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Die ehrenamtliche Produktion von „Jesus Christ Superstar“ im Stadttheater Marl ist eine große Überraschung: kraftvoll, mitreißend, emotional und optisch minimalistisch in Szene gesetzt kommt die Inszenierung des Musicalklassikers aus der Feder Andrew Lloyd Webbers sehr professionell daher und vermag sein Publikum zu berühren und zu bewegen.
Die biblische Vorlage, derer sich Tim Rice und Andrew Lloyd Webber in den 1970er-Jahren bedienten, dürfte bekannt sein. Die Marler Inszenierung unter der Regie von Cornelius Demming rückt einmal mehr die vielschichtigen Charaktere und ihre Beziehungen zueinander in den Mittelpunkt: Jesus und Judas waren Freunde. Enttäuschung, Eifersucht und Unverständnis treiben Judas schließlich dazu an, seinen vielleicht besten Freund und Meister zu verraten. Paradoxerweise wird Jesus schließlich erst mit dem Fortlaufen der Passion bis hin zu seinem Tod am Kreuz als Sohn Gottes anerkannt und als Superstar gefeiert. So sei es!
Das von den 15 Solist:innen bespielte Set besteht aus einem riesigen Kruzifix, das mit einer Steigung von ca. 20 Grad in der Mitte der Bühne platziert ist. Es entstehen somit mehrere Spielebenen, die fließend miteinander verbunden sind: So schauen die Jünger zu Jesus auf, als er eingangs zu ihnen spricht. Während seiner Verurteilung durch Pilatus liegt Jesus am Fuße des Bühnenkreuzes; Pilatus ist optisch über ihn gestellt, was die Machtstruktur der Szene unterstreicht. Judas agiert oft im Hintergrund, ist aber dennoch stets sichtbar beim Vollzug seiner Hinterhältigkeiten und steht auch während seines Zauderns und Zweifelns unter Beobachtung des Publikums, was ihn umso menschlicher wirken lässt.
Das Lichtdesign von Benjamin Krüger spielt inszenatorisch eine besondere Rolle: Szenen, die Bedrohlichkeit und Tod verkörpern, werden in rotes Licht getaucht („Judas Death“). Während „Gethsemane“ steht nicht nur die Figur des Jesus im Rampenlicht, sondern auch der Zuschauerraum wird ausgeleuchtet. Das Flehen und Bitten Jesu, das sich eigentlich an Gott richtet, nimmt auch das Publikum als Adressaten wahr und verfehlt seine Wirkung nicht. In der Szene der Geißelung („Forty-One“) spielt ebenfalls das Lichtdesign eine besondere Rolle: Bei jedem Peitschenhieb wird das Publikum geblendet und somit in die Qual des Augenblicks einbezogen. Mitgefühl und -leid werden auf ganz natürliche Weise getriggert.
Die musikalische Kulisse, die sich erst während der Ouvertüre unter der musikalischen Leitung von René Lankeit nach und nach erst aufbaut, ist beeindruckend: Das Junge Blasorchester Marl e.V. ist im vorderen Bühnenaufbau platziert und begrenzt das Bühnenbild nach hinten. Die 6-köpfige Rockband und die 60 Musiker:innen formatieren sich um das liegende Kruzifix herum. Während des Prologs betreten zwei Chöre vom Zuschauerraum aus die Bühne: „Polsum In Takt“ und die „Good News Singers“ stellen sich hinter dem Querbalken des Kruzifixes auf. Rund 80 Sänger:innen stellen den Gesamt-Chor dar und beleben dramatisch und eindringlich das emotionale Spiel der Solist:innen. Die Anrufe Jesu einzelner Chormitglieder gehen jedoch unter, da der Chor nur wenig mit Mikrofonen ausgestattet ist.
Ein weiteres belebendes Element der Inszenierung sind die Choreographien von Birgit Kraft. Fünf Tänzerinnen bringen die zum Teil einfachen Schrittfolgen effektvoll und mit viel Leidenschaft auf die Bühne. So entsteht eine menschliche Kulisse, die beispielsweise die Lobpreisungen Jesu lebendig unterstreicht („Hosanna“, „Superstar“).
Die Auswahl der Kostüme zeichnet sich durch gewollte Schlichtheit und dadurch aus, dass die einzelnen Figuren durch jeweils eine Farbe Wiedererkennungswert bekommen: So treten beispielsweise Jesus in Weiß und Kristina Birjukov als Maria Magdalena in Gelb auf.
Schauspielerisch können die 15 Interpreten alle rundum überzeugen und wirken durchweg professionell. Die Protagonisten des Stücks sind stark besetzt: So beeindrucken Markus Psotta in der Rolle des Jesus und Thomas Droberg als Judas. Ihr Zusammenspiel bzw. Gegeneinander berührt und fasst das Publikum emotional an. Gesanglich überstrahlt Droberg Psotta noch in einigen Punkten. Gerade das Belten, das die Partitur von „Jesus Christ Superstar“ häufig von den Darstellern beider Figuren einfordert, gelingt Droberg sicherer in seiner Tonalität. Die Figur der Maria Magdalena, gespielt von Kristina Birjukov, besticht durch ihre Zartheit im Spiel. Im Gesang geht das auch stimmlich Zarte Birjukovs in der breiten musikalischen Kulisse leider etwas unter.
Ein großes Kompliment an alle ehrenamtlichen Mitwirkenden aus der Pfarrei Heilige Edith Stein, dem Jungen Blasorchester Marl e.V. sowie den Chormitgliedern! Die hier gelebte Leidenschaft für die Kunst und die Botschaft des Stückes machen diese Inszenierung bemerkenswert eindrucksvoll und lassen sie alles andere als laienhaft wirken.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musikalische Leitung | René Lankeit |
| Inszenierung | Cornelius Demming |
| Regieassistenz | Nadine Ahlers |
| Bühnentechnik, Licht | Peter Stephan Thomas Stöver Fabian Wibbeling |
| Lichtdesign | Benjamin Krüger |
| Maske | Elisabeth Block Melanie Ostgathe |
| Kostüme | Sophia Boomgaren Mareike Gering Hannah Iserloh Lisa Leichenring Marja Ostgathe |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jesus | Markus Psotta |
| Judas | Thomas Droberg |
| Maria Magdalena | Kristina Birjukov |
| Pontius Pilatus | David Fiedler |
| Caiaphas | Markus Lienstromberg |
| Petrus | Peter Edelhoff |
| Simon Zelotes | Michael Fiedler |
| König Herodes | Nils Langenbach |
| Annas | Johannes Andersson |
| Soulgirls | Carolin Droberg Lisa Lankeit Patricis Psotta |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Fr, 19.09.2025 19:30 | Theater, Marl | Premiere |
| Sa, 20.09.2025 19:30 | Theater, Marl | |
| So, 21.09.2025 17:00 | Theater, Marl |
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