Rolf (Christof Messner), Hanna (Roberta Valentini), Lisa (Da-yung Cho), Kostya (Ivo Kovrigar) © Tom Schulze
Rolf (Christof Messner), Hanna (Roberta Valentini), Lisa (Da-yung Cho), Kostya (Ivo Kovrigar) © Tom Schulze

Hello! Again? (2024 - 2025)
OPER LEIPZIG, Leipzig

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
 

Es war nur eine Frage der Zeit bis die Musik des nächsten Schlagerstars zu einem Musical verarbeitet wird. Vorbilder für solche Compilation-Shows gibt es nicht nur international, etwa mit „Mamma Mia!“ oder „We Will Rock You“, sondern auch im deutschsprachigen Raum, beispielsweise mit „Ich war noch niemals in New York“ oder aktuell im Wiener Ronacher mit „Rock Me Amadeus“. Besonders an „Hello! Again?“ ist jedoch, dass kein großer Konzern hinter der Entwicklung der Show steckt. Stattdessen hat Thomas Herrmanns das Stück speziell für die Musikalische Komödie in Leipzig geschrieben. „Hello! Again?“ versucht dabei, die bekannte Formel der Compilation-Shows mit einer frischen Perspektive zu versehen und setzt auf eine humorvolle Inszenierung sowie den Charme der zeitlosen Hits von Howard Carpendale.

Der Vorteil einer Compilation-Show liegt darin, dass das Autorenteam musikalisch auf Nummer sicher gehen kann, indem es die bekanntesten und beliebtesten Hits des jeweiligen Stars einbindet. Die Herausforderung ist jedoch, eine glaubwürdige Story um die Songs zu entwickeln. Thomas Herrmanns, der nicht nur Ideengeber, sondern auch Autor von „Hello! Again?“ ist, konzentriert sich in seiner Geschichte auf wenige Figuren und eine zentrale Handlung mit möglichst wenigen Nebenschauplätzen.

Auffallend ist dabei der deutliche Unterschied zwischen den beiden Akten der Show: Während der erste Akt relativ schwer in Gang kommt, da weder die Story vorangetrieben noch reflektiert wird, ist der zweite Akt sowohl erzählerisch als auch musikalisch dermaßen dicht, dass man fast vergisst, dass es sich um ein Jukebox-Musical handelt. Plötzlich erzählen die Songs Geschichten, und die Figuren gewinnen deutlich an Kontur. Unter der Regie von Thomas Herrmanns und Olivia Maria Schaaf entstehen wundervolle Musical-Momente. Besonders berührend ist etwa die Szene, in der Ottilie, in deren Haus die Geschichte spielt, zu „Tür an Tür mit Alice“ den Verlust ihrer ersten großen Liebe, ihrer Cello-Lehrerin, beklagt. Die Idee, Ottilie zu einem Medium zu machen, das die längst verstorbenen Bewohner des Hauses sehen kann, erweist sich im zweiten Akt ebenfalls als clever. So bilden die „Geister der Vergangenheit“ den Chor zu Rolfs „Das Lied, das Leben heißt“ und schaffen damit einen unerwarteten, aber umso glanzvolleren Höhepunkt der Show.

Das Bühnenbild von Hans Kudlich besteht aus einem zweigeschossigen Haus auf einer Drehbühne, dessen Außenwände auf drei Seiten fehlen. Dadurch erhält das Publikum einen intimen Einblick in die Familiengeschichte. Das Haus ist dabei ständig in Bewegung und ermöglicht einen raschen Wechsel der Spielorte, was der Inszenierung ein optimales Tempo und beinahe etwas Filmisches verleiht. Besonders gelungen sind Szenen, in denen beispielsweise im oberen Stockwerk eine Szene der Geschichte stattfindet, während die Geister im unteren Stockwerk diese Szene gestisch kommentieren. Die präzise Lichtregie lenkt den Fokus dabei stets auf den entscheidenden Spielort. Die Kostüme von Aleksandra Kica unterstreichen geschickt die jeweiligen Epochen der über 30 Jahre umspannenden und immer wieder hin- und herspringenden Handlung. Mit einem Augenzwinkern greifen sie die modischen Besonderheiten der jeweiligen Zeit auf und wirken hochwertig, detailverliebt und sorgfältig ausgewählt.

