© Henrik Matzen
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Ein Hauch von Venus (2025 - 2026)
Schleswig-Holsteinisches Landestheater, Rendsburg

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Dass Kurt Weill nach seiner Emigration während der Zeit des Nationalsozialismus in den USA am Broadway höchst erfolgreich war, ist bei uns wenig bekannt. Das erfolgreichste Stück dieser Schaffensphase, „Ein Hauch von Venus“, steht in einer soliden Produktion mit Schwächen auf dem Spielplan des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters.

Im hektischen Großstadtleben von New York der 1940er Jahre hetzen Menschen in Business-Outfits hin und her. In ihrer Mitte stellt die zum Leben erwachte, dreitausend Jahre alte Venus-Statue ernüchtert fest, dass sie sich in dieser Welt fremd fühlt. Es wird nicht das einzige Mal bleiben…

In Kurt Weills satirisch angehauchter Musical Comedy, die auf dem Pygmalion-Stoff basiert, erwirbt der reiche Kunstliebhaber Whitelaw Savory von dubiosen Schmugglern eine antike Statue der Liebesgöttin Venus. Nachdem sein biederer Frisör Rodney Hatch ihr beiläufig den eigentlich für seine Verlobte Gloria gekauften Ring über den Finger gestreift hat, erwacht sie als attraktive Frau aus ihrer steinernen Erstarrung zum Leben und setzt alles daran, ihren Erwecker für sich zu gewinnen. Dafür wird die Rivalin von der liebestollen Venus per Zauberkraft an den Nordpol verbannt. In der Folge wird Rodney des Mordes beschuldigt und landet gemeinsam mit Venus, an deren Finger der Ring entdeckt wird, im Gefängnis. Dank ihrer Zauberkraft können beide entkommen. Da in Rodney inzwischen das Feuer der Liebe zu seiner Retterin entfacht ist, erzählt er ihr, wie er sich das gemeinsame Leben im Vorstadt-Idyll mit Häuschen, Garten und Kindern vorstellt. Venus fremdelt mit dem drohenden, spießigen Hausfrauendasein und verschwindet zurück in den Olymp.

Das vor 82 Jahren am Broadway uraufgeführte Stück inszeniert Hendrik Müller ohne Regie-Mätzchen mit pointierter Personenführung als witzige Kritik am amerikanischen Way of Life. Allerdings wirkt ihre zweieinhalbstündige Spieldauer in einigen Szenen langatmig und ist von dramaturgischen Leerläufen geprägt. Auch wenn der Regisseur klamaukige Ansätze der Vorlage weitgehend geschickt umschifft, hätte etwas Straffung dem leicht antiquiert wirkenden Plot um die zum Leben erweckte antike Statue gutgetan. Unverzeihlich ist allerdings, dass in der erst 2019 entstandenen neuen deutschen Übersetzung von Roman Hinze immer noch frauenfeindliche Unsäglichkeiten wie, dass die perfekte weibliche Mischung aus Venus und Jungfrau bei Männern besonders gut ankomme, enthalten sind.

Optisch kann die Inszenierung weitgehend punkten. Das gilt sowohl für Ariane Isabell Unfrieds stilistisch-stimmiges Kostümbild, als auch für den von Rifail Ajdarpasic gestalteten Bühnenraum im Art Déco-Stil mit zwei verschiebbaren Showtreppen und Wolkenkratzer-Hintergrund. Allerdings wirkt das Bühnenbild im Rendsburger Stadttheater wie auf eine schmalere Bühne gequetscht, die noch vollgestellter wirkt, weil der Perkussionist und die Pianistin des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters aufgrund von Platzmangel im Orchestergraben ihre Instrumente links und rechts auf der Vorderbühne spielen.

Unter der Leitung von Sergi Roca Bru bringt der gesamte Klangkörper Kurt Weills Musik zum Funkeln. Die überaus spannende Partitur ist ein Mix aus elegantem Broadwaysound à la Cole Porter, Reminiszenzen an Revue-Operetten der 1920er Jahre und Dreigroschenoper-Anklängen. Die Musiker spielen die Swing-Elemente leichtfüßig, zelebrieren elegant die Walzer und stellten ihre stilistische Vielseitigkeit unter Beweis – das in der besuchten Vorstellung allerdings viel zu laut. Mit seiner Spielfreude übertönt das Orchester konsequent die Solisten, sodass vom Gesang vieles ungehört oder unverständlich bleibt. Gleichzeitig sollte die Tontechnik im Rendsburger Stadttheater Nachhilfestunden nehmen, denn die Microports sind viel zu leise eingestellt.

