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Die Inszenierung von „West Side Story“ am Theater Hagen überzeugt mit optischer Ästhetik, starker musikalischer Umsetzung und beeindruckenden Choreographien. Fast 70 Jahre nach der Uraufführung wirkt das Stück trotz klassischer Inszenierung weiterhin aktuell.
Dem unromantischen Bandenmilieu im New York der 1950er Jahre entspringt eine leidenschaftliche Liebe: Bernsteins „West Side Story“ ist wohl eine der bekanntesten Adaptionen Shakespeares „Romeo und Julia“ und zählt zu den meistgespielten Musicals. Yara Hassan zeichnet für Regie und Choreographie der Hagener Produktion verantwortlich und schafft eine klassische Inszenierung, die die Handlung zwar buchgetreu in die Vergangenheit verortet, jedoch gleichzeitig klug durchdacht und einfühlsam die Zeitlosigkeit des Sujets aufzeigt, indem sie den Finger in nicht geheilte Wunden der Gesellschaft legt: (Banden-) Kriege sind auch heute noch sinnlos. Jede Generation muss sich aufs Neue fragen, wie weit sie bereit ist zu gehen, um eigene Interessen durchzusetzen. Ehrlich erzählt die Inszenierung von den Bedürfnissen junger Menschen, die sich fremd in der Gesellschaft und in der neuen Heimat fühlen und ihren Platz im Leben erst finden wollen.
Die musikalische Umsetzung weist eine operettenhafte Linienführung auf, nicht zuletzt durch die Besetzung der Hauptrollen. Das Philharmonische Orchester Hagen spielt unter der Leitung von Steffen Müller-Gabriel die Partitur aus der Feder Leonard Bernsteins mit enormer Explosivität. Bis auf kleinere Startschwierigkeiten in den ersten beiden Nummern ist das Klangbild sehr gut ausbalanciert. Blues, Jazz, Cha-Cha-Cha und Mambo lassen im Publikum die Tanzbeine zucken.
Hassans Choreographien umfassen mehr als klassische Tanz- und Kampfszenen: Körperliche Präsenz, Haltung und Spannung sowie die Aufstellung der Figuren zueinander im Bühnenraum entwickeln eine eigene Sprache, die dem gesprochenen Wort und der gesungenen Lyrik (in der Übersetzung Frank Thannhäusers) vorweggreift: Drohgebärden und raubtierartige Gangarten sind Ausdruck der Feindseligkeit beider Jugendbanden und zeigen auf, wie aus Konflikten schließlich Gewalt erwächst.
Die Jets – Jugendliche, deren Eltern noch selbst Migranten waren – bewegen sich augenscheinlich sehr kontrolliert und zugleich lasziv. Ihre Körperhaltung wirkt häufig bewusst lax, um im nächsten Moment wieder in spannungsgeladene Bewegungsabläufe zu explodieren. Besonders eindrucksvoll ist die Schnipp-Choreografie zu „Cool“ gelungen, die die Darstellenden zuweilen gehemmt wirken lässt, um direkt im Anschluss in Posen und Bewegungen voller körperlicher Präsenz zu kippen. Die Jets wirken bedrohlich, weil unberechenbar.
Deutlich lebendiger und emotional angetrieben erscheinen hingegen die Sharks, eine Clique jugendlicher Migranten aus Puerto Rico. Locker in der Hüfte, temperamentvoll und leidenschaftlich im Ausdruck, wirken sie tänzerisch deutlich ausgelassener und unangepasster. Ihre Körpersprache sprüht vor Hoffnung auf ein besseres Leben in Amerika, wie etwa im „Mambo“ deutlich wird.
Diesen Optimismus haben die Jets längst verloren, was sich auch in der Farbgestaltung ihrer Kostüme widerspiegelt: Während die Sharks vornehmlich in warmen Farben auftreten, tragen die Jets eher kühle und gedeckte Töne. Die Kostüme von Mara Lena Schönborn folgen den klaren Linien der Mode der 1950er Jahre. Die Damen der Jets tragen weite Tellerröcke und Kittelkleider. Die Kleider der Shark-Ladys hingegen wirken mit vielschichtigen Rüschen deutlich verspielter. Die männlichen Sharks tragen Buntfaltenhosen und teils offene Hemden, die Jets vor allem Jeans und Collegejacken. Nur Tonys Kostüm kommt in kühlem grün-beigen Zwirn dem Kleidungsstil der Herren der Sharks näher als dem seiner Freunde.
Die Drehbühne, ebenfalls gestaltet von Mara Lena Schönborn, erzählt ihren eigenen Teil der Geschichte: Scheinbar unaufhörlich dreht sie sich im Uhrzeigersinn weiter und lässt immer neue Perspektiven auf verschiedene Kulissen entstehen. Eine vielfach durchbrochene Silhouette aus Metallgerüsten bildet einen Straßenzug, um dessen Vorherrschaft die Jugendlichen kämpfen. Bewegliche Elemente bilden die angedeutete Brücke, den Schauplatz des Zweikampfes. Es gibt nur wenige klar abgegrenzte Räume; immer wieder entstehen Lücken und Durchbrüche, die dem Publikum Raum für eigene Deutungen lassen.
