Ensemble ©Johan Persson
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Tarzan (seit 11/2025)
Neue Flora, Hamburg

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Disneys Erfolgsmusical „Tarzan“ kommt nach 12 Jahren zurück nach Hamburg. Neben einem leicht überarbeitetem Bühnendesign sorgt vor allem ein neuer Cast für einen unvergesslichen Theaterabend.

Das Musical „Tarzan“, basierend auf dem gleichnamigen Disneyfilm, ist in Deutschland ein Dauerbrenner. Die Geschichte um den Waisen, der von Affen großgezogen wird und, nachdem er sich in Jane verliebt, zwischen seinen zwei Welten hin und her gerissen ist, feierte 2008 in der Neuen Flora seine Deutschlandpremiere. Seitdem wird „Tarzan“ nahezu ununterbrochen in Deutschland aufgeführt. Jetzt kommt es zurück in das Theater, wo es einst startete.

Über die Jahre hat sich einiges an der Inszenierung von Regisseur Bob Crowley geändert. In der Stuttgarter Inszenierung wurde das Stück leicht modernisiert: Jane ist zum Beispiel jetzt weniger ein Mädchen, das mit ihrem Vater mitreist und mehr eine eigenständige Wissenschaftlerin. Darüber hinaus wurde das Bühnenbild sowie die Licht- und Flugtechnik überarbeitet. Es verwundert also nicht sehr, dass die neue Hamburger Inszenierung in den Händen von Associate Director Marcel Landgrebe sich nicht besonders von der Stuttgarter Inszenierung unterscheidet. Einige kleine Änderungen im Bühnenbild wurden an die Neue Flora angepasst, Flugszenen neu einstudiert, und es gibt ein neues musikalisches Stück. Darüber hinaus wurde sich größtenteils an der erprobten überarbeiteten Version aus Stuttgart bedient.

Das Musical lebt von seiner Immersivität: Es wird nicht nur auf der Bühne gespielt, sondern im gesamten Zuschauerraum. Affen schwingen sich über die Köpfe der Zuschauenden. Die Grenzen zwischen Spielort und Publikum verschwimmen immer wieder und es entsteht eine Art ‚Mittendrin-Gefühl‘.

Das Bühnenbild ist in grüne Sträucher in Urwaldoptik getaucht und schafft sofort eine dichte Atmosphäre. Durch clevere Perspektivtricks und Projektionstechnik werden aber auch problemlos andere lebensechte Schauplätze erzeugt, die den Wechsel zwischen verschiedenen Orten der Geschichte mühelos wirken lassen. Kleinere Bühnenelemente wie Lianenschaukeln, Baumkronen oder Flüsse werden durch Hebebühnen oder Seile auf die Bühne gebracht, was Szenenwechsel sehr dynamisch macht und das Bühnenbild sehr lebendig und voll wirken lässt.  

Ein perfekt abgestimmtes Lichtdesign mit gut akzentuierten Lichteffekten und farbenfrohe Kostüme von bunten Pflanzen über Affen bis hin zum agilen Leoparden mit rot leuchtenden Augen macht die Illusion des Urwalds perfekt und zieht die Zuschauenden in die Welt von Tarzan hinein.

Am beeindruckendsten sind natürlich die Choreografien. Neben Flügen an Lianen, großen Tanz und Akrobatik-Nummern und Kampfszenen, die fast schon zu gruselig wirken, sind es vor allem die kleinen Dinge, die überzeugen. Die natürlichen Affenbewegungen, ein Leopard, der seine Opfer mit meterweiten Sprüngen angreift und die generelle Bewegung, die in allem steckt, verleihen den Kostümen und Charakteren eine sehr überzeugende Echtheit.

Die Musik von Phil Collins wird von einer 7-köpfigen Band unter dem Dirigat von Hannes Schauz, wie von Stage Entertainment zu erwarten, fehlerfrei und mit viel Energie zum Leben erweckt. Positiv aufgefallen ist, dass die Tonabmischung sehr gut gelungen ist. Die Musik übertönt nicht den Gesang und jedes Wort, gesungen wie gesprochen, ist klar zu verstehen. Es entstehen keine Verständnisprobleme aufgrund von schlechter Aussprache oder starken Akzenten, die bei solch internationalen Produktion häufiger auftreten.

Alexander Klaws, der seinen Kollegen Philipp Büttner und Bob van de Weijdeven die Rolle des Tarzans für 14 Shows abnimmt, beweist erneut, dass er in der Rolle viel Erfahrung gesammelt hat. Klaws flitzt in Hechtsprüngen über die Bühne und lässt alle akrobatischen Herausforderungen wirken, als wären sie für ihn kaum mehr als eine spielerische Bewegung aus dem Alltag. Dazu kommt eine Kombination aus schauspielerischem Talent, Humor und einer erprobten Gesangsstimme, die die Titelrolle abrundet.

Die Rolle des kleinen Tarzan wird von mehreren Jungen gespielt, die sich mit den Shows abwechseln. In der besuchten Vorstellung verzauberte der kleine Ivo das Publikum mit seiner positiven Ausstrahlung und Schauspiel- und Gesangskünsten, die insbesondere in Anbetracht des jungen Alters besonders hervorzuheben sind.

Abla Alaoui gibt als Jane eine überzeugende Forscherin ab, die von unstillbarer Neugier angetrieben wird und einerseits selbstbestimmt und mit klarem Verstand ihre Expedition erfüllen möchte, sich andererseits von der Natur und Tarzan dauerhaft ablenken lässt. Alaoui kann dabei auf eine gefühlvolle Gesangsstimme zurückgreifen und bietet zusammen mit Alexander Klaws ein starkes Bühnenpaar, das nicht nur auf emotionaler Ebene überzeugt, sondern auch mit viel Humor für viele lustige Szenen sorgt. 