Ganze Arbeit geleistet hat hingegen Andrea Danae Kingston, die den im Stück intensiv geforderten sechs Paaren der Ballettcompagnie anspruchsvolle, exakt getanzte Choreografien abverlangt. Originell ist nicht nur der Tanz der zuckersüßen Hausfrauen-Püppchen, sondern auch die Hebefiguren im Bacchanal bei der Rückkehr der Venus auf den Olymp. Darüber hinaus gelingt Kingston der Spagat, die Mitglieder des Opernchores entsprechend ihrer Möglichkeiten zu bewegen, sodass direkt vor der Pause der gesamte Cast auf der Bühne bei der Erzählung über den mörderischen Doktor Crippen zu einer Einheit verschmilzt.

Strahlender Mittelpunkt der Inszenierung ist Kara Kemeny in der Titelrolle der Venus, die – soweit hörbar – nicht nur mühelos ihre Spitzentöne setzt, sondern auch die ganz große Diva auf die Bühne bringt. Vorlagenbedingt etwas blasser im Spiel bleibt Christian Alexander Müller als biederer Frisör Rodney. Auch er gefällt mit seinem Tenor im Gesang und harmoniert gut mit Kemeny in den Duetten. Als biestige Verlobte Gloria spielt Anna Avdalyan mit Quietschstimme und ist gemeinsam mit Ruth Müller als Florabelle Kramer ein sehr witziges Mutter-Tochter-Gespann mit Giftspritzenpotenzial. Mit dunklem Bass gefällt Kai-Moritz von Blanckenburg als leicht irre wirkender Kunstmäzen Whitelaw Savory, der in Vera Semieniuk als seine Assistentin eine kongeniale Bühnenpartnerin hat. Mit „Ein Hauch von Venus“ und dem Showstopper „Massen, Massen, Massen Geld“ glänzt sie auch gesanglich.

Das Schleswig-Holsteinische Landestheater zeigt nicht den perfekten Hauch von Venus. Kann es den überhaupt geben? Wegen des antiquiert wirkenden Buches vermutlich nicht. Allerdings ist die Produktion eine hervorragende Gelegenheit, Kurt Weill als erfolgreichen Broadway-Komponisten jenseits seiner „Dreigroschenoper“ kennenzulernen.  

Musical Comedy in zwei Akten von Kurt Weill
Gesangstexte von Ogden Nash
Buch von S. J. Perelman und Ogden Nash nach der Erzählung „The Tinted Venus“ von F. Anstey
Deutsch von Roman Hinze
Mit deutschen und englischen Übertiteln. Die englischen Übertitel geben die Originaltexte von Ogden Nash wider.

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungSergi Roca Bru
Avishay Shalom
Jooan Mun
Martynas Stakionis
Peter Geilich
InszenierungHendrik Müller
ChoreografieAndrea Danae Kingston
BühneRifail Ajdarpasic
KostümeAriane Isabell Unfried
 
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CAST (AKTUELL)
== 2025/26 ==
VenusKara Kemeny
Rodney HatchChristian Alexander Müller
Whitelaw SavoryKai-Moritz von Blanckenburg
Molly GrantVera Semieniuk
Mrs Florabelle Kramer / Zuvetli / Dr. RookSarah Kuffner
Ruth Müller
Gloria KramerAnna Avdalyan
Taxi BlackDritan Angoni
Stanley / PolizeileutnantMikołaj Bońkowski
SamEmanuele Senese
Gijs Machiel Stenger
Mrs MoatsCarolina Martins De Oliveira
Yi-Han Hsiao
Dr. CrippenYun-Cheng Lin
Chu-En Chiu
Belle ElmoreMeng-Ting Wu
Laura Elizalde Garcia
Ethel LaCarpePerla Gallo
Risa Tero
ChorOpernchor
TanzBallettcompagnie
OrchesterSchleswig-Holsteinisches Sinfonieorchester
 
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CAST (HISTORY)
VenusKara Kemeny
Rodney HatchChristian Alexander Müller
Whitelaw SavoryKai-Moritz von Blanckenburg
Molly GrantVera Semieniuk
Mrs Florabelle Kramer / Zuvetli / Dr. RookRuth Müller
Gloria KramerAnna Avdalyan
Taxi BlackDritan Angoni
Stanley / PolizeileutnantMikołaj Bońkowski
SamEmanuele Senese
Gijs Machiel Stenger
Mrs MoatsCarolina Martins De Oliveira
Yi-Han Hsiao
Dr. CrippenYun-Cheng Lin
Chu-En Chiu
Belle ElmoreMeng-Ting Wu
Laura Elizalde Garcia
Ethel LaCarpePerla Gallo
Risa Tero
ChorOpernchor
TanzBallettcompagnie
OrchesterSchleswig-Holsteinisches Sinfonieorchester
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 17.05.2025 19:00Stadttheater, FlensburgPremiere
Di, 20.05.2025 19:30Stadttheater, Flensburg
Sa, 31.05.2025 19:00Stadttheater, Rendsburg
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