Marc Antolin, Ensemble © Manuel Harlan
Marc Antolin, Ensemble © Manuel Harlan

The Producers (seit 11/2024)
Garrick Theatre, London

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Mit „The Producers“ bringt Patrick Marber Mel Brooks’ legendäre Musicalkomödie in einer temporeichen, klug gebauten und handwerklich herausragenden Neuinszenierung zurück ins West End. Nach dem ausverkauften Erfolg in der Menier Chocolate Factory beweist das Stück auch am Garrick Theatre, dass seine Mischung aus Respektlosigkeit, politischer Satire und altmodischem Broadway-Charme zeitlos funktioniert. Das Ergebnis ist ein Abend voller Energie, Witz und choreografischer Präzision – ein echter Publikumsmagnet mit inhaltlicher Substanz.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen der gescheiterte Produzent Max Bialystock (Andy Nyman) und der überforderte Buchhalter Leo Bloom (Marc Antolin). Als Bloom entdeckt, dass man mit einem Flop mehr Gewinn machen könnte als mit einem Hit, beschließen die beiden, ein garantiert erfolgloses Stück zu produzieren: „Springtime for Hitler“. Für ihren potentiellen Misserfolg rekrutieren sie den exzentrischen Nazi-Autor Franz Liebkind (Harry Morrison), die ehrgeizige Sekretärin Ulla (Joanna Woodward) und den eitlen Regisseur Roger DeBris (Trevor Ashley). Doch der Plan geht schief – ausgerechnet das geschmacklose Hitler-Musical wird ein Überraschungserfolg. Was als Betrug beginnt, endet als ungewollte Erfolgsgeschichte mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

Patrick Marber beweist in dieser Inszenierung eine klare Handschrift: präzises Timing, kluge Komik und feines Gespür für Rhythmus. Er versteht es, Brooks‘ anarchischen Humor nicht zu entschärfen, sondern ihn mit moderner Präzision zu schärfen.

Marber balanciert gekonnt zwischen klassischem Showtempo und pointierter Regiearbeit. Besonders in Ensemble-Nummern wie „Keep It Gay“ oder „Springtime for Hitler“ zeigt sich seine Stärke: Jede Szene ist genau getaktet, kein Moment dem Zufall überlassen. Er inszeniert das Chaos – aber mit System.

Auch Lorin Latarros Choreografie ist von bemerkenswerter Klarheit und Energie. Sie bringt Ordnung in den Übermut und Rhythmus in den Klamauk. „Keep It Gay“ entwickelt sich zum choreografischen Höhepunkt: eine spielerische Übersteigerung von Showklischees, die das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus hinreißen lässt.

Das Finale „Springtime for Hitler“ zeigt, wie präzise Humor durch Bewegung erzeugt werden kann: ein grell überzeichnetes, technisch perfekt ausgeführtes Bild aus Marsch, Step und Revue. Hier sitzt jeder Schritt und jede Pose – so beliebig sie auch scheinen mögen.

Scott Pasks Bühnenbild überträgt den intimen Stil der Menier-Produktion erfolgreich auf das größere Garrick Theatre. Es ist flexibel, funktional und witzig zugleich – mit durchdachten Details wie dem übergroßen Tresor, in dem Bialystock alles von Geld bis zu älteren Investorinnen versteckt.

Tim Lutkins Lichtdesign verleiht dem Stück visuelle Dynamik und unterstützt das komödiantische Timing. Paul Farnsworths Kostüme und Perücken sind bewusst überzeichnet, aber nie plump – ein Augenzwinkern an den Broadway der 1950er. Besonders die finale Showsequenz mit glitzernden Uniformen und übertriebenem Revueglanz ist eine präzise gesetzte Karikatur.

Andy Nyman überzeugt als Max Bialystock mit souveräner Bühnenpräsenz. Sein Spiel verbindet komödiantische Präzision mit einer feinen Tragik – er zeigt den abgehalfterten Produzenten als charmanten Überlebenskünstler, der zwischen Zynismus und Sehnsucht pendelt. Besonders seine Interaktionen mit den älteren Damen, die er um Investitionen bittet, sind von perfekt getimtem Humor.

Marc Antolin als Leo Bloom ist das nervöse Gegenstück. Seine physische Komik ist herausragend: Er agiert mit einer Elastizität, die zwischen Panik und Begeisterung schwankt. Wenn er in einem Anfall von Überforderung seine blaue Decke umklammert oder verzweifelt versucht, Bialystocks Pläne rational zu erklären, erzeugt das zugleich Komik und Mitgefühl.

Harry Morrison begeistert als Franz Liebkind, der Nazi-Autor mit der Vorliebe für Tauben (und der vielleicht etwas zu intensiven Beziehung zu einer davon). Seine Mischung aus Bedrohlichkeit und Blödsinn ist brillant – besonders, wenn er Bialystock und Bloom zwingt, auf Deutsch den Treueschwur auf den ‚Führer‘ zu leisten. „Der Guten Tag Hop Clop“ verleitet das Publikum zu spontanen Begeisterungsstürmen.

