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Die Ruhrtriennale 2025 bietet den Rahmen für die Uraufführung von „I Did It My Way“ nach dem Konzept von Ivo van Hove. Das Stück beschreibt eine musikalische Reise in ein vorübergehendes Beziehungs-Aus. Ein Wechselspiel aus Songs von Frank Sinatra und Nina Simone bietet die Grundlage für dieses neue Stück. Zahlreiche gelungene inszenatorische Stilmittel können nicht durchgehend darüber hinwegtrösten, dass Lars Eidinger in der Rolle des männlichen Protagonisten schlichtweg fehlbesetzt ist.
Ivo van Hove erzählt mit „I Did It My Way“ die Geschichte eines augenscheinlich ungleichen, im Stück namenlos bleibenden Paares – einer Schwarzen Frau und eines weißen Mannes – das sich über die Zeit verloren hat. Scheinbar einfach verlässt sie ihre Familie und setzt sich im Kampf für Gleichberechtigung der People of Color, insbesondere der Women of Color, ein. Er leidet, bleibt zerschlagen zurück und droht unter dem Trennungsschmerz zu zerbrechen. Er lernt seine Lektionen, wird aber immer wieder flashbackartig in Traumsequenzen mit seiner Partnerin in die Vergangenheit katapultiert – die eben nicht nur harmonisch und im Laufe der Zeit ausgeliebt war, sondern auch leidenschaftlich aufgeladen bis gewaltvoll. Am Ende kehrt sie erstarkt zu ihm und ihren Kindern zurück – und das Paar versucht einen Neustart.
Es gibt keine gesprochenen Dialoge. Sie werden durch die stets präsente Körperlichkeit sowie die Frage-und-Antwort-Partitur des Stücks ersetzt: Diese besteht einerseits aus den Songs von Frank Sinatras Konzeptalbum „Watertown“, das vom Ende einer Liebe aus der Sicht eines Mannes in einer amerikanischen Kleinstadt erzählt – seine Sicht der Geschichte. Seine Bühnenpartnerin erhält ihre Stimme durch die Songs von Nina Simone, mit denen sie sich emanzipiert und mit ihrer gesamten Lebenswirklichkeit, wie eben auch Themen um Diskriminierung innerhalb der amerikanischen Gesellschaft, auseinandersetzt.
Da die Geschichte eingangs vor allem aus seiner Sicht erzählt wird und sie lediglich in seinen Visionen auftritt, ist die Stimmung bis zur Hälfte des Stücks nahezu bleiern schwer, was seine Depression widerspiegelt. Szenenapplaus bleibt lange aus.
Sie wird dargestellt von Larissa Sirah Herden, er von Lars Eidinger. Beide widersprechen jeder Stereotypisierung. Herden beeindruckt durch ihren starken Ausdruck in Spiel, Gesang und Tanz und ist somit eine ausgesprochene Triple-Threat-Künstlerin. Sie berührt mit ihrer souligen Stimme und ihrer Emotionalität und lässt ihren Spielpartner ungewöhnlich blass erscheinen. Eigene Stärken stellt Eidinger in den zahlreichen Tanzszenen mit dem Ensemble unter Beweis. Die Interpretation von Sinatra-Songs hingegen zählt nicht zu seinen Stärken. Skriptbedingt ist er keine starke Männerfigur, sodass Eidinger es auch charismatisch nicht mit seiner Spielpartnerin aufnehmen kann. Das Publikum fragt sich am Ende, warum sie zu ihm zurückkehrt.
Die Protagonisten werden von vier Tänzern und Tänzerinnen begleitet: Ida Faho, Sylvie Sanou, Marco Labellarte und Samuel Planas treten als Alter Egos der Hauptdarsteller oder deren jugendliche Kinder auf. Tanz ist ein zentrales Element des Stücks: Die Choreographien von Serge Aimé Coulibaly sprühen nur so vor Leidenschaft, sind kraftvoll, erotisch aufgeladen und wirken äußerst impulsiv. Immer wieder sind Hinfallen und das anschließende Wiederaufstehen Thema – bevor der eine Partner den anderen erneut zu Boden wirft.
