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Die Luisenburg-Festspiele haben sich in den letzten Spielzeiten als ein Ort profiliert, der mit Mut überrascht: Uraufführungen wie „Frankenstein“ oder „Seele für Seele“ sowie das Wagnis einer „Watzmann“-Neuinszenierung zeugten von einer bemerkenswerten künstlerischen Risikobereitschaft. Doch der Blick auf die Auslastungszahlen der vergangenen Sommer fiel ernüchternd aus; der künstlerische Anspruch traf nicht immer auf die erhoffte Resonanz. In diesem Jahr vollzieht die Intendanz eine Kurskorrektur und setzt mit „The Rocky Horror Show“ auf einen Klassiker, der zunächst wie eine reine Sicherheitsentscheidung wirkt. Der Plan geht jedoch vollends auf: Die Felsenbühne ist bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Zuschauer zelebrieren den Trash-Kult der siebziger Jahre mit einer Hingabe, die zeigt, dass Wunsiedel mit der Wahl des Stücks genau den richtigen Nerv getroffen hat.
Regisseur Peter Hohenecker setzt bei seiner Inszenierung ganz auf das Stück und seine unmittelbare Wirkung. Anstatt die Produktion auf Biegen und Brechen in die weitläufige Felsenkulisse einzupassen, konzentriert er das Geschehen auf die Hauptbühne. Die visuelle Gestaltung von Martin Scherm spielt dabei offensiv mit der anatomischen Symbolik: Neben dem beweglichen Totenkopf, der als Portal für Frank-N-Furters Auftritte dient, dominieren stilisierte Körperfragmente das Bühnenbild. Ein monumentaler weiblicher Schritt, der von einer Brust überwölbt wird, findet sein Gegenstück in einem Mund, der ebenfalls von einer Brust gekrönt ist. Zentral platziert fungiert die Kiste, der Rocky entsteigt, als unmissverständlicher phallischer Ankerpunkt.
Diese visuelle Direktheit korrespondiert nahtlos mit den Kostümen von Laura Daniela Arriaga Velez, die ebenfalls auf das setzen, was man mit dem Kultklassiker verbindet. Frank-N-Furter, Janet und Brad erscheinen in den ikonischen Outfits, die das visuelle Gedächtnis unmittelbar mit dem Stoff verknüpft. Auch Anita Holms Choreografie fügt sich in dieses Bild ein: Statt mit riskanten Experimenten zu arbeiten, liefert sie hohes Tempo und eine exakte Ausführung, die sich eng an der bekannten Handschrift des Originals orientiert. Ein besonderer Glanzpunkt ist das Lichtdesign: Nach Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich die Bühne in eine beeindruckende Lichtshow, die nicht nur große visuelle Dynamik erzeugt, sondern die schillernde Anarchie des Stücks wirkungsvoll unterstreicht.
Zusammengenommen ist das eine energetische und überzeugend umgesetzte Arbeit, die das Publikum mühelos mitreißt. Gerade diese konsequente Orientierung am bekannten Klassiker sorgt jedoch dafür, dass die Inszenierung nur selten überrascht. Sie erfüllt die Erwartungen mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks; das letzte Quäntchen unvorhersehbarer Anarchie, das den Stoff eigentlich ausmacht, wird zugunsten einer sommerfestspieltauglichen Glätte ein Stück weit nivelliert.
Die Besetzung ist das große Pfund, mit dem diese Inszenierung unweigerlich punktet. Sarah Gadinger (Janet) und Gunnar Frietsch (Brad) verkörpern das bürgerliche Paar mit der nötigen stoischen Präzision. Ihre Figuren bleiben in der ersten Hälfte bewusst im Hintergrund und dienen als biedere Projektionsfläche – ihre Bodenständigkeit bildet den Anker, an dem sich der eskalierende Wahnsinn des Schlosses erst richtig reiben kann.
Fynn Duer-Koch als Riff-Raff und Anna-Sophie Weidinger als Magenta verleihen ihren Figuren eine diabolisch-kühle Präsenz, während Sebastian Krämer als Erzähler die Geschichte stoisch und souverän vorantreibt. – er blendet die typischen Publikumsrufe komplett aus, was den Auftritt zwar technisch sauber, aber gerade im Vergleich zu anderen Interpretationen dieser Rolle merkwürdig distanziert wirken lässt. Mischa Mang überzeugt in seiner Doppelrolle als Eddie und Dr. Scott: Als Eddie ist er ein energetischer Wirbelwind, als Dr. Scott gelingt ihm eine stimmige und pointierte Charakterzeichnung. Das Ensemble – angeführt von Timm Moritz Marquardt als Rocky und Lilia Höfling als Columbia – trägt das hohe Tempo der Choreografien mühelos mit und sorgt dafür, dass die Bühne jederzeit von manischer Spielfreude erfüllt ist.
