Kenneth Mattice (Vocals), Lilian Nikolić (Mover), Cheng-Yang Peng (Mover), Yu-Hung Phoebe Huang (Mover), Riccardo Maria Detogni (Mover), Carolin Rossow (Backing-Vocals) © Volker Beushausen
Kenneth Mattice (Vocals), Lilian Nikolić (Mover), Cheng-Yang Peng (Mover), Yu-Hung Phoebe Huang (Mover), Riccardo Maria Detogni (Mover), Carolin Rossow (Backing-Vocals) © Volker Beushausen

Like a Rolling Stone (2025 - 2026)
Theater Hagen gGmbH, Hagen

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Das Theater Hagen lädt in dieser Spielzeit zu einer musikalischen Rock-Pop-Punk-Party ein, die sich hören und sehen lassen kann: „Like a Rolling Stone“ nach dem Konzept von Francis Hüsers ist alles andere als eine konzertante Aneinanderreihung beliebiger Hits der Musikszene. Stimmgewaltige Solisten, ein vor Lebendigkeit sprühendes Tanzensemble und das mitreißende Spiel einer starken fünfköpfigen Rockband machen „Like a Rolling Stone“ zu einem besonderen Musiktheater-Erlebnis.

Um eines vorwegzunehmen: Es handelt sich hierbei nicht um ein Musical mit einer durchgehenden Handlung. Dennoch weist der Abend einen roten Faden auf, der auch Musicalfans zu berühren vermag.

Im Begleitheft des Abends finden sich neben den Songtexten auch die entsprechenden Interpretationen von Hüsers. Er belegt darin, dass die Liebe, die thematisch seit jeher die Popmusik dominiert, jeden Menschen durch das emotionale Auf und Ab in einen „rolling stone“ verwandelt – so, wie es Bob Dylan in dem titelgebenden Song beschrieben hat. Entsprechend anschaulich wird dies unter der Regie von Holger Potocki in unterhaltsamen Szenen umgesetzt. So wird „No Woman, No Cry“, das Hüsers als Aufforderung an die Frauenwelt versteht, mit der Heulerei aufzuhören, beispielsweise überspitzt und makaber als Beerdigungsszene inszeniert, in der der „Leichnam“, dargestellt von Patrick Sühl, den Gesang übernimmt und aus dem Sarg steigt.

Da neben der Liebe auch politische Einflüsse dazu beitragen, dass wir uns hin- und hergeworfen fühlen, wird dies ebenfalls thematisiert. So verdeutlicht der Auftritt einer Karikatur von Donald Trump zu „I’m Bored with the USA“ diese gesellschaftlichen Verwerfungen – ein Moment, der die Partystimmung des Abends kurzzeitig dämpft. Das Ensemble findet jedoch gemeinsam mit dem Publikum rasch zur vorangegangenen, hervorragenden Stimmung zurück.

Francis Hüsers spricht mit der Auswahl der gespielten Songs ein breites Publikum aller Altersgruppen an. Bis zur Pause stammen die meisten Hits aus den 1950er- bis 1970er-Jahren und berühren wohl besonders die älteren Generationen, die in Erinnerungen an ihre Jugendzeit schwelgen. Im zweiten Teil des Abends dominieren dagegen Songs aus den 1980er-, 1990er- und frühen 2000er-Jahren.

Vanessa Henning führt als Frontfrau des Ensembles souverän durch den Abend. Mit ihrer beeindruckenden Stimme fordert sie mit Erfolg das Publikum immer wieder durch direkte Ansprache zum Mitsingen und Klatschen auf. Frech und dominant im Ausdruck, stimmlich stets auf den Punkt, begeistert sie mit ihren individuellen Interpretationen von Hits wie „Every Breath You Take“ (The Police), „Try“ (P!nk) oder „What’s Up“ (4 Non Blondes). Auch tänzerisch überzeugt sie in den Choreografien von Noemi Emmanuela Martone und sticht mit ihrer Darbietung heraus. Im szenischen Spiel harmoniert sie besonders mit Patrick Sühl, ob als singende Ordensfrau („Livin‘ on a Prayer“) oder als Hippie-Mädchen am Lagerfeuer („Love Is Just a Four-Letter Word“).

