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Musical-Operette

Wie einst im Mai

Das war in Schöneberg...


Die Geschichte von der unmöglichen Liebe zwischen einem Berliner Jungen und einem adligen Fräulein in einer modernen, farbenfrohen Neufassung, untermalt von bekannten Kollo-Melodien wie "Unter'n Linden, unter'n Linden" oder "Die Männer sind alle Verbrecher". - Eine Hommage an Berlin, mitten im Herzen Berlins.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:24.04.2005
Letzte bekannte Aufführung:31.08.2005


Wer immer schon einmal wissen wollte, warum Frauen grundsätzlich im „Rudel“ eine Toilette aufsuchen, der erhält jetzt endlich im Berliner Schlossparktheater eine Antwort: sie ziehen über Männer her! Dass sie dabei den Gassenhauer „Die Männer sind alle Verbrecher“ zum Besten geben und einen dieser Übeltäter mit den Utensilien des stillen Örtchens malträtieren, ist nur eine der vielen Ideen, mit denen Hausherr und Regisseur Andreas Gergen den Nachfolger von „Pinkelstadt“ präsentiert. Und da es sich bei „Wie einst im Mai“ um eine Operette handelt, darf die Kloschüssel dieses Mal schon gülden erstrahlen!

Auch in ihrer neuen Produktion beleuchtet die unter dem Patronat der „Stage Holding“ stehende Bühne wieder der Konflikt zwischen Arm und Reich, dem Adel und der Arbeiterklasse: Im Berlin der 1850er Jahre liebt der patente Werkmeister Fritz Jüterbog Ottilie, den weiblichen Spross einer Adels-Mischpoke voller Standesdünkel. So verwundert es kaum, dass beide, wie die berühmten Königskinder, nicht zueinander finden dürfen. Fritze wandert deshalb in die Neue Welt aus, seine Otti wird zwischenzeitlich aus wirtschaftlichen Gründen mit ihrem Cousin, dem Lebemann Cicero von Henkeshoven verheiratet. Trotzdem kommt es natürlich zum unvermeidlichen Happyend – wenn auch durch einen dramaturgischen Kunstgriff aus der Rahmenhandlung: viele Jahre später können sich die Nachfahren der beiden Protagonisten, der nun adelige Fred von Jüterbog und die einfache Tilly (nein, nicht Lieschen!) Müller in einem Filmstudio in die Arme schließen.

Dieses etwas dürre Handlungsgerüst und die Gattungsbezeichnung „Operette“ werfen die berechtigte Frage auf, ob ein solches Stück heute noch gespielt werden sollte. Nach dem Besuch der Aufführung kann man diese Frage ganz eindeutig mit „ja“ beantworten, denn „Wie einst im Mai“ wurde erfolgreich einer Frischzellen-Kur unterzogen. Christian Struppeck und Andreas Gergen stützen sich dabei weitgehend auf die von Willi Kollo im Jahre 1943 geschaffene Überarbeitung des damals immerhin schon dreißig Jahre alten Klassikers aus der Feder seines Vaters Walter Kollo. Für die aktuelle Neufassung strich das Autoren-Duo einzelne, für den Fortgang der Geschichte nicht unbedingt erforderliche Figuren und rückte den Schluss näher an die Gegenwart heran. So dürfte der Song „In der U-Bahn“ ursprünglich einen ganz anderen Text gehabt haben. Als Schwachpunkt erweisen sich allerdings die im Original sicherlich mit Chor und Ballett bevölkerten „Massenszenen“ im Bahnhof und auf dem Ball: zehn Personen auf der Bühne des Schlossparktheaters wirkten da etwas dürftig.

