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Bereits zum dritten Mal inszeniert Cusch Jung den Frank-Wildhorn-Klassiker „Jekyll & Hyde“. Nach seinen Arbeiten für die Freilichtspiele Tecklenburg und die Musikalische Komödie Leipzig bringt er seine Vision der Geschichte über den jungen Forscher Dr. Jekyll, der sich, beim Versuch das Gute vom Bösen im Menschen zu trennen, in den grausamen Edward Hyde verwandelt und eine Blutspur durchs viktorianische London zieht, nun ins Staatstheater Meiningen. Eine Inszenierung mit Licht und Schatten, die hinter ihren Möglichkeiten bleibt.
Cusch Jung verlässt sich in seiner Inszenierung auf bekannte Inszenierungsideen: Wenn Dr. Jekyll, nachdem er sich die Drogen gespritzt hat, um seinen Selbstversuch zu wagen, in sein Notizbuch schreibt, tut er dies mit seiner rechten Hand. Wenn er die Notizen als Alter Ego Hyde weiterführen möchte, schlägt er sich den Stift aus der rechten Hand und schreibt mit der linken weiter. Dr. Jekyll trägt seine langen Haare ordentlich zum Zopf gebunden, die Verwandlung in den bösartigen Hyde geschieht, indem er sich den Zopf löst und ihm die wilde Mähne in Strähnen über das Gesicht hängt. Leider kopiert Cusch Jung seine mittlerweile über zehn Jahre alte Inszenierung beinahe komplett und verpasst damit die Chance, einen Blick darauf zu wagen, was die Geschichte in Zeiten von Selbstoptimierung heute aussagen könnte. Gerade in einer Welt, die oft Perfektion fordert und einen starken Fokus auf die Optimierung der eigenen Person legt, bleibt die Frage nach der Akzeptanz der eigenen Dualität aktueller denn je.
Leider hat auch die Darstellung der Figur Archibald einen schalen Beigeschmack: Mit betont schwuler Stimme und tuntigen Gesten, wie dem dramatischen Überwerfen eines Schals, wirkt die Figur klischeehaft und überholt. Im Jahr 2024 sollte eine Darstellung, die Homosexualität auf Lächerlichkeit reduziert, zugunsten einer nuancierten Charakterzeichnung eigentlich überwunden sein. Dabei ist der Regie auf keinen Fall der Vorwurf zu machen, sie hätte sich nicht mit dem Werk auseinandergesetzt. Ideen, wie den Song „Mädchen der Nacht“ hinter die Ermordung Lucys zu legen, machen aus der Nummer eine bedrückende Anklage, die viel wirkungsvoller ist als in anderen Inszenierungen.
Bühnenbild, Lichtdesign und Kostüme wurden in großen Teilen aus der Leipziger Inszenierung übernommen und zeichnen in ihrer Mischung aus Fliesenoptik und historischen Säulen sehr schön den Übergang in das Zeitalter der Industrialisierung. Durch das Spiel mit Licht und Schatten und den Einsatz von bewusst gleißend blendendem Licht bekommt die Story einen unheimlichen und mystischen Touch. Die Kostüme sind hochwertig gearbeitet und nehmen die Farbsprache der Inszenierung sehr schön auf. Lediglich das Labor Jekylls wirkt ein wenig zu spartanisch im Gegensatz zum Bühnenbild in der Musikalischen Komödie.
