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Erstmals seit „Carmen Cubana“ im Jahr 2006 wagt sich der Musical Sommer Amstetten wieder an eine Uraufführung – und landet damit einen bemerkenswert eigenständigen Wurf. „Augustin“ basiert auf dem gleichnamigen Singspiel von Wolfgang Ambros, Joesi Prokopetz und Manfred Tauchen aus dem Jahr 1980. Thomas Kahry und Christoph Weyers haben das Werk zu einem abendfüllenden Musical weiterentwickelt, angereichert mit zahlreichen Klassikern aus dem Austropop-Kanon von Ambros. Entstanden ist eine Bühnenfassung, die das Potenzial hat, sich ähnlich wie viele der Songs ihres Komponisten oder die Legende von „Augustin“ selbst tief ins kulturelle Gedächtnis der Alpenrepublik einzugraben – als mögliches Kult-Musical aus und in Österreich.
Der Mann mit dem Dudelsack – in Amstetten mit Gitarre – ist in Wien längst Legende: Die bekannte Volkssage erzählt von Augustin, der in einer düsteren Nacht während der Pestjahre in eine der offenen Gruben der Stadt fällt – und sich nicht nur selbst befreit, sondern der Seuche unbeschadet entkommt. Dass er überlebt, wird zum Wendepunkt: Der Mann mit dem Dudelsack besiegt, so die Legende, die Pest mit Witz, Widerstandskraft und Musik. Die Geschichte vom Abstieg in die Tiefe und der Rückkehr ins Leben verbindet Wiener Sagengut mit Motiven, wie man sie auch in der griechischen Mythologie findet – und verleiht dem Abend eine Struktur, die entfernt an „Hadestown“ denken lässt. Nicht zuletzt wegen der Figur des Augustin selbst, den – ähnlich wie Orpheus – zunächst niemand so recht ernst nimmt, bis er sich in eine ebenso taffe wie unabhängige junge Frau verliebt.
Vielleicht ist diese Parallele auch dem Kreativteam nicht entgangen – die Ähnlichkeit schlägt sich in feinen ästhetischen Zitaten nieder: etwa in der Gestaltung des Bühnenbilds, der Platzierung der Band am Bühnenrand oder dem Auftauchen des Todes aus dem Bühnenboden mittels einer Hebebühne. Doch wo die Orpheus-Sage die Tragödie wählt, wählt der Österreicher den Schmäh im Umgang mit dem Tod – und so wird Augustin zu einem eigenständigen Stück: mit originellen Ideen, pointierten Figuren und überraschenden Wendungen. Einen charmanten Rahmen bildet dabei das Wiener Kaffeehaus, in dem der legendäre Kolschitzky – selbst eine schillernde Figur der Stadtgeschichte – als Erzähler fungiert und das Geschehen mit viel Lokalkolorit und derbem Humor in Gang setzt.
Der Bühnenhintergrund besteht aus einer tableauartigen Projektion, die durch Wandsäulen unterbrochen wird: Was zunächst wie eine ornamentierte Tapete wirkt, verwandelt sich im Laufe des Abends in die Gassen Wiens oder die Fenster eines Wirtshauses. Diese segmentierte Bildfläche schafft Orientierung darüber, wo die Handlung gerade spielt. Ergänzt wird sie durch wenige, gezielt eingesetzte Requisiten – Tische, Stühle, einen Tresen oder einen angedeuteten Balkon –, die den Szenenwechseln Flexibilität verleihen. Einen besonders gelungenen Effekt erzielt die Inszenierung mit einem metallenen Bühnenrahmen, bestückt mit Laternen. Wechselt die Handlung in kleinere Räume – etwa ins Schlafzimmer des Bürgermeisterehepaars Tepster – senkt sich der obere Balken, ein Vorhang fällt, und der übrige Bühnenraum wird verdeckt. Es entsteht der Eindruck einer Budenbühne, wie man sie von fahrenden Schauspieltruppen vergangener Zeiten kennt. Dieser kunstvolle Spiel-im-Spiel-Moment verleiht dem Abend zusätzliche Tiefe und verbindet Volkstheater mit moderner Musicaldramaturgie.
Dazu passen die Kostüme von Aleksandra Kica, die zwischen Volkstheater, Punk und Hip-Hop angesiedelt sind – mit überzeichneten Elementen, historischen Anklängen und charmanten Details. Auch sie tragen dazu bei, das Stück in einer eigenen, leicht entrückten Welt zu verorten und die Wiener Originale in ihrer Skurrilität pointiert zu zeichnen. Die energiegeladenen und witzigen Choreografien von Nathalie Holtom fügen sich nahtlos ein und sorgen immer wieder für überraschende, dynamische Bilder auf der Bühne.
Musikalisch verbindet „Augustin“ das ursprüngliche Singspiel mit Liedern, die fest zur DNA vieler Österreicherinnen und Österreicher gehören. Titel wie „Schifoan“ oder die „Blume aus dem Regierungsbau“ treffen auf einen kollektiven Erinnerungsschatz, der vom ersten Ton an zündet. Letzterer sorgt für einen besonderen Moment: Ursprünglich als „Blume aus dem Gemeindebau“ bekannt, wird der Titel kurzerhand umgetextet, als Augustins Begleitern auffällt, dass das Wiener Rathaus wohl kaum als solcher durchgeht. Einer von vielen Momenten, in denen sich das Stück selbst mit einem Augenzwinkern begegnet und sich nicht allzu ernst nimmt. Die Songs sind dramaturgisch klug eingebunden und sorgen für spürbare Energie im Saal. Das Publikum feiert die Show von Beginn an. Die Musik kommt kraftvoll und direkt von der Bühne – gespielt von einer sichtbar platzierten Band unter der Leitung von Christian Frank, mit sattem Sound und gut ausgesteuertem Ton.
