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Die Bayerische Theaterakademie August Everding bringt im Herbst traditionell eine große studentische Produktion auf die Bühne – getragen von den Bereichen Dramaturgie, Maskenbild sowie den Musical-Bachelor- und Masterprogrammen. Nach „Mozart!“ im vergangenen Jahr wirkt die Wahl von „The Addams Family“ zunächst überraschend konventionell, zumal das Stück seit der Netflix-Serie „Wednesday“ landauf, landab auf den Spielplänen steht. Umso bemerkenswerter ist, wie stark sich die Münchner Fassung behauptet: Inszenierung und Ensemble finden genug Eigenes, um der allgegenwärtigen Addams Family einen unverkennbaren Ton zu geben.
Die Inszenierung von Malte C. Lachmann öffnet den Theaterraum radikal und verzichtet vollständig auf Illusion. Der Abend beginnt auf einer fast leeren Bühne; Seiten- und Hinterbühne bleiben die ganze Zeit sichtbar. Nur eine große Kiste steht im Raum. Aus ihr winkt zunächst das berühmte eiskalte Händchen, bevor nach und nach die Darsteller der Addams‘ aus der Kiste steigen, ihre Kostüme anlegen und sich erst vor den Augen des Publikums in ihre Rollen verwandeln. Genau dieses ‚Sichtbar-Machen‘ des Theatermachens entspricht Lachmanns Ansatz, den er auch im Interview im Programmheft beschreibt: Die Studierenden erfinden ihre Version dieser Familie gemeinsam – sie spielen sie nicht nur, sie bauen sie. Aus der Kiste wird anschließend ein riesiges weißes Tuch gezogen, das sich wie eine Leinwand über die Bühne spannt und zum zentralen Element wird. Die offene Raumführung stammt aus der Zusammenarbeit mit Bühnenbildner Stephan Prattes, der diese Klarheit des Raums als Grundlage für das Konzept bereitstellt. Das Tuch wird immer wieder gelüftet, verschoben und sogar komplett abgesenkt: Dann verwandelt es sich beispielsweise in das überdimensionale Tischtuch der ikonischen Addams-Tafel. Sobald es unten ist, sieht man im Bühnenhintergrund die Requisiten, mit denen das Händchen das Bühnenbild erschafft – winzige Gegenstände von nur wenigen Zentimetern Größe, die erst durch den Lichtkegel zu übergroßen Schatten anwachsen.
Besonders charmant zeigt sich dieser spielerische Umgang mit den Theatermitteln in einem Solo von Gomez. Er wandert etwas verloren über die Bühne, bevor er sich schließlich auf einem Sofa niederlassen will. Das Händchen scheint jedoch nicht recht zu wissen, wo Gomez landen wird, und jagt ihm fast komisch hinterher, bis es exakt den passenden Teil des Tuchs erwischt, um das Schatten-Sofa im richtigen Moment zu platzieren. Die Skurrilität der Geschichte trifft hier auf eine sichtbar gebaute Theaterwelt – und genau daraus zieht die Inszenierung ihren Reiz.
Für die Kostüme entwickelt Jakob Knapp gemeinsam mit den Studierenden des Bachelorstudiengangs Maskenbild – Theater und Film eine konsequent eigenständige Ästhetik. Statt die bekannten Film- und Musicalbilder eins zu eins zu übernehmen, bauen sie auf vertrauten Merkmalen der Addams auf und verwandeln sie in eine verspieltere, charakterstarke Bühnensprache. Besonders sichtbar wird das an Morticia: Sie trägt ein kürzeres, detailreiches Kleid aus Tüll und Spitze sowie eine voluminöse, dunkle Lockenfrisur mit heller Strähne – ein Bild, das nicht auf Schlichtheit setzt, sondern auf Präsenz und Bewegung. Wednesday wiederum erscheint mit einer fransigen, comicartig wirkenden Lockenmähne, die ihre Figur optisch jugendlicher und zugleich eigensinniger macht.
Diese beiden Beispiele stehen stellvertretend für die gesamte Gestaltung: Die Addams und ihre Ahnen bewegen sich in einem Spektrum aus Schwarz-, Weiß- und Grautönen, während die Beineckes in knalligen Farben auftreten. Besonders sticht Alice mit ihrer überdimensionierten, toupierten Föhnfrisur heraus, die sie deutlich als Fremdkörper in dieser düsteren Familienwelt markiert. Der Kontrast wirkt klar, aber nicht plump – Knapp und das Maskenteam schärfen mit diesen Setzungen die Figuren und unterstützen die humorvolle Schrägheit der Inszenierung wirkungsvoll.
Das Ensemble setzt sich – wie bei den Herbstproduktionen der Akademie üblich – aus Studierenden des Bachelorstudiengangs Musical (als Ahnen und Ensemblespielende) sowie des Masterstudiengangs (in den Hauptrollen) zusammen. Auffällig ist vor allem die ungebremste Spielfreude, die alle Beteiligten auf die Bühne bringen. Man spürt ein starkes Miteinander, das der Inszenierung von Anfang an eine große Dynamik verleiht.
