Frank Wildhorn, Ana Milva Gomes, Sabrina Weckerlin, Katharina Gorgi, Lisa Antoni, Bianca Basler © Serge Voss
Frank Wildhorn, Ana Milva Gomes, Sabrina Weckerlin, Katharina Gorgi, Lisa Antoni, Bianca Basler © Serge Voss

Frank Wildhorn - Live in Concert (2025)
Theater im Park, Wien

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Frank Wildhorn hat sich Zeit gelassen: Vor mittlerweile 15 Jahren lud der amerikanische Komponist zuletzt zu einem eigenen Konzertabend – und seither ist viel passiert. Sein Werk ist um zahlreiche Musicals und gleich zwei Symphonien gewachsen. Und auf den Bühnen steht längst eine neue Generation von Musicaldarstellerinnen und -darstellern, die seine Musik in frischem Licht erscheinen lässt. Beim Open-Air-Konzert im Theater im Park in Wien treffen diese Talente nun auf langjährige Weggefährten wie Thomas Borchert, Sabrina Weckerlin oder Lisa Antoni – und feiern gemeinsam die Vielfalt und Kraft der Wildhorn’schen Klangwelt.

Das Werk Wildhorns ist in den letzten Jahren beinahe unüberschaubar geworden. Weltweit entstehen neue Projekte, immer wieder tauchen Musicalthemen auf, an denen er arbeitet – oft auf Bestellung internationaler Bühnen. Zuletzt etwa das Theater St. Gallen mit dem Historienepos „Einstein – A Matter of Time“ oder Bühnen in Asien, wo Anfang des Jahres sein neues Musical „Kain & Abel“ uraufgeführt wurde. Die thematische Bandbreite ist dabei ebenso groß wie die stilistische Vielfalt: Vom Manga-Musical „Death Note“ bis zur germanischen Sage „Artus – Excalibur“ reicht die Palette der Stoffe, die Wildhorn mit seiner Handschrift versieht – mal symphonisch-opulent, mal poppig und direkt. Genau diese stilistische und thematische Bandbreite deckt auch das Konzert im Theater im Park ab – ohne den Anspruch, das gesamte Œuvre zu bedienen. Zwischen den Songs übernimmt Wildhorn selbst das Wort, sitzt den gesamten Abend am Flügel und fungiert als ruhender Pol der Band. In kurzen, charmanten Anekdoten berichtet er von den Entstehungsgeschichten einzelner Songs oder lässt ganz nebenbei Neuigkeiten einfließen. So kündet er etwa die geplante Rückkehr von „Death Note“ ins Londoner West End – konkret ins Barbican Centre – im kommenden Frühjahr an oder die Uraufführung seiner nächsten Symphonie „Vienna“, die 2026 in Wien uraufgeführt werden soll.

Verantwortlich für die Produktion des Abends ist Thomas Kahry, der sich in der Wiener Musicalszene immer mehr als einer der prägenden kreativen Köpfe etabliert: Er schrieb das Buch zum neuen VBW-Musical „Maria Theresia“ und war auch für das Libretto von „Augustin“ beim Musical Sommer Amstetten verantwortlich. Dass viele von Wildhorns Kompositionen ursprünglich für große Orchesterbesetzungen geschrieben wurden, stellt eine besondere Herausforderung für ein Konzert wie dieses dar. Denn im Theater im Park – einer idyllischen Open-Air-Location mit Bühne unter alten, weit ausladenden Bäumen und einem Zuschauerraum, der sich harmonisch in das grüne Gelände einfügt – muss mit reduzierter Bandbesetzung gearbeitet werden. Neben Wildhorn am Flügel sorgen fünf Musikerinnen und Musiker für den musikalischen Rahmen – und das gelingt in den meisten Fällen bemerkenswert gut. Etwa mit einer zart über der Melodie schwebenden Flöte in „So viel mehr“ aus „Rudolf“ oder in einem beinahe kammermusikalisch anmutenden Arrangement des Whitney-Houston-Songs „Where Do Broken Hearts Go“, das zunächst nur vom Klavier getragen wird, bevor sich die Band behutsam dazugesellt.

