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Komödie

Kopfkino

Ich bin viele


© Matthias Heyde
© Matthias Heyde
Ganz großes Kino gibt es nicht nur auf der Leinwand, sondern auch auf der Musical-Bühne. Zum Beispiel beim turbulenten "Kopfkino" in der Neuköllner Oper, in dem eine tolle Darsteller-Riege in der Inszenierung von Peter Lund brilliert.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:13.04.2017
Rezensierte Vorstellung:13.04.2017
Letzte bekannte Aufführung:14.05.2017


Fine bringt es auf den Punkt: "Du machst echt komische Pausen, wenn du sprichst". Kein Wunder, denn ihr neuer Mitbewohner Lennard ist mit noch sechs weiteren Alter Egos ins WG-Zimmer eingezogen. Dies ist damit jedoch nicht restlos überbelegt, denn der infantile Theo (Nico Went), die durchgeknallte Tess (Friedrike Kury), der coole Macho Boris (Adrian Burri), die sinnlich-weibliche Helena (Lisa Katharina Toh), die vernünftige Sophia (Jasmin Eberl) und der ängstliche Jürgen (Helge Mark Lodder) existieren nur in Lennards Oberstübchen. Von dort aus versucht jede der Figuren, Lennards Leben in die eigene Richtung zu lenken. Dazu streiten und diskutieren sie, sind als Team aber immer auch Lennards Beschützer und führen die turbulente wie aberwitzige Story nach vielen Verwicklungen und dramaturgischen Wendungen schließlich zum Happy End. Wie heißt es dazu im finalen Song? "Ganz am Ende wird eben alles wirklich gut…".


Wie schon bei anderen Musicals aus der Feder von Peter Lund sind auch bei "Kopfkino" Lennards Alter Egos nur für ihn selbst und für das Publikum wahrnehmbar. Unter Lunds‘ Regie sind dies recht knallig gezeichnete Charaktere, die sich wunderbar ergänzen, aber auch so manche dunkle Seite haben. Helena hat ebenso ein Alkoholproblem wie der ewig geile Macker Boris. Im Laufe der Handlung kristallisiert sich heraus, dass beide für Lennards Eltern stehen, deren Ehe eigentlich nur noch auf dem Papier existiert und vor deren Streit-Exzessen und Saufgelagen Lennard aus Pforzheim nach Berlin geflohen ist.


© Matthias Heyde
© Matthias Heyde



Ohnehin spielen Drogen in diesem Stück eine große Rolle. Studentin Fine (Linda Hartmann) dealt mit allerlei bewusstseinserweiternden Substanzen, die sie im abgeranzt-vollgemüllten Wohnküchen-Bereich der WG (Szenerie: Daria Kornysheva) mit ihrem Freund Ben (Jonathan Francke) konsumiert und natürlich auch Lennard anbietet. Diese Drogen-Trips sind filmisch umgesetzt und flimmern in grellen Farben und schnellen Bildfolgen (Video: Richard Marx) über einen weißen Vorhang, der über die volle Bühnenbreite gezogen wird. So erlebt Lennard zum Beispiel auch seine eigene Beerdigung, bei der ihm seine Kopf-Weggefährten als Looser verspotten. Gerade in dieser Szene trumpft auch die sehr abwechslungsreiche Partitur von Thomas Zaufke auf, die hier vom schweren Choral zum überdrehten Gospel wechselt und in der Reprise der schönen Ballade "Geh noch nicht ins Bett" mündet. Die auf der linken Seitenbühne versteckte Sechs-Mann-Band unter Leitung von Hans-Peter Kirchberg ist auch während des gesamten Abends ein guter, zuverlässiger Klangkörper.

Was "Kopfkino" so sehenswert macht, sind seine tollen Sänger-Darsteller, die zudem überaus präzise die vielen zackig-modernen Choreografien von Neva Howard tanzen. Aus der Gruppe ragt hier die ungemein bewegliche Jasmin Eberl heraus, die mehrfach mühelos in den Spagat geht, und gemeinsam mit Helge Mark Lodder im Song "Angst und Umsicht" eine rasante Tanz- und Gesangs-Performance hinlegt.


© Matthias Heyde
© Matthias Heyde




Ohnehin wird auf sehr hohem Niveau gesungen. Das Lund-/Zaufke-Musical bietet jedem der Darsteller die Möglichkeit, sich in Ensemble-Nummern aber auch solistisch zu präsentieren. Das meistern alle in Bestform. Besonders in Erinnerung bleiben Jonathan Francke und Lisa Maria Hörl mit ihrem "Bla-Bla"-Duett sowie Nico Went und Markus Fetter in "Ich bin nicht kindisch". Als naives Kind im buntgemusterten Pyjama ist Went ohnehin eine Wucht und ragt schon rein vorlagenbedingt aus den sechs imaginären Alter Egos heraus. Als Hauptfigur Lennard ist Fetter auf den Punkt besetzt. Er spielt zunächst ein in sich zerrissenes wie verschüchtertes Landei ohne Perspektive, das zum Stückende jedoch zu sich findet und selbstbewusst seinen eigenen Weg geht. Im fetzigen Solo "Meine Stimmen und ich" läuft sein hoher, ungemein geschmeidiger Pop-Tenor zu Höchstform auf. Er liefert damit bereits im ersten Drittel der Show die Gesangsleistung des Abends ab.