Die Besetzung ist bis in die kleinsten Rollen präzise gewählt. Markus Schöttl und Martin Pasching sorgen als dümmliche Pestknechte mit breitem Wiener Dialekt für auflockernde Momente, wann immer die Handlung ins Dramatische kippt. Franz Frickel und Alexandra Frankl spielen das Bürgermeisterehepaar Tepster mit herrlich skurriler Überzeichnung: Frickel überzeugt mit einem Solo über seine exaltierte Ehefrau („Sei net so g’spritzt“) als musikalischem Höhepunkt, während Frankl mit falsch eingesetzten französischen Floskeln – etwa wenn sie Augustin als „Fils de Cocotte“ beschimpft – den unermüdlichen Wunsch ihrer Figur nach Höherem wunderbar komisch konterkariert. Auch Lilly Rottensteiner sorgt als resolute Witwe Mehlwurm für Lacher – nicht zuletzt, wenn sie mit sichtlichem Vergnügen und wenig Zurückhaltung versucht, Augustin mit ihren körperlichen Reizen für sich zu gewinnen.
Carin Filipčić überzeugt in der Doppelrolle als Kolschitzky und personifizierter Tod mit pointiertem Spiel und viel Gespür für Timing, Mimik und Körpersprache. Besonders als Tod gelingen ihr einige Seitenhiebe auf das Musicalgenre selbst – inklusive einer augenzwinkernden Anspielung auf ihren berühmten Kollegen aus „Elisabeth“. Auch die Doppelbesetzung wird thematisiert, wenn Filipčić trocken bemerkt, man befinde sich schließlich in einem Musical, „wo auch mal gespart werden muss“. Die komischen Rollen liegen ihr sichtlich: Ihre überzeichneten Figuren spielt sie mit großem Gespür für Wirkung – und rockt Ambros’ „Es lebe der Zentralfriedhof“ mit rauer Energie und starker Bühnenpräsenz. An Augustins Seite stehen zwei treue, wenn auch sehr unterschiedliche Begleiter: Matthias Trattner gibt als bester Freund Rudi eine ebenso liebenswerte wie vielschichtige Figur – loyal, unterstützend, manchmal herrlich anstrengend. Ein bester Freund, wie man ihn sich wünscht. Und wie man ihn dann eben auch bekommt. Simon Stockinger überzeugt als gescheiterter fahrender Künstler Schab den Rüssel, dessen Auftritte im Stück zuverlässig misslingen – was er mit feiner Selbstironie und starker Bühnenpräsenz ausspielt.
Hannah Severin verleiht der Corinna Selbstbewusstsein, Herz und eine kräftige, rockige Stimme, die perfekt zu den Ambros-Songs passt. Sie spielt ihre Figur mit spürbarer Energie und viel Charme – besonders im Duett „Du hast geschworen“ entstehen berührende Momente. Vincent Bueno steht als Augustin im Zentrum der Inszenierung und trägt die Titelrolle mit beeindruckender Vielseitigkeit: Fast durchgehend mit umgehängter Gitarreausgestattet, begleitet er viele seiner Songs selbst – stimmlich rau wie Ambros selbst und zugleich kraftvoll. Dazu kommt ein bemerkenswertes tänzerisches Gefühl: Mit Tempo, Präsenz und viel Körpereinsatz wirbelt er über die Bühne und trifft zugleich den Ton der Figur – mit Wiener Schmäh, Witz und Emotionalität. Aus dem sagenumwobenen Titelhelden macht er eine Figur mit Ecken, Kanten und viel Herz.
Mit dieser Uraufführung beweist der Musical Sommer Amstetten eindrucksvoll, wie lebendig und eigenständig die österreichische Musicalszene ist – nicht nur in Wien, sondern auch abseits der großen Bühnen, mitten in der Provinz. „Augustin“ lebt vom unverwechselbaren Wiener Tonfall, viel Gespür für Timing und einem Ensemble, das hör- und sichtbar Freude an dieser schrulligen, lauten und liebevollen Geschichte hat.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musik | Wolfgang Ambros |
| Buch | Thomas Kahry Christoph Weyers |
| Inszenierung, Bühnenbild | Alex Balga |
| Musikalische Leitung, Arrangements | Christian Frank |
| Choreografie | Natalie Holtom |
| Kostümbild | Aleksandra Kica |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Augustin | Vincent Bueno |
| Corinna | Hannah Severin |
| Rudi | Matthias Trattner |
| Schab den Rüssel | Simon Stockinger |
| Frau Tepster | Alexandra Frankl |
| Bürgermeister Tepster | Franz Frickel |
| Tod / Kolschitzky | Carin Filipčić |
| Prinz Eugen / Pestknecht | Markus Schöttl |
| Graf Starhemberg / Pestknecht | Martin Pasching |
| Puffan / Ensemble | Manuel Ernst |
| Witwe Mehlwurm | Lilly Rottensteiner |
| Abraham Santa Clara / Ensemble | Fin Holzwart |
| Der Narr / Ensemble | Aday Velasco |
| Die Magd / Ensemble | Elies De Vries Anna Bauer |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Di, 15.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | Generalprobe | |||||||
| Mi, 16.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | Preview | |||||||
| Fr, 18.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | Premiere | |||||||
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| Sa, 19.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| So, 20.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| Do, 24.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| Fr, 25.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| Sa, 26.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| Do, 31.07.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| Fr, 01.08.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| Sa, 02.08.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| Fr, 08.08.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| Sa, 09.08.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
| So, 10.08.2025 19:30 | Pölz-Halle, Amstetten | ||||||||
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