Angela Mehling tritt in der Rolle der Ottilie als Erzählerin immer wieder aus der Handlung heraus und kommentiert die Szenen. Ihre Interpretation des guten, aber auch schrulligen Geistes des Hauses ist überzeugend. Mit dem erwähnten „Tür an Tür mit Alice“ hat sie zudem einen besonders berührenden musikalischen Moment. Christof Messner gestaltet den Übergang vom selbstbewussten Familienvater Rolf zum verzweifelten Mann, der vor den Trümmern seiner Ehe steht, glaubhaft. Seine Interpretationen von „Wie frei willst du sein“ und „Dann geh doch“ hinterlassen einen starken Eindruck. Roberta Valentini bringt die Zerrissenheit von Hanna zwischen den beiden Männern ihres Lebens auf den Punkt. Sie überrascht mit einem feinen Sinn für Humor und Timing, was sie in einigen Spielszenen eindrucksvoll beweist. Ihr „Ti Amo“ zum Aktfinale ist eine kraftvolle Anklage und verleiht einem der bekanntesten Songs von Howard Carpendale eine völlig neue Dimension. Thomas Hohler spielt Hannas Liebhaber Matteo mit Charme und beeindruckender Leichtigkeit. Stimmlich harmoniert er hervorragend mit Roberta Valentini. Die Tochter von Hanna und Rolf, Lisa, sowie deren Verlobten spielen die Ensemblemitglieder Da-yung Cho und Ivo Krovigar. Mit ihrem glockenhellen Sopran setzt Da-yung Cho in einer kurzen Reprise von „Wie frei willst du sein“ einen bezaubernden Akzent, während Ivo Krovigar mit seiner kraftvollen Stimme und viel Herzenswärme „Wofür es keine Worte gibt“ interpretiert. Gemeinsam mit dem Chor und dem Extrachor der Musikalischen Komödie Leipzig ist diese Besetzung rundum gelungen und trägt erheblich zum Erfolg der Show bei.

Das musikalische Team, bestehend aus Thomas Herrmanns, Marian Lux, Michael Nündel, Jonas Schoen-Philbert und Markus Syperek, hat die große Aufgabe gemeistert, die unterschiedlichen Songs von Howard Carpendale zu einem stimmigen Gesamtwerk zusammenzubringen. Sie schaffen es nicht nur, die Songs neu zu arrangieren, sondern auch, sie in völlig neuen Kontexten und Stimmungen erstrahlen zu lassen. Das knapp 30-köpfige Orchester unter der Leitung von Christoph-Johannes Eichhorn überzeugt mit einem wuchtigen, treibenden Klang, der der Inszenierung das richtige Tempo verleiht.

Trotz der erzählerischen Schwächen im ersten Akt entfaltet „Hello! Again?“ im zweiten Teil eine beeindruckende musikalische und dramaturgische Stärke, die das Gesamtbild abrundet. Mit „Hello! Again?“ ist dem Team um Thomas Herrmanns eine Show gelungen, die sich in den nächsten Jahren vermutlich auf vielen Spielplänen deutschsprachiger Stadttheater wiederfinden wird. Der Blick auf den Kartenvorverkauf für die noch anstehenden Shows lässt bereits jetzt einen großen Erfolg für die Musikalische Komödie Leipzig vermuten.

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
KREATIVTEAM
Musikalische LeitungMichael Nündel
Christoph-Johannes Eichhorn
Musikalische GesamtkonzeptionThomas Hermanns
Marian Lux
ArrangementsMarian Lux
Jonas Schoen-Philbert
Markus Syperek
Idee, Konzeption, InszenierungThomas Hermanns
Co-RegieOlivia Maria Schaaf
BühneHans Kudlich
KostümeAleksandra Kica
ChoreographieMirko Mahr
ChoreinstudierungMathias Drechsler
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
HannaRoberta Valentini
OttilieAngela Mehling
LisaDa-yung Cho
RolfChristof Messner
MatteoThomas Hohler
KayaIvo Kovrigar
ChöreChor der Musikalischen Komödie
Extrachor
BallettBallett der Musikalischen Komödie
KomparserieKomparserie der Oper Leipzig
OrchesterOrchester der Musikalischen Komödie
  
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
TERMINE
keine aktuellen Termine
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
TERMINE (HISTORY)
Sa, 02.11.2024 19:00Musikalische Komödie, LeipzigPremiere
So, 03.11.2024 15:00Musikalische Komödie, Leipzig
Sa, 09.11.2024 19:00Musikalische Komödie, Leipzig
▼ 22 weitere Termine einblenden (bis 28.12.2025) ▼
Wie ist Deine Meinung zu dieser Produktion?
Tausch Dich mit anderen Musicalfans in unserem Forum aus.
Overlay