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Das Oldenburgische Staatstheater bringt mit Next to Normal ein Musical auf die Bühne, das gleichermaßen berührt und herausfordert. Eine starke Besetzung, eine präzise musikalische Umsetzung und ein eindrucksvolles Bühnenbild machen die emotionale Wucht des Stücks erfahrbar. Zugleich gerät die Inszenierung dort ins Stolpern, wo sie ihre eigenen Bilder zu sehr verdichtet. So entsteht ein Abend, der nachhallt und zum Weiterdenken zwingt.
Seit seiner Uraufführung im Jahr 2008 sorgt das Musical von Tom Kitt (Musik) und Brian Yorkey (Text und Buch) für Aufsehen. Die Geschichte einer scheinbar gewöhnlichen Familie, die mit psychischer Krankheit, Verlust und dem Wunsch nach Normalität ringt, verbindet rockige Klangwelten mit großer emotionaler Ehrlichkeit. Das Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Pulitzer Preis für Drama sowie mehreren Tony Awards, und gilt heute als eines der bedeutendsten zeitgenössischen Musicals. Die deutsche Übersetzung von Titus Hoffmann kommt dabei nicht immer an das Original heran.
In Oldenburg verbindet Konstanze Kappenstein eine zeitgenössische Lesart mit aktuellen Bezügen. Anspielungen auf politische Entwicklungen verorten die Geschichte deutlich im Hier und Jetzt. Gleichzeitig arbeiten schnelle Szenenwechsel, künstlerische Elemente und Projektionen mit dem Begriff der Normalität und ihren Brüchen. An manchen Stellen ist hier jedoch zu viel gewollt. Symbolhafte Bilder wie Projektionen von Wellengang wirken eher ergänzend als notwendig und nehmen dem Stück stellenweise die Klarheit. Gerade weil „Next to Normal“ bereits aus sich heraus präzise mit der Frage nach Normalität umgeht, hätte es dieser zusätzlichen Verdichtung nicht immer bedurft.
Das Bühnenbild von Markus Meyer zeigt den aufrechtstehenden Grundriss eines Hauses, der nicht nur bespielt, sondern auch erklettert wird. In seiner labyrinthartigen Verschachtelung wird dieser Raum zum Sinnbild für die inneren Irrwege der Familie, die sich im vermeintlich vertrauten eigenen Zuhause verloren hat. Ein langer Steg führt aus dieser Wand heraus, der je nach Szene zum Beispiel als Essenstisch genutzt wird. Die Wohnungswand wird während des Stücks entlang des Stegs hin und her gefahren, was dem Stück nicht nur im übertragenen Sinne Tiefe verleiht. Zudem gibt es kleinere Bühnenbilder im Orchestergraben und hinter dem eigentlichen Bühnenbild. Dort gespielte Szenen und Close-ups der Darstellenden werden via Live-Video an das Wohnungslabyrinth projiziert. Dieser Effekt wirkt zunächst modern und bietet eine interessante Methode, in einer Szene zwischen mehreren Bühnenbildern zu wechseln, wird dann aber viel zu häufig und zu lange benutzt, so dass das Stück manchmal den Anschein von Live-Kino hat.
Das eigentliche Lichtdesign von Philipp Sonnhoff synergiert sehr schlüssig mit dem Bühnenbild. So werden zum Beispiel die einzelnen Räume in der Wohnungswand separat beleuchtet, als würde die Person, die sich darin befindet, das Licht einschalten. Dazu kommen gut platzierte und nicht überdosierte Lichteffekte.
Die sechsköpfige Band unter der musikalischen Leitung von Jason Weaver gestaltet die unterschiedlichen Klangwelten des Stücks mit großer Sicherheit. Rockige Passagen und ruhige Momente gehen fließend ineinander über und behalten dabei ihre Wirkung. Wie die Stimmen auf der Bühne ist auch das Orchester ausgewogen abgemischt, sodass Text und Musik jederzeit verständlich bleiben.
Die Oldenburger Produktion überzeugt ausnahmslos in der Besetzung. Alle Darstellenden finden einen glaubwürdigen und berührenden Zugang zu ihren Rollen und zeigen dabei ein bemerkenswertes Maß an Talent.
Femke Soetenga prägt die Rolle der Diana mit einer stimmlichen Kraft von großer Präsenz und verbindet diese mit einer Schauspielkunst, die jede innere Schwankung glaubhaft sichtbar macht. Die Bipolarität und die weiteren psychischen Belastungen erscheinen bei ihr nicht als theatrale Gesten, sondern als konsequent durchlebter Zustand. So entsteht eine Figur, der man ohne Vorbehalt folgt und deren innere Kämpfe sich unmittelbar auf das Publikum übertragen.