Mit "Kopfkino" feiern die Neuköllner Oper und die Berliner Universität der Künste den zwanzigsten Geburtstag in der Ko-Produktion neuer Musicals. Es steht ganz in der Tradition der Vorgängerwerke und unterstreicht das hohe Niveau der Ausbildung an der Hochschule.

(Text: kw)






Kreativteam

InszenierungPeter Lund
Musikalische LeitungHans-Peter Kirchberg
Tobias Bartholmeß
ChoreografieNeva Howard
Bühnenbild und KostümeDaria Kornysheva
VideoRichard Marx


Besetzung

SophiaJasmin Eberl
FineLinda Hartmann
MonaLisa Hörl
TessFriederike Kury
HelenaLisa Katharina Toh
BorisAdrian Burri
LennardMarkus Fetter
BenJonathan Francke
JürgenHelge Mark Lodder
TheoNico Went


Band

Gitarre IJo Gehlmann
Michael Brandt
Gitarre IIHossein Yacery Manesh
SynthesizerMarkus Mittermeyer
Tobias Bartholmeß
SchlagzeugPhilipp Schmitt
Stephan Genze
Kontrabass
E-Bass
Ralph Gräßler
Carsten Schmelzer
KlavierHans-Peter Kirchberg
Tobias Bartholmeß




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Matthias Heyde
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Gute gemachtes kleines Musical

23.04.2017 - Ich habe die Show am 21.4 besucht und war sehr gespannt was die Neuköllner Oper diesmal macht mit den Studenten der UdK und deren Projekt.

Erstmal kann man nur gratulieren! In 20 Jahre sind mit der UdK wundervolle Stücke entstanden wie \"Mein Avatar und ich\", \"Kauf Dir ein Kind\", \"Schwestern im Geiste\", \"Grimm\", \"Stimmen im Kopf\", \"Letterland\" und und und...
Dazu noch die 10. Produktion von Zaufke/Lund in der Oper. Gratulation! Was die beiden für wundervolle Stücke geschaffen haben mit Z.b \"Elternabend\", \"Cinderella passt was nich\", \"Held Müller\" uvm.
Da kann man nur Allen Beteiligten alles Gute für die Zukunft wünschen und bleiben sie bitte weiter so herrlich kreativ!

Nun zum besuchten Abend:
Das Stück ist am Anfang etwas verwirrend bis sich alles klärt. Die Hauptrolle Lennard, sehr schön gespielt mit einem sehr gutem Tenor, hat seine 6 Gefühle im Gepäck, die immer mal wieder kommentieren und diskutieren.
Es wirkt ein bisschen wie der Disney Film \"Alles steht kopf\". Wie die Gefühle um die Aufgaben streiten und was wohl das Beste für Lennard ist.
Lennard muss sich aber nicht nur mit seinem \"Kopfkino\" auseinandersetzten sondern auch mit seiner Situation.
Aus der schwäbischen Heimat weggelaufen, findet er sich wieder in einer alternativen Drogen WG in Kreuzberg wieder. Dort leben der exibitionistische Ben mit seiner drogendealenden Freundin Fine.
Doch die Heimat holt Lennard in Person seiner Schwester Mona wieder ein.

Nach vielem Wirrwarr klären sich die Fronten und Lennard wird erwachsen und akzeptiert sein \"Kopfkino\" in all seinen Facetten.

Das Stück geht durch emotionale Höhen und Tiefen, und alle Darsteller nehmen die Herausforderung mit Freude auf. Gut genutzte Einspielungen, wie das erste Einkaufen im großen Berlin oder Lennards Beerdigung, findet man sich im wahrsten Sinne des Wortes wieder in Lennard Kopfkino, was auf einem riesigen weißen Vorhang der immer mal wieder auf der ganze Bühne gespannt wird.
Der Abend strotzt nur so von wundervollen Regie Einfällen, auf der sonst gleichbleibenden Bühne ( die doch sehr verdreckte WG ).

Choreografisch findet sich wieder viele bekannte Elemente, mit wenig Überraschungen, abgesehen von den sehr artistischen Einlagen im Duett von Jasmin Eberl und Helge Lodder.

Wieder einmal ins Schwarze trifft Thomas Zaufke mit seinem Score. Diesmal das ein oder andere mal etwas rockiger als gewohnt, aber wieder mit tollen Reprisen und Chören und Soli. Gerade bei diesen Projekten schafft er es einfach fantastisch für jeden Darsteller den Perfekten Song zuschreiben. Großes Lob wieder an die Band, die für den passende Musik sorgt.
Einzig der Sound ist manchmal etwas unausgewogen, sodass man des öfteren den ein oder anderen Darsteller nicht verstehen kann, da die Musik zu laut ist.

Das Ensemble spielt mit viel Freude und Talent.
Es wäre nicht fair jemanden herauszustellen, da alle glänzen an diesem Abend.
Man kann wiedermal sehen, das die deutsche Musical Szene sich keine Sorgen machen muss über talentierten Nachwuchs, die nicht nur tollen Stimmen besitzen, beweglich sind, und Spielfreude haben, sondern auch der deutschen Sprache mächtig sind.

Ein kleines, gut gemachtes Musical, was man auf jedenfall sich anschauen sollte.


Beitrag vom 21.04.2017 gesperrt

bazie (2 Bewertungen, ∅ 4.5 Sterne)


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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Zum 20. Jubiläum der Kooperation zwischen Neuköllner Oper und dem UdK-Studiengang Musical/Show toben sechs Alter Egos durch Lennards (überrragend: Markus Fetter) Kopf. Weiter so in den nächsten 20 Jahren!

13.04.2017

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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