Soufjan Ibrahim (Cosmo Brown) und Mitglieder des Tanz Theaters Pforzheim © Jochen Klenk
Soufjan Ibrahim (Cosmo Brown) und Mitglieder des Tanz Theaters Pforzheim © Jochen Klenk

Singin' in the Rain (2025)
Theater, Pforzheim

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Der zeitlose Musical-Klassiker „Singin‘ In The Rain“ wird in Pforzheim mit bemerkenswerten, cineastischen Bildern und hervorragender Orchestrierung zum Leben erweckt und verspricht kurzweilige, seichte Unterhaltung und einen heiteren Theaterabend.

„Good Morning“, „Broadway Ballet“ und „Make ‘Em Laugh“ – Nach der satt vertonten, träumerisch-schwelgenden Ouvertüre, in der, neben dem Titelsong „Singin‘ In The Rain“, auch die bekanntesten Melodien des auf dem 1952er-Klassiker basierenden Musicals angestimmt werden, ist deutlich: Die von Michael Pichler geleitete Badische Philharmonie Pforzheim ist der große Star dieser Inszenierung. Die Orchestrierung gelingt den über 20 MusikerInnen hervorragend einfühlsam und verträumt und wird der Partitur, die zum Großteil von Nacio Herb Brown stammt, absolut gerecht.

Oliver Paulis Inszenierung baut auf cineastische Kniffe und setzt die 1920er-Hollywood-Ästhetik des Golden Age of Cinema stimmungsvoll um: Die gefilmten Stummfilm-Szenen von Erwin Wagner werden wertig und gewinnbringend in das Bühnengeschehen eingebaut und Esther Bätschmanns Ausstattung verleiht der Produktion den Filmset-Flair, der von den großen Studios wie MGM oder Warner Bros. bekannt ist. Die Transition von Stummstreifen zu Filmmusical, während derer die Handlung des Stücks angesiedelt ist, wird visuell nachvollziehbar über die zahlreichen Videoprojektionen eingebettet. Auch die Kostüme zwischen Hollywood-Prunk und Filmkostümen fügen sich optisch nahtlos in das Gesamtbild ein. Michael Borowskis Lichtdesign setzt in den oftmals aus vorder- und hintergründiger Parallelhandlung bestehenden Szenen gezielte Akzente und kitzelt in den Tanzsepisoden träumerische Stimmung hervor. Auch die vielen Filmset-Szenen werden durch die einschlägige Lichttechnik deutlich authentischer gezeichnet.

Die Choreographien von Sophia Klemisch und Mar Rodríguez Valverde bedienen sich etlicher Anleihen aus den klassischen Bühnen- und Filmmusicals; die Handschrift von Astaire, Kelly, Donen, Berkeley und Fosse sind in jeden Tanzmoment erkennbar. Schöne, leider selten gewordene Stepptanzeinlagen finden sich vor allem im ersten Akt. Das choreographische Highlight kommt in der Szene „Make ‘Em Laugh“ daher, in der sich die Figur Cosmo Brown akrobatisch und übersprühend energetisch durch das Filmset schwingt, aber auch die Tanzeinlage zu „Moses Supposes“ und zum Aktfinale – dem ikonischen, ausgelassenen Tanz im prasselnden, in dieser Inszenierung zum Glück auch „echten“ Regen – können sich sehen lassen.

Herausragende Arbeit hat Regisseur Pauli bei der Vermittlung der Stimmung des Stückes geleistet: Das zeitweise recht zähe, dialoglastige und mit einigen redundanten Szenen gespickte Buch frisch, flott und interessant wirken zu lassen, ist nicht einfach. Durch Paulis fokussierte Szenenführung entstehen einige erinnerungswürdige Momente: Die Einführung des Novums „Mikrofon“ am Filmset wird zum Angriff auf die Lachmuskeln des Publikums, und die Diktionsübungen von Don, Lina und Cosmo für ihre neuen Sprechrollen werden durch den schnellen Schlagabtausch ebenfalls hoch unterhaltsam inszeniert. Die Szenenwechsel erfolgen rasch und dynamisch, sodass dem Stück einiges seiner buchbedingten Langatmigkeit genommen werden kann. Auch die lange „Broadway Ballet“-Szene wird hochunterhaltsam mit vielen Anspielungen an andere Musicals gefüllt – dabei sind unter anderen „Chicago“, „A Chorus Line“, „Cats“, „Les Misérables“ und „West Side Story“-Anleihen im beschwingten Ensemble zu finden, aber auch ein Tarzan, das Phantom mit seiner Christine und zwei Hamilton-esque Tänzer wirbeln über die Bühne. Ein großer Spaß für Musicalbegeisterte, die den Stilbruch mit dem restlichen Narrativ gerne verzeihen.