Gleich zu Beginn stellt sich das Ensemble in voller Bandbreite vor: Mit dem dramatisch aufgeladenen „Into the Fire“ aus „The Scarlet Pimpernel“ eröffnen Thomas Borchert, Moritz Mausser, Lukas Mayer und Fabio Diso den Abend. Darauf folgt mit dem Titelsong aus „Havanna“ eine rhythmisch pulsierende Nummer des Frauenensembles – gesungen von Sabrina Weckerlin, Bianca Basler, Katharina Gorgi, Ana Milva Gomes und Lisa Antoni. Zwei Songs, die die stilistische Spannweite des Abends bereits in den ersten Minuten abstecken. Thomas Borchert steuert mit „Dies ist die Stunde“ aus „Jekyll & Hyde“ einen der erwartbaren, aber wirkungsvoll gesetzten Höhepunkte des Abends bei. Mit großer Bühnenpräsenz und gewohnter stimmlicher Kraft macht er deutlich, warum dieser Song zu den Klassikern im Wildhorn-Repertoire zählt.

Bianca Basler wird von Wildhorn als junges Talent mit großer Jazz-Affinität vorgestellt. Sie interpretiert „It’s No Secret Anymore“ – ein Song, den Wildhorn ursprünglich für das Soloalbum seiner damaligen Ehefrau Linda Eder schrieb – mit großer Eleganz und musikalischer Reife. Moritz Mausser überzeugt mit einer eindringlichen Darbietung von „Nur sie allein“ aus „Artus“, in der er Drama, emotionale Tiefe und schließlich pure Verzweiflung wirkungsvoll vereint. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt folgt mit dem temperamentvollen Duett „Mad Hatter“ aus „Wonderland“: Sabrina Weckerlin und Ana Milva Gomes liefern sich hier ein stimmliches Kräftemessen, das von Takt zu Takt mehr Fahrt aufnimmt. Weckerlin brilliert zudem mit einer nahezu grenzenlosen Interpretation von „Mein Leben“ aus „Jekyll & Hyde“ – so eindrucksvoll, dass Wildhorn den Song während eines Sirenengeräuschs kurzerhand unterbricht, um die Aufnahme nicht zu gefährden. Ob es sich dabei um eine interne Archivaufnahme oder eine geplante Veröffentlichung handelt, lässt Frank Wildhorn offen.

Katharina Gorgi gestaltet „Someone Like You“ mit starker Ausdruckskraft und präzisem Gespür für die dramatische Linie des Songs. Lukas Mayer bringt mit „Mut zur Tat“ aus „Rudolf“ eine entschlossene, aufwühlende Interpretation auf die Bühne. Darüber hinaus ist er mit „We Change the World“ zu hören – einem Song aus „The Man Who Laughs“, das im asiatischen Raum bereits aufgeführt wurde und nun erstmals im deutschsprachigen Raum konzertant vorgestellt wird.

Fabio Diso liefert mit „Tear It All Down“ aus „Songs of Bernadette“ einen ersten Vorgeschmack auf ein weiteres Wildhorn-Projekt – ein Stück über die Heilige Bernadette von Lourdes, das sich noch in Entwicklung befindet. Mit „Loving You Keeps Me Alive“ aus „Dracula“ gelingt ihm zudem ein bewegender, solistisch intensiver Moment.

Auch tänzerisch setzt der Abend einen Akzent: Julia Köhler tanzt gemeinsam mit Davide Dato, dem Ersten Solotänzer der Wiener Staatsoper, zu einer Melodie aus der kommenden Symphonie „Vienna“. Es ist einer der wenigen Momente, in denen man den für Wien so typischen, satten Orchestersound vermisst – doch das ausdrucksstarke Tanzduett überzeugt durch Präzision, Dynamik und Eleganz. Und auch musikalisch vermittelt das Arrangement bereits einen ersten Eindruck davon, welche Klangsprache Wildhorn für seine Symphonie wählt.

Mit seiner klugen Songauswahl, den fein abgestimmten Arrangements und der spürbaren Bühnenchemie ist „Frank Wildhorn – Live in Concert“ weit mehr als eine bloße Werkschau. Es ist ein stimmiger, atmosphärischer Konzertabend, der seinem Titel gerecht wird: Die intensive Verbindung zwischen dem Komponisten am Klavier, der Band und den Sängerinnen und Sängern auf der Bühne verleiht dem Abend jene besondere Energie, die aus einem Bühnenprogramm eine wirkliche Begegnung macht.

 
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KREATIVTEAM
ProduzentThomas Kahry
Musikalische LeitungNick Cheng
 
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CAST (AKTUELL)
mitSabrina Weckerlin
Thomas Borchert
Ana Milva Gomes
Moritz Mausser
Katharina Gorgi
Fabio Diso
Lisa Antoni
Lukas Mayer
Bianca Basler
KlavierFrank Wildhorn
TanzJulia Köhler
Davide Dato
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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SPIELORTE
03.08.2025Theater im Park, Wien1 x
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