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Das Musical „Guys & Dolls“ gehört zweifelsohne zu den Klassikern seiner Zunft. Um das Stück für ein modernes Publikum attraktiv zu machen, muss es großflächig entstaubt werden. Das gelingt im Londoner Bridge Theatre durch eine einzigartig immersive Inszenierung, die das Publikum dem Geschehen auf der Bühne sehr nahe bringtt. Das Konzept ist wirklich besonders, doch muss der Zuschauer schon Lust darauf haben, das ganze Stück über zu stehen und von dem Personal um die Bühne gescheucht zu werden.
Das 15-köpfige Orchester, das über dem Auditorium thront, spielt schon bei Einlass des Publikums jazzige Melodien und beschwingte Big-Band-Tunes, um die Besucher ganz in die Welt des Musicals zu entführen, was Paul Ardittis perfektes Sounddesign zu bekräftigen weiß. Was den Zuschauer beim Betreten des wie eine Zirkusmanege arrangierten Theatersaales erwartet, ist durchaus außergewöhnlich: Von der Decke hängen verschiedene Neonreklamen und Verkehrsampeln, in der ‚Manege‘ stehen Ensemble-Mitglieder als Popcorn- und Hutverkäufer, die zur Interaktion einladen – ein tolles Bühnenbild von Bunny Christie. Wenn das Stück beginnt, heben und senken sich einzelne durch Paule Constables fulminantes Lichtdesign bestens in Szene gesetzte Bühnenelemente aus der Erde und kreieren einzelne Schauplätze innerhalb des Broadways, wo die Geschichte spielt. Dabei werden die in der Manege befindlichen Zuschauer um die einzelnen hoch- und runterfahrenden Bühnenteile herumgeleitet und können innerhalb der Szenen in jeweils eingegrenzten Bereichen das Geschehen zum Greifen nah verfolgen. Manchmal können sie auch auf der Bühne als Bar- oder Restaurantgäste Platz nehmen und einzelne, vor allem männliche Besucher, werden in die frivolen Nachtclub-Szenen integriert. Bevor die nächste Szene sich aufbaut, wird der stehende Zuschauer wieder in den nächsten freien Bereich geleitet, sodass ein wuseliges Treiben entsteht. Das passt zum Stück, das mitten im Trubel New Yorks spielt, vortrefflich – jedenfalls wenn man auf den Tribünen sitzt und das Musical genießen kann. Als Teilnehmer innerhalb der Spielfläche kann man sich wohl kaum durch das ganze Umhergescheuche auf die Handlung konzentrieren. Trotzdem kann gesagt werden, dass diese Inszenierung von Nicholas Hytner mutige, neue Wege geht und ein einmaliges, immersives Erlebnis entsteht, das über Jo Swerlings und Abe Burrows‘ gealtertes Buch hinwegtröstet und sogar in der Aktpause sowie nach Ende des Stücks mit schönen Überraschungen aufwartet.
Die stimmigen Kostüme von Bunny Christie und Deborah Andrews versetzen genauso in das ruchlose New York wie die frivolen, dynamischen Choreographien von Arlene Philipps und James Cousins. Die Tänze heizen Ensemble und Publikum ordentlich ein und lassen Frank Loessers zeitlose Melodien dynamischer und moderner daherkommen.
Das große Ensemble ist bis ins Kleinste vortrefflich besetzt und legt Wert auf Diversität. TJ Lloyd bringt als Nicely-Nicely Johnson einen possierlichen Gangster mit großer Stimme, der bei „Fugue for Thinhorns“ und „The Oldest Established“ heraussticht, aber vor allem im großen Gospelsong „Sit Down, You’re Rockin‘ the Boat“ stimmgewaltig mit jeder Encore das Publikum zu größeren Jubeltiraden hinreißt. Owain Arthur gibt einen grundsympathischen, immer etwas schmierigen Nathan Detroit, dessen Eskapaden und Konflikte mit Kollegen und Verlobter das Publikum zugewandt folgt. George Ioannides vollzieht als Sky Masterson die überzeugende Wandlung vom Dandy zum gezähmten Frauenversteher, der in „My Time of Day“ und vor allem dem bekannten „Luck be a Lady“ mit beeindruckender Stimmtechnik besticht. Celinde Schoenmaker als gläubige Sarah, die über die Handlung an Temperament und Lebensfreude dazu gewinnt, überzeugt mit ihrem glockenklaren Sopran in „I’ll Know“ und „If I were a Bell“. Stimmlich und schauspielerisch vollends entfalten kann sich Schoenmaker in den Duetten „I’ve Never Been in Love Before“ mit ihrem Verehrer Sky und „Marry the Man Today“ am Ende des Stücks mit Adelaide. Letztere wird von Timmika Ramsay zum unangefochtenen Star der Show erhoben. Mit übergroßer, virtuoser und vor allem in den Tiefen extrem mächtigen Stimme schmettert sie die zahlreichen Songs ihrer Figur, gepaart mit hervorragendem Schauspiel, eindrucksvollem Tanztalent und einer Bomben-Ausstrahlung. Nicht nur ihr Solo „Adelaide’s Lament“ sorgt für Begeisterungsstürme im Auditorium, sondern auch ihre schwungvollen Clubnummern „A Bushel and a Peck“ und „Take Back Your Mink“ sind Höhepunkte dieser außergewöhnlichen Inszenierung, deren Besuch wärmstens empfohlen wird. So geht ein Musical-Klassiker heute!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musik / Text | Frank Loesser |
| Buch | Jo Swerling Abe Burrows |
| Inszenierung | Nicolas Hytner |
| Choreographie | Arlene Phillips |
| Musikal. Leitung | Tom Brady |
| Bühne | Bunny Christie |
| Kostüme | Deborah Andrews Bunny Christie |
| Licht Design | Paul Constable |
| Sound Design | Paul Arditti |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nathan Detroit | Owain Arthur |
| Sky Masterson | George Ioannides |
| Sarah Brown | Gina Beck |
| Miss Adelaide | Timmika Ramsay |
| Nicely-Nicely Johnson | Jonathan Andrew Hume |
| Lieutenant Brannigan | Cornelius Clarke |
| Big Jule | Cameron Johnson |
| Arvide Abernath | Michael Simkins |
| Benny Southstreet | Ryan Pigden |
| Harry the Horse | Dashaun Vegas |
| Rusty Charlie | TJ Lloyd |
| General Cartwright | Tori Scott |
| Ensemble | Katie Bradley Tanisha-Mae Brown Filippo Coffano Eamonn Cox Kamilla Fernandes Alex Given Dominic Lamb Siân Nathaniel-James Saffi Needham Sophie Pourret Pierce Rogan Samuel Routley |
| Swings | Iroy Abesamis Lucie Horsfall James Revell Nathan Rigg Charlotte Scott Hollie Jane Stephens Dale White |
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| CAST (HISTORY) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 03.03.2023 - 04.01.2025 | Bridge Theatre, London | 764 x |
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