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Der ehrenamtliche Verein „Stadtmusical Nürnberg“ ist seit mittlerweile zwölf Jahren eine feste Institution in Nürnberg und aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Die Stücke, die dort jedes Jahr uraufgeführt und von einem überwiegend professionellen Team und Cast erarbeitet und gespielt werden, nehmen häufig direkten Bezug zur Stadt. Mit dem Stück der vergangenen Spielzeit, „Effi Briest“ des Autorenteams Philipp Polzin und Christian D. Dellacher, gelang sogar der Sprung auf eine asiatische Bühne: Es wurde als deutscher Beitrag beim International Musical Festival in Südkorea präsentiert. Das diesjährige Musical „Nuremberg ’45 – Aufbruch in eine neue Zeit“ stammt erneut von dem gleichen Komponisten- und Autorenteam. Dank einer stringenten Inszenierung, die aus wenigen Mitteln viel macht, und einem motivierten Cast treten die Schwächen des Buches, das an einigen Stellen etwas unentschlossen wirkt, in den Hintergrund.
Kein leichtes Thema hat sich das Stadtmusical für die Spielzeit 2024/25 ausgesucht: Ein Musical rund um die Nürnberger Prozesse, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jähren, ist auf den ersten Blick ein wenig populäres Thema. Umso mehr ist es dem Verein hoch anzurechnen, sich mit dieser Nachkriegs-Thematik, die Nürnberg bis heute prägt, auseinanderzusetzen. Die Prozesse bilden jedoch nur den Hintergrund für die Liebesgeschichte der jungen Nürnbergerin Lilli, die im Krieg ihren Vater verlor, und des amerikanischen Journalisten Will, der über die Nürnberger Prozesse berichten soll. Nur in wenigen Momenten legt das Buch den Konflikt offen, den eine solche Verbindung vermutlich mit sich gebracht hätte. An einigen Stellen wirkt es daher, als wisse es nicht, ob es sich um eine Liebesgeschichte, eine Sozialstudie der Nachkriegszeit oder eine Geschichtsstunde handeln möchte.
Hinzu kommt, dass Philipp Polzin seine Figuren teilweise sehr holzschnittartig anlegt: Lillis Mutter ist eine stramme Nationalsozialistin, die der alten Zeit nachtrauert, ihr Bruder Georg hütet ein Geheimnis, das in dem Moment offenbart wird, als er sich schützend vor seine Schwester der Mutter gegenüberstellt, und Lillis beste Freundin entpuppt sich überraschend als gar nicht so gut. Dennoch gelingt es Silvia Ferstl in ihrer Regiearbeit, das Publikum glaubhaft in die Geschichte hineinzunehmen. Eine der beeindruckendsten Szenen zeigt einen Silvesterball im Grand Hotel, bei dem die Gäste mit Böllerschüssen ins neue Jahr feiern. Will fühlt sich dadurch in eine Kriegsschlacht zurückversetzt – die Stimmung auf der Bühne kippt für wenige Sekunden von ausgelassener Freude zu völliger Panik und zurück.
Die flüssig in die Erzählung eingebauten Bühnenumbauten nehmen die Darsteller zwischen den Szenen auf der Bühne vor. Oft lenkt Ferstl den Blick in solchen Momenten weg von den Umbauten, hin zu Details, wie etwa ein kleines Mädchen, das seilspringend über die Bühne tollt. Das Bühnenbild von Jens Hübner setzt auf authentische Fotografien des zerbombten Nürnbergs, die auf den Hintergrund projiziert werden, sowie auf modulare Stufen, die in verschiedenen Konstellationen mal als Treppe zum Dachboden, mal als Treppen vor den Ruinen der Lorenzkirche dienen. Die Kostüme von Christiana von Roit sind zeitgemäß und wirken für die Produktion eines ehrenamtlichen Vereins individuell und hochwertig gearbeitet. Die Choreographien von Sandra Maria Germann geben der Show unterstützen die Erzählung der Geschichte und geben ihr einen guten Drive.