Patrick Sühl rockt einen Song nach dem anderen und beweist sich als wandlungsfähiger Bühnenkünstler. Ob als Udo-Lindenberg-Double mit schnodderigem Genuschel („Alles klar auf der Andrea Doria“) oder als Bob-Dylan-Interpret („Like a Rolling Stone“) – er feiert seine Hits gemeinsam mit dem Publikum. Sühls Stimme beeindruckt mit ihrem enormen Volumen und vielfältigen Timbre. Mit seiner humorvollen und charmanten Umsetzung der Songtexte zieht er das Publikum in seinen Bann und wird als Rockstar des Abends gefeiert („Basket Case“).

Kenneth Mattice legt einen starken Auftritt hin, als er auf einer übergroßen Gitarre von der Decke der Bühne herabgelassen wird und in einem beflügelten Elvis-Overall „Hound Dog“ performt. Seine Spielfreude ist unübersehbar, sei es als exzentrischer Lebemann („My Baby Just Cares for Me“) oder als tapferer Robin Hood bei Hennings Interpretation von Bryan Adams‘ „(Everything I Do) I Do It for You“, dem Hit aus dem Soundtrack des Kevin-Costner-Films aus den frühen 90er-Jahren.

Das Tanzensemble begeistert mit Schwung und Leichtigkeit in Martones Choreografien. Die präzise und ausdrucksstarke Darbietung der Tänzerinnen und Tänzer trägt erheblich zur ausgelassenen Stimmung im Theatersaal bei. Das Publikum kann kaum stillsitzen und steht zeitweise wie bei einem echten Pop-Rock-Konzert auf, um mitzufeiern. Das Konzept der Show geht auf: Perfekt getanzter Contemporary und Rock ’n‘ Roll begeistern das Hagener Publikum.

Die Kostümauswahl von Andreas Becker kommt in jeder Szene zur Geltung und unterstreicht die jeweilige Atmosphäre des Songs. Schrille Farben, Fransen, Glitzer und Plateausohlen sorgen für eine authentische Zeitreise durch die Popmusikgeschichte.

Die Drehbühne des Theaters wird geschickt genutzt, um Umbauten zwischen den Nummern vor dem Publikum zu verbergen. Die Bühnenbildgestaltung orientiert sich an einem Bahnhof in Dartford: Hier sollen sich Mick Jagger und Keith Richards einst zufällig getroffen haben. Auf einer Brücke über der Szenerie spielt die fünfköpfige Band unter der Leitung von Andreas Reukauf. Die Musiker liefern eine energiegeladene Performance und passen sich flexibel den verschiedenen Genres der Songs an. Ein besonderes Highlight ist die instrumentale Santana-Nummer „Song of the Wind“, bei der Arjuna de Souza an der Gitarre, Jörn Brackelsberg am Bass und Andreas Laux an der Klarinette im Rampenlicht stehen.

Der Abend endet mit einer ausgelassenen Kissenschlacht zwischen Ensemble und Publikum zur Hymne „We Are the Champions“. In bester Stimmung verlässt das Publikum den Theatersaal, mit dem Gefühl, für einen Moment die Welt um sich herum vergessen zu haben – und vielleicht sogar mit der Erkenntnis, dass auch sie in Liebe und Weltgeschehen nichts anderes sind als ein „rolling stone“.

 
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KREATIVTEAM
Musikalische Leitung, ArrangementsAndres Reukauf
Konzept, DramaturgieFrancis Hüsers
InszenierungHolger Potocki
AusstattungAndreas Becker
ChoreografieNoemi Emanuela Martone
 
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CAST (AKTUELL)
VocalsVanessa Henning
Patrick Sühl
Kenneth Mattice
BandAndres Reukauf
Arjuna de Soua
Patrick Sühl
Andreas Laux
Jörn Brackelsberg
Volker Reichling
N. N.
MoverCheng-Yang Peng
Yu-Hung Phoebe Huang
Riccardo Maria Detogni
Backing-VocalsCarolin Rosso
Elizabeth Pilon
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 08.03.2025 19:30Großes Haus, HagenPremiere
Sa, 22.03.2025 19:30Großes Haus, Hagen
Mi, 09.04.2025 19:30Großes Haus, Hagen
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