Der Löwenanteil der Verjüngungskur stammt jedoch vom musikalischen Arrangeur Steven Gross. Er reduzierte das ursprünglich große Orchester auf vier Musiker. Unter der Leitung von Andreas Peschel bringen sie an zwei Keyboards sowie mit diversen Blas- und Schlaginstrumenten viele als Schlager unserer Großeltern bekannte Songs zu Gehör. Neben dem eingangs zitierten Schmählied auf die Männerwelt zum Beispiel „Unter’n Linden, unter’n Linden“ und „Das war in Schöneberg im Monat Mai“. Da jazzt und swing es manchmal, aber auch leisere, feine Töne dringen in den Gehörgang vor. Auf jeden Fall kann das überarbeitete Kollo-Werk seine Verwandtschaft mit Klassikern wie „My fair lady“ oder „Kiss me Kate“ nicht verleugnen.

Wie wichtig die Musik ist, unterstreicht Bühnenbildner Christoph Weyers. Er platziert die Musiker ebenerdig im Zentrum des Geschehens und zaubert mittels Drehbühne, herunter gelassenen oder herein fahrenden Versatzstücken sowie aufklappbaren Wänden aus einem auf den ersten Blick tristen Bühnenraum rasch eine fröhlich-bunte Welt. Die geschmackvollen und oft für kleine Überraschungen sorgenden Kostüme von Regina Schill illustrieren die jeweilige Epoche, in der die Handlung angesiedelt ist, während Günter Schoberth, die Personen im Laufe des Abends ganz schön alt aussehen lässt: danke Schminke und Perücke wird ein Lebemann ratzfatz zum Tattergreis im Rollstuhl und die noch vor einer Stunde taufrische Ottilie ergraut zusehends. Ob es allerdings Zufall ist, dass der alte Major von Henkeshofen optisch stark an René, den singenden Enkel beziehungsweise Sohn der bereits genannten Kollos, erinnert, wird wohl das Geheimnis des Maskenbildners bleiben.

Wesentlichen Anteil am Erfolg des Aufführung hat Andreas Gergen. Er streut in seine fantasievolle Regiearbeit wie aus einem Füllhorn immer wieder kleine, aber wirkungsvolle Ideen ein. Wenn beispielsweise Fritz die Heimat in Richtung Amerika verlässt, dann schippert ihn das Sofa, das gerade noch im Salon seiner Angebetenen stand, über den Ozean. Selbst die Unsitte, das Publikum von der Bühne aus zum Mitsingen zu animieren , gestaltet der Regisseur mit einem verschmitzten Augenzwinkern. Die Inszenierung besticht durch Tempo und Witz, Gergen lässt aber auch immer wieder Platz für die leiseren Momente. Besonders einfühlsam gelingt ihm das Wiedersehen von Ottilie und Fritz an dessen 70. Geburtstag: eng umschlungen tanzen die beiden rührigen Alten schließlich zu „Das war in Schöneberg...“ in den Lebensabend hinein.

Dass die mit Fingerspitzengefühl zusammengestellte Cast sichtlich Spaß an dieser Inszenierung hat, überträgt sich von Anfang an in den Zuschauerraum. Dabei schneidet die Damen-Riege unterm Strich besser ab, als ihre männlichen Kollegen. Allen voran glänzt Vasiliki Roussis (Ottilie von Henkeshofen). Egal, ob als Teenager, unglücklich verheiratete Dame der Gesellschaft oder Seniorin: die junge Darstellerin überzeugt in Spiel und mit Stimme. Dagmar Biener poltert derweil als komisch-walkürenhafte Mechthilde von Kiefernspeck durch die Szenerie, während Georgina Chakos ihre Auftritte unter anderem als schrill-berechnende Angostura in Gesang und Spiel voll auskostet. Komplettiert wird das Damen-Quartett durch Marta Helmin, die in mehreren kleinen Rollen bleibende Akzente setzt.

