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Musical-Thriller

Das Phantom der Oper

Wer ist der Mann mit der Maske?


© Marco Mueller
© Marco Mueller
Unausgegorene Version des berühmten Stoffes, die mit Deborah Sasson und Axel Olzinger durch Europa tourt.

(Text: Michael Rieper)

Premiere:12.07.2006
Rezensierte Vorstellung:09.03.2007
Letzte bekannte Aufführung:05.02.2015


Die Handlung des „Phantoms der Oper“ ist ja schon in einigen Büchern, Filmen und Musicals verarbeitet worden - und so dürften vielen Besuchern zumindest Grundelemente der Story bekannt sein. Genau das setzt diese neue Musicalfassung des Stoffes voraus. Im ersten Akt zum Beispiel geschieht Folgendes: Nachdem Primadonna Carlotta, entsetzt darüber, dass sie nur noch wie ein Frosch quaken kann (den Zusammenhang, dass das Phantom für diese Verwandlung zuständig ist, darf sich der Zuschauer selbst zusammenreimen), die Bühne verlassen hat, gibt es einen ohrenbetäubenden Krach und ein Blitzspektakel. Dazu starren einige der Darsteller auf der Bühne aufgeregt irgendetwas an, das dem Zuschauer leider verborgen bleibt. Während der unvermittelt folgenden Friedhofs-Szene tuscheln einige Zuschauer darüber, ob das nun eben der berühmte Fall des Kronleuchters war. Recht haben sie. Wer sich das Bühnengeschehen selbst erklären kann, ist klar im Vorteil.

Dramatische Momente, die dieser Art völlig verschenkt werden, gibt es einige. Die Entführung Christines durch das Phantom und schließlich auch der Tod des Phantoms: Diese Ereignisse werden nur nebenbei in Dialogen erwähnt, dabei bieten sie so viel Potential für spannende Momente auf der Bühne. Zu oft wird im Zuschauer das Gefühl erweckt, dass das Hauptgeschehen eigentlich jenseits der Bühne stattfindet, weil, wenn überhaupt, nur davon erzählt wird.

Passend dazu ist das Bühnenbild von Laurentiu Tuturunga spartanisch gehalten. Beherrscht wird es von einer großen Treppe, die mehrmals während des Stückes verschoben wird und so manchmal als Zentrum des Geschehens, in anderen Szenen aber auch nur als Bühnenteiler zwischen verschiedenen Spielorten dient. Eine Leinwand im Hintergrund, die viel zu selten für Projektionen genutzt wird, und ein paar detailgetreu bemalte Vorhänge werden für Orts- und Stimmungswechsel eingesetzt.

Peter Moss hat eingängige Pop-Schlager-Melodien komponiert, die jedoch zu oft in einen Schunkel-Takt geraten, der absolut nicht in die Pariser Oper passt. Als Ergänzung zu den modernen Songs wurden klassische Werke von Verdi, Puccini und anderen Opernkomponisten eingefügt. Die Texte von Saliha Raschen und Ulrich Gerhartz sprechen für sich: "Dies heil'ge Haus darf glücklich sein, dass zwei wie wir uns hier verein!" Hauptsache, es reimt sich.

Als Weltstar wird Deborah Sasson auf den Plakaten groß angekündigt. Ihre Stimme ist wunderschön, gar keine Frage, doch leider agiert sie zu pathetisch und überzogen und nimmt der Rolle so jegliche Natürlichkeit. Hinzu kommt, dass, obwohl sie zweifelsfrei eine sehr attraktive Frau ist, die Zeiten des jugendlichen Liebreizes, den eine Christine Daaé ausstrahlen sollte, nun doch hinter ihr liegen. Als Phantom steht ihr Axel Olzinger zur Seite, der mit dieser Rolle total überfordert ist. Seine Stimme stößt in den dramatischen Momenten deutlich an ihre Grenzen. Der Zuschauer müsste von der mysteriösen Figur des Phantoms gefesselt sein, doch Olzinger stolziert mit Schlagersänger-Gestik über die Bühne und lässt nichts von der abgründigen Tiefe dieses Charakters erkennen.

Sein Gegenspieler Raoul hat die größte Rolle im Stück. Thomas Mülner hinterlässt mit schöner Stimme den stärksten Eindruck der Darstellerriege. Leider ist sein Charakter so uneindeutig gezeichnet, dass das Publikum auch ihn nicht so ganz ernst nehmen kann. Antwortet er im ersten Akt, nachdem Christine ihn gebeten hat, sie nicht zu bedrängen, noch ganz aufbrausend mit: "Geduld! Geduld! Ich bin ein Mann!", ist er zum Finale, als schon längst klar ist, dass Christine für ihn die Oper verlassen will, plötzlich ganz schüchtern, so dass Christines Pflegemutter ihn mit den Worten: "Kann es sein, dass du mich um etwas bitten möchtest?" geradezu in den Heiratsantrag schubsen muss.

