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Für eine kurze Spielzeit gastiert derzeit eine Tournee-Produktion von Andrew Lloyd Webbers Musical „The Phantom of the Opera“ im Musicaltheater Basel. Die Non-Replika-Inszenierung , die ursprünglich für den südosteuropäischen Raum konzipiert wurde und 2015 ihre Premiere in Rumänien feierte, war mittlerweile auch in Saudi-Arabien, Dubai und Oslo zu sehen. Zwar kann „Phantom“ in Basel mit einer in weiten Teilen großartigen Besetzung sowie einem bombastischen Orchestersound aufwarten, doch den Vergleich zur Londoner Fassung oder der derzeit in Wien gezeigten Neuinszenierung hält diese Version nicht stand.
Es ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, dem sich Stephen Barlow stellte, als er eines der Musicals, das am stärksten mit seiner ursprünglichen Inszenierung verbunden ist, neu interpretierte. Zwar gibt es auch in seiner Version den unterirdischen See, die Bootsfahrt von Christine und dem Phantom sowie den herabstürzenden Kronleuchter. Doch ansonsten ist in seiner Erzählung beinahe nichts so, wie es das Publikum bisher kannte. Das beginnt bei der Charakterzeichnung des Phantoms und Christines und setzt sich bis zu den Schauplätzen fort, an denen die Geschichte spielt. Barlow entzaubert die Figur des Phantoms bereits sehr früh, indem er das Geheimnis um dessen Maske und die fürchterliche Entstellung schon in der Szene lüftet, in der Christine ihm nach „Music of the Night“ die Maske abnimmt. Konsequenterweise verzichtet diese Inszenierung auch im weiteren Verlauf auf die Zaubertricks des Phantoms, wie etwa die Feuerbälle oder das magische Lasso. Christine wirkt in Barlows Fassung weit faszinierter von und beinahe schon verliebt in das Phantom. Wenn er bei „Music of the Night“ davon schwärmt, für sie Musik zu schreiben, hängt sie an seinen Lippen, und man erwartet beinahe, dass sie ihn jeden Moment küssen möchte. Während Christine in der Original-Inszenierung bei der Aufführung von „Don Juans Triumph“ dem Phantom die Maske entreißt und es so der Öffentlichkeit zur Schau stellt, nimmt das Phantom in dieser Version die Maske selbst ab. Leider erreicht diese Lesart der Szene nicht annähernd die große emotionale Wirkung des Originals.
Ebenfalls neu gestaltet wurde das gesamte Bühnenbild. An einigen Stellen hat Bühnenbildner Andrew Riley äußerst gelungene Ideen: Das unterirdische Labyrinth erscheint bei ihm als ein rau in die Felswände geschlagener Raum, in dem eine riesige Orgel zentral platziert ist. Zentrales Bühnenelement ist – wie schon in der Tournee-Inszenierung, die auch als Vorlage für die aktuelle Wiener Fassung diente – eine halbrunde Wand, die sich in die Bühnenmitte hineinwölbt. Diese Wand steht auf einer Drehbühne, an der sich die Treppe ins Labyrinth befindet. Wenn dieses Element sich dreht und die Rückseite sichtbar wird, entsteht ein fließender Übergang zu einem neuen Schauplatz, wie etwa dem Labyrinth. Verwirrend ist jedoch, dass die Treppe in genau derselben Optik sowohl ins Labyrinth des Phantoms als auch auf das Dach der Pariser Oper führt, wo sich Raoul und Christine nach dem Mord an Joseph Buquet treffen. Ihr Duett „All I Ask of You“ singen sie auf dem höchsten Punkt der Glaskuppel. Diese visuell ansprechend umgesetzte Szene wird allerdings durch einen optischen Bruch getrübt: Nach dem Song verlassen die beiden die Glaskuppel, indem sie eine Türe im Hintergrund öffnen, durch die sie die Bühne verlassen. Woher diese Türe im Nachthimmel von Paris kommt, bleibt leider unbeantwortet, ebenso die Frage, warum Christine bei ihrem Debüt in der Oper „Hannibal“ ihr „Think of Me“ vor verschlossenem Bühnenvorhang singt.
Neben dem Bühnenbild zeichnet Andrew Riley ebenfalls für die Kostüme verantwortlich. Diese orientieren sich an den Original-Entwürfen von Maria Björnson, ohne sie zu kopieren. Sie wirken allesamt detailreich und aufwendig gearbeitet. Der wohl deutlichste Unterschied ist, dass die berühmte Halbmaske des Phantoms hier die rechte Gesichtshälfte anstatt der linken bedeckt. Dies spiegelt sich auch im Logo der Show wider, in dem die Maske (erstmals) statt auf der rechten jetzt auf der linken Seite ist.