Den schönsten Auftritt des Abends hat jedoch Jens Jahnke. Er brilliert als Film-Tenor vor einem Papp-Brandenburger Tor und nimmt dabei seinen ganzen Berufsstand ganz herrlich auf den Arm. Auch als flatterhafter und windiger Cicero von Henkeshofen kann er nicht nur stimmlich überzeugen. Jahnke tanzt in einer Szene den ansonsten tadellosen Tobias Bonn (Stanislaus von Methusalem) glatt an die Wand: der kann nämlich leider nicht steppen – und probiert es zum Glück auch nicht. Gut in Form und mit beachtlicher Stimme präsentiert sich Matthias Freihof als Fritz Jüterbog. Auch wenn er in den ersten Szenen neben seiner Partnerin etwas ältlich wirkt, im Laufe des Abends und mit zunehmenden Alter seiner Figur vergisst man das jedoch und erfreut sich an seiner rollendeckenden Leistung und angenehmen Gesang. Andreas Mannkopff und Horst Schultheis präsentieren ihre Charaktere (Major von Henkeshofen beziehungsweise Justizrat Pergamenter) als kleine Kabinettstückchen, während Michael Chadim in seinen diversen Rollenportraits leider etwas farblos über die Rampe kommt.

Alles in allem bietet „Wie einst im Mai“ lockere und leichte Unterhaltungskost. Die Aufführung wirkt wie eine spritzige Mai-Bowle. Nach dem ersten, erfrischenden Schluck lechzt man nach mehr und genießt einen berauschten und unbeschwerten Abend. Einziger, elementarer Unterschied: Am nächsten Morgen hat man keinen dicken Kopf!

(Text: Kai Wulfes)




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Kreativteam

Text und Musik Walter Kollo
Willi Kollo
Regie Andreas Gergen
Musikalische Leitung Steven Gross
Choreographie Melissa King
Bühnenbild Christoph Weyers
Kostüme Regina Schill


Besetzung

Major von Henkeshofen Andreas Mannkopff
Ottilie von Henkeshofen Vasiliki Roussi
Katharine Mehrling
Fritz Jüterbog Matthias Freihof
Andreas Gergen
Stanislaus von Methusalem Tobias Bonn
Jens Janke
Cicero von Henkeshofen Jens Janke
Frank Brunet
Mechthilde von Kiefernspeck Dagmar Biener
Justizrat Pergamenter Horst Schultheiss
Uwe Dreves
Juliette Marta Helmin
Angostura Georgina Chakos
Harry Michael Chadim



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


17 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


6453
Unentschlossen inszeniert

31.12.2009 - Wohin will das Schlossparktheater? Das fragt man sich angesichts so gegensätzlicher Inszenierungen wie Pinkelstadt und "Wie einst im Mai". Wen interessiert heute noch der Konflikt um die Liebe zwischen dem Sohn des Gutsverwalters und dem adeligen Fräulein? Das wirkt reichlich antiquiert. Die Musik ist teilweise aufgepeppt, aber "Unter'n Linden" bleibt eben ein Operettenstück. Da nützt auch die herausragende schauspielerische Leistung eines Toni Pfisters alias Tobias Bonn nicht viel. Andreas Mannkopf verpasst zwar den ein oder anderen Einsatz, aber das passt sogar zur Rolle. Das Ensemble ist überhaupt sehr gut. ein kleine Quälerei: Wenn Matthias Freihof zugleich singen und tanzen muss. Singen ist ohnehin nicht seine Stärke und das Tanzen...
Warum greift man hier nicht zu einem Musicaldarsteller, der das auch gelernt hat? Weil das Schlosspark-Theater den (wenig) prominenten Namen nutzen wollte und Matthias Freihof glaubt, er könne sowieso alles. Die Kulisse besteht hauptsächlich aus einem beweglichen Rasen-Rondell, in dessen Mitte die Band sitzt. Der Rest ist schwarze Hinterbühne mit ein paar bunten Accessoires. Das kahle Schwarz passte gut zu Pinkelstadt, aber für die Operette wirkt es düster und lieblos. Hätte eine angedeutete naturalistische Kulisse nicht eher dem Sujet und dem Publikum entsprochen? Doch wer ist das Publikum? Junge, alte, Musicalfans, Operettenfreunde, Touristen, Berliner, Steglitzer? Ich jedenfalls nicht. Empfehlenswert bleibt es für Operettenfreunde mit Sitzfleisch wegen der überwiegend guten Sänger und Schauspieler.

