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Drama

Romeo & Julia

Siehe da, sie liebt!


© Thuner Seespiele
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Nach knapp 10 Jahren Pause wird das Franko-Pop-Musical "Romeo und Julia" wieder im deutschsprachigen Raum gespielt. Die Stärken der Inszenierung von Christian von Götz liegen in der großartigen Umsetzung der Musik von Gérard Presgurvic, im Schauspiel und dem Gesang. Die kraftvollsten Regiemomente schafft Götz in den ruhigeren Passagen. Etwas weniger Aktivismus auf der Bühne hätte die Sache runder gemacht.

(Text: Simone Jaccoud)

Premiere:08.07.2015
Rezensierte Vorstellung:11.07.2015
Dernière:22.08.2015


"Schuldig – und nun die Welt ihr Urteil fällt" heisst es im Schlusssong. Der Tod, getarnt als Obdachloser, zieht von Beginn an seine Runden auf der Seebühne. Er zeigt klar, dass es auch hier in Thun kein Entweichen gibt. Beim Song "Die Angst" sitzt er Romeo buchstäblich im Nacken - eine Choreographie, bei der es dem Zuschauer kalt den Rücken runter läuft. Ein äußerst starker Regiemoment! Es sind diese Augenblicke, bei denen Musik und das Talent der Darsteller mit der Umgebung verschmelzen. Bei der man die Verzweiflung der Kinder, die Ohnmacht der Eltern und die Verliebtheit von Romeo und Julia spürt. Wenn der Bewegungsdrang, der größtenteils auf der Bühne herrscht, in den Hintergrund tritt.

© Thuner Seespiele
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Die diesjährige Bühne (Ulrich Schulz) hat die Form einer riesigen Halfpipe in den Farben rosa und hellblau. An den Seiten sind die Häuser der Capulets und Montagues integriert. Dieser Schauplatz verleitet dazu Neues auszuprobieren. Dementsprechend werden BMX-Räder, Skateboards und Seile zum Klettern benutzt. Ein Tummelplatz und Kampfarena für die Jungen der Capulets und Montagues, wo jeder stets in Bewegung zu sein scheint. Starke auf den Punkt choreographierte Kampfszenen und hippe Hip-Hop Choreographien (Jochen Schmidtke, Carlos Matos) wechseln sich ab. Über allem schwebt unterschwellig stets der Gedanke, dass es Kinder sind, die da kämpfen. Diese Sinnlosigkeit zeigt sich just in den Momenten, wo keine wilden BMX-Stunts ausgeübt werden, sondern wenn die Jugendlichen nach dem Tod Mercutios und Tybalts nur noch da stehen und vor Verzweiflung schreien.

Die Kostüme von Mareike Delaquis Porschka und Ulrich Schulz sind sehr bunt und im Streetstyle gehalten. Sie zeigen deutlich, dass wir uns im Verona der heutigen Zeit befinden und sich hier zwei Gruppen bekämpfen. Das Farbkonzept mag etwas schrill anmuten, überzeugt jedoch mit einer durchgängigen Linie. Einzig die Ballszene ist ein wenig zu rosa und grotesk geraten. Grundsätzlich stehen die Amme, Romeo und Julia als Charaktere abseits vom Groll und Krieg der beiden Familien. Dies spiegelt sich in den dezenteren Farben und Formen der Kostüme wieder.

© Thuner Seespiele
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In Thun steht wiederum eine homogene und überzeugende Besetzung auf der Bühne. Iréna Flury ist eine frische, quirlige Julia. Ihre weiche, warme Stimme gefällt und man nimmt ihr den verliebten, naiven Teenager, der Blind ins Verderben läuft, ab. Dirk Johnston als Romeo besitzt eine große Bühnenpräsenz und ein angenehmes Timbre in der Stimme. In den Höhen stößt er teilweise an Grenzen, dies kann jedoch auch dem immensen Laufpensum seiner Rolle zugeschrieben werden. Seine Stärken liegen in den dramatischen Szenen; dort kann er über sich hinauswachsen.

Katja Bergs Stimme ist kräftig, samtig und klar. Ihr großes komödiantisches Talent kann sie auch in Thun zeigen, gleichwohl auch die Vielschichtigkeit ihrer Rolle. Ist sie doch mehr Mama als Amme und kümmert sich rührend um ihr Lämmchen Julia. Mit dem Show-Stopper "Siehe da, sie liebt…" wird sie verdient zum Publikumsliebling des Abends.

