Michael Herberger © Stiftung Creative Kirche
Michael Herberger © Stiftung Creative Kirche

"Ich wünsche mir, dass wir alle wieder hoffen können!" – Michael Herberger im Interview

Im Februar 2026 feiert das neue Chormusical der Creativen Kirche „Judith und das Wunder der Schöpfung“ seine Uraufführung in der Dortmunder Westfalenhalle. Die Proben laufen inzwischen auf Hochtouren. Wir durften dabei sein, als in der Popakademie Witten die Studioaufnahmen, die als Übungsmaterial für die Chöre dienen, aufgezeichnet wurden – und nutzten die Gelegenheit, mit dem vielleicht bekanntesten Kopf des Kreativteams zu sprechen: Michael Herberger wurde als Gründungsmitglied, musikalischer Leiter und Komponist der Söhne Mannheims bekannt. Zu seinen aktuellen Projekten zählen unter anderem die TV-Formate „Die Passion“ und „Sing meinen Song“. Gemeinsam mit Kevin Schroeder, Laura Diederich, Ilja Krut und Johannes Pinter schrieb er nun das Chormusical „Judith und das Wunder der Schöpfung“. Die Creative Kirche hat diese Woche die komplette Cast veröffentlicht. Mit dabei sind u.a. Alida Will in der titelgebenden Rolle der Judith sowie Oliver Edward in der Rolle des Ammo als ihr Spielpartner. (In unserer Datenbank gibt es bereits Infos über die komplette Cast.)

Im Interview spricht Michael Herberger mit uns über das neue Chormusical, indem es u.a. um Klimawandel und eine gesunde Streitkultur geht. Wir sprechen mit ihm über Musik und die Herausforderung, ein ganzes Musical für einen Megachor zu gestalten. Er zeigt sich unglaublich reflektiert und fest in seinem christlichen Glauben verankert – nicht nur, wenn er schließlich von Hoffnung spricht.

Kannst du kurz umreißen, worum es in dem neuen Chormusical „Judith und das Wunder der Schöpfung“ geht und unseren Lesern thematisch und theologisch eine kurze Einordnung geben?

Oje, direkt die erste Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Gott hat den Menschen aus Liebe diese Welt als Geschenk anvertraut. Mit diesem Geschenk verbunden ist die Verantwortung, diese auch zu bewahren – eine Aufgabe, die schon Adam und Eva übertragen wurde und in deren Erbe wir bis heute stehen. Aber: Wie stehen wir denn heute zu der uns übertragenen Verantwortung? Wie gehen wir auch miteinander um, wenn es zu Streit und Uneinigkeit kommt?

Wir wollen mit unserem Stück aber vor allem zeitgemäß unterhalten, ohne dabei mit dem moralischen Zeigefinger zu belehren. Bei der Geschichte handelt es sich auch nicht um eine Abhandlung oder Nacherzählung der biblischen Vorlage. Im Mittelpunkt stehen eine moderne Liebesgeschichte aus der heutigen Zeit – die nicht ganz einfache Beziehung zwischen Judith und ihrem Lebenspartner Ammo – sowie die Verantwortung, die die Menschen sowohl im direkten Zusammenleben als auch im Umgang mit dem Klimawandel füreinander tragen.

Gott hat uns die Macht gegeben, selbst Schöpfer neuen Lebens zu sein. Und darin liegt eine ganz besondere Verantwortung! Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, das Leben und die Vielfalt auf der Erde zu bewahren. Das sind die Aufgaben für jeden Einzelnen von uns, die Gott uns zwar stellt, die wir aber als Menschen nur gemeinsam bewältigen können. Da muss es ‚klick‘ machen bei den Menschen: Wir müssen aufeinander zugehen und gemeinsam ins Handeln kommen.

