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Klassiker

Hair

Take Trips Get High


© Andreas Hartmann
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Getreu dem Motto "Make Love, Not War" versucht eine Hippie-Kommune Landei Claude vom Eintritt in die US-Armee abzuhalten. Katja Buhl inszeniert die TfN-Produktion des 1968 uraufgeführte Musicals von Galt McDermot, Gerome Ragni und James Rado.

(Text: Andreas Gundelach)

Premiere:29.09.2013
Rezensierte Vorstellung:29.09.2013
Letzte bekannte Aufführung:16.05.2014


© Andreas Hartmann
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Hubschrauberlärm, das Licht flackert, überdimensionale Schwarz-Weiß-Fotos auf dem Wellblech des Eisernen Vorhangs, Suchscheinwerfer durchkämmen den Zuschauersaal. Ein Soldat stürmt auf die Bühne und duckt sich. Sehr viel besser kann man den Einstieg des Musical-Klassikers "Hair" nicht gestalten. Langsam hebt sich der Eiserne Vorhang, eine Glocke schlägt im Takt, und gibt Schicht für Schicht den Blick auf ein heruntergekommenes Theater mit Anti-Kriegs­parolen frei. Die Inszenierung von Katja Buhl am Theater für Niedersachsen (TfN) startet motiviert und verspricht viel. Dennoch reicht es in der besuchten Vorstellung nach 100 Minuten plus Pause nicht für Standing-Ovations. Was ist schiefgelaufen? Ist etwas schiefgelaufen?

Das TfN wagt sich mit "Hair" an eines der erfolgreichsten Musicals der Welt und setzt dazu mit Buhl / Unsicker / Lebjedzinski auf ein bewährtes Team. Das Theater selbst beschreibt das Musical dabei als ein szenisches Kaleidoskop. Allem übergeordnet scheint die Distanz oder Oberflächlichkeit der einzelnen Charaktere zu stehen. Während besonders Inszenierungen, die sich stärker am (später entstandenen) Film zum Musical orientieren, mit einer Geschichte punkten, stehen in Hildesheim die 31 Songs klar im Vordergrund.

© Andreas Hartmann
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In hohem Tempo spult das Ensemble so auf technisch solidem Niveau die ersten Songs des Musicals herunter, nach etwa zehn Minuten eine erste kurze Verschnaufpause und erster Applaus. Auch später hasten die Darsteller durch die einzelnen Nummern. Die wenigen Dialoge unterbrechen die deutlich zu schnell eingezählte Musik der siebenköpfigen Band um Andreas Unsicker nur kurz. Unter dieser Geschwindigkeit leidet auch die Wirkung der zum Teil starken (auf deutsch gesungenen) Songtexte. Die Choreographien von Annika Dickel sind aufwändig und technisch schön anzusehen, eine vielarmige Menschenstatue, ein scheinbar schwebender Mensch – an Einfällen mangelt es nicht und auch das Ensemble begeistert durch Präzision. Allerdings nimmt Dickel zu oft den Geist der Handlung nicht auf und ihre Arbeiten treten so mit viel (zu viel) Power in den Vordergrund. Das Licht ist meist hell und wenig akzentuiert, die Farbgebung zum Teil unverständlich, auf Gobo-Einsatz wird vollständig verzichtet. Highlights sind klar die überdimensionalen Projektionen zu Beginn und am Ende der Aufführung. Zusätzlich spielt das Ensemble gegen ein Bühnenbild von Steffen Lebjedzinski aus massiven Stahlträgern und Mauerwerk an.

© Andreas Hartmann
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Vielleicht liegt es auch an genau dieser Mischung, dass der Funke scheinbar nicht so recht überspringt. Die Hildesheimer Inszenierung mag vieles sein, aber sicherlich nicht hippig. Vielmehr wirkt sie sehr motiviert: Mehr Tanz, mehr Bühnenbild, mehr Musik, mehr Licht. Es bleibt keine Zeit, die einzelnen Charaktere kennenzulernen. Zu kurz und zu schnell treten sie in Erscheinung, um gleich darauf wieder im Ensemble zu versinken. Dass auch in den Dialogen Mikrophone zum Einsatz kommen, trägt dazu bei, eher die Atmosphäre eines Konzerts als einer Hippikomune zu erzeugen. Selbst in Reihe sieben ertönen die Stimmen schon in gleichmäßigem Stereo und lassen sich besonders in manchen Ensemblenummern keiner Person mehr zuordnen. Der weitestgehende Verzicht auf Verfolger-Scheinwerfer verstärkt diesen Effekt.

© Andreas Hartmann
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Im zweiten Akt wirkt das Gesamtbild etwas stimmiger. Die Musik ist weiterhin zu schnell, aber an vielen Stellen passt dieser Kniff jetzt zum nahenden Kriegseinsatz von Claude (stimmlich stark: Jonas Hein). Auch die zum Teil schnellen Choreographien wirken nun besser im Gesamtbild. Die Atmosphäre wird stetig kühler, bis schließlich Schnee auf das Grab eines toten Soldaten fällt und "Let the Sunshine in" erklingt. Im Finale präsentiert Katja Buhl damit einen guten und emotional starken Abschluss ihrer Arbeit.