Trevor Ashley als Roger DeBris liefert eine Glanzleistung in Timing und Überzeichnung. Seine Interpretation des eitlen Regisseurs ist bewusst überdreht, aber stets kontrolliert. In „Keep It Gay“ treibt er die Selbstparodie auf die Spitze, und sein Auftritt als glitzernder ‚Führer‘ in „Springtime for Hitler“ gehört zu den komödiantischen Höhepunkten des Abends.

Joanna Woodward bringt als Ulla Leichtigkeit und Energie auf die Bühne. Ihr Song „When You Got It, Flaunt It“ ist kraftvoll, pointiert und charmant. Sie meistert die schwierige Balance zwischen Karikatur und Charakterzeichnung souverän und sorgt für Momente echter Präsenz in einem ansonsten stark männlich dominierten Cast.

Auch das Ensemble überzeugt auf ganzer Linie: Raj Ghatak (Carmen Ghia) bringt feine Gestik und Timing ein, Jermaine Woods glänzt als exaltierter Choreograf, Nolan Edwards als grantelnde Statue, und das Trio älterer Damen (Kelsie-Rae Marshall, Esme Kennedy, Kate Parr) sorgt mit perfekt getimtem Slapstick für zusätzliche Lacher.

So wird Patrick Marbers „The Producers“ zu einer rundum gelungenen Wiederbelebung eines Klassikers. Die Inszenierung zeigt, dass Satire auch in großem Format funktionieren kann, wenn sie handwerklich präzise und mit echtem Gespür für Timing umgesetzt wird. Die Kombination aus Marbers Regie, Latarros Choreografie, Pasks Ausstattung und einem spielfreudigen Ensemble macht diesen Abend zu einem intelligenten, hervorragend getakteten Revival, das Brooks’ anarchischen Humor mit heutiger Bühnenkunst verbindet. „The Producers“ am Garrick Theatre ist keine nostalgische Wiederholung – sondern ein Lehrstück dafür, wie man klassischen Klamauk mit Präzision, Haltung und Spielfreude neu zum Leben erweckt.

 
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KREATIVTEAM
InszenierungPatrick Marber
ChoreografieLorin Latarro
BühneScott Pask
KostümePaul Farnsworth
LichtRichard Howell
SoundNiamh Gaffney
Terry Jardine
Musical SupervisionGareth Valentine
Musikal. LeitungMatthew Samer
OrchestrierungLarry Blank
Mark Cumberland
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastCast (Historie)Ter­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
Max BialystockAndy Nyman
Ryan Pigden
Leo BloomMarc Antolin
Franz LiebkindHarry Morrison
UllaJoanna Woodward
Roger de BrisTrevor Ashley
Carmen GhiaRaj Ghatak
Storm TrooperAlex Lodge
Hold-Me Touch-MeKelsie-Rae Marshall
EnsembleNolan Edwards
Michael Franks
Esme Kennedy
Sinead Kenny
Josh Kiernan
Kate Parr
Emma Robotham-Hunt
Pierce Rogan
Hollie Jane Stephens
Jermaine Woods
SwingsMegan Armstrong
Olly Christopher
Gabrielle Cocca
Matt Gillett
 
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CAST (HISTORY)
=09.12.24-01.03.25=
Max BialystockAndy Nyman
Leo BloomMarc Antolin
Franz LiebkindHarry Morrison
UllaJoanna Woodward
Roger de BrisTrevor Ashley
Carmen GhiaRaj Ghatak
EnsembleCharis Alexandra
Nolan Edwards
Michael Franks
Matt Gillett
Leah Harris
Hana Ichijo
Esme Kennedy
Josh Kiernan
Alex Lodge
Kelsie-Rae Marshall
Chloe Saunders
Jermaine Woods
  
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TERMINE
Sa, 17.01.2026 14:30Garrick Theatre, London
Sa, 17.01.2026 19:30Garrick Theatre, London
Mo, 19.01.2026 19:00Garrick Theatre, London
Di, 20.01.2026 19:00Garrick Theatre, London
Mi, 21.01.2026 19:30Garrick Theatre, London
Do, 22.01.2026 14:30Garrick Theatre, London
Do, 22.01.2026 19:30Garrick Theatre, London
Fr, 23.01.2026 19:30Garrick Theatre, London
Sa, 24.01.2026 14:30Garrick Theatre, London
Sa, 24.01.2026 19:30Garrick Theatre, London
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TERMINE (HISTORY)
Di, 26.11.2024 19:30Menier Chocolate Factory, LondonPreview
Mi, 27.11.2024 19:30Menier Chocolate Factory, LondonPreview
Do, 28.11.2024 19:30Menier Chocolate Factory, LondonPreview
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