Ensemble von Lazarus © Candy Welz
Ensemble von Lazarus © Candy Welz

Lazarus (seit 03/2026)
Großes Haus, Heilbronn

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David Bowies Musical-Fiebertraum „Lazarus“ kann in Heilbronn mit einer an die Originalinszenierung angelehnten Regie und starkem Schauspiel punkten. Auch wenn klassische Musicalfans von diesem Werk sicherlich in ihren Seh- und Hörgewohnheiten herausgefordert werden, lohnt sich der Besuch vor allem für Glamrock-Liebhaber und jene, die ungewöhnliche Narrative goutieren.

Das entrückte Buch von Enda Walsh zeichnet die Sequel-Geschichte zum Science-Fiction-Film „The Man Who Fell to Earth“ von 1976 nach. In diesem spielte David Bowie – mit dem Bestreben, sein Image facettenreicher zu gestalten – die Hauptrolle des auf der Erde ausgesetzten unsterblichen Aliens Thomas Newton. Seiner verflossenen Liebe Mary Lou nachtrauernd, ergibt sich Newton dem Alkohol und seinen Wahngedanken, von denen so einige auf der Bühne ausgespielt werden. Bowies beinahe letztes Werk beinhaltet seine großen Hits und neu geschriebene Lieder, die die fragmentarische Story lose unterstreichen. Jukebox -Musicals von Rock-Legenden scheinen sich gerne in merkwürdigen, psychedelischen Handlungssträngen und Utopien zu verstricken, etwa in „We Will Rock You“ oder „Bat Out Of Hell“ – hier reiht sich „Lazarus“ nahtlos ein und wirkt mit zahllosen Interpretationsmöglichkeiten sogar noch ätherischer als die genannten Genrevertreter. Beispielsweise könnte das Werk durchaus auch aus einer autobiographischen Perspektive verstanden werden: David Bowie war zum Zeitpunkt der Stückerarbeitung todkrank und seine düstere, hoffnungslose und jenseitsgewandte Lebensrealität haben er und Walsh in dieses letzte Werk einfließen lassen, das der sterbende Rockstar als Vermächtnis angesehen haben soll. In jedem Fall ist es empfehlenswert, den Inhalt des Films im Vorfeld zumindest einmal nachzulesen, um dem Plot etwas müheloser folgen zu können. Das Heilbronner Publikum lässt in der Pause Gesprächsfetzen vernehmen, die mit „Ich verstehe gar nichts, aber die Musik ist super“ zusammengefasst werden können – und tatsächlich erfordert es einiges an Konzentration, die losen Enden des Buchs von Walsh gedanklich zusammenzuführen und sich aus den vielen abstrakten Mono- und Dialogen einen Reim zu machen.

Thomas Winter wirkt mit seiner Regie den Wirren entgegen, indem er prägnante Visualisierungen und ein kluges Bühnenbild einsetzt, das die Handlung in Erzählebenen unterteilt und sie in größere Kontexte setzt. Sebastian Ellrich bringt mit seiner Ausstattung sowohl mit seinem Kostümbild als auch mit dem Bühnendesign eine interessante Visualität ins Stück. Im Zentrum befindet sich das Refugium von Newton, der über einen Fernseher die Welt beobachtet. Der Bildschirm und größere Projektionen von Konrad Kästner werden gleichzeitig genutzt, um das Innenleben der Hauptfigur und die ihn manisch dominierenden Gedankenkreise optisch darzustellen. Um den Hauptraum herum fahren von oben, rechts und links immer wieder weitere Raumelemente auf die Bühne, die den Raum in einen Nachtclub, einen Schacht mit klaustrophobischen Schemen oder das Schlafzimmer von Elly und ihrem Mann verwandeln .  Immer wieder passieren parallele Handlungen, sodass das Auge dauerhaft beschäftigt ist und die verwirrende Gedankenwelt Newtons greifbar wird. Einige opulente Kostüme, wie das der „Japanerin“ oder das Schlusskostüm von Antagonist Valentine, sind besonders dramatische Hingucker. Lidia Melnikova verleiht dem manischen Innenleben des Erdexilanten choreografischen Ausdruck. Weder das Lichtdesign von Niko Bock noch das astreine Tondesign – selten für ein Stadttheater – lassen Wünsche offen.

