedanken auf einmal…
Jonathan: Man sieht ihm immer an, dass es die ganze Zeit in seinem Kopf rattert. Und dann baut er was auf, und am nächsten Tag ist immer alles anders, weil er ganz einfach immer tausend Ideen hat!
Lilly: Ja, dieser Denkprozess bei ihm ist einfach unglaublich.
Jonathan: Und was ihn auch auszeichnet: Er nimmt dich wortwörtlich an der Hand und führt dich auf der Bühne herum und zeigt alles vor…
Lilly: Ich finde auch, dass Alex sehr intuitiv ist: Er macht so viel einfach aus seinem Gefühl heraus und ist überhaupt nicht festgefahren.
Jonathan: Ja, das stimmt. Er sagt auch immer, dass wir es sagen sollen, wenn wir eine Idee oder einen Vorschlag haben. Und er geht immer darauf ein. Es ist wirklich toll, mit ihm zu arbeiten!
Was ist für euch das Spannendste an der neuen Produktion unter seiner Regie?
Lilly: Es wird ja quasi das komplette Leben der fünf Frauen dargestellt, die ihre Liebe zu dieser Boyband verbindet. Dadurch tragen sie, selbst als sie schon älter sind, immer noch diesen Spirit der 90er in sich. Gerade diese Verbindung aus jung und etwas erfahrener, mit dieser Konstante der Musik – das finde ich einfach toll.
Außerdem freue ich mich schon total auf die Boyband… und auf ihre Outfits! Beim Fotoshooting habe ich mich jedenfalls schon mal voll in meinem Element gefühlt! [lacht]
Jonathan: Oh ja, das Shooting war total cool! Und extrem lustig!
In „The Band“ geht es ja auch im Grunde um Fankult. Habt ihr selbst irgendwelche verrückten Erfahrungen an der Stage Door gemacht oder beobachten können?
Jonathan: Also mich überfordert es eigentlich immer total, wenn ich Geschenke bekomme…
Lilly: Es ist superschön, und es gehört einfach dazu, aber ich sag jetzt mal ganz vorsichtig: Es gibt Menschen, die Grenzen mehr wahren können als andere, und manchmal muss man wirklich auch eine klare Grenze ziehen. Ich glaube, manche Menschen haben das vielleicht ganz einfach nicht so gelernt, was okay ist und was nicht.
Jonathan: Ich glaube auch, manche verwechseln, dass man auf der Bühne nur eine Rolle spielt und dass man vielleicht nicht so ist wie die Person, die man dort darstellt. Aber grundsätzlich finde ich es überwältigend, dass es auch nicht aufhört und immer noch Leute beim Bühnenausgang warten.
Lilly: Ja, es ist immer wieder berührend! Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, erinnere ich mich selbst daran, dass da draußen Menschen sind, die die Show zum ersten oder zum letzten Mal gesehen haben und für die es etwas Besonderes ist, einmal Darsteller zu treffen. Dann ist man auch sofort wieder motiviert.
Waren Boybands für euch allgemein ein Thema?
Jonathan: Ich bin mit One Direction aufgewachsen – mein Bruder und ich haben die echt viel gehört.
Lilly: Ich war ein großer Fan von Tokio Hotel. Jetzt sind sie ja ganz anders, aber früher hätte ich die schon gerne geheiratet. Leider ist es ja nicht dazu gekommen… [lacht]
Stichwort Take That. Ihr seid ja eigentlich beide noch etwas zu jung für diese Band. Verbindet euch trotzdem etwas mit der Gruppe?
Lilly: Ich bin vor allen Dingen ein großer Robbie Williams-Fan. Sein Song „Angels“ begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich habe ihn auch live gesehen. Früher hat er immer noch jemanden zum Küssen auf die Bühne geholt, aber das macht er jetzt nicht mehr. Das ist wirklich traurig! Aber vielleicht liest er das Interview ja und erfährt, was er damals als ich dort war verpasst hat… [lacht] Mit der Band selber habe ich mich jetzt durch das Stück etwas näher beschäftigt und habe bemerkt, dass ich eigentlich irrsinnig viele Lieder von Take That kenne.
Jonathan: Also ich muss auch als erstes immer an Robbie Williams denken. Ich habe aber auch die Doku über Take That angeschaut. Diese Rivalität zwischen Gary Barlow und Robbie… da gibt es schon auch Ähnlichkeiten mit unserer eigenen Realität – aber Gott sei Dank nicht in meinem näheren Umfeld.
Habt ihr in der Vorbereitung schon euren persönlichen Lieblingssong von Take That gefunden?
Jonathan: Also ich finde „Pray“ echt toll.
Lilly: … und „Relight My Fire“! Oder auch „The Flood“. Das hat mein Papa immer auf der Stereoanlage gehört. Den Song finde ich auch super!
Wie würdet ihr bei euren Freunden für den Musicalsommer in Amstetten bzw. für „The Band“ werben?
Lilly: KOMMT!! [lacht]
Jonathan: Es hat alles: Herz, viel gute Musik auf die Ohren, Emotionen und eine coole Geschichte.
Lilly: … und selbst wenn man nur kommt, um die schönen Boys anzuschauen: Es ist wirklich für jeden etwas dabei!
Liebe Lilly, lieber Joni, es war schön mit euch in euren ‚Amstetten-Erinnerungen‘ zu schwelgen, mit euch über Pannen zu lachen, die 90er mit euch gemeinsam aufleben zu lassen und vieles über eure Karrieren zu erfahren. Danke für die spannenden Einblicke in euer Leben und eure Arbeit! Ich wünsche euch eine erfolgreiche restliche Spielzeit in „Maria Theresia“ und „Das Phantom der Oper“ und einen großartigen Sommer im Amstetten!
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