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Tipp der Redaktion
Klassiker

West Side Story

Hass kann töten


In ihrer Inszenierung schälen Barrie Kosky und Otto Pichler (auch Choreografie) die „West Side Story“ aus ihrem folkloristischen Kontext und verallgemeinern Raum und Zeit. Als Ergebnis ist ein packend-brachiales Stück Musiktheater mit tollen Darstellern zu bewundern.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:24.11.2013
Rezensierte Vorstellung:24.11.2013
Letzte bekannte Aufführung:18.05.2019


Neben dem blutverschmierten Männer-Leichnam hockt eine junge Frau mit versteinerter Miene. Die an eine Pietà erinnernde Szene rotiert ganz langsam auf der ansonsten leere Drehbühne. Im halbdunklen Hintergrund stehen alle anderen Protagonisten des Stücks im Halbkreis. Auch ihr Blick fällt ausdruckslos geradeaus. Zu den letzten, flirrenden Noten der Partitur senkt sich wie in Zeitlupe der Vorhang ab. Was für ein starkes, berührendes Bild, mit dem das Regie-Gespann Barrie Kosky und Otto Pichler ihre „West Side Story“ beenden. Am Premieren-Abend reißt es das Publikum dann auch vor Begeisterung von den Sitzen und der Jubel für alle Beteiligten scheint kein Ende nehmen zu wollen. Ausdruck für eine wirklich rundum grandiose Aufführung des Bernstein-Klassikers.


Einen großen Anteil an diesem Erfolg steuert das Orchester der Komischen Oper Berlin unter der Leitung von Koen Schoots bei. Der riesige, symphonische Klangkörper – laut Programmheft allein mit 14 Geigen und vier Celli besetzt – spielt die nur selten zu hörende Originalorchestrierung. Schoots peitscht seine Musiker mit viel Wucht, aber auch mit Bedacht für elegantere, leisere Zwischentöne durch die Partitur zwischen elektrisierendem Mambo und schmachtender Ballade. Auch wer die „West Side Story“ schon zigmal gehört hat, wird überrascht von Klangfülle, Brillanz und Rhythmus. Schon allein der Orchester-Sound lohnt den weitesten Weg.


Regisseur Kosky hat ein abstraktes Bühnenbild-Konzept entwickelt, mit dem er offen lässt, wann und wo die „West Side Story“ spielt: In den meisten Szenen bleibt der mit Linien und Kreisen wie für ein Sportspielfeld bemalte Boden leer. In den nackten Bühnenraum, der vorne durch zwei schmale, graue Klappwände mit nach oben führenden Eisensprossen begrenzt wird, fährt die Beleuchterbrücke wiederholt bedrohlich tief herab. Lichtdesigner Franck Evin erzeugt in dem häufig mit Nebelschwaden durchzogenen Raum geschickte Gegenlicht- und Schattenwirkungen und konzentriert mit kalten Spots den Blick des Publikums auf die einzigen Versatzsstücke auf der ansonsten leeren Drehbühne: ein Doppelbett oder ein kleines Regal mit Obst- und Gemüsekisten. Wenn Tony und Maria das erste Mal aufeinander treffen, hängt Esther Bialas‘ spartanisches Bühnenbild nicht voller Geigen, sondern ist mit einer riesigen Wolke aus funkelnder Spiegelkugeln dekoriert.


Die ebenfalls von Esther Bialas entworfenen Kostüme, in denen Schwarz, Grau und Blau dominieren, vernachlässigt eine weitere tradierte Sichtweise: Die Gang-Mitglieder lassen sich nicht mehr eindeutig anhand ihrer Kleidung in Jets oder Sharks einteilen. Auf der Bühne bewegen sich junge, mit üppigen Tatoos geschmückte Underdogs, wie sie sowohl in Pariser Vorstädten, im Berliner Wedding oder in der New Yorker Bronx zu finden sind. Gewalt, Hass und Hoffnungslosigkeit bestimmen ihr Leben, vom Regisseur-Doppel Kosky/Pichler ungemein rotzig und brutal auf die Bühne gebracht. Wie selbstverständlich entwickeln sie die Handlung zu Tänzen weiter, in denen Choreograf Pichler vom Ensemble höchste Präzision einfordert und auch bekommt. So entstehen ausdrucksstarke Bilder, in die sogar das oft stiefmütterlich behandelte „Gee, Officer Krupke“ als gesungene und getanzte Farce auf den Punkt genau eingepasst ist. In dieser temperamentvollen wie auch innehaltenden Inszenierung stimmt einfach alles.


