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Bereits das achte Jahr in Folge lädt Andreas Luketa zum „Mitternachtsball“ in das Theater am Marientor in Duisburg. Das Publikum ist dem Sog der Hochkaräter ihres Genres erlegen und geht mit ihnen gemeinsam auch in dieser Halloween-Nacht auf eine musikalische Reise durch die Geschichten der düsteren und gruseligen Musicals unserer Zeit. Sämtliche Höhepunkte dieses sechsstündigen Feuerwerks an Musical-Highlights werden von der sechsköpfigen Band „Theatre of Blood“ live begleitet. Luketa versteht es, gelingende konzertante Musicalerlebnisse zu gestalten. Bei aller Düsternis, auf die der Mitternachtsball thematisch mit einem Augenzwinkern abzielt, schwingt eine herzliche Atmosphäre mit, die er hinter der Bühne pflegt und die auch auf das Publikum überspringt. Traditionell erscheint das Publikum im Dresscode Schwarz-Rot, sodass der Abend durch Begegnungen zahlreicher dunkler Gestalten und Schattenwesen, teils in aufwendigen Kostümen, bereits im Theaterfoyer beginnt. So liegt der Fokus später im Theatersaal und auf der Bühne letztlich beim eigentlichen Star des Abends, nämlich der Musik.
Die sechsköpfige Band „Theatre of Blood“ spielt sechs Stunden unter der musikalischen Leitung von Christopher Bönecker die abwechslungsreichen Songs mit Präzision und Hingabe. Der Ton ist für die teils rockigen Klänge und Live-Musik hervorragend abgemischt, sodass dem Publikum ein herrliches Klangerlebnis vergönnt ist.
Wie jedes Jahr greift die Setlist sowohl immer wieder dieselben großen Musicalerfolge auf, sorgt aber auch für Abwechslung. Diese Mischung aus Tradition und Überraschung macht viel aus. Viele Stücke werden z. T. nur mit einem Lied in Themenblöcken wie „Dunkelheit“ oder dem „Halloween-Mix“ zusammengefasst. Während dieser Mix-Blöcke kommen vereinzelt Halbplaybacks zum Einsatz, die die Bandmitglieder kurz durchschnaufen lassen, bevor diese wieder Vollgas geben und somit auf knapp sechs Stunden Spielzeit an diesem Abend kommen.
Die Handlung der eingeflochtenen Musicals wird stets innerhalb einer Zwischenmoderation von Andreas Bieber knapp umrissen: Mit seiner quirligen und charmanten Art führt er das Publikum durch den Abend. Musicals, denen eigene Blöcke, mit mehreren Stücken, gewidmet sind, fasst Bieber ebenfalls zusammen, sodass die Neugier auf die angespielten Musicals beim Publikum geweckt wird.
Für Regie und Choreografie zeichnet auch dieses Jahr Yara Hassan verantwortlich. Die kleinen Choreografien und szenischen Abläufe haben mittlerweile Wiedererkennungswert. Bei einem sechsstündigen Programm ist klar, wie groß der Aufwand dieser feinen Akzente ist, die treffsicher ihre Wirkkraft entfalten. Ensemble und Solist:innen gestalten jedes Jahr in wechselnder Besetzung gemeinsam diesen musikalischen Höllenritt – im besten Sinne. So wird die gesamte Show jedes Jahr neu erarbeitet – und: aufgrund ihres hervorragenden Konzepts kann diese es sich leisten, auf aufwendige Ausstattung zu verzichten. Die Künstler:innen gestalten dennoch ihre Rollen mit wechselnden Kostümen aus.
An musikalischen Höhepunkten mangelt es dem kurzweiligen Abend nicht: Dieser beginnt mit „Jeanny“ aus „Rock Me Amadeus – Das Falco-Musical“, einem treffsicheren ersten Schuss, als Opening. Nico Went führt das Ensemble an, das sich zunächst als Background-Chor vorstellt, bevor Andreas Bieber das Publikum begrüßt und den ersten Block, ein Medley aus „Das Phantom der Oper“ und „Love Never Dies“, einführt. Die Doppelbesetzung des Phantoms (Jan Ammann und Thomas Borchert) sowie Christines (Navina Heyne und Froukje Zuidema) gibt einen Ausblick darauf, auf welche Stimmgewalt sich das Publikum für den Rest des Abends einstellen darf.
Dennis Henschel leitet mit der „Schattenarie“ aus „Ludwig²“ den Medley-Block „Dunkelheit“ ein. Michaela Schober folgt ihm mit „Boten der Nacht“ aus „Die Päpstin“ und erweist sich einmal mehr als Grande Dame der großen Gefühle und präzisen Stimmführung. Jan Ammann glänzt mit Stimmgewalt und Charisma mit „Seele für Seele“ aus Nimsgerns Freischütz-Musical. Es folgt Alexander di Capri mit „Das Feuer der Hölle“ aus „Der Glöckner von Notre Dame“, der einen gezeichneten Frollo mimt. Ebenso schwer ringt Daniel Gutmann als Biest mit sich in seiner leidenschaftlichen Interpretation von „Evermore“ aus „Die Schöne und das Biest“. Daniel Schuhmacher schließt mit „Hurricane“ aus „Death Note“ den Block eindrucksvoll ab.