Als Tarzans Affenmutter Kala zeigt Kerry Jean eine kraftvolle und dennoch herzliche Stimme, die die emotionalen Balladen ihrer Rolle zu kleinen Highlights der Aufführung macht.  Jean verleiht der Figur darüber hinaus durch ihr fein nuanciertes Spiel eine spürbare Tiefe, die dem Stück auch abseits der großen Musikmomente viel Gefühl und Nähe schenkt.

Kerchak, der übermäßig beschützerische Anführer des Gorillarudels, wird, wie bereits in Stuttgart, von Dániel Rákász verkörpert. Rákász füllt jede seiner Szenen mit einer starken Präsenz und die tontechnisch verstärkten Rufe verleihen seiner Figur eine durchgehende Wucht, ohne dass dabei die Sorge um das Rudel aus dem Blick gerät. So zeigt er den inneren Konflikt zwischen strenger Leitfigur und fürsorglichem Familienvater auf eine Weise, die sofort verständlich wirkt.

In puncto Komik spielt Elindo Avastia wie schon in Stuttgart ganz vorne mit. Als Terk, Tarzans bestem Freund, gibt er den klassischen Disney Spaßmacher und sorgt mit seiner Gestik, Mimik und gut platzierter Situationskomik für Dauerlacher im Publikum. Besonders die Synergie zwischen ihm und Tarzan, sowohl in der jungen als auch in der erwachsenen Version, lädt zum Mitfiebern und Mitlachen ein. Avastia trifft mühelos den Punkt zwischen heiterem Gefährten und loyalem Freund, sodass seine Figur weit mehr ist als nur die Quelle für schnelle Witze.

Als Janes schießlustiger Beschützer und Begleiter mit gewissem monetären Eigeninteresse tritt Luciano Mercoli als Clayton auf. Dabei gelingt es ihm immer als unsympathisch aber nicht durchweg böse zu wirken. Er wird nicht als absoluter Bösewicht des Stücks gebrandmarkt, was die Geschichte und seinen manipulativen Charakter glaubhafter macht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Tarzan“ nach wie vor ein Spektakel voller bezaubernder visueller Effekte und spannender Choreografie ist, das sich lohnt. Die Hamburger Inszenierung ist sehr nah an der Stuttgarter Inszenierung und überzeugt durchgehend mit einem Cast, der gut verständlich und technisch überragend ist.

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
KREATIVTEAM
Musik / LiedtextePhil Collins
BuchDavid Henry Hwang
Choreographie und TanzSergio Trujillo
Jim Abbott
Gianluca Passeri
Fight und Aerial ChoreographienPichon Baldinu
Rick Sordelet
Peter Stassen
Angela Phillips
Regie und AssistenzBob Crowley
Jeff Lee
Marcel Landgrebe
Licht und VideoNatasha Katz
George Reeve
Anthony Pearson
TonJohn N. Shivers
David Patridge
Orchestrierung und Vocal ArrangementsPaul Bogaev
Doug Besterman
Ratan Julian Jhaveri
Haar und Make-Up DesignDavid Brian Brown
Naomi Donne
Harold Mertens
Wouter Somers
KostümeBob Crowley
Reto Tuchschmid
Production SupervisorClifford Schwartz
Scenic DesignBrian Webb
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
TarzanPhilipp Büttner
Alexander Klaws [für angekündigte Vorstellungen]
Bob van de Weijdeven
(Rahién Testa
Riccardo Sinisi)

JaneAbla Alaoui
(Noor Avastia
Leonie Hammel)

KerchakDániel Rákász
KalaKerry Jean
(Noor Avastia
Bathoni Buenorkuor)

TerkElindo Avastia
(Lorenzo Di Girolamo
Leonardo Lusardi
Francesco Marino)

ClaytonLuciano Mercoli
(Bob van de Weijdeven)
Walk-In-Cover Kerchak / ClaytonMatthias Otte
John Vooijs
EnsembleNoor Avastia
George Brito
Lorenzo Di Girolamo
Jessica Ho
Aaron Hunt
Valeria Jones
Xavier Lott
Leonardo Lusardi
Gustavo Nuñez
Rahién Testa
Cross SwingsRafael Fernandes Balbinot
Stuart Gannon
Bradley Parsons
Juliy de Paula
Ali Sinclair
Emilia Viglanesi
Riccardo Sinisi
SwingsBathoni Buenorkuor
Leonie Hammel
John Hewitt
Francesco Marino
  
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TERMINE
Mi, 15.04.2026 18:30Neue Flora, Hamburg
Do, 16.04.2026 19:30Neue Flora, Hamburg
Fr, 17.04.2026 19:30Neue Flora, Hamburg
Sa, 18.04.2026 14:30Neue Flora, Hamburg
Sa, 18.04.2026 19:30Neue Flora, Hamburg
So, 19.04.2026 14:00Neue Flora, Hamburg
So, 19.04.2026 19:00Neue Flora, Hamburg
Di, 21.04.2026 18:30Neue Flora, Hamburg
Mi, 22.04.2026 18:30Neue Flora, Hamburg
Do, 23.04.2026 19:30Neue Flora, Hamburg
▼ 214 weitere Termine einblenden (bis 25.10.2026) ▼
 
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TERMINE (HISTORY)
Mi, 12.11.2025 19:00Neue Flora, HamburgPreview
Do, 13.11.2025 19:00Neue Flora, HamburgPreview
Fr, 14.11.2025 19:00Neue Flora, HamburgPreview
▼ 166 weitere Termine einblenden (bis 14.04.2026) ▼
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