Dies gilt im Großen und Ganzen auch für die Darsteller. Als Jets und Sharks stehen ausgebildete Musicaldarsteller auf der Bühne, zu denen sich die erstaunlich beweglichen Chorsolisten des Hauses gesellen. Weder Gesang noch Tanz lassen Wünsche offen und so gelingen ungemein rasante und spektakuläre Szenen wie beim Hit „America“. Angeführt wird die rassige Damen-Clique von Sigalit Feig, die die Anita stimmstark und ungemein kämpferisch gibt.


Die beiden liebenden Hauptfiguren sind mit Opernsängern besetzt. Tansel Akseybeks Tony merkt man das allerdings nicht unbedingt an. Mit seinem feinen, bis in die höchsten Lagen sicher geführten Tenor ist er gesanglich top und hält auch als Darsteller das hohe Tempo der anderen Jets durch. Zudem wirkt Akseybek in den Liebesszenen mit Maria nie aufgesetzt. Etwas schwerer tut sich da Julia Giebel. Auch wenn sie sich noch so sehr anstrengt: Im Vergleich zu allen anderen Darstellern wirkt ihre Maria tapsig und bemüht jugendlich. Diesen Eindruck verstärkt ihr wirklich schöner, lyrischer Sopran, den Giebel allerdings zu sehr aufdreht und damit im Gesang alles überstrahlt.


Als taffe Macho-Macker gehen Daniel Therrien (Riff), Gianni Meurer (Bernardo) und Kevin Foster (Chino) auf die jeweiligen Gegner los, wobei letzter mit einem gezielten Schuss auf Tony die finale Katastrophe auslöst. Ob allerdings Trauer und Entsetzen auf und hinter der sich drehenden Totenwacht zum Umdenken führen, darf bezweifelt werden.

(Text: kw)






Kreativteam

InszenierungBarrie Kosky
Otto Pichler
Musiklische LeitungKoen Schoots
Kristiina Poska
AusstattungEsther Bialas
ChoreografieOtto Pichler


Besetzung

**2018/19**

MariaAlma Sadé
Jasmina Sakr
TonyTansel Akzeybek
Johannes Dunz
AnitaSigalit Feig
Azzurra Adinolfi
RiffDaniel Therrien
Christoph Jonas
BernardoZoltan Fekete
Lorenzo Soragni
ChinoMichael Fernandez
ActionSteven Armin Novak
Christoph Jonas
AnybodysBettina Kenney
DocPeter Renz
SchrankCarsten Sabrowski
KrupkeDennis Weißert
Glad HandKai-Uwe Fahnert
JetsCsaba Nagy
Hunter Jaques
Christoph Jonas
Silvano Marraffa
Paul Gerritsen
Damian Czarnecki
Jet-GirlsClaudia Greco
Meri Ahmaniemi
SharksSergio Giannotti
Marcell Prét
Lorenzo Soragni
Davide de Biasi
Kai Braithwaite
Shark-GirlsMariana Souza
Sara Pamploni
Marika Gangemi
Marcella Adema
Martina Borroni
Alessandra Bizzarri
Vocalconsort Berlin

Chorsolisten der Komischen Oper Berlin



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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


6 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30973
was war das???

05.01.2016 - West Side Story hab ich mir anders vorgestellt. Klar, die Tänzer waren verdammt gut, jedoch gefiel mir dieser schrille Opergesang überhaupt nicht, was für mich in ein Tanzmusical auch nicht reingehört. Jedoch Comedymäßig war das Ensemble stark, genauso wie tänzerisch. Vor allem möchte ich Daniel Therrien betonen, der akrobatisch, comedymäßig, stimmlich und tänzerisch unglaublich war. Es war eine Freude ihm zuzuschauen.

