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Die Burgfestspiele Mayen setzen wieder nicht auf Altbekanntes aus dem Musical-Repertoire, sondern leisten sich eine Uraufführung. Diesmal hat sich im Hof der Genovevaburg der Bienenstaat Bienoveva angesiedelt. Das durchgetaktete System dieser Insekten ist überspitzt auf unsere Gesellschaft übertragbar und bietet viele Möglichkeiten für satirische Stiche. Weh tun diese Stiche nicht – sie jucken höchstens ein kleines bisschen.
Das System der Bienen bildet den perfekten Staat – mit leicht faschistischen Zügen. Hier funktioniert alles in optimaler Zusammenarbeit. Über das Volk herrscht eine Königin, die sich aber nur per Durchsagen an ihr Volk wendet und nie persönlich erscheint. Die Wächterin Katrine hat ein Auge auf den reibungslosen Ablauf im Stock und führt dabei ein straffes Regiment. Wer aus der Reihe tanzt, gehört nicht mehr dazu. Sie achtet auch auf Kranke, denn die könnten das Überleben gefährden. Hustende Bienen werden sofort aussortiert. Nach Meinung der Kundschafterin Simina liegt der Husten an den mit Pheromonen behandelten Rapspflanzen in der Nähe. Sie hat bei einem unerlaubt weiten Erkundungsflug einen Ort hinter den Hügeln entdeckt, wo die Pflanzen unbehandelt sind und es auch noch nicht so heiß wie am aktuellen Standort ist. Dort könnte die Zukunft des Staats liegen, denn die Sammlerinnen bringen immer weniger Nahrung nach Hause. Die Königin hat aber einen anderen Platz für die Neuansiedlung im Blick – ein Penthouse in der Stadt. Der Haken dabei: Quasi als Miete sollen die Bienen dort doppelt so viel Pollen sammeln wie bisher.
Der Umzug würde bedeuten, dass sich das Bienenvolk aufspaltet. Der eine Teil zieht mit der alten Königin weg, der andere bleibt zurück und es übernimmt eine neue. Womöglich wäre das Simina, denn sie hinterfragt mehr als ihre Mitbienen und macht sich mehr Gedenken um die Zukunft. Das könnte daran liegen, dass sie als Larve vom „süßen Gold“, dem Gelée royal, genascht hat – der Nahrung, die nur der Königin vorbehalten ist und ihr Weisheit und Führungsqualität verleihen soll.
Ein Streik der Arbeiterinnen wirft das aktuelle System über den Haufen. Die Drohnen, die nur zur Paarung mit der Königin gebraucht werden und ansonsten faul abhängen, sollen ihren Teil beitragen und putzen, außerdem bekommen die Arbeiterinnen täglich acht Stunden Freizeit. Wächterin Katrine und Ober-Drohne Johnny ist dieser Wechsel der bestehenden Ordnung ein Dorn im Auge. Sie gründen eine Bewegung, die den alten Zustand wieder herstellen soll, denn „so wie es war, war es schön“.
Es stellt sich heraus, dass Simina nicht Königin werden kann, denn sie ist eine Wildbiene und wurde als Larve in den Stock der Honigbienen geschmuggelt. Es entbrennt ein Gerangel um den nun freien Posten. Wächterin Katrine will als Königin eine „Herrscherin der Angst“ werden und die männlichen Bienen als Kampfdrohnen einsetzen. Die Ober-Drohne Johnny findet dagegen, es sei Zeit, endlich ein Patriarchat auszurufen, wie es bei anderen Tierarten schon länger üblich sei, und ihn als König zu inthronisieren. Außerdem sollten die Weibchen wieder zu ihren Kernkompetenzen wie Putzen und Kochen zurückkehren.
Das System der Bienen ist streng hierarchisch. Strukturen zu hinterfragen, wird nicht gern gesehen, und viele Fragen zu stellen, „macht nur unglücklich“. Außerdem herrscht eine große Angst vor Veränderung. Daraus macht Tom van Hasselt eine bisweilen treffsichere und witzige, wenn auch nicht sonderlich bissige Satire, die auch Themen wie Homosexualität („Simina hält nichts von Drohnen“) und Rassismus („Wildbienen nehmen uns die Arbeit weg“) nicht ausspart. Hier und da wird der Spaß durch überdeutliche Dialoge oder eine etwas steife Dramaturgie getrübt. Der Tonfall des Buchs und auch Alexander Mays Inszenierung eiert immer wieder zwischen Familienstück und Erwachsenentheater. Etwa wenn die Amme Claudine mit etwas zu großer Gestik und Mimik ihre Morgenroutine absolviert oder die Wächterin Katrine im gleichen Stil zum Gelée-royal-Topf schleicht und dem Publikum signalisiert, sie nicht zu verraten. Das macht die Aufführung unrund.