Van Hove lässt die Protagonistin die vierte Wand durchbrechen und ins Publikum fliehen, als sie sich mit sozialen und politischen Ungerechtigkeiten konfrontiert sieht. Im Finale tritt sie von der Tribüne her auf als sie schließlich zu ihrem Partner zurückkehrt. Immer wieder sind Körperlichkeit, Bewegung und Position performative Elemente, derer sich van Hove bedient. So wird überbrückt, was an gesprochener Sprache eingespart wird.
Das Set von Jan Versweyveld ist ebenerdig, auf dem Boden zeichnen sich schillernde Regenpfützen ab. Der Zuschauer blickt auf die Fassade eines zweistöckigen Einfamilienhauses, das in Originalgröße in der Jahrhunderthalle Platz findet. Vor dem Haus spielt sich nahezu alles ab. Die Trennung wird greifbar, wenn einer der Protagonisten – am Ende eines Flashbacks – das Haus betritt und die Hauswand schließlich zwischen den beiden steht. Auch akustisch wird die Trennung durch das stimmungsvolle Sounddesign von Erwin Sterk greifbar: Die beiden singen sich durch die Barriere der Hauswand weiter an, jedoch mit deutlich gedämpftem Sound – wie Erinnerungen, die verblassen.
Auf dem Dach des Hauses ist die zehnköpfige Band unter der musikalischen Leitung von Henry Hey platziert. Die Arrangements der Sinatra-Hits sind hier lebendig, dort getragen und eigens für das Stück neu arrangiert.
Auf der Traufe des Daches werden per Telepromter die Songtexte durchgehend auf Englisch und fast immer ins Deutsche übersetzt eingeblendet. Dies unterstützt die Überwindung sprachlicher Barrieren. Zudem ermöglicht die Übersetzung sämtlicher Texte in Gebärdensprache Inklusion und Teilhabe.
Die Hausfassade wird vor allem genutzt, um die Hintergründe und Zusammenhänge in denen die Geschichte des Paares spielt, aufzuzeigen: Bereits im Opening „Watertown“ wird ein Film über eine amerikanische Kleinstadt eingespielt. Beim Aufzeigen und Benennen sozialer und politischer Ungerechtigkeiten gegenüber People of Color werden Sequenzen vom Wirken Martin Luther Kings und Szenen öffentlicher Hinrichtungen projiziert, während Herden mit dem Rücken zum Publikum ihre Songs interpretiert („Why?“, „Blackbird“). Sie schaut selbst zu, klagt an und erzählt die Geschichte derer, die abgebildet sind. Die Wirkkraft dieser starken Darstellerin wird an dieser Stelle ein Stück weit verschenkt. Die Videoprojektionen von Christopher Ash zünden an anderen Stellen besser, wenn sie beispielsweise von dem früheren Zusammenleben erzählen.
„I Did It My Way“ ist als neues Werk weniger als selbstbewusste Ansage, denn vielmehr als Anregung zu verstehen, gerade in Momenten des Scheiterns die Gesamtsituation zu hinterfragen: äußere Umstände einerseits mit einzubeziehen, sich aber nicht darauf zu beschränken, um andererseits nicht in Selbstmitleid zu zerfließen.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Konzept, Regie | Ivo Van Hove |
| Musikalische Leitung, Arrangements | Henry Hey |
| Choreografie | Serge Aimé Coulibaly |
| Bühnenbild, Licht Design | Jan Versweyveld |
| Videodesign | Christopher Ash |
| Kostümbild | An D'Huys |
| Sounddesign | Erwin Sterk |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Do, 21.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | Premiere | |||||||
| Fr, 22.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | ||||||||
| Sa, 23.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | ||||||||
| ▼ 6 weitere Termine einblenden (bis 31.08.2025) ▼ | |||||||||
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| So, 24.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | ||||||||
| Di, 26.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | ||||||||
| Mi, 27.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | ||||||||
| Do, 28.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | ||||||||
| Sa, 30.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | ||||||||
| So, 31.08.2025 20:00 | Jahrhunderthalle Bochum, Bochum | ||||||||
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