Mit dem „Musical Montag“ bereichert ein in dieser Form noch nicht da gewesenes Talk-Konzept die deutschsprachige Musicalszene. Durch eine Mischung aus themenspezifischem Vortrag aus erster Hand, einer Q&A – Fragerunde und der für viele einzigartigen Möglichkeit, mit ihren Stars in einen persönlicheren Kontakt zu treten, überzeugt das digitale Format von Produzent Nathan Markuszower.
Seit September diesen Jahres existiert mit dem „Musical Montag“ ein szenespezifisches digitales Talkprogramm, zu dem jeden Montagabend von 20 bis 21 Uhr ein bekannter Musicalstar vom Produzenten eingeladen wird. Mit Markuszower zusammen entwickelt der Gast im Vorfeld einen Leitfaden für das einstündige Event und legt sich auf ein Überthema oder mehrere Kleinthemen fest, über die vor den Zuschauern – und im Austausch mit ihnen – referiert werden soll. Das Klientel besteht aktuell vor allem aus Fans der jeweiligen DarstellerInnen oder Shows, in denen sie mitwirken – aber auch aufstrebende Musical- und TheaterschauspielerInnen, die Inspiration von den Etablierten der Szene suchen, sind dabei. Die Musicalgäste berichten in intimer, charmant-authentischer und ungeskripteter Weise über ihre Erfahrungen in der Ausbildung, dem Beruf und ihren aktuellen Engagements.
Die Sitzungen, die einzeln oder in rabattierten Paketen mit dem Zugang zu allen vier Sessions des jeweiligen Monats gebucht werden können, finden über die Plattform Zoom statt. Die Teilnahme mit angeschalteter Kamera ist dabei für die ZuhörerInnen optional, schafft aber eine nahbarere Atmosphäre, da die geladenen Musicalstars fortlaufend auch während ihrer referatsähnlichen Talks im direkten Austausch mit den TeilnehmerInnen stehen.
Im letzten Monat wurde das Projekt mit Chiara Fuhrmann eröffnet. Kim Fölmli referierte zum Thema „Gesang und Stimmpflege“, Judith Caspari über ihren persönlichen Werdegang und Motivation im Beruf und Robin Reitsma sprach über den Quereinstieg ins Musicalbusiness. Für Oktober läuft aktuell ein „Moulin Rouge“-Block mit Jonas Hein (zum Thema „Proben“), Marcella Adema sowie Riccardo Greco; den Anfang machte am 6. Oktober Chayenne Lont, die in Köln gerade die Erstbesetzung der Satine übernommen hat. Ihre Sitzung durften wir besuchen und exemplarisch für den „Musical Montag“ dazu berichten.
Die Session wird pünktlich, herzlich und sympathisch von Nathan Markuszower eröffnet. Die ZuschauerInnen hören Lont respektvoll und interessiert zu und stellen über den Chat oder ein virtuelles Handzeichen während und nach dem Vortrag allerlei themenspezifische oder persönliche Fragen, von denen keine am Ende unbeantwortet bleibt.
Chayenne Lont berichtet über ihre Ausbildung als Tänzerin in Amsterdam, ihre musikalischen Anfänge in der Kindheit, ihr erstes Musical als Zuschauerin und über ihre Engagements in den Niederlanden, zu denen die Rolle der Dionne in „Hair“ und Elisabeth in „Dirty Dancing“ gehören. Dabei spricht die sympathische Niederländerin auch über ihre Ursprungsfamilie und ihre eigene Familiengründung, wobei sie auch sehr private Details teilt, die sie bisher öffentlich nicht verraten hat. „You are now my tribe!“ ist dafür ihre sympathische Begründung – der Abend findet ansonsten aber komplett in deutscher Sprache statt, wofür sich Lont besonders bemüht. So berichtet sie neben den Herausforderungen eines ständigen Wechsels zwischen zwei Ländern und den Schwierigkeiten und Bereicherungen des Lebens als berufstätige Musical-Mutter zweier kleiner Kinder auch über ihren ungeplanten Weg von Österreich (z.B. bei „Rock of Ages“ in Amstetten) nach Deutschland, wo sie unter anderem an der Staatsoper Hannover in „West Side Story“ mitwirkte und in einer Coverposition bei der deutschsprachigen Version von „Tina“ spielen sollte. Aufgrund ihrer damaligen Schwangerschaft ging sie in ihre Heimat zurück, wo es sie schon kurz nach der Entbindung wieder auf die Bühne für die Audition zu „Disney’s Aida“ zog. Aufgrund ihrer Erfahrung in beiden Ländern kann sie auch leichte Unterschiede ausmachen, so sei die deutsche Pünktlichkeit kein Märchen, aber sie empfände das sehr internationale Arbeitsumfeld im deutschen Musicalbusiness als große Bereicherung.
