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In Düsseldorf fegt ein stacheliges Kindermädchen über die Bühne: „Mrs. Doubtfire“ ist ein Feuerwerk der Emotionen, gespickt mit übersprühenden Choreographien, einem hervorragenden Ensemble, makelloser Akustik und Visualität – und ganz viel Herz. Thomas Hohler in der ihm alles abverlangenden Hauptpartie hat hier wohl die Rolle seines Lebens gefunden.
Die Replika-Produktion vom Broadway und Londoner West End ist mittels kleiner Anpassungen makellos auf die Bretter des Düsseldorfer Capitol-Theaters übertragen worden. Brian Ronans aufwändiges Sounddesign hält viele Überraschungen bereit, inklusive eines live dargebotenen Songs mit einer Loop Station, der zu begeistern weiß. Auch Philip S. Rosenbergs fantastisches Lichtdesign sucht seinesgleichen: Selten wird ein Musical so filigran mit Lichtstimmungen in Szene gesetzt wie „Mrs. Doubtfire“. Sein Lichtkonzept ist maßgeblich an der Emotionserzeugung vieler Schlüsselszenen beteiligt, was immer wieder erstaunt und verblüfft.
Das filmische, liebevoll gestaltete Bühnenbild von David Korins kombiniert aus dem Kultfilm entlehnte Wohnungskulissen und verschiedene von der Bühnendecke herunter fahrende Hintergrundscreens. Auch Catherine Zubers Kostümdesign lässt den Film wieder aufleben und reproduziert den ikonischen Look von Mrs. Doubtfire in Perfektion, kleidet aber auch alle anderen Figuren mit Auge zum Detail ein. Nicht nur die rauchende, bei Daniels fehlgeschlagenen Kochversuchen angekokelte Bluse, ist ein toller Effekt, der aus dem Film entlehnt scheint. Es ist eine wahre Meisterleistung, ein Kostümdesign zu entwerfen, das dem Hauptdarsteller zahllose blitzschnelle Verwandlungen vom Mann zur schottischen Haushälterin und wieder zurück zu vollziehen ermöglicht. Nicht selten finden diese haarsträubend flotten Quick-Changes von Daniel Hillard zu Euphegenia „Effie“ Doubtfire sogar live auf der Bühne statt, inklusive Gesichtsmaske, Provisorium, angedeutetem Fatsuit und mehrlagigen, ländlich anmutenden Omi-Trachten!
Die Gewandung muss dem Protagonisten trotzdem Bewegungsfreiheit gewähren, denn nicht selten tanzt Doubtfire die turbulenten Choreographien von Lorin Latarro mit, inklusive Breakdance! Selten wird in modernen Musicals noch mit so differenzierten und virtuos konzipierten, gekonnt verschiedenste Stile verbindenden Choreographien gearbeitet wie bei „Mrs. Doubtfire“. Stepptanz, Vogueing, Hip-Hop, Flamenco, Contemporary, klassischer Showtanz im großen Broadway-Stil mit Anleihen von Buzz Berkeley über Gillian Lynne bis Bob Fosse – die Tänze lassen keine Wünsche offen.
Der Regieansatz von Jerry Zaks zeigt auch in Düsseldorf volle Wirkung: Die Geschichte wird flott, nahtlos, entlang der bekannten Filmhandlung, kurzweilig erzählt. Der Spannungsbogen wird durchgehend aufrecht gehalten und das Publikum genießt es, Daniel a.k.a. Mrs. Doubtfire durch seine haarsträubend mitreißende Odyssee zu begleiten. Trotz des straffen Tempos gelingt es Zaks meisterhaft, in den richtigen Momenten durch Entschleunigung gebührenden Raum für große Emotionen zu schaffen, die immer wieder zu Tränen rühren. Das Buch von John O’Farrell und Karey Kirkpatrick entfaltet in dieser Inszenierung durch die fantastische Besetzung sogar größere Wirkung als am West End. Durch die personenfokussierte Regie wird das mit Lachfeuerwerken gefüllte Buch zu einem Plädoyer für familiären Zusammenhalt, Menschlichkeit und Liebe – und das geht ans Herz.
