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Die dunkelste Zeit im Leben Oscar Wildes wird in diesem dramatischen Schauspiel mit musikalischer Begleitung eindrucksvoll auf die Bühne gebracht.
Mit „Die Märchen des Oscar Wilde erzählt im Zuchthaus zu Reading“ erzählt André Kaczmarczyk, basierend auf Wildes Aufzeichnungen, eindringlich von dessen entwürdigender Zeit im Gefängnis: Oscar Wilde wurde wegen Homosexualität und Sodomie verurteilt und fristete ein Dasein hinter den Mauern des Zuchthauses zu Reading. Dort ging es einzig um das nackte Überleben unter der grausamen Züchtigung. An der Ruhr erkrankt und bis aufs Blut gedemütigt, findet er in seinem mitfühlenden Wärter Thomas Martin den Halt, den er braucht, um am Leben zu bleiben. Jeden Abend erzählt Wilde ihm vor Zellenschluss episodisch seine Märchen – ein täglicher Hoffnungsschimmer, der ihn durchhalten lässt. Die Erinnerung daran, wer er war – ein gefeierter Dichter des viktorianischen Zeitalters – hilft ihm, das Unvorstellbare zu überstehen: Einzel- und zeitweise Isolationshaft, unregelmäßige und oft verdorbene Mahlzeiten, das Verbringen der Nächte auf dem nackten Boden seiner Zelle.
Yascha Finn Nolting verkörpert den körperlichen und seelischen Verfall des einst charismatischen Oscar Wilde mit solch leidenschaftlicher Intensität, dass dem Publikum ein Schauer nach dem anderen über den Rücken läuft. Nolting verschmilzt im Laufe der Aufführung zusehends mit seiner Rolle – er leidet, fleht und verfällt immer mehr der Todesangst. Besonders in den Sequenzen, in denen er dem Wärter seine Märchen erzählt, scheint er für einen Moment die Qualen der Haft vergessen zu können. Seine enorme Wandlungsfähigkeit zeigt sich auch in den Rückblenden, die Wildes Prozess thematisieren: Mit einer einfachen Geste – dem Streichen über das Gesicht und dem Anlegen eines Pelzmantels – wird er plötzlich zum Dandy, der Wilde vor seiner Verurteilung war. Seine Stimme passt sich dabei meisterhaft der Stimmung der jeweiligen Szene an: mal brüchig, mal bestimmt, mal verträumt.
Thomas Wittmann spielt den Gefängniswärter Thomas Martin überlegt und zurückhaltend – mit einer ruhigen, gütigen Präsenz, die fast etwas Liebevolles vermittelt. Im Kontrast dazu steht Thiemo Schwarz als Gefängnisdirektor Isaacson, der mit kalter Mimik und harter Stimme nicht nur die Insassen und das Personal einschüchtert, sondern auch die Ängste des Publikums triggert. Erbarmungslos stülpt er Oscar Wilde Schuldgefühle über, für die es aus unserer Sicht – in Europa im Jahre 2025 – glücklicherweise keine Grundlage mehr gibt. Wie viele Darsteller des Stückes übernimmt auch Georgette Dee mehrere Rollen, unter anderem Wildes Mutter, die Rote Rose oder die Rakete aus seinen Märchen. Mit ihrer warmherzigen Singstimme rührt sie das Publikum insbesondere im Prolog und im Finale des ersten Aktes.
Irritierend wirkt jedoch die Entscheidung, die Liedtexte auf Englisch – also in Wildes Originalsprache – vorzutragen. Gerade in einer Inszenierung, die den Zuschauer emotional so stark an Wildes Erleben binden möchte, stellt der notwendige Sprachangleich eine gewisse Hürde dar, die die unmittelbare Identifikation erschwert.
Ein sechsköpfiges Ensemble, darunter ein Streichquartett, begleitet viele Szenen musikalisch und setzt emotionale Akzente. Die wenigen Lieder, die insbesondere die Märchenszenen untermalen, unterstützen zwar die jeweilige Stimmung, wirken jedoch teilweise monoton. Insgesamt liegt der Fokus der Inszenierung klar auf dem Schauspiel, nicht auf der Musik.