Über allem thront Manuel Karadeniz als Dr. Frank-N-Furter. Er liefert eine Tour de Force ab, die weit über eine bloße Imitation der Filmvorlage hinausgeht. Karadeniz verkörpert den exzentrischen Alien mit einer Energie, die den gesamten Abend prägt. Dominanz und laszive Verführungskraft spielt er mit einer Selbstverständlichkeit aus, die keinen Moment gekünstelt wirkt. Besonders bemerkenswert ist seine manipulative Interaktion mit den Zuschauern: Wenn er sich gegen Ende der Show in den vermeintlich schwächeren Momenten der Figur ihre Sympathie sichert, ist das keine echte Verletzlichkeit, sondern eine kalkulierte Form der Publikumssteuerung. Karadeniz beherrscht die gesamte Klaviatur der Rolle – von der manischen Selbstinszenierung bis zur perfiden emotionalen Manipulation – und füllt diese Facetten mit großer Spielfreude und beeindruckender Souveränität aus.
Musikalisch lässt sich die Produktion nicht aus der Ruhe bringen. Die sechsköpfige Band unter der Leitung von Vojtěch Adamčík und Tomáš Küfhaber, die erhöht am rechten Bühnenrand positioniert ist, agiert schwungvoll und druckvoll. Dass das Sounddesign die komplexe Outdoor-Situation auf der Felsenbühne derart sicher meistert, ist bemerkenswert: Die Balance zwischen Instrumenten und Stimmen bleibt durchweg gewahrt, sodass sowohl die deutschsprachigen Passagen als auch die englischsprachigen Songs jederzeit glasklar und differenziert zu hören sind.
Am Ende etabliert sich die Produktion als Luisenburg-Pflichttermin. Die Inszenierung überzeugt mit einer souveränen Umsetzung, die das Stück zweifellos glänzen lässt. Gerade diese Verlässlichkeit nimmt dem Abend jedoch einen Teil jener anarchischen Energie, die den Stoff eigentlich ausmacht. So bleibt ein Theatererlebnis, das mit großer Professionalität begeistert und dem Publikum genau das liefert, was es erwartet – auch wenn der Mut zum wirklichen Risiko zugunsten der Kultpflege auf der Strecke bleibt.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Regie | Peter Hohenecker |
| Choreographie | Anita Holm |
| Musikalische Leitung | Vojtěch Adamčík Tomáš Küfhaber |
| Bühnenbild | Martin Scherm |
| Kostümbild | Laura Daniela Arriaga Velez |
| Regieassistenz / Abendspielleitung | Markus Hareter |
| Regieassistenz | Juliette Chauvet-Kümpfel |
| Stage Management | Julia Gigl |
| Dance Captain / Ass. Choreographie | Amando Rossi |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Frank ‘n‘ Furter | Manuel Karadeniz |
| Janet | Sarah Gadinger |
| Brad | Gunnar Frietsch |
| Riff-Raff | Fynn Duer-Koch |
| Magenta | Anna-Sophie Weidinger |
| Columbia | Lilia Höfling |
| Rocky | Timm Moritz Marquardt |
| Eddie / Dr. Scott | Mischa Mang |
| Erzähler | Sebastian Krämer |
| Phantoms | Tanja Beutenmüller Celine-Denise Unden Markus Hareter André Naujoks Jan Rogler Armando Rossi |
| Swing | Martin Gaebe |
| Regionale Talente | Gloria Riedl Tim Reichel Miriam Schmidkonz Lea Selch |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Sa, 18.07.2026 15:00 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | |
| Sa, 18.07.2026 20:30 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | |
| Fr, 24.07.2026 20:30 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | |
| Sa, 25.07.2026 15:00 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | |
| Mi, 29.07.2026 20:30 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | |
| Sa, 01.08.2026 15:00 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | |
| Mi, 05.08.2026 20:30 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | |
| Mi, 12.08.2026 20:30 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | |
| Sa, 15.08.2026 20:30 | Große Felsenbühne, Wunsiedel |
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| SPIELORTE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 11.06.2026 - 15.08.2026 | Große Felsenbühne, Wunsiedel | 17 x |
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