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Musical Comedy

The Addams Family

Was ist schon normal?


© Hillebrecht
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Die Addams Family ist im Gandersheimer Dom eingezogen und geizt nicht mit lokalen Anspielung an die Kurstadt. Das Premierenpublikum feiert diese Momente ebenso wie den überwiegend starken Cast, der die (buchgegebene) dünne Handlung mit Temperament und viel Energie sehenswert durch den Abend trägt.

(Text: agu)

Premiere:22.06.2018
Rezensierte Vorstellung:22.06.2018
Dernière:05.08.2018


Sicherlich kann die Frage gestellt werden, warum Intendant Achim Lenz ausgerechnet ein Musical mit eher schwachem Buch vor dem Dom präsentiert. Als Regisseur hingegen arbeitet Lenz gewissenhaft und schafft viele starke Bilder mit dem einen oder anderen wohligen Schauer. Damit gleicht er den fehlenden Spannungsbogen der Vorlage aus. Marshall Brickman und Rick Elice haben zwar eine logische Aneinanderreihung von Szenen niedergeschrieben und die Addams Family selbst ist unbestritten eine spannende Familie. Allerdings lassen sie in ihrem Script größtenteils eindimensionale Figuren in einem oft vorhersehbaren Handlungsstrang aufeinander treffen. Mit kleinen unvorhersehbaren Anspielungen an die Kurstadt Bad Gandersheim garniert hingegen Lenz sein Werk. Dabei dürfen Spekulationen zum Dom selbst ebenso wenig fehlen wie z.B. zu den Plänen einer Landesgartenschau in Gandersheim.

Schauspielerisch getragen wird das Stück von Miriam Anna Schwan (Morticia Addams) und Susanna Panzner (Alice Beineke). Schwan beherrscht das feine Spiel ihrer Gesten perfekt. Mal mit nur einem strengen Blick, mal nach vorne gebeugt, beide Händen fest an der soliden Domwand gepresst, temperamentvoll und auch verletzlich. Immer elegant nimmt sie die Bühne mit Leichtigkeit für sich ein. Panzners Wandlung im Stück wird zu einem Fest und das Ensemble feiert mit ihr bildlich unter und auf dem Tisch.

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Lucas Baier gibt mit Gomez Adams den liebenden und etwas feigen Ehemann. Sein spanischer Akzent kann nicht darüber hinwegtäuschen, wer bei den Addams die sprichwörtlichen Hosen anhat. Baier überzeugt in seiner Rolle, auch wenn der Akzent hin und wieder etwas "too much" wirkt. Pugsley Addams wird in Gandersheim zum kleinen Rebell mit, Tolle, Lederbuchse und Fuchsschwanz. Stephan Luethy pubertiert und buhlt um die Gunst seiner Schwester. Dabei entwickelt er sich immer weiter zur "kleinen Rampensau".

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Florentine Kühne legt ihre Wednesday bitterkalt und trotzig an. Dadurch verliert die Figur ihren jugendlichen Charme und wird zu einer Karikatur ihrer selbst. Das verstärkt zwar die Hin- und Hergerissenheit Wednesdays, nimmt ihr allerdings wichtige Sympathiewerte. Das ist wohl auch der größte Kritikpunkt an der Inszenierung vor dem Dom. Hier könnte etwas weniger Trotz deutlich mehr Emotion entstehen lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Maskenbild die Figur unnötig stark altern lässt.

Fehmi Göklü ist in Gandersheim für die Absahnerrolle abonniert - und wenn er sie nicht bekommt, dann formt er sie. Es scheint, dass er das Strahlen des Kindes im Herzen seiner Rolle direkt auf sein eigenes Gesicht geholt hat. Freut sich "Onkel Fester", dann freut sich das Publikum mit ihm. Auch Jan Kämmerer gehört seit vielen Jahren zum Ensemble der Domfestspiele. In diesem Jahr ist er als Diener Lurch auf der Bühne. Immer um Ordnung bemüht, storkelt er dabei sympathisch-wortkarg über die Bühne. Er hat genau einen Song im Finale und beeindruckt hier mit einem erstaunlichen Ambitus. Sven Olaf Denkinger spielt Grandma. Eigentlich ist er Grandma: Denkinger kostet die Schrullen seiner Figur bis ins kleinste Detail aus, übertreibt hin und wieder - aber nie zu viel. Denkinger passt so perfekt in diese Rolle, dass sich fast schon die augenzwinkernde Frage stellt, warum Grandma eigentlich meist mit einer Frau besetzt wird.

