Dirk Weiler (Bariton), Almuth Herbst (Alt), Adam Temple-Smith (Tenor), Katherine Allen (Sopran), Philipp Kranjc (Bass), Daniel Jeroma (Schauspiel) © Pedro Malinowski
Dirk Weiler (Bariton), Almuth Herbst (Alt), Adam Temple-Smith (Tenor), Katherine Allen (Sopran), Philipp Kranjc (Bass), Daniel Jeroma (Schauspiel) © Pedro Malinowski

Monty Python's Not the Messiah (seit 12/2025)
MiR (Großes Haus), Gelsenkirchen

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Das Oratorium nach dem Monty-Python-Klassiker „Das Leben des Brian“ verlangt den Verantwortlichen des Musiktheaters im Revier hinter und auf der Bühne einiges ab: Rund 40 Musiker:innen spielen die abwechslungsreiche Partitur und bieten einen fulminanten Klanggenuss. Orchester, Opernchor und Solist:innen bedienen in schneller Abfolge etliche musikalische Genres. Das Gesangsensemble zündet ein Feuerwerk an Pointen, das den Theatersaal zum Brodeln bringt. Die Gelsenkirchener Inszenierung wird den Ansprüchen, die „Not The Messiah“ an das Produktionsteam und die Künstler:innen stellt, in allen Punkten überaus gerecht!

Die bewusst überorchestrierte musikalische Wucht des Ovatoriums verstärkt die mit schrägem britischem Humor gespickte Satire, für die die Gruppe um Monty Python über Jahre hinweg Blasphemie-Vorwürfe einstecken musste – und letztlich abschüttelte. Zielscheibe sei nicht die Religion an sich, so die Urheber, sondern der Fanatismus ihrer Anhänger:innen. Die Fans des von ihnen selbst gekürten Messias Brian schrecken vor nichts zurück – und tragen letztlich die Verantwortung dafür, dass ihr ‚Star‘ den Märtyrertod sterben muss. Gleichzeitig sorgt eben diese Anhängerschaft dafür, dass Brians anti-römisches Gedankengut seinen Tod überlebt. So transportiert das Werk bei allem absurden Eskapismus eine klare Botschaft: den Blick auf das Gute im Leben zu richten, um selbst dem Tod mit Gelassenheit begegnen zu können. Amen.

Durch das halbszenische Geschehen führt Daniel Jeroma als Betty Parkinson, stilecht im Glitzerfummel. Er trägt szenenabhängig schichtweise eine römische Robe oder den Hirtenwams einfach über dem eleganten Abendkleid. Jeroma huscht zwischendurch in seiner Erzählerfunktion immer wieder über die Bühne – um nach einer kurzen Überleitung gleich darauf wieder zu verschwinden.

Der rund 25-köpfige Opernchor der Neuen Philharmonie Westfalen ist auf Stufen im hinteren Bühnenbereich platziert und unterstützt das Geschehen je nach Szene mit originellen Kostümaccessoires auch optisch – etwa Schafsmützen beim Song „Wir finden Schafe scharf“.

Im Zentrum der Bühne nimmt das etwa 40-köpfige Klavierorchester Platz, das unter der musikalischen Leitung von Mateo Peñaloza Cecconi die abwechslungsreiche Partitur von Eric Idle und John du Prez opulent zum Klingen bringt. Quasi-barocke Arien und Chöre stehen neben Operettennummern wie dem „Holzfällerlied“; Spirituals und Kirchenmusik („Wir wollen heim“) wechseln sich ab mit lateinamerikanischen Rhythmen von Salsa („Träum‘ den Traum“) bis Tango („Die Volksfront von Judäa“). Was in der bloßen Aufzählung wie ein stilistisches Durcheinander wirkt, folgt konsequent dem Konzept des Werks („Chaos und Verzweiflung“) und bedient souverän eine erstaunliche Bandbreite musikalischer Genres.