Johannes Deny, Ruth Deny und Kevin Schroeder gelingt es, das Buch und auch die Songtexte von Wayne und Karey Kirkpatrick mit einem profunden Gespür für den richtigen Erzählton und großem emotionalen Geschick in die deutsche Sprache zu übertragen. Mit Sinn für das hiesige Publikum haben sie vor allem die Witze und Daniels vom Publikum frenetisch gefeierte Imitationen kulturell angepasst – wie im Original geben sich Kermit und Miss Piggy ein Stelldichein, doch mischen sich auch Otto Waalkes, Marcel Reich-Ranicki und Heidi Klum mit in die Parodie-Salve hinein.
Die achtköpfige Band unter Joe Schmitzs Dirigat spielt die Songs mit Präzision und Wucht, aber auch dem nötigen Feingefühl. Das zwölfköpfige Ensemble singt, spielt und tanzt mit Virtuosität und symbiotischer Energie, die sich ohne weiteres mit Broadway und West End messen können. Vom YouTube-Kochvideo-Star Amy (Tiziana Turano) und dem energetischen Chef Louis (Julian Schier) über den bei der Jugend angesagten Loopy Lenny (Daniel Delyon) bis zur ikonischen Donna Summer (Anna Tarcy) und einem Abbild des Oscar Wilde (Giovanni Corrado) ist jedes Ensemblemitglied auf den Punkt besetzt und verdient eine eigene Ovation für die Leistung in diesem anspruchsvollen Musical.
Mark van Beelen gibt mit Mr. Jolly einen herrlich schrulligen, liebenswerten Fernseh-Opi, dessen beste Tage im TV bereits längst überschritten sind. Wenig zu lachen hat Anneka Dacres als Medienmogulin Janet Lundy. Betont trocken und abgebrüht verzieht sie keine Miene, egal was vor ihr auf der Bühne passiert – dieser meisterhaft gespielte Kontrast ist gerade das Witzige an ihrer Rolle. Den Vogel schießt im besten Sinne Lilian Nikolic als Flamenco-Sängerin ab: In der finalen Eskalation zu „Er log mich an“, in der Daniel blitzschnell im Restaurant „La Rosa“ zwischen seinen Rollen hin und her wechseln muss, damit sein doppeltes Spiel nicht auffliegt, singt und tanzt sich Nikolic, flankiert von Jack Walker und Francesco Alimonti, die Seele auf dem Leib. Sie klagt in Flamenco-Manier von einer verflossenen Liebe, während die Hauptfigur Daniel alles versucht, um das zu retten, was er sich während der Handlung aufgebaut hat. Diese Vermischung von komplett übertriebenem Telenovela-Drama mit handfestem Konflikt ist wohl die stärkste Comedy-Szene des Stücks.
Tamara Wörner gibt die harte und unnachgiebige Dame vom Jugendamt, Wanda Sellner, die zu einer Art Nemesis für Daniel wird und diese Rolle auch mit Genuss und Intensität ausfüllt. Wenn zu „Du spielst mit dem Feuer“ in einer Art Albtraumsequenz Sellner und eine Handvoll Doubtfire-Klone bedrohlich um Daniel herumtänzeln, den seine Maskerade zusehends in die Bredouille bringt, kann Wörner auch ihre gesanglichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Stuart Dunmire, die muskulöse, neue Flamme von Daniels Ex-Frau, wird von Christian Funk nahbar und sympathisch verkörpert. Zu „Keine Chance, nein!“ gibt er sich mit Mrs. Doubtfire einen herrlichen Schlagabtausch, der in einer ulkigen Selbstbeweihräucherung durch seine Gym-Bros kulminiert.
Frank Hillard und sein Lebenspartner Andre Mayem werden von Nicolas Tenerani und Malick Afocozi in perfekter Symbiose gespielt. Schnell avancieren beide mit ihren expressiven Marotten und sympathischen Vernunftstimmen als mehrfache Retter in der Not zu Publikumslieblingen. Sie bestimmen die Bühne mit Flamboyance und ihr Song „Ich muss ‘ne Frau sein“ begeistert: Während des Lieds wird Daniel in Mrs. Doubtfire verwandelt und sämtliche Inspirationen für dieses Drag-Outfit, von Grace Kelley (Marlen Praxmarer) über Cher (Daisy Quainton) bis hin zu Eleanor Roosevelt, Maggy Thatcher und Angela Merkel erscheinen in fleischlicher Gestalt – großes Kino!