© Andreas Hartmann
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Da das Publikum allerdings zu wenig Möglichkeit hatte, die Charaktere kennenzulernen, verschenkt die Inszenierung einen guten Teil ihrer Schlagkraft. Die Zuschauer beobachten das Treiben hinter dem Orchestergraben auf Distanz – fast wie in einem Fernseher. Eine Bindung zu einzelnen Charakteren kann nur schwer entstehen. Und so bleibt der Schlussapplaus in der besuchten Vorstellung höflich, die Reprise des Titelsongs als Zugabe zieht nur wenige aus ihren Sitzen. Den stärksten Part an diesem Abend bildet eindeutig das zwölfköpfige Ensemble der Musical Company. Technisch präzise, stimmsicher und engagiert versuchte es, den Stoff in den Zuschauerraum zu transportieren. Oft scheiterte es dabei jedoch an der zu hohen Geschwindigkeit der Inszenierung.

(Text: agu)






Kreativteam

InszenierungKatja Buhl
Musikalische LeitungAndreas Unsicker
ChoreografieAnnika Dickel
Bühne und KostümeSteffen Lebjedzinski


Besetzung

ClaudeJonas Hein
BergerJens Plewinski
HudMario Mariano
Woof/ Vater I
Direktor III
Tim Müller
Ronny/ Vater II
Direktor II
Alexander Prosek
Paul/ Vater III
Direktor I
Jens Krause
SheilaCaroline Zins
CrissieMagdalene Orzol
Jeanie
Mutter II
Michaela Linck
Dionne
Mutter III
Kerstin Ried
Annika Dickel
MaryAsya Pritchard
MarjorieNadine Ewa Noack




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Andreas Hartmann
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


5 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30164
Schwere Kost im tänzelnden Gewand

15.11.2013 - Hubschraubergeräusche, Kriegsbilder und Schießgewehrsound untermalen den Beginn dieser Hair Inszenierung und es wird einem sofort klar: Hier ist Krieg, hier herrscht Gewalt, hier stellt sich die Menschlichkeit selbst in Frage! Ein Soldat rennt panisch über die Bühne, gejagt und um sein Leben fürchtend. Der Vorhang schiebt sich auf und man findet sich in einem heruntergekommenen Theater wieder. Einzig ein Hippie beherrscht die Szenerie (wenn auch mit dem Rücken zum Publikum gewandt). Einen effektvolleren Start dieses mittlerweile doch sehr in die Jahre gekommenen Musicals hätte man sich kaum wünschen können. Dann aber beginnt ein seltsamer Kampf zwischen Regie und Choreografie der mich als Zuschauer in eine andauernde Unruhe versetzt. Während die Regie darum bemüht ist eine konstruktive Ruhe in dieses ohnehin sehr hektische Musical zu bringen, bombardieren unnötige Microchoreografien das Geschehen und ziehen viele bedeutende Szenen ins Lächerliche. Für meinen Geschmack waren 3.5.0.0 und Hare Krishna gut gelöst, der Rest überambitioniert und gleichzeitig unmotiviert gleichbleibend. Hauptsache alles schön karikiert. Die Regie räumt den einzelnen Charakteren genügend Freiraum ein und zeichnet sie dennoch klar wenn auch nicht kantig genug. Sehr schade ist die nur im Ansatz stattfindende Konfrontation mit dem Vietnam Veteranen. Da hätte man mehr rausholen können. Ebenso gerät Sheila viel zu sehr in Vergessenheit nachdem sie ihr 'Nein sagt sich so laut' (dafür aber ein echter Hammer) von sich gegeben hat. Die Darsteller finde ich größtenteils sehr gut und absolut perfekt besetzt. Alle agieren stilsicher und souverän durch den nicht wirklich leichten Stoff der Thematik. Herauszuheben sind Jonas Hein der einen erfrischend ungewöhnlichen Claude gibt und Alexander Prosek der wohl die chilligste Figur des Abends darstellt. Da möchte man sich gerne dazusetzen und die Ruhe genießen. Die Musik klingt gut und groovt sich perfekt ein. Einzig die Abmischung ist eine Katastrophe. Die Sänger klingen teilweise dünn und piepsig was eindeutig an dem Mischverhältnis liegt. Die Tatsache das eine ältere Dame neben mir ein Nickerchen gehalten hat ist auch beweis genug, dass es nicht laut genug war.

An und für sich ein schöner Abend den ich nicht bereue. Abzug gibt es für die Choreografien und den Sound. Als nächstes schaue ich mir Rocky over the Rainbow an!

