Der Musicalfrühling Gmunden feiert 2025 sein zehnjähriges Jubiläum – ein Meilenstein für das österreichische Musicalfestival, das sich in den letzten Jahren einen festen Platz in der deutschsprachigen Theaterlandschaft erarbeitet hat. Im Gespräch mit der Musicalzentrale blicken die beiden Intendanten Elisabeth Sikora und Markus Olzinger auf die Entwicklung der letzten Jahre zurück und geben einen ersten Einblick in ihre Pläne für die Jubiläumssaison. Dabei verraten sie uns exklusiv, welches besondere Musical 2025 als Jubiläumsproduktion in Gmunden seine Uraufführung feiern wird.
Wonderland (2024 - 2025)
Landestheater, Linz
Es überrascht, dass das Landestheater Linz seine neue Spielzeit mit "Wonderland" eröffnet – einem der weniger erfolgreichen Werke von Frank Wildhorn. Dennoch enthält das Stück einige der besten Melodien, die Wildhorn je geschrieben hat. Was den Besuch der Linzer Inszenierung besonders lohnenswert macht, ist jedoch nicht nur die Musik, sondern auch die fantastische Inszenierung, die einfallsreiche Ausstattung und ihre Kostüme sowie die wieder einmal herausragende Besetzung.
Ein wenig Farbe (2024)
Wolf-Ferrari-Haus, Ottobrunn
Nachdem bereits Größen wie Pia Douwes und Rob Pelzer im Musical-Monolog "Ein wenig Farbe"" von Rory Six die Geschichte Helenas – einer Frau, die als Mann geboren wurde und einen langen, schmerzhaften Weg zu ihrer wahren Identität gehen musste – erzählt haben, reiht sich nun auch Publikumsliebling Mark Seibert in diese illustre Riege ein. Seibert überrascht hier in einer Rolle, die völlig anders ist als die, für die man ihn bislang kennt: Behutsam und mit großem Feingefühl zeichnet er den Entwicklungsweg eines unverstandenen Teenagers nach, der schließlich zu einer selbstbewussten und optimistischen Frau wird.
Im Frühjahr dieses Jahres verkörperte Denis Riffel die Hauptrolle in der deutschsprachigen Erstaufführung von "Dear Evan Hansen" beim Musicalfrühling Gmunden. Ab Oktober ist diese Inszenierung ebenfalls als deutsche Erstaufführung am Stadttheater Fürth zu sehen. Wie es ihm gelingt, dieser komplexen Figur seinen eigenen Stempel aufzudrücken, wie Regisseur Markus Olzinger und das Team des Musicalfrühlings Gmunden einen Raum für authentische und berührende Momente geschaffen haben und wie er persönlich mit den emotionalen Themen des Stücks umgeht, erzählt uns Denis Riffel in unseren drei Fragen.
Anatevka (2024)
Theater Erfurt, Erfurt
Im Vergleich zu anderen großen Open-Air-Musical-Veranstaltungen wie den Freilichtspielen Tecklenburg oder dem Domplatz-Openair in Magdeburg zeigt das Theater Erfurt bei den DomStufen-Festspielen nur alle paar Jahre ein Musical. Nach der Uraufführung der Musical-Version von "Der Name der Rose" im Jahr 2019 haben sich die Verantwortlichen im Sommer 2024 für den Broadway-Klassiker "Anatevka" entschieden. Obwohl Regisseur Ulrich Wiggers und sein Team bei der Inszenierung in Bezug auf Ensemblegröße, Bühnenbild und Ausstattung sowie Besetzung keine Kompromisse eingehen und aus dem Vollen schöpfen, gibt es einen kleinen Wermutstropfen...
Es gibt nicht viele Menschen in der deutschsprachigen Musicalszene, die so vielseitig sind wie Rory Six. In unserem Interview gibt Rory Einblicke in die Entstehungsgeschichte seines Musicals "Ein wenig Farbe", das noch einmal in Wien und danach in Ottobrunn bei München sowie in Düsseldorf mit Mark Seibert zu sehen sein wird. Außerdem sprechen wir mit ihm über seine Haltung zur Besetzung der Helena und über die neue CD-Einspielung von "Ein wenig Farbe".
Next to Normal (2023 - 2024)
Donmar Warehouse, London
Es kommt nicht allzu oft vor, dass ein Musical, das am Broadway mit Preisen – unter anderem dem nur selten für ein Musical verliehenen Pulitzer-Preis – überschüttet wurde, seinen Weg zunächst auf die deutschsprachigen Bühnen und erst Jahre später in die europäische Musical-Metropole schlechthin findet. In einer beeindruckenden Inszenierung die vor Symbolik nur so strotzt, hat es "Next to Normal" nun schließlich doch – über den Umweg des Donmar Warehouse – direkt ins Herz des Londoner West Ends, ins Wyndham's Theatre, geschafft und sorgt dort für ausverkaufte Vorstellungen und Begeisterungsstürme!
Your Lie in April (2024)
Harold Pinter Theatre, London
Nach der konzertanten Fassung des Manga-Musicals "Your Lie in April" im Frühjahr, die alle Definitionen des Begriffs 'konzertant' sprengte, kündigte Komponist Frank Wildhorn kurz darauf eine 12-wöchige voll-szenische Spielzeit seines Musicals im deutlich kleineren Harold Pinter Theatre an - im Gegensatz zum riesigen Theatre Royal Drury Lane. Der intime Rahmen dieses Theaters ist ideal für die Geschichte des Musicals, die sich ganz auf ihre zwei Hauptfiguren konzentriert.
Mary Poppins (2024)
Thunerseespiele, Thun
Es ist eine der Lieblingsgeschichten von Cameron Mackintosh, wie er in den 1970er Jahren versuchte, die Rechte für eine Bühnenmusicalfassung von der Autorin der weltberühmten "Mary Poppins"-Bücher, P. L. Travers, zu bekommen, aber immer wieder bei ihr abblitzte. Viel zu sehr litt sie zeitlebens darunter, wie Walt Disney in seiner Filmfassung ihre Romanheldin verändert hatte.
In die beinahe unzähligen Aufnahmen von Sylvester Levays und Michael Kunzes Musical über das Leben der unglücklichen Kaiserin von Österreich reiht sich 2024 eine neue EP mit sechs Songs ein. Besonders spannend ist diese durch die Besetzung, die – mit Ausnahme von Annemieke van Dam in der Titelrolle – komplett neu und außergewöhnlich ist.