Du bist studierter Molekularbiologe. Du bist auch bekennender Christ. Das mag für manche zunächst wie ein Widerspruch klingen…

Überhaupt nicht! Glaube und Wissenschaft sind untrennbar miteinander verbunden. Es wäre auch zu kurz gedacht, zu sagen, dass sich alles, was man wissenschaftlich noch nicht erklären kann, mit dem Glauben einfach vom Tisch wischen lässt. Ich will die Welt verstehen, also habe ich mich damals mit meinem Studium auch wissenschaftlich der Welt zugewandt, aber das eine gehört unweigerlich mit dem anderen zusammen: Wissenschaft und Glaube gemeinsam lassen uns die Welt erst in ihrer Ganzheit begreifen. So sehe ich zumindest die Welt. Da liegt ganz viel Staunen drin, das wir zulassen dürfen. Das gehört für mich zum Leben dazu.

Ist die Musik auch ein Wunder? Und woran machst du das fest?

Ja, unbedingt. [Seine Augen leuchten.] Es gibt vermutlich kaum einen Menschen, der Musik nicht mit Emotionen oder Erinnerungen verbindet. Das gilt für alle Genres, besonders für die Popmusik mit ihren verschiedenen Stilrichtungen. Musik ist somit auch identitätsstiftend für verschiedene Generationen. Generell schafft Musik Verbindung zwischen den Menschen. So war es beispielsweise für uns nur eine logische Konsequenz beim Schreiben von „Judith und das Wunder der Schöpfung“ verschiedene Generationen zusammenzubringen – sowohl im Kreativteam als auch inhaltlich in der Geschichte, die wir erzählen. So nutzen wir vielleicht umso besser die Gelegenheit, alle Generationen in die Zielgruppe und damit auch in unser Publikum hineinzuholen.

Das Kreativteam im Schreibcamp: Zu fünft wird „Judith und das Wunder der Schöpfung“ aus der Taufe gehoben.
(v.l.) Kevin Schroeder, Ilja Krut, Johannes Pinter, Laura Diederichs, Michael Herberger © Stiftung Creative Kirche

Die Zusammenarbeit mit Kevin Schroeder war für dich in diesem Projekt ein Debüt. Gemeinsam mit dem Songwriter-Team um Laura Diederich (‚Lori‘), mit Ilja Krut und Johannes Pinter hast du bereits das Joy-Flemming-Musical „Ein Lied kann eine Brücke sein“ geschrieben. Wie können wir uns den Schöpfungsprozess von „Judith – und das Wunder der Schöpfung“ vorstellen?

Wir haben uns zweimal je eine Woche zusammen gesetzt um gemeinsam am Musical zu arbeiten. Kevin, der ja bereits schon mehrere Musicals geschrieben hat, hat zunächst die Story grob entworfen. Allerdings haben wir uns im Entstehungsprozess der Geschichte schon ganz früh ausgetauscht – etwa darüber, wie der Chor besonders inhaltlich zur Geltung kommen kann, damit er nicht bloß den Background-Sound bereitstellt. In unserem Chormusical soll schließlich der Chor im Mittelpunkt stehen. Dazu haben wir ihm eine besondere Rolle zugeschrieben. Wir haben auch diskutiert, welche musikalischen Stile für die jeweiligen Szenen stimmig oder wo Reprisen sinnvoll wären, weil bestimmte Themen im Stück immer wiederkehren. Da haben Laura, Ilja und Johannes – alle mittlerweile ehemalige Studierende der Popakademie – musikalisch ganze Arbeit geleistet und Miriam Schäfer von der Creativen Kirche hat anschließend die Chorarrangements geschrieben!

Der Chor spielt also eine zentrale Rolle im Stück. Wie müssen wir uns das vorstellen – und welche Rolle ist das?

Der Chor steht nicht einfach nur im Hintergrund, sondern bringt die unterschiedlichen Stimmen in der Klimadebatte auf die Bühne – so wie wir sie auch im Alltag erleben. Er ist damit ein Spiegel unserer Gegenwart. In diesem Umfeld entwickelt sich die Geschichte von Judith und Ammo, und die Einflüsse von außen sind immer spürbar. Wir sind sehr gespannt, wie das am Ende beim Publikum ankommt.

Ihr bedient verschiedene Richtungen der Popmusik. Welche Stilrichtungen genau erwarten uns?