Die Kinderdarsteller des Abends sind eine Offenbarung: Der taffe Christopher Hillard wird energetisch und authentisch von Mika gespielt, und die kleine, unter der Trennung der Eltern leidende Natalie, wird anrührend von Greta verkörpert. Zusammen mit ihrer großen Schwester Lydia, herausragend von Alina Simon portraitiert und mit großer Stimme gesungen, führen sie die Familienstory an; sie singen und tanzen sich mit „Was für’n Scheiß“ sofort am Anfang der Geschichte in die Herzen. Simon rührt mit „Einfach so tun“ am Ende der Handlung zu Tränen, als auch bei der erwachsen scheinenden Großen der Familie die kindlichen Trennungsängste durchbrechen. Jessica Kessler portraitiert Mutter Miranda mit Herzenswärme und Temperament. Während ihr Film-Gegenpart und die Hauptbesetzung am West End es nicht geschafft haben, ihrer die Trennung initiierenden Miranda das gewisse Antagonistische zu nehmen, gelingt dies Kessler durch authentisches, nuanciertes Schauspiel scheinbar mühelos. Obwohl das Publikum die dramatische Familiensituation vor allem durch Daniels ruhelose Bestrebungen, bei seinen Kindern zu sein, wahrnimmt, kann Kessler die Seite ihrer Figur, auch gesanglich zu „Frei in deiner Haut“ und „Lass los“, anrührend und nachvollziehbar zeichnen.
Thomas Hohler schließlich ist der große Star des Abends. Wie er es schafft, diese körperlich und schauspielerisch alles abverlangende Rolle so überwältigend mitreißend zu füllen, ist schier unglaublich. Die Doppelrolle des Daniel und der Mrs. Doubtfire ist wohl die auf allen Ebenen anspruchsvollste Figur, die ein Mann im Musicaltheater spielen kann: Hohler singt nicht nur fantastisch (beispielsweise zu „Ich wäre gern da“ und „Sie ist glücklich“) und tanzt – inklusive Breakdance – die elaboriertesten und schnellsten Choreographien des Stücks, sondern ist nahezu permanent unter Strom bei seinen zahllosen Quick Changes zwischen den Rollen und den nicht endenden Kostümwechseln als Mrs. Doubtfire. Hohler brilliert in der komödiantisch auf Perfektion abzielenden Robin-Williams-Rolle und schafft es ebenso, die Dramatik und Tragik seiner Figur zu Tränen rührend darzustellen, sodass es angebracht scheint zu sagen: Hier ist Thomas Hohler in der Rolle seines Lebens zu sehen.
Dass „Mrs. Doubtfire“ mehr als eine Filmadaption ist und über die fantastische Comedy hinaus noch viel Gehaltvolles und eine große Menge Herz in diesem Bühnenwerk steckt, wird abschließend zu „Weil nichts als Liebe bleibt“ allen deutlich. Beflügelt, beseelt und berührt verlassen die Zuschauer das Theater – dieses Musical ist mitunter das Beste, was gerade auf in deutschen Theatern gespielt wird! Unbedingte Empfehlung!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik, Gesangstexte | Wayne Kirkpatrick |
| Musik, Gesangstexte, Buch | Karey Kirkpatrick |
| Buch | John O'Farrell |
| Inszenierung | Jerry Zaks |
| Choreografie | Lorin Latarro |
| Musikalischer Supervisor, Arrangements, Orchestrierung | Ethan Popp |
| Bühnenbild | David Korins |
| Kostüme | Catherine Zuber |
| Haardesign | David Brian Brown |
| Lichtdesign | Philip S. Rosenberg |
| Sounddesign | Brian Ronan |
| Künstlerische Leitung | Michelle Escaño |
| Musikalische Leitung | Heribert Feckler |
| Übersetzung | Johannes Deny Ruth Deny Kevin Schroeder |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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