Toshos (11 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


30678
Legendär!

11.02.2015 - Ebenso legendär wie der Musical-Klassiker WEST SIDE STORY dürfte hierzulande bald auch die stilprägende Inszenierung in der Komischen Oper Berlin sein.

Barrie Kosky und Otto Pichler haben das Stück von jedem überflüssigen emotionalen, romantisierenden Ballast befreit und es fest in der Gegenwart verankert. Diese Inszenierung stellt nachhaltig unter Beweis weshalb das Stück ein Klassiker ist: WEST SIDE STORY ist musikalisch und literarisch zeitlos.

Das Kostümbild und das Bühnenbild, dass eigentlich nur aus der nackten aber nicht weniger eindrucksvollen Bühnentechnik des Theaters besteht verorten die Spielhandlung in der Gegenwart.
Otto Pichlers Choreografie zitiert das Original und integriert dabei genial heutige Street- und Freestyle-Elemente.
Die Regie stellt teilweise brutal, hart und bitter das Ergebnis von Intoleranz und Ignoranz zur Diskussion.

Das Ensemble ist intensiv, energiegeladen und authentisch.
Die Darsteller der Hauptrollen zeigen stimmlich und schauspielerisch großartige Leistungen. Herausragen kann Sigalit Feig mit ihrer unter die Haut gehenden Darstellung der Anita.
Das große Orchester der Komischen Oper ist der perfekte Klangkörper für Leonard Bernsteins Ausnahmekomposition.

In Berlin stellt man eindrucksvoll unter Beweis, dass sich innovatives, spannendes Musicaltheater und Klassiker-Pflege perfekt vereinen lassen.

kevin (154 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


30440
Letze Vorstellung am 13.7.14

27.07.2014 - Trotz Fußball-WM war die Komische Oper am 13.7. bis auf den letzten Platz ausverkauft ( und offenbar waren auch fast alle die eine Karte hatten gekommen) um zum letzten Mal in dieser Spielzeit WWS zu sehen.
Ich fand es einfach grandios, ein wunderbares Orchester unter der bewährten Leitung von Koen Schoots spielte die komplette Partitur voll Druck und Leidenschaft. Die Inszenierung von Otto Pichler und Barry Kosky gefällt mir sehr, obwohl ich extrem skeptisch war, modern ohne dem Stück zu schaden, spielte diese Geschichte von Maria und Tony irgendwann im 21. Jahrhundert. Die Choreographien waren durchweg sehr kraftvoll, modern und rasant.
Das Opernensemble und die zusätzlichen Musicaldarsteller bilden eine wunderbare Einheit, jeder kann seine Stärken zur Geltung bringen.
Sigalit Feig gibt eine feurige und auch tief verletzte Anita. Gianni Meurer ist als
Bernardo ein wenig blass, dafür ist Daniel Therrien ein um so kraftvollerer Riff. Tansel Akzeybek ist ein überzeugender Tony, der auch darstellerisch keine Wünsche offen lässt. Einziger Wermuthstropfen ist Alma Sade' als Maria, deren starkes Vibrato den Gesamteindruck trübt.
Höhepunkt des Abends für mich war " Somewhere", am Anfang von allen A capella gesungen und dann mit einem so reduzierten Orchestereinsatz, so dass man Gänsehaut bekam.
WWS steht auch in der nächsten Spielzeit auf dem Plan und ist einen Besuch der Komischen Oper wirklich wert.
Danke an Barry Kosky und alle Mitwirkenden für den tollen "Opernrausch".

Charlotte (49 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


30205
Top Orchester, gewöhnungsbedürftige Inszenierung

09.12.2013 - Keine Frage - was hier aus dem Orchestergraben der Komischen Oper zu hören ist, ist erste Sahne. Gerade in Zeiten, wenn viel über kostenbedingte Einsparung von Musikern diskutiert wird, ist es wohltuend, ein Musical in so gut besetzter und klangvoller Orchestrierung zu hören.

