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Es gibt einige Musicals, die auf dem Romeo-und-Julia-Stoff basieren. Anders als andere erzählt allerdings Ephraim Kishons „Es war die Nachtigall“ Shakespeares Original-Tragödie weiter: Per Zufall ist das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur dem Tod entgangen und lebt, gefangen in einem öden Ehealltag, seine Beziehungskonflikte aus. Jörg Steinberg inszeniert die Abrechnung mit den romantischen Idealen eher deftig denn zynisch. Der komödiantische Cast versprüht Witz, scheut nicht den Klamauk, enttäuscht allerdings beim Gesang.
Romeo ist verliebt. Nach 29-jähriger Ehe ist allerdings nicht mehr Gattin Julia das Objekt seiner Zuneigung, sondern Lisa. Die ist allerdings keine Frau aus Fleisch und Blut, sondern eine knallrote Gummiwärmflasche. Anders als Julia spendet Lisa Wärme in der Nacht und hört Romeo immer zu, ohne ihm Paroli zu bieten. Sein schmachtendes, wirklich urkomisches „Oh Lisa, Lisa, ich liebe dich so sehr“ gehört mit zu den satirisch-musikalischen Höhepunkten und wiederholt sich in Julias Rache-Reprise, die ihren Hass auf ihre Plaste-Nebenbuhlerin auslebt, indem sie sie im heißen Backofen entsorgt.
Ephraim Kishon hat sein 1974 entstandenes Bühnenstück „Es war die Lerche“ siebzehn Jahre später mit der Nachtigall im Titel zu einem Musical für drei Darsteller umgearbeitet. Hier wie dort überleben Romeo und Julia ihren Gift-Suizid in der Familiengruft der Capulets und fristen ihr Dasein in der tristen Realität einer zerrütteten Ehe. Deshalb ergreift ihr entsetzter Schöpfer William Shakespeare (Uwe Schmiedel) höchstpersönlich die Initiative, um die beiden doch noch literaturkonform in den von ihm erdachten Freitod zu treiben. Kishon streut dabei nicht nur lustvoll jede Menge bekannter Zitate aus Shakespeares gesamten Oeuvre ein, sondern integriert aus dem Personal der Ursprungs-Tragödie Pater Lorenzo und die Amme als hochbetagte Sidekicks. Beide werden ebenfalls von den Darstellern von Romeo (Fabian Ranglack) und Julia (Kinga Stańko) gespielt.
Für zusätzlichen Zündstoff sorgt Romeo und Julias siebzehnjähriges, pubertierendes Töchterchen Lucretia (ebenfalls: Kinga Stańko): Sie schmeißt sich an den Urheber ihrer Eltern heran, um mit ihm durchzubrennen und ihre geplante Karriere als Schauspielerin zu forcieren. Als Retourkutsche konfrontieren die entsetzten Eltern den in Liebe entflammten „Grufti Willi“ mit dem Gerücht, dass er gar nicht der Autor der unter seinem Namen veröffentlichten Tragödien, Komödien und Sonette gewesen sei. Doch wer war es dann? Um potenziellen Zuschauern nicht den Spaß an der Handlung zu nehmen, soll diese hier nicht weiter gespoilert werden. Wer der Nachtigall, vielleicht auch der Lerche oder dem Hahn lauscht, der das Krawall-Ehepaar in beiden Akten mit seinem Kikeriki morgens aus dem Bett in ihren (scheinbar) immer gleich ablaufenden Alltag treibt, der kann eine satirische Shakespeare-Show voll turbulenter Wendungen erwarten.
Für die ist maßgeblich Jörg Steinberg verantwortlich, der in seiner ganz dem Witz verpflichteten Regie-Arbeit auf Tempo und Typen setzt. Alle drei Darsteller drehen so richtig auf, setzen ihre Pointen mit umwerfender Mimik punktgenau und scheuen auch den blödesten Gag nicht. In Steinbergs Inszenierung steht Shakespeares-Schaffen mehr für schwankhafte Klamotte denn für ernsthaften Anspruch. Das hat gerade in Zeiten einer herausfordernden weltpolitischen Lage seine Berechtigung, sodass Romeos und Julias Einraumwohnung gerne zur Humorzone werden kann.