Regisseur May lässt den ganzen Burghof inklusive Zuschauertribüne lebendig bespielen, nicht nur die von Nina Wronka mit Waben ausgestattete Bühne. Caroline Neven Du Mont kleidet die Bienen in braun-schwarze Pelzoberteile und kurze Röcke. Ihre Stachel tragen die Insekten als Degen am Bund. Eigentlich hätten die Honigbienen auf den ersten Blick sehen müssen, dass mit Simina etwas nicht stimmt, denn sie ist als einzige hellgrau und trägt eine kurze Hose. Für die Drohnen hat Neven Du Mont lange, haarige Mäntel mit etwas Glitzer und breiten Schultern entworfen. Ein sehr gelungenes Kostümbild.
Tom van Hasselts Songs, deren Musikbegleitung hier leider nur als Halbplayback eingespielt wird, wechseln Stil und Tonfall vom testosterongesteuerten Rap und trägem Blues der Drohnen, bis zum melancholischen Chanson und zarten Liebesduetten. Die mehrstimmigen Passagen klingen – gesungen von den fabelhaften Damen des Burgfestspielchors – besonders schön. Wenn van Hasselt beim Schwänzeltanz (Choreografie: Dominik Büttner) „Die Biene Maja“ zitiert, sorgt das für Freude im Publikum.
Dass diese Aufführung trotz einiger Unebenheiten viel Herz und Schwung hat, ist auch dem Ensemble zu verdanken. Mirjam Smejkal gibt mit viel Sympathie und nachvollziehbar dargestellten Zweifeln die pragmatische Amme Claudine, die sich auch um die Larven (hier in Form des Publikums) kümmern muss und als Erzählerin in die Handlung einführt. Sabine Brandauer zeichnet die strenge und unbarmherzige Wächterin Katrine mit starker Stimme. Rosaly Oberste-Beulmanns Sammlerin Philine unterstützt Simina bei ihrem Plan. Ihr Gesang harmoniert in den Duetten ganz wunderbar mit dem von Pauline Schubert, die Simina quirlig, energetisch und sehr sympathisch anlegt. Die etwas naive Drohne Ronny wird von Jakob Wirnsperger dynamisch verkörpert. Seine Gefühle für Simina werden bedauerlicherweise nicht erwidert, denn die fühlt sich zu Philine hingezogen. In der Doppelrolle als überhebliche Bienenkönigin und breitbeinige Macho-Ober-Drohne Johnny glänzt Michael Ophelders. Er spielt mit dem Publikum und kostet die unsympathischen Seiten des Möchtegern-Anführers aus.
Tom van Hasselts satirisches Bienenmusical hält unserer Gesellschaft zwar den Spiegel vor, unterm Strich geht „Süßes Gold“ jedoch einen zu braven Weg, der auf die vorhersehbare Moral „Mit Freundschaft und Zusammenhalt schafft man alles“ hinausläuft. Aber vielleicht ist es nie falsch, an Zusammenhalt zu appellieren – passend zum Mayener Spielzeit-Motto „Miteinander“. Hier ist der Appell jedenfalls kurzweilig verpackt und toll gesungen.
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Spielorte | |||
| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Buch, Liedtexte und Musik | Tom van Hasselt |
| Inszenierung | Alexander May |
| Bühne | Nina Wronka |
| Kostüme | Caroline Neven Du Mont |
| Musik, Musikalische Leitung | Tom van Hasselt David Lentes |
| Choreografie | Dominik Büttner |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Simina, Kundschafterin | Pauline Schubert |
| Philine, Sammlerin | Rosaly Oberste-Beulmann |
| Katrine, Wächterin | Sabine Brandauer |
| Claudine, Amme | Mirjam Smejkal |
| Johnny, Ober-Drohne | Michael Ophelders |
| Ronny, junge Drohne | Jakob Wirnsperger |
| Arbeiterinnen und Drohnen | Burgfestspielchor |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 20.06.2025 - 14.08.2025 | Hauptbühne (Hof der Genovevaburg), Mayen | 21 x |
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