Richard Fuchs (Seymour), Leon Haller (Orin) © Steffen Rasche
Richard Fuchs (Seymour), Leon Haller (Orin) © Steffen Rasche

Der kleine Horrorladen (2025)
neue Bühne, Senftenberg

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Drei singende Girls, eine sprechende, blutrünstige Wunderpflanze, die ihrem Besitzer zu zweifelhaftem Ruhm verhilft und ein sadistischer Zahnarzt, der sich vor der Behandlung mit Lachgas in Stimmung bringt, bilden die Basis der Horrorfilm-Musicalparodie aus dem Jahr 1982. Die frischen Ideen von Regisseur Daniel Ris und ein wunderbarer Cast beweisen: Auch nach über vierzig Jahren hat das Stück mit der Musik von Altmeister Alan Menken keinerlei Patina angesetzt und unterhält sein Publikum prächtig.

Es ist ein Engelschor, der im Epilog das Publikum vor den zum Verkauf stehenden Ablegern von Audrey Zwo warnt. Diejenigen, die zuvor dem Appetit des gierigen Grüns zum Opfer gefallen sind, sind zu Himmelsboten mit LED-Heiligenschein mutiert. Eine wirklich witzige Idee, mit der Daniel Ris seine kurzweilige, äußerst humorvolle Inszenierung krönt, die sich stark an den dem Stoff zugrundeliegenden, billig produzierten Filmen mit reißerischen Science-Fiction- oder Horrorgeschichten orientiert.

So lädt der Regisseur die Zuschauer mit zuckenden Blitzen und Donnergrollen bereits zu Beginn der beiden Akte augenzwinkernd zum genussvollen Schaudern ein. Das fordert er zum Beispiel dann ein, wenn der von der Pflanze hypnotisierte Seymour auf der Suche nach frischem Blut für „den Meister“ wie Zombie durch den Zuschauerraum taumelt. Auch wer ungern auf einem Zahnarztstuhl Platz nimmt, dürfte mit Grauen an seinen nächsten Termin denken, denn in Daniel Ris‘ Interpretation geht es in Orins Praxis sehr brachial zu. Nach Maulsperren-Behandlungsvorbereitung des Patienten und dem ungewollten, gasbedingten Ableben des sadistischen Dental-Peinigers erscheint unerwartet ein masochistisch veranlagter Patient zum General-Sanierungstermin ohne Spritze, den zum Entzücken des Behandelten der im Arztkittel steckende Seymour als amateurhaft-rabiater Ersatz-Dentist vornimmt.

Ein weiteres prägendes Merkmal der Inszenierung ist die Illustration der Songs. So wird zum Beispiel bei „Jetzt hast du Seymour“ ein rotes Neon-Herz vom Schnürboden herabgelassen, an dem sich zwei echte Flammen entlangzündeln. Audreys Heile-Welt-Traum „Im Grünen irgendwo“ wird durch ein überdimensionales Familienfoto-Idyll auch für das Publikum optisch nachvollziehbar. Steven Koops in Pink gefließter Blumenladen, den die handelnden Personen stets mit einem gesprochenen „Ding-Dong“ betreten beziehungsweise verlassen, ist zentraler Spielort der Handlung, der durch aus der Garage im Hintergrund hereinfahrende Versatzstücke für die Zahnarztpraxis ergänzt wird. Gabriele Kortmanns Kostümbild ist bei den drei die Handlung begleitetenden Soulgirls ein grüner Pailletten-Rausch, die anderen Personen kleidet sie geschmackvoll zu den Charakteren passend, wobei sich das dank der geheimnisvollen Pflanze florierende Geschäft bei Audrey, Seymour und Mr. Mushnik in gediegener Eleganz widerspiegelt.    

