Felix Jeiter (Typ), Feline Zimmermann (Mädchen), Leander Mangelsdorf (Svec), Markus Michalik (Billy), Franziska Theiner (Reza), Daniel Großkämper (Andrej), Oliver Moumouris (Banker) © Patrick Pfeiffer
Felix Jeiter (Typ), Feline Zimmermann (Mädchen), Leander Mangelsdorf (Svec), Markus Michalik (Billy), Franziska Theiner (Reza), Daniel Großkämper (Andrej), Oliver Moumouris (Banker) © Patrick Pfeiffer

Once (2024 - 2025)
Tournee (Württembergische Landesbühne, Esslingen am Neckar)

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
 

Die Württembergische Landesbühne Esslingen lockt mit einem Musical-Kleinod ins vorweihnachtliche Schwabenländle: Das auf dem gleichnamigen irischen Independent-Film basierende „Once“ ist ein besonderer Vertreter des Genres, bei dem das gesamte Ensemble nicht nur singt und Theater spielt, sondern auch die Orchestrierung übernimmt. Auch wenn die Esslinger Besetzung eher im Schauspielmetier angesiedelt ist und dort ihre Stärken verordnet, überzeugt sie durchweg musikalisch in Instrumentenspiel sowie Gesang, was diese Inszenierung zu einem lohnenswerten und außergewöhnlichen Musicalbesuch werden lässt

Die Geschichte zeichnet John Carneys Film von 2016 nach. Eine Geschichte, die aus dem Alltag der arbeitenden Niedriglohnbevölkerung gegriffen scheint: Ein Typ, der zwar kreativer und begabter Singer-Songwriter ist, aber perspektiv- und hoffnungslos sein Dasein im grauen Dublin fristet, trifft ein namenloses Mädchen, das in ihm Träume und Ambitionen weckt. Doch die entflammende Zuneigung der beiden steht unter keinem guten Stern: Sie ist verheiratet, lebt in Trennung und hat ein Kind, mit dem sie bei ihrer tschechischen Mutter lebt – er wohnt nach dem Tod seiner Mutter in einem Kinderzimmer über dem Staubsaugergeschäft seines Vaters und trauert seiner alten Flamme nach, die nach New York ausgewandert ist und noch Gefühle für ihn hegt. Ihn zieht es in die Ferne, sie in die Sicherheit einer geregelten Familie. Trotz aller Widrigkeiten finden sie in der Musik, die er komponiert, eine gemeinsame Sprache und Leidenschaft, die alte Wunden heilen lässt und sogar den Traum von Erfolg schürt.

Selten wirkt ein Musical so pur in seiner Inszenierung und den Emotionen, die auf der Bühne gelebt werden, erinnert es hier doch an eine Mischung aus „Come from Away“, „Wie im Himmel“ und „Two Strangers“. Durch das authentische, unverstellte Spiel von Felix Jeiter und Feline Zimmermann sowie Gil Mehmerts greifbare Dialoge erreichen die so verwandten Gefühle der Protagonisten ganz ungefiltert und unvermittelt die empathischen Teile des Publikums. Die unprätentiös vorgetragenen, oftmals stillen Lieder im Irish Folk Stil haben denselben Effekt und gehen direkt ins Herz. Alle zehn Akteure auf der Bühne bekleiden nicht nur unterschiedliche Haupt- und Nebenrollen und singen die Backings für die Lieder der beiden Protagonisten, sondern spielen auch hingebungsvoll und berührend jeweils mindestens ein, zumeist gar mehrere Instrumente. Gesang und Instrumentenspiel sind dabei nicht perfekt, aber wahrnehmbar leidenschaftlich und im Zusammenwirken deutlich miteinander und mit der Musik verbunden –  genau dieses reine Gefühl überträgt sich und bewegt das Gemüt ungemein. Dabei sitzen die Akteure in einem Halbkreis um die freie, nur durch wenige Requisiten bestellte zentrale Bühnenfläche und treten flexibel in die Schauspielszenen um den Typ und das Mädchen ein und aus.

An Schienen befestigte Wandelemente, unter denen auch ein durchsichtiger Vorhang ist, werden zum Schauplatzwechsel immer wieder anders arrangiert. Hier ist Esther Bätschmann als Ausstatterin ein simpel scheinendes, aber für die Intimität und Puristik des Stückes hervorragend passendes Bühnenbild gelungen. Die Inszenierung Andreas Kloos besticht durch viele intensive, ruhige Momente, die sich mit stimmungsvollen Gruppennummern abwechseln, in denen die Freude an der Musik spürbar ins Auditorium übergeht. Dabei helfen auch Harald Kratochwils stimmungsvolle Choreographien.