Die Meininger Besetzung ist eine Mischung aus festem Ensemble und Gästen. Marianne Schechtel ist eine – im positiven Sinne – zutiefst unsympathische Lady Beaconsfield, über deren Ermordung sich im Publikum schon beinahe Genugtuung breitmacht. Außerdem übernimmt sie die Rolle der Nellie und darf dabei „Mädchen der Nacht“ mit ihrem Mezzosopran eine ungewöhnliche, sehr stimmungsvolle Note hinzufügen. Shin Taniguchi ist ein sehr warmherziger und väterlicher Sir Danvers. Cusch Jung legt seinen Utterson als loyalen Freund an, der seine Treue stets über seine Zweifel stellt. In der besuchten Vorstellung stand Monika Reinhard in der Rolle von Jekylls Verlobter Lisa auf der Bühne. Ihr Duett „Nur sein Blick“ mit Lucy (Anna Langner) ist der musikalische Höhepunkt des Abends. Schade, dass der später von Wildhorn für Lisa hinzugefügte Song „Must I Go On“ es nicht in diese Inszenierung geschafft hat. Anna Langners Lucy ist verführerisch, lasziv und verrucht und gleichzeitig zutiefst verunsichert und verängstigt im Zusammenspiel mit Edward Hyde. Langner gelingt es, die beiden Seiten ihrer Figur sehr glaubhaft zu verkörpern. Ihre großen Solos „Jemand wie Du“ und „Mein Leben“ liefert sie kraftvoll und intensiv ab. Die Doppelrolle des Henry Jekyll und Edward Hyde ist sowohl schauspielerisch als auch gesanglich eine wahre Herausforderung. In der besuchten Vorstellung stand Benjamin Sommerfeld – der sich die Rolle mit Florian Minnrop teilt – in der Titelrolle auf der Bühne. Vor allem im zweiten Akt kann Sommerfeld durch detailreiche Mimik und Gestik seine beiden gegensätzlichen Charaktere großartig zum Leben erwecken. Mit seiner Interpretation der „Konfrontation“ liefert er eine Visitenkarte für künftige Produktionen ab.
Der Chor und die Statisterie des Staatstheaters Meiningen übernehmen die vielen Ensemblenummern und zeigen sich vor allem in der Eröffnungsnummer des zweiten Aktes „Mörder!“ als extrem spiel- und bewegungsfreudig. „Fassade“ und die vielen Reprisen klingen in Meiningen durch den Opernchor mächtig und schon beinahe bedrohlich. Die Meininger Hofkapelle unter der Leitung von Ken Lui spielt die Kompositionen Wildhorns druckvoll, das Orchester könnte jedoch an der ein oder anderen Stelle lauter und satter klingen.
Die Meininger Inszenierung von „Jekyll & Hyde“ bietet einen Theaterabend, der sowohl musikalisch als auch darstellerisch in weiten Teilen überzeugt. Dennoch bleibt der Eindruck, dass das Potenzial, die Geschichte für das heutige Publikum neu und relevanter zu erzählen, nur in Ansätzen ausgeschöpft wird. In einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität aktueller denn je ist, hätte eine mutigere, zeitgemäßere Sichtweise der Vorlage gutgetan.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik | Frank Wildhorn |
| Buch und Liedtexte | Leslie Bricusse |
| Orchestrierung | Kim Scharnberg |
| Übersetzung | Susanne Dengler Eberhard Storz |
| Musikalische Leitung | Kens Lui |
| Regie und Choreographie | Cusch Jung |
| Bühnenbild | Karin Fritz |
| Kostüme | Sven Bindseil |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Dr. Henry Jekyll/Edward Hyde | Florian Caspar Minnerop Benjamin Sommerfeld |
| Lucy Harris | Anna Langner |
| Lisa Carew | Sara-Maria Saalmann Monika Reinhard |
| John Utterson | Cusch Jung |
| Sir Danvers Carew | Shin Taniguchi |
| Lady Beaconsfield / Nellie | Marianne Schechtel |
| Bischof von Basingstoke | Johannes Mooser Tobias Glagau |
| Lord Savage | Andreas Kalmbach |
| Simon Stride / Spider | Steffen Köllner |
| Poole | Matthias Richter |
| Sir Archibald Proops | Silvio Wild |
| General Lord Glossop | Horst Arnold |
| Priester | Tarik Akman |
| Bissett, Apotheker | Sang-Seon Won |
| 2 Zeitungsjungs | Yannik Schiller Raphael Hering |
| Chor | Chor des Staatstheaters Meiningen |
| Komparsen | Statisterie des Staatstheaters Meiningen |
| Musik | Meininger Hofkapelle |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| So, 17.05.2026 18:00 | Großes Haus, Meiningen |
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