Lisel (Melanie Haag), Rainer (Markus Beisel) und Gerda (Patricia Kain) © Rhein Neckar Theater
Lisel (Melanie Haag), Rainer (Markus Beisel) und Gerda (Patricia Kain) © Rhein Neckar Theater

Monnem - Doi Musical! (seit 06/2017)
Rhein Neckar Theater, Mannheim

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Den „Neckarbrückenblues“ summend durch die Quadrate streifen, mit einem Hauch von vertrautem Schokoladenduft in der Nase – das, und noch viel mehr, ist das Lebensgefühl von Mannheim. Markus Beisels Liebeserklärung an seine Heimat ist ein Gute-Laune-Musical mit Ohrwurm-Garantie, in dem neben viel Gefühl auch eine Plethora an Hintergrundwissen steckt, das weit über die Grenzen der Hauptstadt der Kurpfalz hinaus reicht.

In der Planstadt Mannheim – oder, besser gesagt, „Monnem“ – werden (für manche verwirrenderweise, für andere augenöffnend simpel) die Adressen mit einzelnen Buchstaben und Zahlen angegeben, beispielsweise mit ‚G1‘: Das ist der Mannheimer Marktplatz, auf dem die Geschichte des Musicals spielt. Die mäßig erfolgreichen ‚ur-monnemerische‘ Marktweiber Lisel und Gerda preisen ihre Waren feil, als der Stadtbeamte Rainer mit einem Auftrag an ihren Ständen erscheint: Er muss die Quadratestadt akribisch vermessen, da sie maßstabsgetreu in China nachgebaut werden soll. Warum? Das erklärt Rainer während der Handlung genau so heiter und unterhaltsam, wie alles andere Wissenswerte über Mannheim. Im Verlaufe des Stücks verleihen die drei Hauptfiguren in unterhaltsamen, gesprochenen wie gesungenen Anekdoten der Rhein-Neckar-Metropole ein facettenreiches Profil: ihrer Historie, ihrem Dialekt und dessen Einflüssen, den Bewohnern und ihrer Lebenseinstellung, bekannten Sehenswürdigkeiten vom Wasserturm bis zum Barock-Schloss und erlesenen Söhnen und Töchtern der Stadt, von Berta Benz über Elsbeth Janda und Steffi Graf bis zum „Blumepeter“. Woher kommt der Begriff ‚Fisimatenten‘? Warum hat Friedrich Schiller in Mannheim die Malaria bekommen? Wie hängt der Hollywood-Hit „Der Teufel trägt Prada“ mit dem Mannheimer Hafen zusammen? Warum sagen die Mannheimer ständig ‚alla‘ und was hat es mit den Städtefeindschaften zu Heidelberg und Ludwigshafen auf sich? Neben der Klärung vieler drängender und neu entdeckter Fragen zelebriert das Musical auch Mannheimer Urgesteine wie den wenig attraktiv benannten, aber umso schmackhafteren ‚Monnemer Dreck‘, das weltbekannte Spaghetti-Eis und die Soul-Ikone Joy Fleming, der ein ganzer Song gewidmet wird.

Danilo Fioriti gelingt es als Regisseur, Markus Beisels Buch mit großem humoristischen Feingefühl auf die Bühne zu transferieren. In keiner Sekunde langweilig, prescht die Inszenierung wie eine Salve aus Witzen und Wissen auf das Publikum ein. Jedes von Beisels Liedern fügt sich einwandfrei in das Narrativ und bringt nicht nur Mehrwert für den Gehalt des Musicals, sondern auch köstliche Unterhaltung.

Zu einem herrlich breiten „Schää isses uffem Wochemarkt“ wird das Publikum direkt in das Gefühl der Quadratestadt eingeladen, während in „De letschde Versuch“ die prekäre Situation der Marktfrauen in einem heiteren Ohrwurm-Song wieder gegeben wird und im „Mannemer ABC“ Licht in das unendlich scheinende Sammelsurium an Dialektwörtern gebracht wird. Zur stilistisch passenden Soul-Jazz-Nummer „Des hot die Schlumbel net verdient“ wird von Joy Flemings Leben berichtet und durch „Halwa in die Hoss“ wird den ZuschauerInnen der Mannheimer Humor näher gebracht. Das im Vergleich düstere „Blummepeter“ eröffnet den zweiten Akt und erzählt, einer Moritat nicht unähnlich, vom Schicksal der Lokalllegende Peter Schäfer, der während des Nazi-Regimes ums Leben kam und sich von einer buchstäblichen Witzfigur im Volksnarrativ zu einer cleveren Symbolfigur für Mannheim entwickelte. In „Monnemer Mädsche“ werden die resoluten Töchter der Stadt – ob bekannt wie Bertha Benz oder unbekannt wie die Brezelfrau – gefeiert und zu „Des Beschde bisch Du“ am Ende des Stücks wird die Botschaft vermittelt: Das, was Mannheim zu Mannheim macht, das sind seine Bewohner und Bewohnerinnen.

