Unsere Autorinnen inmitten des Teams von "The Band" © Franziska Schuster
Unsere Autorinnen inmitten des Teams von "The Band" © Franziska Schuster

NEUES FEATURE
"The Band" beim Musical Sommer Amstetten 2026: Vom Proberaum zur Premiere

Wenn die großen Häuser in Wien Ende Juni ihre Türen für etwa zwei Monate schließen, startet in Niederösterreich die heiße Probenphase für eines der Highlights für viele Musicalfans in den Sommermonaten: den Musicalsommer in Amstetten. Die Musicalzentrale-Autorinnen Ursula und Sabine Simmetsberger haben in den letzten Wochen immer wieder einen Blick hinter die Kulissen der Produktion geworfen und dabei viele spannende Einblicke in den Entstehungsprozess erhalten – allen voran in die Arbeit von Regisseur und Intendant Alex Balga.

„Am Anfang meiner Intendanz in Amstetten 2019 wollte ich immer abwechselnd ein Jahr etwas Neues machen und ein Jahr einen Klassiker. Mittlerweile hat man aber gesehen, dass ganz einfach die Qualität der Stücke wichtig ist und die Menschen dort immer neugierig sind“, erinnert sich der 52-Jährige. „Ich will Produktionen nach Amstetten bringen, die es in der Art in keinem anderen Theater zu sehen gibt. Die Story muss stimmen und es muss immer etwas sein, das ans Herz geht und die Menschen berührt.“

Amstetten-Intendant und Regisseur Alex Balga © Stefanie J. Steindl

Wohl einer der Gründe, warum sich Balga gerade in den letzten Jahren immer wieder an deutschsprachige oder österreichische Erstaufführungen wagt. Auch die diesjährige Amstetten-Produktion „The Band“ ist erstmals auf österreichischem Boden zu sehen. Im Mittelpunkt stehen fünf Freundinnen, deren Geschichte auf zwei Zeitebenen – in ihrer Jugend und 25 Jahre später – auf die Bühne gebracht wird. „Einige Rollen werden dementsprechend sowohl von einer jüngeren als auch einer älteren Darstellerin verkörpert“, verrät Alex Balga. „Wir haben schon im Casting darauf großen Wert gelegt, dass die beiden jeweils vom Typ und vom Charakter her gut zusammenpassen und entwickeln das in den Proben gemeinsam weiter. Es ist, glaube ich, auch richtig schön für die jüngeren Darstellerinnen, mit den erfahreneren Schauspielerinnen zu arbeiten: Es kommt hier immer wieder zu emotionalen Situationen. Da fließt schon jetzt die eine oder andere Träne.“

Nicht nur die Geschichte berührt Alex Balga, auch die Musik von „The Band“ ist für ihn eine Herzensangelegenheit: „Ich bin ja selbst in der Zeit aufgewachsen, wo diese Boy- und Girlbands groß wurden, und ich hab damals tatsächlich immer Take That auf einer Kassette im Auto gehört. Ich hatte gerade mal den Führerschein gemacht und bin immer von Mistelbach nach Wien gefahren, manchmal mit Freunden, und wir haben immer Take That laufen gehabt. Von daher hatte diese Band schon immer einen besonderen Platz in meinem Herzen und weckt viele Erinnerungen.“

In den vergangenen Wochen wird Alex Balga wohl nicht viel Zeit geblieben sein, um in diesen Erinnerungen zu schwelgen. Nachdem er „Rudolf – Der letzte Kuss“ in Füssen auf die Bühne gebracht hatte, ging es direkt nach Wien, wo Ende Mai die intensiven Probenarbeiten für die neue Show in Amstetten starteten. Eine Mammutaufgabe für den Niederösterreicher, aber auch für viele der Darsteller:innen: In der ersten Probenphase stand der Großteil von ihnen noch parallel anderorts auf der Bühne und spielte beinahe allabendlich in großen Shows.

