Sarah Weidinger (Maria), Bosse Vogt (Tony) © Florian Miedl
Sarah Weidinger (Maria), Bosse Vogt (Tony) © Florian Miedl

West Side Story (2025)
Luisenburg-Festspiele, Wunsiedel

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Als „West Side Story“ 1957 am Broadway Premiere feierte, war das ein Bruch mit bisherigen Musicalkonventionen: Ein Stück, das soziale Konflikte verhandelt, mit komplexer Musik, moderner Choreografie und einer tragischen Liebesgeschichte – das hatte es bis dahin nicht gegeben. Leonard Bernstein, Stephen Sondheim, Arthur Laurents und Jerome Robbins schufen ein Werk, das bis heute weltweit gespielt wird und durch das Zusammenspiel von Tanz, Musik und Inhalt neue Maßstäbe setzte. Mehr als sechs Jahrzehnte später steht der Klassiker nun auf dem Spielplan der Luisenburg-Festspiele, wo sich die Inszenierung von Tim Zimmermann und Torsten Ankert ganz auf dieses ursprüngliche Konzept verlässt und ihren jungen Cast zielsicher durch den Abend navigiert.

Das Bühnenbild nimmt sich bewusst zurück und lenkt den Blick ganz auf die Geschichte und die Darstellerinnen und Darsteller. Statt die natürlichen Gegebenheiten der Felsenbühne mit ihren Höhenunterschieden auszuspielen, setzt die Inszenierung auf ein reduziertes, funktionales Konzept: Zwei große Stahlgerüste, die durch Drehung entweder die Hochhaus-Silhouette New Yorks andeuten oder als begehbare Gerüstkonstruktionen dienen, prägen das Bild. Ergänzt wird das Stadtbild durch eine ebenfalls aus Metall gefertigte Brücke. Szenen, die in Doc’s Drugstore spielen, werden zusätzlich durch eine große Theke markiert. Lediglich in Tonys Liebeslied „Maria“ wird die Höhenstruktur der Luisenburg einbezogen: Für diese Szene steht Tony auf einem der höher gelegenen Felsplateaus, auf dem ein weiteres Hochhaus-Element positioniert ist – ein seltener Moment, in dem die natürliche Umgebung aktiv ins Spielgeschehen integriert wird. Alle Elemente werden von der Cast je nach Szene an unterschiedliche Stellen der Bühne bewegt – was den Übergängen und dem choreografischen Spielfluss zugutekommt. Unterstützt wird die szenische Wirkung durch ein stimmungsvolles Lichtdesign, das die Felsenbühne je nach Szene in atmosphärisch passende Farben taucht – vom kalten, grellen Licht der Großstadt bis hin zu intimer, warmer Beleuchtung wie in der Brautladen-Szene zwischen Tony und Maria.

Die Kostüme spiegeln klar die Zeit wider, in der die Geschichte spielt: 1950er-Jahre in New York. Die beiden rivalisierenden Gangs sind optisch deutlich voneinander unterscheidbar – ein bewährtes Mittel, das hier konsequent umgesetzt wurde. Während die Jets in Blau- und Grautönen auftreten, dominieren bei den Sharks warme Farben wie Rot und Orange. Die Zuordnung ist eindeutig, bleibt dabei allerdings auch im Rahmen gängiger Konventionen.

Regisseur Tim Zimmermann, der auch für die Choreografie verantwortlich zeichnet, orientiert sich in vielen Momenten an der ikonischen Originalfassung von Jerome Robbins – schon das charakteristische Schnipsen zu Beginn verweist auf das choreografische Erbe der Broadway-Uraufführung. Gleichzeitig entwickelt er eine eigene Handschrift, die die Spannung zwischen den Gruppen tänzerisch überzeugend übersetzt und Raum für individuelle Bewegungssprache lässt. Die Regie bleibt insgesamt nah an der Vorlage, strukturiert die Szenen klar und setzt auf präzise geführte Ensemblearbeit.

Die Besetzung ist durchweg stimmig. Besonders die beiden Gangs – Jets und Sharks – sind mit vielen jungen Talenten besetzt, die tänzerisch wie gesanglich überzeugen. Trotz des durchgängigen Regens agiert das Ensemble präzise und konzentriert, auch auf dem teils rutschigen Untergrund aus Holz und Fels. Das Zusammenspiel wirkt eingespielt, die Energie auf der Bühne ist spürbar – besonders in den Kampfsequenzen, die schnell, flüssig und beinahe stuntartig inszeniert sind. Sie verleihen dem Stück Härte und Tempo. Auch choreografisch zeigt das Ensemble große Bandbreite: Das beinahe hypnotische „Cool“ entfaltet seine Spannung in klaren, kontrollierten Bewegungen, während „Irgendetwas“ (Something’s Coming) mit innerer Unruhe und Vorwärtsdrang aufgeladen ist – zwei starke Beispiele für die tänzerische Präzision dieser Produktion.