Wir zeigen eine große Bandbreite der heutigen Popmusik im Musical: Dance-Nummern, aber auch einen Rap; es gibt Balladen – da ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei und so eingesetzt, dass es sich in den Verlauf der Geschichte passend einfügt. Es können und sollen sich alle Generationen emotional angesprochen fühlen.

Die, wie ich finde, größte Herausforderung für uns beim Schreiben der Musik war jedoch, die Stücke tatsächlich so zu schreiben und im Nachhinein noch einmal so zu arrangieren, dass sie „machbar“ für alle Sänger:innen des Megachores sind, die alle mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen zu uns kommen. Stimmlich haben wir es hier ebenfalls mit einer großen Vielfalt zu tun. Da sind ausgebildete Stimmen dabei, die Solist:innen sind alle Profis, haben aber natürlich auch ihre eigenen gesanglichen Parts. Auch im Chor gibt es Sänger:innen mit einer musikalischen oder sogar gesanglichen Ausbildung – aber eben auch jene, die einfach Spaß am Singen haben. Am Ende sollen die Songs kraftvoll klingen und ihre emotionale Wirkung voll entfalten können. Damit das gelingt, müssen wir uns auf alle Beteiligten mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen einstellen, so gut wir können, und sie dort abholen, wo sie musikalisch stehen.

Mit der Inszenierung von Chormusicals hat die Creative Kirche bereits zahlreiche Erfahrungen. Hier „7 Worte vom Kreuz“ © Stiftung Creative Kirche

Wie gelingt es, aus planmäßig 3000 Einzelsänger:innen eures Mega-Chores einen Klangkörper zu gestalten, der einheitlich wirken kann?

Das ist wie gesagt schon in unsere Vorüberlegungen und beim Schreiben der Titel mit eingeflossen, damit die stimmlichen Herausforderungen einerseits machbar sind und dennoch unserem künstlerischen Anspruch folgen und natürlich haben wir viel von der Erfahrung von Miriam Schäfer und Christoph Terbuyken profitiert, die auch schon bei früheren Stücken der Creativen Kirche mitgewirkt haben. Heute gehen wir hier in der Popakademie in Witten mit den Chorleitern in die Probe und gleichzeitig in die Aufnahme, damit alle Beteiligten ein Übungswerk mit nach Hause nehmen können. Damit können sie sich dann auf die jeweils nächste Probe mit dem in ihrer Heimat angesiedelten Chor und schließlich auf die gemeinsame Inszenierung am Ende vorbereiten. Die Chorleiter gehen also durch uns geschult und mit entsprechendem Material in die Proben mit ihren jeweiligen Chören. Ende September haben wir bereits eine erste gemeinsame Probe mit den Solist:innen im Ruhrkongress Bochum.

Die Cast steht mittlerweile fest. Hattest du oder hattet ihr ein Mitspracherecht, wer die Musik einspielen wird?

[grinst] Na klar! Zum Beispiel wird mit Thilo Zirr, der auch die Musik arrangiert hat, ein aktuelles Mitglied der Söhne Mannheims, in der Band dabei sein. Also ja, wir werden eine sehr gut aufgestellte Band haben, die die Musik auf die Bühne bringt.

Michael Herberger © Thommy Mardo

Welche Szenen oder musikalischen Momente des Stücks liegen dir persönlich besonders am Herzen?

Oh, da gibt es tatsächlich einige! Zum Beispiel ein Lied, in dem Judith, die Hauptfigur, die unbedingt glauben will, mit sich selbst ins Ringen kommt. Ihre schwierige Lebenssituation bringt sie erst zum Zweifeln. In dieser Szene stecken so viel Emotionen und Kraft – das berührt mich jedes Mal aufs Neue. – Wenn du mich ein andermal fragst, fällt mir eine andere besonders emotionale Stelle ein, die ich dann am besten finde. [lacht verschmitzt]

Zielt das Stück eher auf die Spiritualität der Thematik ab oder will es vor allem gesellschaftliche Denkanstöße geben?