Brandon Miller und Amy Sellung geben ein sehr stimmiges Gomez/Morticia-Duo ab. Miller verzichtet auf den sonst oft obligatorischen spanischen Akzent und findet damit eine angenehm natürliche Tonalität, die sowohl die komischen als auch die ruhigeren Momente trägt. Sellung glänzt gesanglich und zeigt zugleich ein feines komisches Gespür – besonders in den gemeinsamen Szenen mit Alice, in denen Svea Harder schon durch kleinste mimische Reaktionen für Lacher sorgt.
Melanie Maderegger wirbelt als Wednesday mit viel Energie über die Bühne und verbindet ihre starke Stimme mit einer klaren Präsenz, die gut zu Lachmanns Interpretation passt. Christian Sattler bringt als Lucas ein auffälliges Bewegungstalent ein, das seine Szenen angenehm leicht macht. Tillmann Schmuhl legt als Fester eine herrlich irre, dabei aber warmherzige Interpretation hin.
In der Rolle des Lurch ist Bjarne Rentz durch Maske und Kostüm zwar stark eingeschränkt, schafft es aber dennoch, den unbeholfenen Charme der Figur überraschend pointiert auszuspielen. Auch Julia Bergen (Pugsley), Valeria Chiara Purzer (Grandma) und Nico Burbes (Mal) überzeugen in ihren kleineren Rollen mit klaren Konturen und passgenauen spielerischen Akzenten. Besonders gut trägt das Ensemble auch die Choreografien von Gaines Hall, die die Skurrilität der Addams-Welt punktgenau einfangen. Die Bewegungsbilder erzählen Szenen weiter, greifen Emotionen auf und spielen immer wieder mit dem offenen Theaterraum der Inszenierung – gelegentlich sogar als Schattenspiel hinter dem weißen Tuch. Das Ensemble setzt diese Ideen mit Präzision und sichtbarer Freude um.
Musikalisch steht die Produktion unter der Leitung von Andreas Kowalewitz, der die zwölfköpfige Band klar und präzise führt. Die Musiker spielen mit gutem Gespür für Tempo und Akzente und geben den Szenen genau den Rahmen, den sie brauchen. Für den Ton sorgt Georgios Maragkoudakis, der eine ausgewogene Abmischung schafft und dafür sorgt, dass auch in den großen Ensemblemomenten die Texte gut verständlich bleiben.

Am Ende lässt dieser Abend vor allem eines zurück: einen sehr unmittelbaren Eindruck davon, wie viel Talent, Neugier und Kreativität in den Studiengängen der Bayerischen Theaterakademie steckt. „The Addams Family“ ist hier nicht nur ein weiterer Titel im Spielplan, sondern ein gemeinsames Projekt, das sich aus vielen Gewerken und Jahrgängen speist und gerade deshalb so lebendig wirkt. Wenn man sieht, mit welcher Konsequenz und welchem Einfallsreichtum sie diese Produktion stemmen, muss man sich um die Zukunft des deutschsprachigen Musicals ganz sicher keine Sorgen machen.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musikalische Leitung | Andreas Kowalewitz |
| Inszenierung | Malte C. Lachmann |
| Dramaturgie | Fanny Karos Celina Larab |
| Choreografie | Gaines Hall |
| Bühne | Stephan Prattes |
| Kostüm | Jakob Knapp |
| Video | Meike Ebert Raphael Kurig |
| Licht | Raphael-Aron Moss |
| Ton | Georgios Maragkoudakis |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gomez Addams | Brandon Miller |
| Morticia Addams | Amy Sellung |
| Wednesday Addams | Melanie Maderegger |
| Pugsley Addams | Julia Bergen |
| Onkel Fester | Tillmann Schmuhl |
| Lucas Beineke | Christian Sattler |
| Alice Beineke | Svea Harder |
| Mal Beineke | Nico Burbes |
| Lurch | Bjarne Rentz |
| Grandma | Valeria Chiara Purzer |
| Die Ahnen | Esra Bücker Floyd Clemens Vera Herberich Valerian Lehner Lukas Lommer Valentina Pohl Sophie Rosenitsch Amelie Spielmann Benjamin Storm David Weinert Marco Wende |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Fr, 14.11.2025 19:30 | Prinzregententheater, München | Premiere | |||||||
| Sa, 15.11.2025 19:30 | Prinzregententheater, München | ||||||||
| So, 16.11.2025 18:00 | Prinzregententheater, München | ||||||||
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| Di, 18.11.2025 19:30 | Prinzregententheater, München | ||||||||
| Mi, 19.11.2025 19:30 | Prinzregententheater, München | ||||||||
| Fr, 21.11.2025 19:30 | Prinzregententheater, München | ||||||||
| Sa, 22.11.2025 19:30 | Prinzregententheater, München | ||||||||
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