Auch die achtköpfige Band unter Heiko Lippmann, die mittels Hebebühne immer wieder Teil des Geschehens wird, spielt Bowies unverkennbare Lieder mit der nötigen Expertise und spürbarem Feingefühl.

Lennart Olaffson als Ben und Juliette Lapouthe als Maemi setzen lebhafte Akzente im Ensemble; Lapouthes Auftritt als japanische TV-Erscheinung verbreitet eine Mischung aus ESC-Flair und kauderwelschender Klerikerin in Ekstase, was sehr amüsant ist. Die die Handlung begleitenden „Teenage Girls“, hervorragend gesungen von Janice Rudelsberger, Lisanne Hirzel und Larissa P. Hartmann, werden gewinnbringend vom Regisseur in der Story platziert. Cosima Fischlein als Girl überzeugt mit mädchenhaftem Auftreten, das einer bleiernen Schwere weicht. Gesanglich ist ihr Höhepunkt mit „Life on Mars“ gegeben – der größte Showapplaus des Abends. Auch Stefan Eichberg als Newtons Freund Michael und Pablo Guaneme Pinilla als Ehemann Zach agieren mit schauspielerischer Leidenschaft. Oliver Firits’ zwielichtiger Valentine wird mit einer Portion Flamboyance und bedrohlichem Charisma zum Leben erweckt. Juliane Schwabe brilliert mit intensivem und mutigem Schauspiel als hin- und hergerissene Elly. Neben ihr ist auch Nikolaj Alexander Brucker eine darstellerische Wucht: Er wird den gesanglichen Anforderungen der Bowie-Songs mehr als gerecht und begeistert mit seinem ausdrucksstarken Spiel als Newton auf ganzer Linie.

Auch wenn das Buch polarisierend wirken kann und „Lazarus“ als Musical nur bedingt funktioniert, ist für Bowie-Fans ein runder Best-of-Abend garantiert, in den alle Beteiligten merklich viel Herzblut und Hirnschmalz investiert haben, um den künstlerischen Gehalt auszuleuchten.

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungHeiko Lippmann
Florian Kießling
InszenierungThomas Winter
ChoreografieLidia Melnikova
AusstattungSebastian Ellrich
VideoKonrad Kästner
 
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CAST (AKTUELL)
NewtonNikolaj Alexander Brucker
ValentineOliver Firit
Mädchen, später MarleyCosima Fischlein
EllyJuliane Schwabe
Teenage Girl 1Janice Rudelsberger
Teenage Girl 2Lisanne Hirzel
Teenage Girl 3Larissa Hartmann
ZachPablo Guaneme Pinilla
BenLennart Olafsson
MichaelStefan Eichberg
Maemi / JapanerinJuliette Lapouthe
MusikerHeiko Lippmann
Florian Kießling
Markus Herzer
Steffen Münster
Eugen Aniskewitz
Werner Acker
Sebastian Schiller
Christoph Sabadinowitsch
Dirk Rumig
Ulrich Röser
Florian Seeger
  
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TERMINE
Mi, 22.04.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
Sa, 25.04.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
Do, 30.04.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
Fr, 15.05.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
So, 17.05.2026 15:00Großes Haus, Heilbronn
Do, 21.05.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
Mi, 03.06.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
Di, 16.06.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
Mi, 01.07.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
So, 05.07.2026 18:00Großes Haus, Heilbronn
▼ 2 weitere Termine einblenden (bis 25.07.2026) ▼
 
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 14.03.2026 19:30Großes Haus, HeilbronnPremiere
Sa, 21.03.2026 19:30Großes Haus, Heilbronn
So, 22.03.2026 18:00Großes Haus, Heilbronn
▼ 3 weitere Termine einblenden (bis 16.04.2026) ▼
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