DeRpAuL (22 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


30152
Sehr empfehlenswert

01.11.2013 - Sehr empfehlenswert, weil das tolle Ensemble (auch nicht schlecht : Jens Krause als Paul) die wunderbaren Songs so gut rüberbringt.
Leider zeigt das beim Zuschauer eher Klaustrophobie auslösende Bühnenbild durchgängig eine Art heruntergekommene WG. Lebten die Ur-Hippies in San Francisco an der warmen amerikanischen Westküste nicht im Freien ? am Meer ? im Park ? Man hätte mehr Sunshine in die Inszenierung hereinlassen sollen. Trotzdem sehr empfehlenswert !

Bielefeld (10 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


30133
Ein toller Theaterabend

10.10.2013 - Ein echter Geheimtipp entgegen der Negativen Bewertungen der Öffentlichen Magazinen.

Gute Cast sowie Musikalische Begleitung.

Für jeden Musicalfan ein muss !

MyMusicalLove (12 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


30128
Sehr berührend!

06.10.2013 - So,ich habe mich hier jetzt angemeldet weil es mir ein zu großes Bedürfniss war, mich über diese Produktion zu äußern!
Ich habe die Premiere in Hildesheim erleben dürfen und es lässt mich seid dem nicht los.
Ich habe HAIR schon in vielen verschiedenen Produktion gesehen. Sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Ich denke also dass ich dieses Stück sehr gut kenne und mir ein Urteil erlauben darf.
Ich war durchgehend begeistert! Von dem klang der Musik, über Kostüme,von den Choreographien, bis hin zu dem Ensemble.
Klar, die straffe Fassung dieser Inszenierung ist Geschmackssache aber ich finde dass dadurch die Ernsthaftigkeit so gut zur Geltung kommt und man am Ende eben nicht nur einen oberflächlichen Musical-Spaß-Abend hatte. (Und so muss es sein)
Über die Leistungen des Ensembles, möchte ich mich im Detail nicht äußern. Da ich von jeder Figur überzeugt war!
Einen möchte ich aber dennoch auf Grund anderer Kommentare zu dieser Produktion, nicht unerwähnt lassen. Jonas Hein: wenn du das liest, lass dir gesagt sein, dass du großartig als Claude bist. Glaub mir,ich kann das beurteilen. Liebes TfN, 1000 Dank für diesen Abend. Und für alle anderen: Lasst die Sonne in euer Herz und schaut euch diese Produktion an. So kann und sollte Musical sein!

MU Love (2 Bewertungen, ∅ 4.5 Sterne)


30121
Überraschend menschlich und echt!

01.10.2013 - Ich habe mir die Premiere der Hildesheimer Hair-Inszenierung angesehen und war überwiegend begeistert. Obwohl der Abend gleich mit Tonproblemen anfing welche jedoch schnell behoben waren entwickelte er sich zu einem wahren Genuss. Weit entfernt vom üblichen Musicalklischee agieren die meisten Darsteller sehr realitätsnah und ein jeder hat seine eigene kleine Geschichte die es zu erzählen lohnt. Jens Plewinski und Carolin Zins bezaubern in Formvollendung aber auch Magdalene Orzol, Alexander Prosek und Tim Müller wissen aus ihren Rollen das Maximum zu destillieren. Einzig Jonas Hein bleibt als Claude hinter den Erwartungen zurück und wirkt in diesem bunten Spektakel blass und fast unsichtbar. Die Regie hat in meinen Augen sehr gute Arbeit geleistet. Feinfühlig und charmant sind einzelne Szenen hervorgehoben und das eigentlich schlechte Buch perfekt auf das wesentliche zusammengekürzt. Die Chorografien erscheinen sehr reduziert und zweckdienlich. Leider leidet das Stück sehr unter der musikalischen Interpretation. Die Musik klingt selten rockig genug, meistens altbacken und verstaubt was sehr schade ist. Der Anfangstitel "Aquarius" ist beispielsweise viel zu brav und sauber. Wo ist da die Aufbruchstimmung, der Revolutionsgeist. "Wo geh ich hin" verkommt zu einer kirchlichen Popschnulze und kann leider nicht überzeugen. Dennoch empfinde ich den Abend als Bereicherung weil die Regie und die Darsteller es schaffen die Zuschauer mitzunehmen. Eine Reise durch Freude und Trauer, Liebe und Schmerz. Ein Querschnitt durch die extremen Emotionen welche die Welt seit je her in unzerbrechliche Ketten geworfen haben.

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Handlung
Eine Gruppe langhaariger junger Hippies rund um die Protagonisten Berger, Sheila, Claude, Hud, Woof und Jeanie rebelliert mit langen Haaren, freier Liebe und Drogen gegen die Vorschriften der konservativen Gesellschaft Amerikas. mehr

Weitere Infos
Verfilmt wurde "Hair" mit leichten Handlunsgabwandlungen 1979 mit Beverly D’Angelo (Sheila), John Savage (Claude) und Treat Williams (Berger)

 Kurzbewertung [ i ]
(agu)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Zu wenige starke Momente, hohe Geschwindigkeit: Handlung und Charaktere leiden unter der über­moti­vierten und getriebenen Inszenierung.

30.09.2013

 Leserbewertung
(5 Leser)


Ø 3.60 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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