Die Ausstattung verleiht den verschiedenen Schauplätzen jeweils eine sehr individuelle Charakteristik: Doc’s Drugstore wirkt zwar heruntergekommen, doch bietet der Laden den Jets einen Ort moralischen Rückhalts, den sein Besitzer, gespielt von Richard van Gehmert, zu verkörpern scheint. Der Brautmodeladen, in dem Maria arbeitet, sowie der benachbarte Barbershop sind mit farblichen Akzenten gestaltet. Marias Zuhause wirkt mit Blümchentapete und Schminktisch heimelig, Feuertreppe und Balkon stellen eine Verbindung zwischen Sicherheit und dem Unbekannten dar.
Das Ensemble ist gesanglich hervorragend ausgewählt. Zunächst wirkt es irritierend, dass die jugendlichen Rollen oftmals mit deutlich reiferen Darsteller:innen besetzt sind. Gleichzeitig wirkt jede Irritation für Zuschauende wie ein Spiegel der eigenen Wahrnehmung des „Anderen“.
Anton Kuzenok verkörpert Tony mit großer Glaubwürdigkeit und Leidenschaft. Sein kraftvoller Tenor begeistert insbesondere im Duett mit Nike Tiecke als Maria („Einer für dich, einer für mich“). Tiecke überzeugt mit klarem Sopran und zeichnet authentisch die Reifung von der zunächst schüchternen kleinen Schwester Bernardos über die leidenschaftliche Geliebte und bis hin zur verzweifelten Frau.
Kenneth Mattice gestaltet Bernardo facettenreich: charismatisch, arrogant und doch mit einer spürbaren Unsicherheit hinter der demonstrierten Stärke. Riff, der noch unstet wirkende Anführer der Jets, wird von Robert Johansson gespielt. Auch Angela Davis verleiht ihrer Anita ein vielschichtiges Profil: gegenüber Maria ist sie beinahe mütterlich, stets selbstbewusst und leidenschaftlich an Bernardos Seite.
Die Jets verkörpern Magnus Jahr, Christian Rosprim, Niklas Roling und Tobias Blinzler, die als eingeschworene Gruppe Riff den Rücken stärken. Ihre Spielpartnerinnen – Eva Löser, Marie Haisch und Ann-Kathrin Wurche – glänzen insbesondere während der Tanzszenen. Besonders berührend wirkt Anna Hirzberger als Anybody’s. Trotz anfänglicher Abwehrhaltung der Jets behauptet sie sich scheinbar unbeirrt innerhalb der Bande und erhält schließlich ihren Platz – sogar auf erhöhter Ebene während der finalen Trauerszene.
John Baldoz, Manuel Lopez, Jeffry Zepf und Adriano Sanzo interpretieren die unangepassten Sharks, die eindeutig Sympathieträger:innen des Abends sind. Ihre Partnerinnen Hyejun Melania Kwon, Lucia Isabel Haas Muñoz, Erika del Re und Andrea Martin überzeugen vor allem durch temperamentvolle und ausgelassene Tanzszenen.
Eine sehens- und hörenswerte Inszenierung, die auf ganzer Linie überzeugt und deren einziger bitterer Nachklang letztendlich darin liegt, dass sie sehr eindrücklich spiegelt, dass die Eskalation von Konflikten bis hin zu Kriegen nicht nur aktuell zu verfolgen, sondern auch künftig zu erwarten ist.
Musical nach einer Idee von Jerome Robbins
Buch von Arthur Laurents
Musik von Leonard Bernstein
Gesangstexte von Stephen Sondheim
Deutsche Fassung von Frank Thannhäuser und Nico Rabenald
In deutscher Sprache
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musikalische Leitung | Steffen Müller-Gabriel |
| Inszenierung, Choreografie | Yara Hassan |
| Bühnenbild und Kostüme | Mara Lena Schönborn |
| Lichtgestaltung | Hans-Joachim Köster |
| Dramaturgie | J. Schepers |
| Bühnenmeister | Uwe Marx Torsten Schulz Karl-Edmund Übelacker |
| Leitung Kostümwesen | Anja Müller |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Tony | Anton Kuzenok |
| Riff | Robert Johansson |
| Action | Magnus Jahr |
| A-Rab | Christian Rosprim |
| Baby-John | Niklas Roling |
| Big Deal | Tobias Blinzler |
| Grazella | Eva Löser |
| Velma | Marie Haisch |
| Clarice | Ann-Kathrin Wurche |
| Anybody´s | Anna Hirzberger |
| Bernardo | Kenneth Mattice |
| Chino | John Baldoz |
| Pepe | Manuel Lopez |
| Indio | Jeffry Zepf |
| Luis | Antoine Banks-Sullivan |
| Maria | Nike Tiecke |
| Anita | Angela Davis |
| Rosalia | Hyejun Melania Kwon |
| Consuela | Lucia Isabel Haas Muñoz |
| Teresita | Erika del Re |
| Francisca | Andrea Martin |
| Doc | KS Richard van Gemert |
| Schrank | Götz Vogelgesang |
| Krupke | Tom Mehnert Ralf Grobel |
| Chor | Chor des Theater Hagen |
| Orchester | Philharmonisches Orchester Hagen |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| So, 29.03.2026 18:00 | Großes Haus, Hagen | |
| So, 12.04.2026 15:00 | Großes Haus, Hagen | |
| Fr, 08.05.2026 19:30 | Großes Haus, Hagen | |
| Do, 28.05.2026 19:30 | Konzert Theater, Coesfeld | |
| Do, 04.06.2026 18:00 | Großes Haus, Hagen | |
| Sa, 06.06.2026 19:30 | Großes Haus, Hagen |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sa, 07.03.2026 19:30 | Großes Haus, Hagen | Premiere |
| So, 15.03.2026 18:00 | Großes Haus, Hagen |
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