Die Stärke dieses Bühnenwerkes ist die Intensität der intimen Momente zwischen den beiden Hauptfiguren. Wenn das Mädchen hinter dem Vorhang das Lied „Dunkel“ singt und der junge Mann im Vordergrund über die Entscheidung nachdenkt, ob er wirklich nach New York gehen sollte oder bei dem Mädchen bleiben soll. Wenn beide an der nächtlichen Küste stehen, die flackernden Lichter der Stadt und das Rauschen der Wellen sie umgeben und sie sich ihre Gefühle subtil eingestehen. Wenn beide, am jeweils anderen Bühnenende sitzend und so den Abstand zwischen Dublin und New York aufzeigend, mit ihren Entscheidungen leben müssen und Tränen rollen. Inszenatorisch sind trotz – oder gerade wegen – der simplen Ideen und Bilder viele wirksame und anrührende Momente entstanden, die das Stück tragen.

Auch das Ensemble vermag es mit den musikalischen Darbietungen zu bewegen. Das Lied „Mond“ und seine Reprisen im Verlauf des Stückes sowie der Song „Gold“, der als Solo und auch als Ensemble-Version a capella präsentiert wird, gehen ans Herz. Aber auch heitere Momente wie das Lied vom Banker „Verenden in Brandon“, das erzählend vorgetragene Lied der Mutter „Baruskas Story“, das slawisch gefärbte „Ej Pada Pada“ oder das verrückte Lied vom Möchtegern-Spanier Billy „Schmetterling auf der Tanzfläche“ strapazieren die Lachmuskeln und wirken der wunderschönen Melancholie des Stückes auffrischend entgegen. Dass das Stück je nach Besetzung und deren instrumentaler Fähigkeiten in jeder Inszenierung gänzlich umkonzipiert werden muss – so spielt der Banker in der West End Version beispielsweise eine Gitarre, während er in Esslingen die Bratsche wählt – ist eine beeindruckende Herausforderung, die Leander Mangelsdorf als musikalischer Leiter, der auch als Darsteller auf der Bühne mitwirkt, überragend gemeistert hat.

Neben den eindringlichen und unglaublich authentischen Darstellungen von Felix Jeiter und Feline Zimmermann überzeugt auch Oliver Moumouris durch profundes, anrührendes Schauspiel. Markus Michalik gibt als Billy den Comic Relief der Geschichte mit Bravour und wird dabei von Gesine Hannemann als Matronin Baruska, Franziska Theiner als rassige und feierwütige Reza und Daniel Großkämpfer als der überdrehte, temperamentvolle Andrej bestens unterstützt. Den schönsten Moment bestreiten übrigens alle zusammen, als sich das Oscar-prämierte Lied „Falling Slowly“ (auf Deutsch von Sabine Ruflair mit „Augenblick“ betitelt und wohl ihre schönste Songtext-Übersetzung in diesem Stück)  vom leisen Klavier- und Gitarren-Duett zu einem herzerwärmenden Choral aus Instrumenten aufbaut und das Stück im zweiten Akt mit einer ebenso erfüllenden Reprise beschlossen wird. Theatermagie in seiner reinsten Form, die die pure Kraft von Musik für alle im Saal spürbar macht.

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
KREATIVTEAM
InszenierungAndreas Kloos
AusstattungEsther Bätschmann
Musikalische LeitungLeander Mangelsdorf
ChoreografieHarald Kratochwil
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
Typ/Gitarre, SologesangFelix Jeiter
Mädchen/Klavier, SologesangFeline Zimmermann
Billy/Gitarre, SologesangMarkus Michalik
Banker/Pa/BratscheOliver Moumouris
Baruska/ViolineGesine Hannemann
Ex-Girlfriend/Reza/FlöteFranziska Theiner
Svec/GitarreLeander Mangelsdorf
Andrej/BassDaniel Großkämper
SchlagzeugFlorian Anger
ViolineAnna Bräutigam
Anna-Lena Stephan
  
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
TERMINE
keine aktuellen Termine
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
TERMINE (HISTORY)
Fr, 13.12.2024 19:30Schauspielhaus, Esslingen am NeckarPremiere
Fr, 20.12.2024 19:30Schauspielhaus, Esslingen am Neckar
Di, 31.12.2024 20:30Schauspielhaus, Esslingen am Neckar
▼ 16 weitere Termine einblenden (bis 06.12.2025) ▼
Wie ist Deine Meinung zu dieser Produktion?
Tausch Dich mit anderen Musicalfans in unserem Forum aus.
Overlay