In der Mischung der Songs sind drei Lieder dazu da, den Figuren mehr Profil und Tiefe zu verleihen: Bei einer an Cyndi Lauper erinnernden Hymne auf ihren angebeteten Manfred, den Eiermann vom Stand gegenüber, singt Markweib Lisel sich zu „Dicke Eier“ die Seele aus dem Leib, während Rainer der um ihr wirtschaftliches Bestehen bangenden Gerda zu „Nix is vorbei“ Hoffnung und Zuversicht gibt. Die Zugabe „Lewwerworschdebrot“ schließlich verleiht dem Intendanten des Theaters, der in Personalunion Autor, Komponist und Kostümdesigner für „Monnem – Doi Musical“ ist und in der Rolle von Rainer brilliert, eine persönliche Note, indem er das besingt, was ihn seit frühester Zeit mit der Stadt verbindet: Seine Oma und ihre liebevoll, aber wuchtig belegten Leberwurstbrote. Identität und Zugehörigkeit entwächst oftmals nicht aus den epischen Ortslegenden, sondern aus den kleinsten Dingen des Lebens.

Neben Markus Beisels schrullig-liebenswertem Rainer, der immer alles besser weiß und in dieser Rolle schauspielerisch vollkommen aufzugehen scheint, können auch die beiden Hauptdarstellerinnen auf ganzer Linie überzeugen: Melanie Haag als Lisel und Patricia Kain als Gerda erweisen sich als Meisterinnen der authentisch dargebotenen Comedy, leiten in unterhaltsamster Mundart durch das Stück und singen dazu auch noch bemerkenswert in den zwischen Schlager und Jazz changierenden Ohrwurmsongs. Ulli Lerchbaumers Choreographie setzt das ‚Trio Infernale‘ stimmungsvoll-heiter um und sorgt auch für Schwung im Zuschauersaal. Das liebevolle Bühnenbild von Matthias Lauterbach und Marco Haas, das die Planstadt im Hintergrund zeigt und im Vordergrund mit zwei drehbaren Markständen erstaunlich facettenreich wirkt, wird neben der Bühne durch eine begehbare Replika-Andeutung des Mannheimer Wasserturms für die eher dramatischen Bühnenaufgänge gewinnbringend erweitert. Das Team an Licht und Ton (Johannes und Konstantin Krassowka, Lasse Timmerhues, Sven Hopp und Luka Motyka in wechselnder Belegschaft) rahmen akustisch und optisch das stimmige Gesamtkunstwerk makellos ein.

Die nunmehr bereits 111. Vorstellung von „Monnem – Doi Musical“, die am vergangenen Sonntag gespielt wurde, sprüht vor Energie, Humor und Improvisationskunst des eingespielten Trios, die ein Highlight in sich ist und einen Mehrfachbesuch des Musicals durchaus lohnenswert macht – übrigens auch für Leute, die nicht direkt aus Mannheim kommen. Die nicht mehr aus dem Kopf zu bekommenden Songs sind dankenswerterweise auf CD gesichert und lassen den Spaß mit in die heimischen vier Wände bringen. Ganz in Mannheimer Facon darf also geraten werden: „Alla hopp, Leit, geht hie do!“ Es lohnt sich!

 
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KREATIVTEAM
Text, Musik, KostümeMarkus Beisel
InszenierungDanilo Fioriti
 
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CAST (AKTUELL)
GerdaPatricia Kain
LiselMelanie Haag
RainerMarkus Beisel
 
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CAST (HISTORY)
== Premierenbesetzung ==
GerdaMarion La Marché
LiselMelanie Haag
RainerMarkus Beisel
  
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TERMINE
Fr, 27.02.2026 20:00Rhein Neckar Theater, Mannheim
Sa, 28.02.2026 20:00Rhein Neckar Theater, Mannheim
Sa, 11.04.2026 20:00Rhein Neckar Theater, Mannheim
So, 12.04.2026 18:00Rhein Neckar Theater, Mannheim
Sa, 23.05.2026 20:00Rhein Neckar Theater, Mannheim
So, 24.05.2026 18:00Rhein Neckar Theater, Mannheim
 
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TERMINE (HISTORY)
Do, 01.06.2017 20:00Rhein Neckar Theater, MannheimPremiere
Sa, 23.04.2022 20:00Rhein Neckar Theater, Mannheim
So, 24.04.2022 18:00Rhein Neckar Theater, Mannheim
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