Gerd Achilles formt Dan zu einer Figur, die Stabilität ausstrahlt und zugleich ihre eigene Erschöpfung verbirgt. Hinter der ruhigen Haltung wird ein Mann sichtbar, der versucht, seine Familie zusammenzuhalten und dabei die eigene Not konsequent zurückstellt. Gerade in den leisen Szenen öffnet sich dieser innere Konflikt und macht spürbar, wie sehr Dan selbst unter der Situation leidet.
Michael Berres überzeugt als Gabe vor allem durch ein schauspielerisches Talent, das es ihm ermöglicht, sich im Laufe des Stücks immer mehr vom sympathischen Sohn zu einer Plage zu entwickeln. Mit körperlicher Präsenz und klarer vokaler Kraft wird er zur ständigen Versuchung und Erinnerung, die sich nicht abschütteln lässt. Berres bringt seine schwierigen Lieder mit viel Emotion auf die Bühne, wobei er jedoch bei manch hohem Ton nah an seine Grenzen zu kommen scheint.
Anna Hirzberger, alternierend Lea Bublitz, füllt die Rolle der Natalie mit einer gesanglichen Wucht, die auf durchgehend hohem Niveau trägt. In ihrem Spiel verbinden sich die Sorge um die Mutter und der Kampf um ein eigenes Leben zu einer spannungsvollen Einheit. Sie zeigt nicht nur die Verantwortung, die auf ihrer Figur lastet, sondern auch den Abgrund, in den Natalie selbst gerät. Jede emotionale Zuspitzung bleibt nachvollziehbar und gewinnt an Intensität. Trotz der stellenweise holprigen Übersetzung werden ihre Songs zu den stärksten Momenten des Abends, weil Hirzberger Natalies innere Konflikte direkt und unverstellt hörbar macht.
Eike Onyambu verleiht Henry eine sympathische Präsenz, die sofort Nähe zum Publikum herstellt. Obwohl die Figur selbst Drogen konsumiert und Natalie in diesen Sog hineinzieht, bleibt sein Spiel zugänglich und entwickelt sich rasch zum emotionalen Anker der Geschichte. Mit feinem Gespür formt er den höflichen Freund Natalies zu einer tragenden Kraft im Gefüge der Handlung und setzt damit einen wirksamen Kontrapunkt zur inneren Unruhe der Familie.
Paul Brady (alternierend mit Lutz Standop in den Rollen von Dianas Psychiatern) zeigt, dass sich das Staatstheater nicht nur auf Gastdarstellende stützen muss. Er verkörpert die beiden Ärzte Dr. Fine und Dr. Madden mit markanter Klarheit und feinem Gespür für die unterschiedlichen Facetten der Rollen. Zwischen professioneller Distanz und menschlicher Unsicherheit entsteht ein spannungsreicher Kontrast. Ihre Szenen zeigen eindrucksvoll, wie dünn die Grenze zwischen Heilung und Kontrolle sein kann.
Insgesamt gelingt dem Oldenburgischen Staatstheater eine vielschichtige Annäherung an ein Werk, das von sich aus große emotionale und gedankliche Kraft besitzt. Das Publikum erlebt eine Aufführung, die fordert, berührt und zum Weiterdenken anregt.
Musical in zwei Akten
Musik von Tom Kitt
Buch und Gesangstexte von Brian Yorkey
Deutsch von Titus Hoffmann
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musikalische Leitung | Jason Weaver Mathias Mönius |
| Inszenierung | Konstanze Kappenstein |
| Bühne | Markus Meyer |
| Kostüme | Heather Rampone-Gulder |
| Live-Videodesign | Nadja Krüger |
| Live-Kamera-Operator | Richard Schlimper |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Diana | Femke Soetenga |
| Dan | Gerd Achilles |
| Nathalie | Anna Hirzberger Lea Bublitz |
| Henry | Eike Onyambu |
| Gabe | Michael Berres |
| Dr. Madden, Dr. Fine | Paul Brady Lutz Standop |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Do, 30.04.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| Do, 07.05.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| Mi, 20.05.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| So, 31.05.2026 18:00 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| Sa, 20.06.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Fr, 23.01.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | Premiere | |||||||
| So, 01.02.2026 18:00 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | ||||||||
| Fr, 06.02.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | ||||||||
| ▼ 5 weitere Termine einblenden (bis 29.03.2026) ▼ | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Do, 19.02.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | ||||||||
| Sa, 21.02.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | ||||||||
| Fr, 13.03.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | ||||||||
| Di, 24.03.2026 19:30 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | ||||||||
| So, 29.03.2026 15:00 | Großes Haus des Staatstheaters, Oldenburg | ||||||||
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