Die beiden Hauptrollen, Lilli und Will, wurden in der besuchten Vorstellung von Marina Schubert – die an diesem Abend eingesprungen ist – und Christian Schöne gespielt. Ihr Zusammenspiel wirkt harmonisch. Die anfängliche Schüchternheit beim Kennenlernen, die wachsende Nähe und schließlich der Abschiedsschmerz, als Will in seine Heimat zurückkehrt, sind glaubhaft dargestellt. Stimmlich harmonieren die beiden hervorragend. Marina Schubert punktet in ihrem Solo „Du“ mit einer gefühlvollen Interpretation, während Christian Schöne mit „Bilder in mir“ ein beeindruckendes Aktfinale abliefert, das bis in die Pause hinein nachwirkt.
Auch die Nebenrollen sind überzeugend besetzt: Sibylle Mantau (die eigentlich Mutter Irmgard spielt) übernahm an diesem Abend die Rolle der Freundin Eva und stellte den Wandel von der besten Freundin zur missgünstigen Figur überzeugend dar. Clarissa Bühler hat mit ihrem Solo „Diese Zeit war eine and’re“ als der Vergangenheit nachtrauernde Mutter einen Moment, bei dem so manchem Zuschauer ein anfängliches Schmunzeln im Hals stecken bleibt. Jonathan Roller überzeugt als Lillis Bruder Georg mit dem optimistischen „Hab Vertrau’n“. Christoph Ackermann, der neben der Produktionsleitung auch die einzig historische Figur im Stück, die des Hauptanklagevertreters Robert Jackson übernimmt, hat schauspielerisch einige schöne Momente, so zum Beispiel, wenn er auf dem höchsten Punkt der Bühne mit stoischer Ruhe die Urteile der Nürnberger Prozesse verkündet und dabei die Musik und die Spielszene der Reprise von „Keine Schuld“ ihn immer weiter überdeckt. Das Ensemble von „Nuremberg ´45“ ist in jeder Szene mit großer Spielfreude dabei.
Die Songtexte und Dialoge tragen die Handlung klar voran, verlieren jedoch durch das häufige Verkürzen der Silben am Ende etwas an Eleganz. Die Komposition der Songs ist eingängig, und viele bleiben auch einzeln im Gedächtnis. Dennoch gelingt es ihnen nicht, ein harmonisches Gesamtbild zu formen. Die Musik kommt bei „Nuremberg ’45“ vom Band. Die Arrangements sind stimmig; die Abmischung zwischen Musik und Gesang ist gut ausgesteuert, sodass die Texte auch in lauteren Passagen klar verständlich bleiben.
„Nuremberg ’45 – Aufbruch in eine neue Zeit“ ist ein stimmiger und nachdenklich stimmender Theaterabend, der sich als erstes Musical über die Nürnberger Prozesse einer außergewöhnlichen Idee widmet. Mit einer gelungenen Mischung aus ehrenamtlichem Engagement und professionellen Kräften auf und hinter der Bühne zeigt das Stadtmusical Nürnberg einmal mehr, wie viel Potenzial in so einem Konzept steckt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich der Verein weiterentwickelt und welche Stücke in den kommenden Jahren entstehen.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik, Libretto, Liedtexte | Philipp Polzin |
| Musik, Orchestrierung | Christian D. Dellacher |
| Regie | Silvia Ferstl |
| Musikalische Leitung | Moritz Metzner |
| Choreografie | Sandra-Maria Germann |
| Kostüme | Christiana von Roit |
| Bühnenbild | Jens Hübner |
| Musikalische Einstudierung | Joachim Roller Oleksii Andriichuk |
| Maske | Alexandra Humphreys Sieglinde Feck |
| Abendspielleitung | Alina Sophie Ackermann Anja Leuthold |
| Produktionsleitung | Christoph Ackermann |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Lilli | Helena Lenn |
| Will | Christian Schöne (Alexander Krüger) (Sven Thimsen) |
| Eva | Marina Schubert |
| Robert H. Jackson | Christoph Ackermann |
| Irmgard | Clarissa Bühler Sibylle Mantau |
| Georg | Jonathan Roller Leif Erik Klenner |
| Pete Twisterhand Johnson | Leif Erik Klenner |
| Michael | Sven Thimsen Alexander Krüger |
| Hannes | Marvin Mantau Leif Erik Klenner |
| Anna | Alissa Mantau Mira Skaper Juliana Jakolev |
| Solo-Tanz | Felicitas Babari |
| Ensemble | Dorothea Roller Sabrina Velsink Elena Dorn |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 29.11.2024 - 12.01.2025 | Heilig-Geist-Saal, Nürnberg | 26 x |
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