Dirk


6908
Bitte mitsingen!

31.12.2009 - Schön, auch mal eine modern inszenierte Operette zu sehen. Das Team um Andreas Gergen hat wieder sehr gute Arbeit geleistet. Daß Andreas Gergen neben seiner Intendanz und der Regiearbeit auch noch sehr symphatisch und gut bei Stimme die Hauptrolle verkörpert, beeindruckt. Das kennt man sonst nur von Helmut Baumann. Das Ensemble ist herlich komisch und eine gute Einheit. Besonders hervorzuheben: Der Divenauftritt von Georgina Chakos. Herrlich! Am besten gefiel mir Jens Janke als Stanislaus. Gerade als Alter im Rollstuhl. Perfekt! Das Bühnenbild ist einfach, aber passend. Leider war das Theater nicht mal halbvoll. Die SH muß eben bei solch einer mit Stadttheatern vergleichbaren Prodution an dieses Niveau anpassen, um ein volles Haus zu bekommen. Schade, daß sie das nicht merken...

Hardy


13529
Super!

19.07.2006 -

wolfgang schmidt


7610
EION MU? !

26.08.2005 - Wer das nicht gesehen hat, hat echt was verpaßt!

gregor


6837
Für ein älteres Publkum

18.07.2005 - Zugegeben, Operette ist nicht mein Fall. Wegen der guten Darsteller, allen voran Jens Janke, bin ich hingegangen. Da wurde ich auch nicht enttäuscht. Die Story ist jedoch mehr ein Klamauk, für Nicht-Berliner mitunter nicht so erheiternd. Das Publikum war größtenteils 65 Jahre aufwärts und hat sich köstlich amüsiert, da es an die eigene Jugend erinnert wurde.

ChristineL


6349
Operette nicht mein Fall

20.06.2005 - Es war jetzt nicht so mein Fall, aber alles in allem doch sehr amüsant und spritzig dargestellt. Die männliche Riege war deutlich schwächer besetzt, dass war aber nicht weiter schlimm. Fazit: Wer Operetten mag sollte hingehen, solange es noch läuft.

Louisa


6323
Spritzig, schnell, super: beste Unterhaltung

20.06.2005 - Hingehen und anschauen! Es lohnt sich!

houdini


6320
Wie einst im Mai

19.06.2005 - Tolle Sänger super show einfach klasse

Andreas Blaschke


6304
Ein MUSS! Klasse Inszenierung!

18.06.2005 -

Petra


5931
Das ist Spitze!

17.05.2005 - Endlich mal eine wirklich richtig tolle Show in Berlin. Entertainment auf allerhoechstem Niveau! Unbedingt ansehen!

Sabine


5930
Hingehen und sich amüsieren!

17.05.2005 -

Günni


5877
FANTASTISCH! NIX WIE HIN!

14.05.2005 -

Tommy


5654
Nicht meine Erwartungen

02.05.2005 - Ich hab ein Musical erwartet, schließlich wurde mir das bei der Stage Holding Hotline als Musical, nicht als Oper/Operette verkauft. Ich war dann doch ehrlichgesagt sehr enttäuscht und wär besser zur Pause gegangen!

Petra


5648
SUPER!

02.05.2005 - Ich war zur Premiere da und es war superklasse!


Respekt an Andreas Gergen und sein Team

Javert


5644
Besser geht's nicht!

02.05.2005 - Seit jahren die spritzigste und witzigste Inszenierung die in Berlin lief.

K. Dirksen


5561
Super!

26.04.2005 -

Kalle


5549
Operette ist im 21.Jhrhundert angekommen.....

26.04.2005 - Ein kurzweilig, temporeicher Abend mit viel Liebe zum Detail. Tolle Ausstattung (was man in einem Haus dieser Größe nicht erwartet) und hochklassige Darsteller.
Das Stüch in dieser Inszenierung hat Kultcharakter. Generationenverbindend ist es allemal.
Bin bald wieder drin..........

E.Baart


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