Christines großes Solo „Wishing You Were Somehow Here Again“, das sie im Original am Grab ihres Vaters auf dem Friedhof singt, wurde hier ebenfalls auf das Dach der Pariser Oper verlegt. Auch wenn die Szene am Grab sicherlich emotionaler wirkt, bietet diese Inszenierung schöne visuelle Momente: Während Christines Song beginnt es zu schneien, und als sie von den verführerischen Worten des Phantoms hypnotisiert wird, droht sie beinahe, vom Dach zu stürzen.
Auf der Haben-Seite von „Phantom“ in Basel steht allerdings die musikalische und schauspielerische Umsetzung. Das Orchester unter der Leitung von Ben Mark Turner klingt – trotz tourneebedingter reduzierter Größe (im Orchestergraben nehmen 14 Musikerinnen und Musiker Platz) – voll und liefert einen satten Sound mit wummernden Bässen im Titelsong und fein abgestimmter Aussteuerung in den leiseren Momenten. Turner führt sein Orchester enorm schwungvoll durch Lloyd Webbers Kompositionen, was der Inszenierung ein wohltuendes Tempo gibt. Die Tournee-Besetzung kann sich sehen lassen. In der besuchten Vorstellung verkörperte Bridget Costello die Rolle der Christine Daaé, die sie auch schon im Londoner West End und in der Inszenierung des Sydney Opera House verkörpert hat. Mit ihrer klaren und auch in den Höhen kräftigen Stimme gibt sie eine tolle Christine. Aufgrund der eigenen Lesart der Show darf ihre Figur allerdings beinahe keine Entwicklung durchlaufen. Ihr Gegenüber steht mit Tim Howar als „Phantom“ ebenfalls ein Darsteller auf der Bühne, der seine Rolle bereits in der Londoner Originalinszenierung gespielt hat. Sein Phantom ist bei „Music of the Night“ noch einschmeichelnd, wird dann aber zunehmend wütender und unberechenbarer. Wunderbar gelingt ihm der emotionale Kipppunkt seiner Figur, wenn er Christine und Raoul bei ihren Liebesschwüren zuhören muss, sich dabei vor Schmerzen windet und den beiden daraufhin Rache schwört. Dougie Carters Raoul singt seine Rolle mit einem sehr angenehmen Timbre in der Stimme. Ansonsten bleibt er allerdings – rollenbedingt – eher blass. Jessica Hackett (Carlotta), Joseph Claus (Piangi) sowie Nicholas Garrett (Firmin) und Arvid Larsen (André) singen ihre Rollen gut. An den Witz und die Skurrilität, die ihren Figuren in der Originalinszenierung innewohnen, können sie allerdings nicht heranreichen. Mit einer klareren Personenführung wäre in diesen Rollen sicherlich noch mehr drin gewesen.
Die wohl gelungenste Szene dieser „Phantom“-Inszenierung ist die Schlussszene, mit der Regisseur Stephen Barlow die ganze Geschichte in eine Rahmenhandlung stellt: Wenn Christine und Raoul aus dem Labyrinth fliehen, hält Raoul die Maske des Phantoms in der Hand und möchte diese zurückgeben, das Phantom jedoch nimmt sie nicht entgegen. Zu den finalen Klängen der Reprise von „Music of the Night“ fährt das Bühnenteil mit dem Phantom immer weiter in den Bühnenhintergrund, bis es komplett in der Dunkelheit verschwindet. Zu den letzten Klängen des Orchesters sitzt dann Raoul wieder als alter Mann im Rollstuhl in der Auktionsszene der Anfangssequenz. Jetzt hat er die ersteigerte Spieluhr auf dem Schoß, und in der Hand hält er die Maske des Phantoms. In einem anderen Lichtspot erscheint dann Christine, immer noch als junge Frau, die jetzt allerdings nur noch eine Erinnerung Raouls ist.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik | Andrew Lloyd Webber |
| Lyrics | Charles Hart |
| Buch und zusätzliche Lyrics | Richard Stilgoe |
| Regie | Stephen Barlow |
| Choreographie | Ewan Jones |
| Bühnenbild und Kostüme | Andrew Riley |
| Licht | Howard Hudson |
| Sound | Adam Fisher |
| Musikalische Leitung | Richard Morris |
| Haar- und Make-Up-Design | Lars Carlsson |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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