Mit Ausnahme der drei gastverpflichteten Musical-Darstellerinnen Dominika Szymanska (Chrystal), Mona Maria Weiblen (Ronette) und Janneke Thomassen (Chiffon), die in den Choreografien von Julian Bender als hinreißende, stets gut informierte 1960er-Girlgroup-Blondinen über die Bühne schweben, stehen ausschließlich Mitglieder des hauseigenen Ensembles auf der Bühne. Richard Fuchs ist dabei fast schon eine Idealbesetzung des zunächst introvertierten, später aufgrund des Erfolgs auch zu mancher Schweinerei bereiten Botanik-Freaks Seymour. Fuchs moduliert seine Figur mit kleinen Gesten und singt sich mit großartiger Stimme zum Sympathieträger der Show. Audrey, Seymours heimlich angehimmelte Kollegin und Namenspatin für die geheimnisvolle Pflanze, ist in dieser Inszenierung alles andere als ein dümmliches Naivchen. Zwar trippelt auch Lene Juretzka über die Bühne, allerdings gibt sie eine junge Frau mit Visionen, die letztendlich im Schlund der Pflanze ihre Bestimmung im Grünen findet. Es ist einfach rührend, wenn sie mit ihrem feinen Musical-Sopran ihren Träumen Ausdruck verleiht.

Mirko Wanratz kämpft als griesgrämiger Mr. Mushnik ständig nicht nur mit einem bewusst schlecht sitzenden Toupet, sondern in seinen Sprechszenen auch mit einem vom Regisseur verordneten, nicht nachvollziehbaren, osteuropäischen Akzent, der allerdings im Gesang verschwindet. In der Rolle des Zahnarzt-Widerlings Orin glänzt Leon Haller nicht nur wegen seines schneeweißen Gebisses, sondern kann auch in Spiel und Gesang so richtig aufdrehen. Gleichzeitig zeigt der Darsteller in zahlreichen Episodenrollen seine schauspielerische Wandlungsfähigkeit.

Als wahrer Hingucker entpuppt sich nach der Pause die den Blumenladen dominierende Pflanze Audrey Zwo. Der unter dem Gewächs auf einer Drehscheibe sitzende Puppenspieler Colin Danderski verleiht der gefräßigen Monster-Pflanze mit den in wechselnden Farben leuchtenden Augen mit großem Körpereinsatz eine wirklich boshafte Präsenz, die Matthias Manz mit seiner von betörend linkisch bis forsch fordernd modulierbaren Stimme auch akustisch Leben einhaucht. Manz singt den scheinheiligen Botanik-Aggressor zudem mit röhrendem Bass-Bariton und ist zudem in diversen Episoden-Rollen fast im Dauereinsatz auf der Bühne.

Auf einer Empore oberhalb des Geschäfts ist die agile, fünfköpfige Band postiert, die in der besuchten Vorstellung von Jörg Kandl geleitet wird. Allerdings mögen sich die Musiker noch so sehr ins Zeug legen, die in der besuchten Vorstellung unzureichend abgemischte Tontechnik lässt sie blechern klingen und behindert auch die Textverständlichkeit. Dieser Makel liegt wie ein blutleerer Schleier über einem liebevoll inszenierten, optisch ansprechenden und hochkarätig besetzten Musical-Spaß, den die Show nicht verdient hat.  

Buch- und Liedtexte von Howard Ashman
Musik von Alan Menken
Deutsch von Michael Kunze nach dem Film von Roger Corman in einer Bearbeitung von Daniel Ris

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungJörg Kandl
Saessak Shin
InszenierungDaniel Ris
ChoreografieJulian Bender
BühnenbildSteven Koop
KostümbildGabriele Kortmann
 
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CAST (AKTUELL)
SeymourRichard Fuchs
AudreyLene Juretzka
Mr. MushnikMirko Warnatz
Orin, Penner 1, Kunde, Mrs. Luce, Mr. MartinLeon Haller
Pflanze
(Stimme), Prolog
(Stimme), Penner 2, Patient, Mrs. Bernstein
Matthias Manz
Pflanze
(Puppenspiel)
Colin Danderski
Soulgirl CrystalDominika Szymanska
Soulgirl RonetteMona Maria Weiblen
Soulgirl ChiffonJanneke Thomassen
BandSaessak Shin
(Jörg Kandl)
Friedemann Seidlitz
(Jörg Kandl)
Marc Dennewitz
(Christian Stoltz)
Oliver Klemp
(Philipp Hertrampf)
Paul Immel
  
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TERMINE
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 22.02.2025 19:30Hauptbühne, SenftenbergPremiere
Sa, 01.03.2025 19:30Hauptbühne, Senftenberg
So, 02.03.2025 15:00Hauptbühne, Senftenberg
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