„Elisabeth“ darf nach der diesjährigen Tour natürlich nicht fehlen. Navina Heyne und Marle Mertens berühren in der Begegnung der jungen Elisabeth mit der vom Leben gezeichneten Kaiserin. Der Tod wird an diesem Abend von Jan Ammann sehr dunkel interpretiert. Isabella Schober debütierte bereits auf der Tour als „kleiner Rudolf“ in dieser Rolle und fasst auch hier mit „Mama, wo bist du?“ ans Herz. Dennis Henschel wird – wie schon auf Tournee – mit seiner Interpretation von „Mach auf, mein Engel“ zu Recht gefeiert.
Im zweiten Akt folgt ein eindrucksvoller Zusammenschnitt aus „Jekyll & Hyde“: Das leidenschaftliche Spiel Thomas Borcherts und sein präziser Wechsel der Stimmfarbe während der „Konfrontation“ von Dr. Jekyll und Mr. Hyde lassen das Publikum erschaudern.
Es folgt ein weiterer Medley-Block unter dem Titel „Halloween-Mix“. Maricel interpretiert mit Hingabe ihr selbst geschriebenes „Mörder unter sich“. Navina Heyne beschwört die bereits verstorbene „Rebecca.“ Marle Mertens heizt dem Publikum mit „Another One Bites the Dust“ aus “We Will Rock You” ein. „What Part Of My Body Hurts The Most“ aus “Bat Out of Hell” in der Interpretation von Daniel Schuhmacher und Esther-Larissa Lach rüttelt emotional wach.
Im weiteren Verlauf folgen noch größere Blöcke, u.a. zu „Der Besuch der alten Dame“, „Les Misérables“ und „Wicked“. Hier erreichen die Darbietungen allein durch ihre inhaltliche Stringenz wieder eine höhere Intensität von Immersion.
Dem Kinostart von „The Kiss of the Spider Woman“ kommt der entsprechende Showblock zuvor: Andreas Bieber, Daniel Gutmann und Max Best interpretieren halbszenisch die beklemmende Gefängnisszene, bis Navina Heyne als Aurora mit „Der Kuss der Spinnenfrau“ die Szene dominiert.
Das Herzstück des Abends ist der große Block zu „Tanz der Vampire“. „He, ho“ ertönt es aus dem Zuschauerraum, als Nico Went als Alfred auftritt. Er trifft auf Anja Wendzel als Sarah („Nie geseh’n“). Wendzel stimmt Alexander di Capri als Graf von Krolock zu, als dieser beteuert: „Gott ist tot“. Went verzehrt sich in „Für Sarah“ nach ihr. Filippo Strocchi lädt schließlich zum Ball, bevor Borchert und Ammann Wendzel im Doppelpack in die „Totale Finsternis“ entführen. Der Höhepunkt der gesamten Show ist – wie jedes Jahr – die vierstimmige „Unstillbare Gier“: Diesmal sind es Ammann, Borchert, di Capri und Strocchi, die den Grafen als gebrochene Seele zeichnen.
Im vierten und letzten Akt trumpft das Ensemble – ebenfalls traditionell – mit einem Zusammenschnitt aus „The Rocky Horror Picture Show“ auf: Bei Dennis Henschels und Amber-Chiara Euls „There’s a Light“ winkt das Publikum Brad und Janet mit Lichtern aus dem Zuschauerraum. Andreas Bieber feiert sich als Frank’n Furter in „Sweet Transvestite“ und nicht nur das Ensemble ist ihm erlegen. Eul als Janet und Henschel als Brad wirken wie „infiziert“, als sie schließlich in BH, Strapsen und Federboa die Bühne verlassen.
Im finalen Party-Block lassen sich die Musicalstars noch einmal gebührend feiern: Navina Heyne wird mit Thomas Borchert – aka James Bond – zum Bond Girl („Another Way To Die“). Nico Went interpretiert „Es lebe der Tod“ aus „Romeo und Julia – Liebe ist alles“ als seinen ersten Finalsong. Alexander di Capri und Jan Ammann setzen mit „Nothing Else Matters“ von Metallica im Original ein weiteres Highlight. „Abracadabra“ und „Bad Romance“ von Lady Gaga sind vom Mitternachtsball nicht mehr wegzudenken, finden Daniel Schumacher und Nico Went. Dennis Henschel performt seinen eigenen Song „Ich seh dich“ und berührt dadurch, dass er sich selbst berührbar zeigt. Mit „Regenbogenfarben“ spannt das Ensemble einen warmen Bogen zum Publikum, das bei der Zugabe Henschel zustimmt: „Das ist Wahnsinn!“ – Ein Wahnsinn, nach über 60 (!) Titeln ein Publikum zu verabschieden, das eigentlich immer noch nicht genug hat. Welch große Leistung aller Beteiligten auf und hinter der Bühne!
Der Verabschiedung Andreas Biebers „Bis zum nächsten Jahr!“ kommen wir von der Redaktion gerne nach – und können dies jedem nur wärmstens empfehlen!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musikal. Leitung | Christoph Bönecker |
| Inszenierung / Choreographie | Yara Hassan |
| Entwickelt von | Andreas Luketa |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Fr, 31.10.2025 19:30 | Theater am Marientor, Duisburg | Premiere |