Intendant & Regisseur Alex Balga, Produzent Christoph Heigl und Amstettens Bürgermeister Christian Haberhauer mit dem Cast von „The Band“ (nicht am Bild: Florian Heinke, der Fin Holzwart (ganz rechts) ersetzt) © AVB Zechmeister

Als wir die Produktion gegen Ende Juni bei den Proben vor Ort besuchen, wird uns einmal mehr bewusst, wie viel diese Performer:innen in den vorangegangenen Wochen leisten mussten. Choreografin Natalie Holtom und der musikalische Leiter Christian Frank verlangen ‚ihren‘ Künstler:innen einiges ab. Ein straffer Tagesplan zwischen Studio, Erarbeitung der Choreografien und Gesangsproben bei hochsommerlichen Temperaturen bringt das Team ordentlich ins Schwitzen. Dennoch wirken alle hochkonzentriert und fokussiert, als sie an jenem Nachmittag im Proberaum am Take That-Hit „Shine“ arbeiten.

Immer wieder gehen sie, sowohl getrennt voneinander als auch gemeinsam, dieselben Passagen des Songs durch, stellen wiederholt Positionen um und probieren neue Konstellationen aus. Geprobt wird lediglich mit Klavierbegleitung, aber bereits mit Live-Gesang. Während Natalie Holtom immer wieder neue Anweisungen gibt, beobachtet Alex Balga die Erarbeitung des Stückes akribisch. „Im Theater passiert so vieles erst durch Ausprobieren – eine Idee zu haben ist zwar super, aber erst bei den Proben sehe ich, ob sich meine Vision auch tatsächlich realisieren lässt“, erzählt er uns.

Genau diesen Prozess dürfen wir unmittelbar miterleben: Als zum Abschluss des langen Probentages die ganze Nummer von Anfang bis Ende durchgespielt wird, ergibt das, was vor wenigen Augenblicken in den einzelnen Szenen noch holprig und improvisiert wirkte, plötzlich ein stimmiges großes Ganzes. Ein vielversprechender Zwischenstand – auch wenn bis zur Premiere noch an zahlreichen Details gefeilt werden wird. Für heute ist jedoch Feierabend – allerdings nicht für alle.

Carin Filipčić, Wietske van Tongeren, Lorenz Pojer und Florian Heinke im Interview © Ursula Simmetsberger

Während viele aus dem Team den Heimweg antreten oder noch weiter zu einem fixen Engagement an einem anderen Theater müssen, haben wir noch Gelegenheit, mit einigen der Darsteller:innen ein paar Worte zu wechseln. „‚The Band‘ ist eine Geschichte, die ganz viel Humor hat, aber die auch ans Herz geht! Wir haben ein großartiges Ensemble mit tollen Sängern und Tänzern. Ich liebe es, Teil eines Stückes zu sein, das eine Freundschaft über einen so langen Zeitraum hinweg begleitet“, schwärmt Wietske van Tongeren, Darstellerin der ‚reifen‘ Zoe. „Es ist vor allen Dingen keine Biografie von Take That!“, ergänzt Lorenz Pojer, das jüngste Mitglied von „The Band“. „Vielmehr geht es darum, an seinen Träumen festzuhalten – auch wenn das Leben manchmal andere Pläne hat.“

An seinen Träumen festgehalten hat auch Florian Heinke, der die Rolle des ‚Romantikers‘ in der Band verkörpert: „Ich habe mich schon als Dreijähriger für Musical interessiert, und diese Leidenschaft hat mich bis heute nicht losgelassen. Ich habe als Teenager auf YouTube jedes erdenkliche Videomaterial zu großen Musicalproduktionen geschaut, und heute habe ich tatsächlich die Möglichkeit, in einer Welt zu arbeiten, wie ich sie mir immer erträumt habe. Auch wenn ich morgens mal aufstehe und mir die Beine vom harten Training wehtun, führe ich mir immer wieder vor Augen: Dein 14-jähriges Ich hätte vielleicht einen Mord begangen, um dieses Leben leben zu dürfen!“

„… und weißt du, was so schön ist: Dieses Gefühl hört nie auf!“, ergänzt Carin Filipčić, die als ‚reife‘ Rachel auf der Bühne steht. Und was würde sie mit all ihrer Erfahrung jungen Musicaldarsteller:innen mit auf den Weg geben? „Sei immer die Person, die du bist! Bleib dir selbst treu, und lass dich nicht verbiegen von irgendwelchen Menschen, die etwas von dir wollen!“

Nach sechs intensiven Probenwochen in Wien verlagerte sich die Arbeit für „The Band“ ab Ende Juni für die finale Probenphase nach Amstetten, wo Produzent Christoph Heigl und sein rund 80-köpfiges Team Darsteller:innen und Kreativteam bereits erwarteten.

