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Auf der Clingenburg über dem Main verschwimmen die Grenzen zwischen Profi- und Laienmusical. Mit „Elisabeth – Die Legende einer Heiligen“, ursprünglich aus dem Hause Spotlight, werden hier im Bühnen- und Kostümbild sowie der Pyro- und Lichttechnik große Geschütze aufgefahren, die das talentierte Ensemble großartig in Szene setzen.
Der Geschichte um Elisabeth von Thüringen, ihrer Zeit auf der weltbekannten Wartburg und ihrem entbehrungsreichen Weg zur verehrten katholischen Heiligen, haben sich Dennis Martin und Peter Scholz vor schon vor 10 Jahren mit hochkarätiger Besetzung angenommen – seinerzeit war die Produktion eine Art Startvehikel für Sabrina Weckerlins Karriere. Seitdem ist das Musical fast in der Versenkung verschwunden. Der Verein MainMusical, der sich auf geschichtlich angehauchte Stücke spezialisiert zu haben scheint, lässt das sehenswerte, voller eingängiger Melodien steckende, aber buchbedingt vor allem im ersten Akt etwas langatmige Historienmusical wieder aufleben – und das auf vortreffliche Weise, in malerischer, gar märchenhafter Kulisse, eingebettet in die über dem Main thronenden, teils überwachsenen Ruinen der Clingenburg. Perfekt geeignet für die zwischen Romanze, Hagiographie, Heldenepos und seichter Unterhaltung wechselnde mittelalterliche Erzählung.
Herausragend ist die Visualität der unter Christopher Abbs Regie entstandenen Inszenierung: Es wird mit enormer Liebe zum Detail gearbeitet, was sich in den hochwertigen historischen Kostümen und den zahllosen Bühnenelementen zeigt, die durch die Ensemblemitglieder emsig drapiert und wieder entfernt werden. So bekommt die hochwertig wirkenden Inszenierung trotz der durchaus massiven Requisiten eine gewisse Dynamik. Besonders beeindruckend ist das sehr nuancierte, facettenreiche Lichtdesign, dem es besonders in den hochdramatischen Szenen zwischen Verzweiflungsmonologen, Kriegs-, Todes- und Folterszenen gelingt, die Bühnenstimmung um ein Vielfaches zu potenzieren. Ein großes Highlight ist zudem die angewandte Pyrotechnik, die im zweiten Akt ein nahezu beklemmendes Bild zeichnet, das in Erinnerung bleibt: Die Bühne wird zum Teil in Feuer gehüllt, es entstehen zwei brennende Scheiterhaufen und im Hintergrund der grausamen Szene klafft ein in Flammen stehendes Kreuz, das von Feuerfontänen eingerahmt wird. So etwas ist selbst auf Profi-Freilichtbühnen höchst selten zu sehen.
Das 18-köpfige Orchester und der 14-köpfige Chor klingen makellos und füllen die sehr rockig-poppige Partitur mit vielen, auch filigraneren Klangfarben. Gerade das Orchester unter Oliver Zahn agiert an diesem Abend mit mächtigem Einsatz, dröhnenden Basstönen und teilweise markerschütternd starken Percussions. Neben ein paar Mikrofonproblemen am Anfang der besuchten Show ist die Soundabmischung im Großen und Ganzen gelungen – ein Griff an die Regler der Gesangsmikrofone zur höheren Lautstärke hätte aber geholfen, dem wuchtigen Bandklang gegenzuwirken.
Etwa 22 AkteurInnen aller Altersklassen agieren im Ensemble mit Spielfreude und Mut zum Rampenlicht in den unterschiedlichsten Rollen vom Kreuzritter über den Leprakranken bis zum Sarazenen und Adeligen. Lara Kropf, Maleen Fulda und Rieke Korten bekleiden besonders ausdrucksstarke Partien im Soloensemble und ziehen in emotional-dramatischen Szenen die Blicke auf sich. Lucie Linkes beschwingte, teils dramatisch inszenierte Choreographien und die actiongeladenen Schwertkampfmomente setzt die Truppe ebenso energetisch und mit Sinn zur jeweiligen Szenenstimmung überzeugend um. Lukas Sorger hat als Bischof Eckbert mit dem dankbaren Feiersong „Standesgemäß“ einen umjubelten Auftritt. Roland Lutz gibt mit Heinrich einen überzeugenden Antagonisten und erntet mit dem rockigen „Sie raubt dir die Sinne“ großen Applaus.
Das Erzählerduo in der Originalinszenierung, bestehend aus den Lyrikern Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide, wird in dieser Version durch die bekannte Universalgelehrte Hildegard von Bingen zu einem Trio erweitert. Eschenbach, gespielt von Marcel Lutz, agiert entlang der Erzählung mal abgebrüht und zynisch, mal einfühlsam und väterlich – so beispielsweise im Lied „Hol mich heim“. Verena Schmitz zeigt als leidenschaftliche Klerikerin mit „Du bist auserwählt“ direkt am Anfang des Stücks auch gesangliche Virtuosität. Lucas Müller, der in der Haut des Herren von der Vogelweide als leichtfüßiger, stets überromantischer und etwas alberner Minnesänger die Erzählung startet, lässt seiner Rolle mit dem sich zuspitzenden Verlauf der Handlung auch Verzweiflung und Schwere angedeihen. Diese Darstellung macht ihn zum Publikumsliebling des Abends.