Bedauerlich, fast schon ironisch, dagegen sind die auftretenden Tonprobleme. Ironisch deshalb, weil diesem Thema eine ganze Comedy-Szene gewidmet wird – bedauerlich, weil die Probleme der Stimmung des Stücks zuwider laufen. So muss der Hauptdarsteller sein großes Solo „Singin‘ In The Rain“ mit einem Mikrofon singen, das ihn wie aus einem uralten Radio rauschend klingen lässt, und zuweilen werden kurze Kommentare oder Laute aus dem Backstage-Bereich auditiv in den Zuschauersaal übertragen.

Samuel Schürmann gibt einen träumerischen, süffisanten Don Lockwood, der wie aus einem schnulzigen Hollywood-Streifen entlehnt wirkt. Seine angenehme Gesangsstimme und sein Timbre passen perfekt auf die verträumten Lieder wie „You Stepped Out Of A Dream“ und „You Were Meant For Me“. Die Bühnenchemie zu Kathy Selden, die von Joanna Lissai authentisch, facettenreich und mit schöner Gesangsstimme interpretiert wird, ist greifbar und dem Kultfilmpaar Kelly/Reynolds würdig. Lissai überzeugt sowohl bei den ruhigen Nummern wie „You Are My Lucky Star“ als auch bei den schwungvolleren Liedern wie „Good Morning“ oder „All I Do“ und verleiht ihrer Figur Menschlichkeit in der ansonsten romantisch-überzeichneten Handlung. Franziska Fait nimmt das Publikum die schrille, etwas einfältige Lina Lamont gerne ab und belohnt sie in ihren Szenenauftritten, gespickt mit vielen Sprachfehlern und buchstäblich doofen Aussagen, mit herzhaften Lachern. Dass ihre Rolle im zweiten Akt von verblendet zu boshaft wechselt und mit „What’s Wrong With Me?“ eine fast tragisch ignorante Facette erhält, weiß Fait vollumfänglich aufzufangen und auf den Brettern darzustellen. Auch Lukas Schmid-Wedekind als Studiochef R.F. Simpson, Vivien Andrée als übermotiviertes Showgirl Zelda und Janne Geest als Diktionscoach Miss Dinsmore verleihen ihren Rollen lustig-unterhaltsame Momente, die die Gesamtinszenierung ergänzen. Soufjan Ibrahim ist mit seiner energetischen Performance als Cosmo Brown im Ensemble das große Highlight des Abends. Hochsympathisch, mit bemerkenswerter Kondition und übersprühendem Enthusiasmus fängt er das Publikum ein – sowohl seine gesanglichen Soli als auch seine harmonischen Duette mit Schürmann bleiben im Gedächtnis und wissen zu begeistern. Eine insgesamt runde Inszenierung, die den Besuch in Pforzheim durchaus lohnenswert macht!

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungMichael Pichler
InszenierungOliver Pauli
ChoreografieSophia Klemisch
Mar Rodríguez Valverde
AusstattungEsther Bätschmann
 
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CAST (AKTUELL)
Don LockwoodSamuel Schürmann
Kathy SeldenJoanna Lissai
Cosmo BrownSoufjan Ibrahim
Lina LamontFranziska Fait
R. F. SimpsonLukaus Schmid-Wedekind
Roscoe DexterBernhard Meindl
DoraDorothee Böhnisch
Zelda, Hofdame
(Film)
Vivien Andrée
Mary Margret/Miss Dinsmore, Sprecherzieherin/ RegieassistentinJanne Geest
RodDirk Konnerth
Spendryll / Bösewicht
(Film)
Santiago Bürgi
PolizistLeopold Bier
Experte
(Film)
Philipp Werner
BallettTanz Theater Pforzheim
KomparserieStatisterie des Theaters Pforzheim
OrchesterBadische Philharmonie Pforzheim
  
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TERMINE
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 29.03.2025 19:30Großes Haus, PforzheimPremiere
Fr, 11.04.2025 19:30Großes Haus, Pforzheim
Di, 15.04.2025 20:00Großes Haus, Pforzheim
▼ 10 weitere Termine einblenden (bis 08.07.2025) ▼
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