An der Inszenierung selbst scheiden sich die Geister. Für mich funktioniert West Side Story stärker als andere Stücke auf emotionaler Ebene – und genau da fühlte ich mich in der Kosky/Pichler Inszenierung komplett enttäuscht. Das kühle, minimalistische Bühnenbild und die szenische Gestaltung haben es nicht geschafft, mich zu begeistern oder gar zu bewegen. Es mag sein, dass weniger oft mehr ist – aber manchmal ist weniger auch ganz einfach nur weniger. Nach einer starken Auftaktsequenz hatte ich das ein oder andere Mal den Eindruck, dass Bühnen-Design und Inszenierung noch unfertig waren und vor allem der Schlussszene, in der die Gang-Mitglieder scheinbar teilnahmslos um die vor Trauer und Wut hysterische Maria herumstehen, fehlte für mich der emotionale Tiefgang.

Tansel Akzeybek konnte mich als Tony in seinen Soli stimmlich leider gar nicht überzeugen, dafür war Alma Sadé eine ganz hinreißende Maria mit wunderbarer, wohltuender Sopran-Stimme, die sich trotz opernhaftem Klang sehr gut in das Stück eingefügt hat. Auch Minori Therrien als Anita und das restliche weibliche Gesangs-Ensemble waren toll – "America" war, wie auch am langen Szenenapplaus zu erkennen war, das unumstrittene Highlight der Aufführung.

Sandrine (20 Bewertungen, ∅ 4.1 Sterne)


30187
Begeisternde Musik, Top. Toll!

29.11.2013 - Die Orchester Musik war ein Knaller. ich war hin und weg,
wie viele Zuhörer.
Super Stimmung, nur war die Musikalische Ausführung
Gewöhnung bedürftig,
Opernstimmen haben in einem Musical nichts zu suchen,
nun denn, es war ein Super Abend. Komische Oper ich komme gerne wieder!

chef de cuisine (13 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


30185
Begeisternd, packend, bewegend!

28.11.2013 - Der Komischen Oper gelingt ein Theaterwunder. Ein großartiges Orchester, eine kraftvolle und innovative Inszenierung und ein hochklassiges Ensemble sind der Garant für die im Moment wohl beste Musicalproduktion im deutschsprachigen Raum.

Was Koen Schoots, Barrie Kosky und Otto Pichler auf die Bühne gebracht haben, ist ein Quantensprung. Nie hat man Bernsteins Musik aktueller, moderner, packender gehört. Von poetisch zart bis brachial...was das 43köpfige Orchester unter Koen Schoots abliefert ist schlichtweg sensationell. Dazu eine Inszenierung, die packend ist auf einer fast nur durch eine großartige Lichtregie gestalteten Bühne. Die Idee, die Beleuchterbrücken als Bühnenbilder einzusetzen, ist atemberaubend. Ebenso die Choreographien, die neu, kraftvoll und heutig daherkommen. Dazu ein riesiges Ensemble voller Lust und Kraft, aus dem Sigalit Feig als Anita herausragt.
Hingehen!

John Utterson (erste Bewertung)


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Handlung
Der Amerikaner Tony verliebt sich in die Puertorikanerin Maria. mehr

Weitere Infos
Leonard Bernsteins moderne Adaption der Romeo-und-Julia-Geschichte mit Texten von Stephen Sondheim ist eines der bekanntesten Musicals überhaupt. Die Uraufführung fand am 26. September 1957 im Winter Garden Theatre in New York statt. Die Verfilmung des Musicals aus dem Jahr 1961 wurde mit zehn Oscars honoriert. 1968 wurde das Musical in der Wiener Volksoper zum ersten Mal in deutscher Sprache gezeigt. Die deutsche Fassung stammt von Max Colpet und Walter Brandin.

 Kurzbewertung [ i ]
(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Barrie Kosky und Otto Pichler (Inszenierung) interpretieren das Drama um zwei rivalisierende Gangs sehr aktuell, sehr brutal. Eine grandiose Aufführung mit tollen Darstellern und überwältigendem Orchester!

24.11.2013

 Leserbewertung
(6 Leser)


Ø 3.83 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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