Henrik Stolte beweist sich mit „Herr, bewahre ihn“ und „Es gleitet ein Traum durch die Zeit“ als hervorragender Musicalsänger in der Rolle des jungen Fürsts Ludwig. Die träumerische Melancholie seiner Rolle füllt er zur vollsten Überzeugung. Als Elisabeths Vertraute und Zofe Guda kann Emily Klabunde mit zartem Schauspiel und großer Gesangsstimme begeistern. Angela di Martino zeichnet den Wandel ihrer Fürstin Sophie von der überheblich-oberflächlichen Aristokratin und später gebrochenen Mutter bis zur aufopferungsvollen Weggefährtin Elisabeths anrührend und nuanciert nach. Ihr emotionales Solo „Dein Herz kennt keine Liebe“, in dem sie sich vom Adelshof lossagt, geht unter die Haut. Das gesangliche Highlight dieser Inszenierung kommt in Gestalt des Terzetts „Liebe ist alles“ daher, in dem Klabunde und Di Martino mit der Hauptdarstellerin Emma Sophie Adelmann scheinbar mühelos auf der performativ-gesanglichen Ebene absolutes Profi-Niveau erreichen.
Die facettenreiche Figur der Elisabeth füllt Adelmann mit Bravour. Ihr gelingt es, das zerrissene Dasein dieser entwurzelten Frau von hoffnungsvoller Naivität, idealistischer Selbstlosigkeit, bodenloser Trauer und fanatischer Folgsamkeit bis zum Moment der Lossagung und Befreiung nachvollziehbar und berührend zu portraitieren. Die stimmlich wie emotional anspruchsvollen Lieder stehen ihr sehr gut zu Gesicht. Der Selbstkasteiungsszene zu „Misere mei“ verleiht die Darstellerin eine bleierne Schwere, die bleibenden Eindruck hinterlässt. Den finalen, fast schon erschütternd intensiven Schlagabtausch mit ihrem einstigen Mentor Konrad von Marburg zu „Abgrundtiefe Nacht“ erheben die beiden Hauptdarsteller zum schauspielerischen Highlight der Inszenierung. Sebastian Killinger verkörpert den fanatischen Prediger, der es trotz bescheidener Ursprünge zum Großinquisitor Deutschlands mit ausschweifender Macht bringt, und dem es dank seiner zunächst gekonnt versteckten, manipulativen, gar sadistischen Wesensart gelingt, zu Elisabeths Marionettenspieler zu werden. Killinger setzt mit seiner intensiven, sich immer weiter in den Wahn steigernden Darstellung ein nachwirkendes Mahnmal. Von der ersten Wanderpredigt zu „Die Illusion vom Paradies“ über die angstschürende Anklage an die Welt zu „Das Ende aller Zeiten“ bis zum ultimativen Erreichen seiner religiös verblendeten Ideale zu „Weltvernichtung“ ist jede Szene Killingers als Konrad von Marburg aufwühlend intensiv gespielt wie gesungen – eine große, mächtige und fundiert ausgearbeitete Darbietung. Last but not least: Als junge Elisabeth gelingt zudem Pia Fleckenstein ein heimlicher Höhepunkt. Die Kinderdarstellerin zeigt gleich am Anfang der Handlung bei „Hol mich heim“ sowohl gesanglich also auch schauspielerisch ein unglaubliches Bühnentalent und beweist großes Potenzial für das Musicalgenre!
Mit beeindruckenden Bildern in Gedanken im Gepäck verlassen die Zuschauer die lauschige, gastfreundliche Burganlage, und viele von ihnen reden bereits mit Vorfreude über die kommende Produktion „Dracula“, die der Verein 2026 auf die Clingenburg bringen wird.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik | Dennis Martin Peter Scholz |
| Buch | Dennis Martin |
| Regie | Christopher Abb |
| Choreographie | Lucie Linke |
| Musikalische Leitung | Oliver Zahn |
| Bühnenbild | Christopher Abb Klaus Abb Cornelius Reith Herbert Reith |
| Kostümbild | Corinna Flicker Manuela Kusch |
| Sounddesign | Sascha Kempf Maximilian Schuck |
| Lichtdesign | Piere Kolb |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Fr, 18.07.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | Premiere | |||||||
| Sa, 19.07.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| So, 20.07.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
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| Do, 24.07.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| Fr, 25.07.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| Sa, 26.07.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| So, 27.07.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| Do, 31.07.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| Fr, 01.08.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| Sa, 02.08.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| So, 03.08.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| Do, 07.08.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| Fr, 08.08.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
| Sa, 09.08.2025 19:30 | Burgruine Clingenburg, Klingenberg am Main | ||||||||
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