Kerstin Ibald interpretiert die Rolle der rücksichtslosen und naiven Lady Capulet überzeugend. Stimmlich zeigt sie sich gewohnt kraftvoll, auch in den Sprechpassagen ist es ein Genuss ihrer warmen und klaren Sprechstimme zu zu hören. Claudia Agar als Lady Montague verkörpert die Zerrissenheit und Ohnmacht sehr authentisch. Auch ihre Stimme besticht. Eine stimmige Interpretation der beiden Power-Frauen.

© Thuner Seespiele
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Philipp Büchner gibt den Tybalt mutig, aufbrausend, verzweifelt und stimmlich stark. Den Symphatieträger Benvolio verkörpert Tobias Bieri frisch, frei und immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Gesanglich überzeugend, kann er am Meisten in den rockigen hohen Passagen punkten. Kurosch Abbasi als Mercutio hätte seinem Part etwas mehr Ecken und Kanten geben können. Er bleibt in diesem Trio eher blass.

Georg Prohazka zeigt einen herrlich überdrehten Paris. Er besitzt ein sehr gutes komödiantisches Gespür. Man kann als Zuschauer stets mit ihm mitlachen, wenn er wieder in ein Fettnäpfchen tritt. Paul Kribbe interpretiert den Fürsten, der hier eher italienischer Carabinieri ist, schmierig, mit der Gesamtsituation überfordert und mit viel Schwung. Von Götz lässt in Thun analog der französischen Version die Rolle des Todes wieder aufleben. Steffen Häuser (spielt auch Pater Lorenzo) zieht in der Rolle gekonnt seine Fäden und seine Runden auf der Bühne. Er löst beim Publikum stets ein Gefühl der Beklemmung aus. Eine intensive Rolleninterpretation.

Ein stimmiges Ensemble, in dem sich die Chormitglieder gut einfügen, rundet den sehr guten Eindruck der Cast ab. Iwan Wassilevski begeistert mit seinem 19-köpfigen Orchester auch in diesem Jahr. Es ist ein Vergnügen, wie die wunderschöne Partitur von Presgurvic liebe- und kraftvoll gespielt wird. Insbesondere die wunderbaren Streicherpassagen bleiben eindrucksvoll im Gehör. Marco Fritsche als Erzähler ist eine gute Wahl. Mit Schalk und TV-Sensations-Allüren führt er durch das Stück - bei jedem seiner Auftritte noch lädierter als vorher; Verona ist ein gefährliches Pflaster.

© Thuner Seespiele
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Romeo und Julia in Thun ist ein Genuss. Es entsteht jedoch der Eindruck, dass man dem Publikum möglichst viel bieten möchte – vielleicht manchmal zu viel. Man hätte der Musik und den Darstellern noch mehr Raum lassen können. Insbesondere das große, brennende Herz am Schluss hätte es nicht gebraucht. Die Musik und der Text des Finales sprechen für sich selber. Die Eltern erkennen, dass sie ihre Kinder für die Familien-Fehde geopfert haben. Wird sich wirklich etwas ändern? Beschwingt, jedoch mit diesem Gedanken im Hinterkopf, verlässt man die Aufführung.


(Text: Simone Jaccoud)






Kreativteam

RegieChristian von Götz
Musikalische LeitungIwan Wassilevski
ChoreographieCarlos Matos
Bühnenbild/KostümbildUlrich Schulz
KostümbildMareike Delaquis Porschka
ChorleitungBen Vatter


Besetzung

JuliaIréna Flury,
(Annakathrin Naderer)

RomeoDirk Johnston,
(Tobias Bieri)

Lady CapuletKerstin Ibald,
(Lynsey Thurgar)

Lady MontagueClaudia Agar,
(Rebecca Egli)

AmmeKatja Berg,
(Claudia Agar)

BenvolioTobias Bieri,
(Andres Esteban)

TybaltPhilipp Büttner,
(André Naujoks)

MercutioKurosch Abbasi,
(Kevin Reichmann)

ErzählerMarco Fritsche
Pater LorenzoSteffen Häuser,
(Björn Klein)

Lord CapuletBjörn Klein,
(Georg Prohazka)

FürstPaul Kribbe,
(Georg Prohazka)

ParisGeorg Prohazka,
(Jan Nicolas Bastel)

EnsembleTina Caroli
Rebecca Egli
Franziska Giulietta Fröhlich
Annakathrin Naderer
Katrin Merkl
Jagoda Palecka
Lynsey Thurgar
Jan Nicolas Bastel
Andres Esteban
Kevin Foster
André Naujoks
Kevin Reichmann
Robin Rohrmann
Oriol Sànchez i Tula
SwingsChiara Ludemann
Joe Monaghan



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(sj)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Eine stimmige Inszenierung, die vor allem in den Bereichen Schauspiel, Gesang, Orchestrierung und Musik punkten kann.

13.07.2015

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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