Im Vordergrund der Bühne hat Bühnenbildner Carsten Kirchmeier einen schmalen Spielgang für die fünf Solist:innen des Abends eingerichtet. In Frack und Abendkleidern – nach einer Auswahl von Anna von der Heide – erinnern sie optisch an eine klassische Opernproduktion und verleihen dem Abend einen festlichen Rahmen, der zunächst eine gewisse Ernsthaftigkeit suggeriert. Genau mit dieser Ernsthaftigkeit in Mimik und Spiel agiert das Gesangsensemble, während es Pointe um Pointe zündet. Kleine Momente des Schmunzelns, die sich auch bei den Künstler:innen einschleichen, wirken dabei keineswegs unprofessionell, sondern vielmehr menschlich und verbindend – zumal der gesamte Zuschauerraum vom ersten Moment an mit Lachsalven ringt. Zur Sicherung des Textverständnisses werden sämtliche Songtexte per Übertitel eingeblendet, falls das Lachen der Sitznachbar:innen einmal zu laut ausfällt.

Zusätzliche Nähe zum Publikum entsteht durch lokalkolorierte Textanpassungen: Wenn der Opernchor beteuert, er wolle nur zurück nach Gelsenkirchen, und man in Judäa lange suchen müsse, um „Pommes Schranke“ oder ein kühles Bier zu finden, sorgt dies für eine spürbare Immersion bei den Zuschauer:innen.

Die Solist:innen des Abends bringen überwiegend Ausbildung und Bühnenerfahrung aus dem Opernbereich mit. Katherine Allen (Sopran) gestaltet weibliche Rollen mit wechselnd unbedarftem und laszivem Ausdruck und überzeugt insbesondere in eigenen Solopassagen. Einer ihrer humoristischen ‚Höhepunkte‘ des Abends ist das Sex-Duett „In Paradisum“ mit Adam Temple-Smith. Dieser verkörpert Brian, den Messias wider Willen, als grundweg verpeilten Antihelden. Seine beinahe kindliche Unschuld und der Eindruck eines Mannes, der sich fortwährend im falschen Film wähnt, fügen sich spielerisch ideal zur Figur. Gesanglich meistert Temple-Smith mühelos die Höhen sowie die schnellen Wechsel in Tempo und Rhythmik.

Almuth Herbst (Alt) hat ihre großen Auftritte als Brians Mutter Mandy, die offen zu ihrem doppelmoralischen Lebenswandel steht. Herbst versteht es, ihrer Figur eine verschlagene Note zu verleihen. Jeder Anflug von Mütterlichkeit kippt rasch in eine unmoralische Haltung, etwa im Song „Wenn Kinder geh’n“.

Dirk Weiler (Bariton) tritt unter anderem als Ben auf, der lieber eine Frau sein möchte. Sein Spiel ist von einer sympathischen Sorglosigkeit geprägt. Besonders in „Was ham die Römer uns denn schon gebracht?“ liefert er sich einen pointierten Schlagabtausch mit Philipp Kranjc (Bass), der seinerseits durch die überspitzte Darstellung fanatischer, schlicht gestrickter Figuren überzeugt. Die tiefen Töne lassen ihn mitunter sogar bedrohlich wirken. Diese Wirkung wird durch seine gewollt flachen Pointen – beispielsweise stets neben dem Rhythmus zu klatschen – jedoch direkt wieder entkräftet.

Gesanglich bieten die Solist:innen eine durchweg beeindruckende Leistung! Gemeinsam mit der konsequenten Ernsthaftigkeit ihres Spiels tragen sie maßgeblich zum Gelingen des Abends bei. Doch auch in allen weiteren ineinandergreifenden Gestaltungselementen zeigt die Produktion keinerlei Schwächen. Eine absolute Empfehlung, nicht nur für Ruhrpottler!

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungMateo Peñaloza Cecconi
Szenische EinrichtungCarsten Kirchmeier
ChorAlexander Eberle
DramaturgieSamuel Zinsli
 
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CAST (AKTUELL)
SopranKatherine Allen
AltAlmuth Herbst
TenorAdam Temple-Smith
BaritonDirk Weiler
BassPhilipp Kranjc
SchauspielerDaniel Jeroma
  
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TERMINE
Di, 19.05.2026 19:30MiR (Großes Haus), Gelsenkirchen
 
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 13.12.2025 19:00MiR (Großes Haus), GelsenkirchenPremiere
Do, 25.12.2025 18:00MiR (Großes Haus), Gelsenkirchen
Sa, 24.01.2026 19:00MiR (Großes Haus), Gelsenkirchen
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