Das Stück will gesellschaftliche Denkanstöße geben, aber auch Spiritualität spielt eine entsprechende Rolle. Der Klimawandel und der verantwortungsvolle Umgang mit all den Fragen, die damit verbunden sind, gehören zu den dringendsten Themen unserer Zeit – da dürfen wir nicht wegschauen. Es geht auch darum, dass jeder Eigenverantwortung übernimmt. Als Künstler wollen wir aber nicht missionieren. Natürlich stehen christliche Glaubensfragen im Mittelpunkt von Judith und das Wunder der Schöpfung“ – wie auch bei anderen Projekten der Creativen Kirche. Unsere Arbeit richtet sich deswegen selbstverständlich an die christliche Gemeinschaft. Gleichzeitig möchten wir aber auch alle ansprechen, die sich mit Fragen des Glaubens beschäftigen oder die ihren Glauben vielleicht ein Stück weit noch suchen.

Was würdest du dir wünschen, das das Publikum nach dem Besuch der Uraufführung von „Judith und das Wunder der Schöpfung“ im Februar in der Dortmunder Westfalenhalle mit nach Hause nimmt – im Herzen, in den Köpfen und im Handeln?

Das ist eine schöne Frage! – Hoffnung. Ich wünsche mir, dass die Menschen mit neuer Hoffnung nach Hause gehen. Viele haben diese innere Zuversicht heute verloren. Aber ohne Hoffnung können wir kaum daran glauben, dass wir selbst etwas bewirken können. Hoffnung heißt auch, aufeinander zuzugehen, sich immer wieder für das Gute zu öffnen und Mut zum Handeln zu finden. Genau das wünsche ich mir: dass unser Stück bewegt, berührt und Denkanstöße gibt – zur Bewahrung der Schöpfung, aber auch zum gemeinsamen Austausch. Denn klar ist: Jeder Einzelne kann etwas beitragen, aber nur gemeinsam können wir wirklich etwas verändern.

Woran würdest du in einem Jahr den Erfolg des Stückes messen?

Unser Publikum stimmt „mit den Füßen“ ab – sprich: Ich wünsche mir natürlich, dass möglichst viele Menschen unser Stück besuchen. Entscheidend ist für mich aber auch die unmittelbare Reaktion während der Aufführung: ob das, was wir geschaffen haben, wirklich ankommt, berührt und der Funke überspringt. Natürlich spielt auch die Resonanz der Presse eine Rolle – als Künstler muss man sich immer der öffentlichen Kritik aussetzen. Am Ende aber zählt für mich vor allem die direkte Energie im Raum, die man durch das Publikum spüren kann.

Du hast bereits viel im Popmusikgeschäft gemacht und wirst nicht müde, dich immer neuen Herausforderungen zu stellen. Das, was du hier machst, ist – so wie ich dich in unserer Begegnung hier verstehe – deutlich mehr als eine Auftragsarbeit. Heißt das, dass es für dich in Zukunft auch eine weitere Zusammenarbeit mit der Creativen Kirche geben wird?

Ich sehe solche Projekte immer als gemeinsame Aufgabe – niemals als bloße Auftragsarbeit. In meinem kreativen Beruf habe ich das große Privileg, viele schöne Dinge umsetzen zu dürfen und durfte damit glücklicherweise auch erfolgreich sein. Wenn sich diese Arbeit mit meinem Glauben verbinden lässt, erfüllt mich das umso mehr. Deshalb würde ich mich sehr freuen, unsere Zusammenarbeit fortzusetzen. Bei einer ersten Kooperation tastet man sich ja noch aneinander heran – von den dabei gewonnenen Erfahrungen könnten wir künftig nur profitieren.

Gilt das auch für die Söhne Mannheims?

Nein, das Kapitel ist beendet. Um ein Bibelzitat zu bemühen: Alles hat seine Zeit. Ich bin dankbar für die vielen Höhen und Tiefen in den über 20 Jahren, aus denen ich sehr viel mitnehmen und lernen durfte.

Lieber Michael, vielen Dank für deine wertvolle Zeit an diesem aufwendigen Produktionstag! Wir wünschen dir und euch viel Freude bei den weiteren Vorbereitungen und viele stampfende Füße bei der Weltpremiere von „Judith und das Wunder der Schöpfung“ im Februar! Wir werden dabei sein und freuen uns darauf!

 
Overlay