Genau für diesen Handlungsort hat Ausstatterin Stephanie Dorn eine die gesamte Bühne einnehmende, entfernt an DDR-Zeiten erinnernde Multifunktions-Schrankwand aus heller Buche entworfen. Dank vieler Türen und Klappmechanismen gibt es eine Küche mit Herd und Spülbecken, ein Bett sowie einen Sitz- und Eingangsbereich. Besonderer Clou: Hinter der größten Frontklappe des Möbels verbirgt sich eine verspiegelte Hausbar, in der Toni Schmidt im roten Pailletten-Sakko die Darsteller nicht nur emsig auf seinem E-Piano begleitet, sondern sich auch immer wieder einen Schluck aus der Pulle genehmigt. Für einen Gänsehautmoment sorgt er, als er in der Sterbeszene im zweiten Akt aus seinem Refugium heraustritt und mit kristallklar geführtem Countertenor a cappella auf Italienisch eine Totenklage anstimmt.
Im Fall von William Shakespeare ist das ebenfalls von Stephanie Dorn entworfene Kostümbild dem elisabethanischen Stil mit Wams und großem weißen Kragen verpflichtet. Bei den anderen Figuren wirkt es eher zeitlos schick und so funktional, dass die Darsteller geschwind zwischen ihren Rollen wechseln können. Auch wenn sie hierbei darstellerisch brillieren und passabel die wenigen Choreografien von Katarzyna Kluczna und Kinga Stańko tanzen, bleibt die besuchte Vorstellung gesanglich hinter den Erwartungen zurück. Fabian Ranglack überzeugt nur mit seiner soliden Mittellage und wirkt in Höhen und Tiefen ebenso angestrengt wie Ensemble-Urgestein Uwe Schmiedel. Etwas besser schlägt sich Musicaldarstellerin Kinga Stańko, die – warum auch immer – vor der Pause als Einlage den von Céline Dion geprägten Song „That’s the Way It Is“ aus dem Jahr 1999 mit hallunterlegter Unterstützung aus der Ton-Abteilung singen darf.
In Shakespeares Drama „Der Kaufmann von Venedig“ heißt es: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“. Wägt man gesangliche Schwachpunkte und darstellerischen Fulminanz des Darsteller-Trios miteinander ab, dann wären die Uckermärkischen Bühnen Schwedt besser beraten gewesen, das Stück in der Schauspiel-Variante mit der Lerche im Titel auf der Bühne zum Funkeln zu bringen.
Musicalkomödie von Ephraim Kishon nach dem Stück „Es war die Lerche“
Musik von Dov Seltzer
Liedtexte von Yvette Kolb
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Inszenierung | Jörg Steinberg |
| Musikalische Leitung | Tom van Hasselt |
| Ausstattung | Stephanie Dorn |
| Choreografie | Katarzyna Kluczna Kinga Stańko |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Romeo Montague / Pater Lorenzo | Fabian Ranglack |
| Julia Montague-Capulet / Lucretia / ehemalige Amme von Julia | Kinga Stańko |
| William Shakespeare | Uwe Schmiedel |
| Musiker | Toni Schmidt |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Sa, 25.04.2026 19:30 | Kulturhaus Heidekrug 2.0, Joachimsthal | |
| So, 10.05.2026 15:00 | Kleist Forum, Frankfurt (Oder) | |
| Sa, 16.05.2026 19:00 | Hof-Theater, Bad Freienwalde (Oder) |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Fr, 13.03.2026 19:30 | Spielstätte Steinstraße, Schwedt (Oder) | Premiere | |||||||
| Sa, 14.03.2026 19:30 | Spielstätte Steinstraße, Schwedt (Oder) | ||||||||
| So, 15.03.2026 15:00 | Spielstätte Steinstraße, Schwedt (Oder) | ||||||||
| ▼ 5 weitere Termine einblenden (bis 18.04.2026) ▼ | |||||||||
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| Fr, 20.03.2026 19:30 | Kammerbühne, Halberstadt | ||||||||
| Sa, 28.03.2026 19:00 | Kulturfabrik, Fürstenwalde (Spree) | ||||||||
| Do, 02.04.2026 19:30 | Spielstätte Steinstraße, Schwedt (Oder) | ||||||||
| Sa, 11.04.2026 19:30 | Spielstätte Steinstraße, Schwedt (Oder) | ||||||||
| Sa, 18.04.2026 19:00 | Schlosstheater, Rheinsberg | ||||||||
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