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Marc Bollmeyer gelingt es den etwas morbiden Charme, den wohl jeder mit der Addams Family verbindet, in seinen Choreographien sichtbar zu machen. Schräge Kopfhaltung, nach unten gewinkelte Arme oder Hände und kleine Schritte prägen die Choreographie. Immer wieder steht die Addams Family so dicht beieinander, dass oftmals schon kleinste Bewegungen und Gesten der Darsteller reichen um große Wirkung zu erzielen. Besonders seine Finalbilder sind ein absoluter Hingucker.

Das Bühnenbild in Gandersheim ist wie bei vielen Freilichtbühnen üblich eher einfach aufgebaut. Sandra Beckers Augenmerk gilt mehr den Kostümen und Maskenbild. Sie sind urig und scheinen fast jedem der Charaktere auf den Leib geschnitten. Neben Pugsley stechen vor allem der, durch hohe Schulterpolster und langen Mantel verkleinerte, Onkel Fester und eine herrlich optisch-schrullige Grandma mit rotem Gesicht, Wuschelfrisur und Strickstulpen heraus. Zum Einsatz kommen auch kleine technische Gags. Natürlich ist der obligatorische Cousin Itt mit dabei, aber auch das eiskalte Händchen und ein kleines Krabbeltier haben einen kurzen Gastauftritt.

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Die Addams bekommen zudem auf der Bühne allerlei Soundeffekte zur Unterstützung. Die Töne sitzen passgenau und ersetzen sogar teilweise fehlendes Bühnenbild , in dem z.B. die nicht vorhandene große Eingangstür pantomimisch angeschoben lautstark krachend ins Schloss fällt. Unfertig scheint hingegen die Aussteuerung des Tons. Er wirkt insgesamt dumpf und verbessert sich im Laufe des Abends nur wenig. Besonders die Übertragung von Florentine Kühnes Gesang leidet darunter. Bedauerlich ist zudem, dass die Inszenierung auf Spezialeffekte verzichtet. So verpufft die Wirkung, wenn Pugsley direkt im Intro den Sprengknopf drückt und nur ein Explosionssound zu hören ist. Auch ein späterer Blitzeinschlag wäre sicherlich optisch durch mehr als ein Geräusch und einem unscheinbaren Lichtflackern lösbar gewesen.

Das Licht in Gandersheim ist wie jeher zweckmäßig ohne große Überraschungen. Die messerscharfen Spotkanten werden immer wieder zum Ärgernis, wirken sie doch eher als Licht einer Showrevue als zum Herausheben einzelner Darsteller. Wenn Onkel Fester im Finale zu seiner großen Liebe durchstartet, gelingt hier allerdings ein kleiner optischer Zauber.

Die Addams Family vor dem Gandersheimer Dom punktet mit viel Einsatz ihrer Darsteller. Das Buch ist und bleibt schwach, daran ändern auch die guten Regieeinfälle und der regionale Bezug nichts. Wer seichte Unterhaltung mit vielen skurrilen Momenten und einem ambitionierten Cast mag, ist vor dem Dom genau richtig.

(Text: Andreas Gundelach)






Kreativteam

Musik / TextAndrew Lippa
BuchMarshall Brickman
Rick Elice
InszenierungAchim Lenz
Musikalische LeitungPatricia Martin
ChoreografieMarc Bollmeyer
AusstattungSandra Becker


Besetzung

Gomez AddamsLucas Baier
Morticia AddamsMiriam Anna Schwan
Wednesday AddamsFlorentine Kühne
Pugsley AddamsStephan Luethy
GrandmaSven Olaf Denkinger
Onkel FesterFehmi Göklü
LurchJan Kämmerer
Mal BeinekeGuido Kleineidam
Alice BeinekeSusanna Panzner
Lucas BeinekeJan Rogler




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Ein toller Abend mit viel schwarzem Humor

24.06.2018 - Eines möchte ich vorweg gleich sagen: Die Darsteller waren alle toll. Hier durfte mal gezeigt werden, wer schauspielerisch etwas auf dem Kasten hat. Man merkte, dass die Darsteller selbst Spass an Ihren Rollen haben und es war ein tolles Ensemble. Lucas Baier als Gomes war wirklich grandios und eine richtige, komödiantische Überraschung für mich. Aber ich fand sie alle toll und gut besetzt. Die Kostüme haben gepasst und ein bisschen Kulisse gab es auch fürs Auge. Mein Fazit: Toller Abend, mit tollen Schauspielern in einem lustigen Stück mit flacher Handlung, aber trotzdem rundum gelungen.

WickedAwsome (6 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Zwei Welten treffen in guter Inszenierung mit tollen Choreographien und einer Prise Lokalhumor aufeinander.

23.06.2018

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