Anne Weltes komische Darstellung der Carlotta ist sehenswert und bringt dem Stück einige Lacher ein, doch leider ist diese Rolle absolut nicht für Weltes Stimme gemacht. Ihre Arie aus "Faust" hört sich schrill und gequält an – kaum zu glauben, dass sie die erste Dame der Oper sein soll. In ihrer zweiten Rolle, als Christines Pflegemutter, hinterlässt Welte einen deutlich besseren Eindruck. Die beiden Operndirektoren, Richard und Moncharmin, dargestellt von Jochen Schaible und Sven Prüwer, sind zwei tuntige, eitle Gockel, denen wahrscheinlich niemand auch nur für eine Minute die Leitung eines Opernhauses anvertraut hätte.

Und so stellt sich die Frage, was sich der musicalerfahrene Regisseur Andreas Lachnit bei dieser Produktion gedacht hat. Eine klare Personenführung ist auf der Bühne nicht zu erkennen - und wie er es zulassen konnte, dass so viele dramatische Momente verschenkt wurden, ist auch nicht nachzuvollziehen.
Manches an der Inszenierung erscheint fast wie eine ironische Persiflage auf den berühmten Stoff, z.B. die schrill singende Carlotta oder die unrealistisch dargestellten Operndirektoren. Vielleicht wäre das der richtige Weg für das Kreativ-Team gewesen. Aber als ernsthafte Auseinandersetzung mit der literarischen Vorlage (und genau das wird im Programmheft angekündigt) ist diese unausgegorene Produktion nicht anzusehen.

Nachtrag zur überarbeiteten Version:
Christian von Goetz stieß vor der Wintersaison 06/07 als neuer Regisseur zum Team und sorgte für einen schlüssigeren Aufbau der Handlung. Im Gegensatz zur früheren Version erfährt der Zuschauer jetzt, warum all die mysteriösen Ereignisse in der Pariser Oper geschehen. Die Video-Projektionen sind zwar längst nicht so spektakulär, wie es die Ankündigung verspricht, aber immerhin sieht das Publikum nun zum Beispiel, dass der Kronleuchter in der Oper von der Decke stürzt. Manchmal baut sich sogar schon ein in der Ursprungsfassung nicht vorhandener Hauch von Spannung auf. Dass es nicht mehr ist, liegt daran, dass noch längst nicht alle Probleme behoben sind. Die oft nicht zur Stimmung passende Musik, die teilweise miserablen Texte und nicht zuletzt auch immer noch die gleichen Probleme der Besetzung bleiben als Kritikpunkte bestehen. Axel Olzinger hat sich dem Phantom zwar inzwischen angenähert, die Tiefe seines Charakters vermag er aber immer noch nicht rüberzubringen. Unsauber gesungene Töne erschweren es dem Publikum zusätzlich, in ihm das besessene Gesangsgenie zu sehen. Auch Deborah Sasson ist als Christine aufgrund ihres hölzernen, unnatürlichen Spiels nicht überzeugend. Die Nebenrollen der Operndirektoren, dargestellt von Mariano Skroce und Stefan Schael, haben durch die Änderungen an Profil gewonnen. Es sind immer noch merkwürdige, aber längst nicht mehr so unrealistische Typen; ihre Eigenarten bekommen dem Stück ganz gut. Jetzt rufen sie Lacher und kein Kopfschütteln mehr hervor.
So ist positiv zu bewerten, dass weiter an dem Stück gearbeitet wird. Eine Verbesserung im Vergleich zur Uraufführung ist zu merken, doch der Weg ist noch lange nicht beendet. Englischsprachige Gastspiele im Ausland stehen bevor und in der kommenden Wintersaison gibt es weitere Aufführungen im deutschsprachigen Gebiet. Für diese Vorhaben sind weitere Änderungen geplant.(mr)

(Text: mr)




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Kreativteam

AutorenDeborah Sasson
Jochen Sautter
Komposition, musikalische und künstlerische GestaltungDeborah Sasson
LiedertexteJochen Sautter
MusikarrangementsPeter Moss
Regie und ChoreografieJochen Sautter
BühnenausstattungMichael Scott
Weitere musikalische IdeengeberGerd Köthe
Roland Heck


Besetzung

ChristineDeborah Sasson
PhantomAxel Olzinger


Frühere Besetzungen? Hier klicken



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