Nico Schweers als Riff und Manuel Nobis als Bernardo verkörpern die beiden Gang-Anführer mit klarer Präsenz. Beide bringen die notwendige Mischung aus Dominanz, innerer Anspannung und jugendlicher Wut mit, die diese Figuren auszeichnet. Karin Seyfried als Anita gelingt in „Ein Mann, der fest zum Mord entschlossen – Ich bin verliebt“ (A Boy Like That / I Have a Love) ein stimmiger emotionaler Wechsel zwischen Wut und Fassungslosigkeit.

Co-Regisseur Torsten Ankert steht selbst auf der Bühne und spielt einen zurückhaltend-klarsichtigen Doc, der als ruhiger Gegenpol zur aufgeheizten Dynamik der Jugendbanden wirkt. Daneben übernimmt er auch die Rolle des Officer Krupke.

Sarah Weidinger als Maria überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus jugendlicher Neugier und zarter Verliebtheit. Gesanglich bringt sie einen leichten, schwebenden Sopran mit, der besonders in „Tonight“ angenehm ins Ohr geht. Bosse Vogt ist ein starker Tony mit großer Bühnenpräsenz und einer warmen, weichen, zugleich kraftvollen Stimme. Sein „Maria“ zählt zu den musikalischen Höhepunkten des Abends – sauber phrasiert, emotional aufgeladen und sicher geführt. Gemeinsam bilden die beiden ein glaubhaftes Paar, das die Entwicklung ihrer Figuren mit spürbarer Harmonie und feinem Gespür nachvollziehbar macht.

Das 19-köpfige Orchester unter der Leitung von Peter Christian Feigel ist am Rand der Bühne sichtbar positioniert und bringt Leonard Bernsteins vielschichtige Partitur mit großer musikalischer Präsenz zum Klingen. Die klanglich komplexen Arrangements werden transparent und rhythmisch präzise umgesetzt. Auch die Tontechnik überzeugt: Die Steuerung ist sauber, die Balance zwischen Orchester und Gesang gut abgestimmt, die Verständlichkeit durchgehend gegeben – selbst unter den erschwerten Open-Air-Bedingungen bei Regen.

Die Luisenburg-Festspiele vergeben in jedem Jahr einen Nachwuchspreis an zwei besonders herausragende junge Mitwirkende unter 30 Jahren. Eine unabhängige Jury – bestehend aus Intendantin Birgit Simmler, der Journalistin Andrea Herdegen, der Schauspielerin Viola Wedekind und dem Schauspieler Ralf Komorr – sichtet dafür im Laufe der Spielzeit alle Produktionen und bewertet neben der darstellerischen Qualität auch das künstlerische Potenzial. Der Cast dieser „West Side Story“ bietet dafür eine beeindruckende Bandbreite.

 
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KREATIVTEAM
RegieTim Zimmermann
Torsten Ankert
RegiekonzeptPeter Hohenecker
Musikalische LeitungPeter Christian Feigel
ChoreografieTim Zimmermann
BühnenbildSabine Lindner
KostümbildMarion Hauer
DramaturgieAstrid Reibstein
Musikalische AssistenzMinsang Cho
RegieassistenzHelene Geiser
AbendspielleitungTorsten Ankert
Stage ManagementAndrea Grünewald Borrás
Dance CaptainKimberley Bolen
Alessio Ruaro
 
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CAST (AKTUELL)
MariaSarah Weidinger
TonyBosse Vogt
AnitaKarin Seyfried
RiffNico Schweers
BernardoManuel Nobis
ActionSandro Wenzing
A-RabKevin Lavenia
Baby JohnDaniel Hauser
DieselChristoph Loebelt
GraziellaAnna-Sophie Weidinger
ClariceKimberley Bolen
VelmaAnnika Böbel
Anybody‘sLilia Höfling
ChinoFrancesco Alimonti
PepeMarkus Hareter
IndioArmando Rossi
JuanoAlessio Ruaro
RosaliaCeline-Denise Unden
ConsuelaAlida Will
FranciscaSophie Reinicke
Doc, KrupkeTorsten Ankert
Schrank, Glad HandFynn Duer-Koch
SwingVincent Treftz
  
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TERMINE
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TERMINE (HISTORY)
Do, 03.07.2025 20:30Große Felsenbühne, WunsiedelÖffentliche Generalprobe
Sa, 05.07.2025 20:30Große Felsenbühne, WunsiedelPremiere
So, 06.07.2025 15:00Große Felsenbühne, Wunsiedel
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