Der wandelbare Bühnenaufbau von Ansgar Prüwer schöpft alle Möglichkeiten der Bühne des Schauspielhauses Düsseldorf aus: Die große Drehbühne sowie die vierteilige Hebebühne ermöglichen im Nu eindrucksvolle Szenenwechsel – vom Gefängnishof in einen Ballsaal, zurück in Wildes karge Zelle, in die Krankenstation oder den Gerichtssaal. Das ausgeklügelte Lichtdesign von Konstantin Sonneson verstärkt die düstere Atmosphäre und setzt gezielte Akzente, etwa wenn es Wahrheiten in „falsches Licht“ taucht.
Martina Leberts Kostüme bieten dem Publikum klare Identifikationsflächen: Die Häftlinge tragen hell gemusterte Pyjamas, die realen Figuren der Außenwelt sind in dunkle Töne gehüllt. Die Kostüme der Märchenfiguren hingegen bestechen durch fantasievolle, farbenfrohe Stoffe in verschiedensten Materialien – teils mit Glitzerelementen versehen. Es wird mehr als deutlich: Wildes einzige wahre Zuflucht ist seine Fantasie.
Besonders eindrücklich ist Wildes Monolog kurz vor dem Bericht über seinen Tod: Nolting tritt dabei direkt an das Publikum heran – anklagend, reflektierend – und sucht eine letzte Rechtfertigung für all das, wofür er im Leben bestraft wurde. Vieles sei lediglich aus Sicht der damaligen Gesetzgebung verwerflich gewesen, anderes hingegen – tatsächlich begangen – blieb ungesühnt. Die Inszenierung stellt die Frage nach Moral und fordert das Publikum dazu auf, sich selbst zu hinterfragen: Macht sich nicht auch der Urteilende schuldig?
Ein herausragendes Zusammenspiel aus Schauspielkunst und Inszenierung transportiert den schweren Stoff rund um Oscar Wildes Haftzeit eindrucksvoll. Das als Dokumentations-Musical angekündigte Werk entpuppt sich jedoch vielmehr als bewegendes Schauspiel mit musikalischer Begleitung.
Schauspiel nach Oscar Wilde von André Kaczmarczyk mit Musik von Matts Johan Leenders
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Inszenierung | André Kaczmarczyk |
| Musik | Matts Johan Leenders |
| Bühne | Ansgar Prüwer |
| Kostüm | Martina Lebert |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Oscar Wilde | Yascha Finn Nolting |
| Thomas Martin, Gefängniswärter | Thomas Wittmann |
| Constance, Wildes Ehefrau / Salome / Nymphe / Motte | Anya Fischer |
| Ada Leverson, eine Vertraute Wildes / Nymphe / Eule | Sarah Steinbach |
| Die Infantin / Tochter des Professors / Nymphe / Spinne | Luise Zieger |
| Robert Ross, Wildes engster Freund | Raphael Gehrmann |
| Student / O.C. Maurice, Arzt | Elias Nagel |
| Carson, Anwalt der Gegenseite | Sebastian Tessenow |
| lsaacson, der Gefängnisdirektor | Thiemo Schwarz |
| Nachtigall / Walter Grainger / Zwerg | Michael Fünfschilling |
| James Taylor / Don Pedro / Fuchs / Schwälberich | Roman Wieland |
| Prince, Häftling A 2.1.1. / Fledermaus | Markus Danzeisen |
| Lord Alfred Douglas / Narziss | Eray Gülay Igor Meneses Sousa |
| Lady Wilde, Wildes Mutter / Rote Rose / Rakete | Georgette Dee |
| Gefangene | Ivaylo Dimitrov Rolf Giesen Nicole Marpmann Carl Wrobel (Daniel Deason) |
| Cyril und Vyvian, die Söhne Oscar Wildes / Häftlinge | Luke Dopheide (Philipp Jagiela) Rafael Wohlleber (Anton Jäger) |
| Band | Matts Johan Leenders (Hajo Wiesemann) Sophie Moser (Lisa Maria Schumann-Heinen) Zuzana Leharová (Laura Knapp) Maria del Mar Vargas Amezcua (Maurice Maurer) Ella Rohwer (Jola Shkodrani) Max Hilpert (Carl Zinsius) |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| So, 17.05.2026 16:00 | Schauspielhaus, Düsseldorf |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 08.03.2025 - 17.05.2026 | Schauspielhaus, Düsseldorf | 14 x |
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