Ihren Werdegang knüpft sie geschickt an das Überthema „Auditions“ und beschreibt den mal überraschend schnellen und einfachen, mal mehrere Runden andauernden und hürdenvollen Gang, den die meisten MusicaldarstellerInnen zu gehen haben, bevor sie in einem Job landen. „Du bist zu jung“ war eine Absage, der sie in ihrer Vergangenheit oft begegnet ist. Lont beschreibt die einzelnen der zumeist drei Casting-Runden inhaltlich bezüglich der Anforderungen, Vorbereitungen und des Flairs während des Prozesses. „Ich muss ehrlich sagen, Castings sind wirklich… nicht schön – das ist einfach so. Dort zu stehen – vor zwei, manchmal zehn Leuten – und die bestmögliche Version von dir selbst so auf Knopfdruck zeigen zu müssen, das ist nicht einfach. Am Anfang war ich sehr nervös, aber je mehr Auditions man macht, desto sicherer wird man“, leitet sie das Thema ein.
Sie berichtet von ihrer ersten Audition für das Musical „Bodyguard“ und dem besonderen Castingklima bei Disney-Produktionen: „Man kommt rein und hat nicht das Gefühl, dass man wirklich angesehen wird – schließlich sehen sie täglich hunderte Leute. Man merkt, dass sie weltweit sehr viele Auditions abhalten.“ Dass es auch einfacher gehen kann, zeigt sich anhand ihrer nächsten Audition beim Transfer von „Hair“ von den Niederlanden nach Österreich, bei der ein kurzes Video genügte, um die Zusage für die Rolle der Dionne zu bekommen, die sie vorher schon in ihrem Heimatland verkörperte. Wiederum wurde ihr für ihre Traumrolle Aida vom Castingteam in den Niederlanden gesagt: „Nein, wir sehen dich eigentlich viel mehr als Amneris“, was Lont sehr überraschte und zeigt, dass die Eigenwahrnehmung von der Fremdwahrnehmung in diesem Business stark abweichen kann. In der Finalrunde habe die Firma ihre Meinung dann aber doch geändert und Lont für die Titelrolle in „Aida“ angefragt. „Hab ich doch gesagt!“ meint sie dazu mit einem Augenzwinkern.
Zwei Wochen vor der Premiere von „Moulin Rouge“ wurde sie während der Finalrunden von „Aida“ von ihrem vorigen Arbeitgeber, der ihre persönlichen Umstände gut kannte, für eine Coverposition von Arabia und La Chocolat in Köln angefragt. „Das mache ich, wenn ich später die Chance bekomme, für Satine vorzusprechen“, sagt sie ihr Engagement nach einer einzigen Castingrunde spontan zu und zieht zurück nach Deutschland. Mittlerweile hat sich ihr Wunsch erfüllt: Chayenne Lont spielt aktuell Satine als Erstbesetzung. Über ihren Arbeitsalltag bei „Moulin Rouge“ und ihre tägliche Vorbereitung auf die anspruchsvolle Rolle (mit LaxVox-Stimmaufwärmung, viel Tee und ‚Drops‘ – holländischem Lakritz) berichtet sie genauso eingänglich wie über mögliche Konflikte mit KollegInnen hinter der Bühne und den Fokus, den es dann auf der Bühne braucht, um die Show professionell durchzuziehen. Besonders bei „Moulin Rouge“ ist die Publikumsnähe für viele irritierend. „Aber ich liebe es, wenn die Leute Spaß haben und mitmachen – genau dafür mache ich diesen Job“, schwärmt Lont, die wöchentlich manchmal sogar zwei Mal von Köln nach Holland pendelt. Zu ihrem Familienmanagement trotz Hauptrolle in einer Ensuite-Produktion berichtet die Niederländerin ebenfalls offen: „Ich bekomme viel Unterstützung von meiner Mama und meinen Brüdern.“ Und auf die Frage, ob ihre Kinder die Show schon gesehen hätten, antwortet sie: „Ja, vor kurzem. Erstmal sollten die beiden nicht sehen, wie Mama auf der Bühne knutscht und später stirbt, aber jetzt durften sie den ersten Akt sehen. Während die Kleine ganz fasziniert war, ist mein Großer eingeschlafen – er ist zu cool für Musicals!“
Auf die Abschlussfrage, wo sie sich in 10 Jahren sehe, antwortet Lont inspirierend: „Genau da, wo ich jetzt bin. Ich lebe meinen Traum und versuche, jeden Tag mein bestes Leben zu leben. Wenn man immer nach dem sucht, was man nicht hat, wird man nicht glücklich. Ich will das machen, was ich liebe – und das mache ist jetzt schon!“
Am Ende des Abends haben die ZuschauerInnen das Gefühl, mit dem Musicalstar auf Tuchfühlung gegangen zu sein und sowohl professionelle Einblicke aus erster Hand in die Showbranche bekommen zu haben, als auch die Künstlerin abseits der Bühne etwas kennengelernt zu haben. Diese Möglichkeit eines direkten Austauschs mit wöchentlich wechselnden namhaften Musical-KünstlerInnen ist wohl die größte Stärke des Formats „Musical Montag“. Über den Instagram-Kanal des Formats können die aktuell geplanten Sessions nachverfolgt und über EventimLight gebucht werden.
| Galerie | |||||||||
| GALERIE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|