Die Pölz-Halle in Amstetten © Stefan Sappert

„Die Vorbereitungen für ‚The Band‘ laufen seit etwa einem Jahr“, erzählt er uns. „Mit der Planung der Bühne haben wir etwa im Dezember begonnen, seit Anfang des Jahres arbeiten wir schon in Werkstätten – und seit Mitte Mai sind wir vor Ort in der Johann-Pölz-Halle, wo die Bühne nun Schritt für Schritt bis zur Premiere weiter Gestalt annimmt.“ Dass Amstetten im Gegensatz zu anderen Musical-Sommerproduktionen auf eine Halle als Location setzt, ist für Heigl keineswegs ein Nachteil. „Bei uns kann es zackig‘ hergehen!“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Wir haben einen Schnürboden zur Verfügung, haben andere Möglichkeiten rund um Requisiten und können sehr tanzlastige Shows mit schnellen Choreografien auf die Bühne bringen, da wir unabhängig vom Wetter sind!“

Auch privat mag er es, wenn es flott hergeht: Heigl bevorzugt rockigere Klänge und musste sich erst in die Welt der Musicals einfinden: „Die Rocky Horror Show in Amstetten 2019 war das erste Musical überhaupt, das ich gesehen habe. Damals hatte ich noch keine Ahnung, dass ich mal in diesem Job landen würde!“ Und doch war es bereits kurz danach soweit: Bereits bei der ersten Musicalproduktion in Amstetten, die Alex Balga nicht nur als Regisseur, sondern auch als Intendant verantwortete, übernahm Christoph Heigl erstmals die Rolle des Produzenten. Über die Jahre hat sich die Zusammenarbeit der beiden immer weiter intensiviert: „Ich schätze Alex Balga sehr! Meiner Meinung nach wird er in seiner Arbeit immer und immer besser, und er hat künstlerisch bei uns auch weitestgehend freie Hand!“

Bei der Auswahl der Stücke und der Besetzung der Produktionen ist Christoph Heigl jedoch maßgeblich beteiligt und kann durch ein großzügiges Produktionsbudget ermöglichen, sowohl außergewöhnliche Musicals als auch ein Ensemble auf höchstem Niveau nach Amstetten zu bringen. „Wir konnten in den letzten Jahren schon wahnsinnig viele große und namhafte Künstlerinnen und Künstler für den Musicalsommer gewinnen“, so Heigl. Viele von ihnen schwärmen vom familiären Klima und nehmen den Verzicht auf ihre Sommerpause gerne in Kauf. „Wir sorgen auch dafür, dass sich unsere Performer bei uns in Amstetten ein bisschen wie im Urlaub fühlen: Wir stellen ihnen zum Beispiel jedes Jahr kostenlose Eintrittskarten für unser Freibad, das sich direkt neben der Pölz-Halle befindet, zur Verfügung!“ Das Ensemble, das sich derzeit in Amstetten in der letzten Probenphase befindet, wird diese Möglichkeit wohl sicher das eine oder andere Mal nutzen.

Bis zur Premiere von „The Band“ am 15. Juli 2026 hat das Team noch viel Arbeit vor sich, doch hinter den Kulissen nimmt bereits das nächste Kapitel Form an: Ganz nach dem Motto ‚Nach der Premiere ist vor der Premiere‘ liegt der Fokus schon jetzt auf dem Musical Sommer 2027. „Wir werden wieder ein modernes Stück mit rockiger Musik auf die Bühne bringen – es wird abermals eine deutschsprachige Erstaufführung werden“, verrät Christoph Heigl. Details konnten wir ihm noch nicht entlocken, aber „schon bei der Premiere von ‚The Band‘ werden wir bekannt geben, worauf sich unser Publikum im kommenden Jahr freuen kann“. Lange müssen sich die Fans also nicht mehr gedulden, bevor das Geheimnis gelüftet wird, welche Show als Nachfolger von „The Band“ im kommenden Sommer in Amstetten Premiere feiern wird.

 
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